Grafschafter Schulgeschichte

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Das Lesebuch in den Grafschafter Schulen

von Heinrich Specht

Manche Geschichte der Pädagogik berichtet uns, dass das Schulkind in den früheren Jahrhunderten nach dem Gebrauch der Fibel gleich die Bibel als Lesebuch in Benutzung genommen haben soll,  da es Lesebücher, wie wir sie heute kennen, noch nicht gab. Erst Rochow soll dann zur Zeit des Siebenjährigen Krieges durch Herausgabe seines Kinderfreundes die Lücke zwischen Fibel und Bibel ausgefüllt haben. Für die Grafschaft stimmt diese Darstellung nicht. Schon lange vor Rochow saßen die Kinder der Heimat vor einem Lesebuch, das sich betitelte "Spiegel der Jeugd" van de Neederlandsche Oorlogen, verfasst von Pastor Joannes Gijsins und 1610 erschienen war. Es führte im Volksmunde den Namen Spaansche Tyrannje und behandelte den Freiheitskampf der Niederländer. Als später in den Eroberungskriegen Ludwigs XIV. (1672 bis 78) die Niederländer wieder in harte Bedrängnis gerieten, löste ein zweites geschichtliches Lesebuch - die Fransche Tyrannje - das erste ab. Im Jahre 1796 gelangte weiter durch die Matschapij tot nut van´t Algemeen (Amsterdam) eine Nachahmung von Cruses Robison betietelt, Geschiedenes van Jozef, in den Grafschafter Schulen zur Einführung.

Der Form nach an die Geschidenes van Jozef anknüpfend, dem Inhalte nach an die Spaansche Tyrannje verfasste 1820 der Wilsumer Prediger  W. J. Visch ein "Schulbuch über die Geschichte der Grafschaft". Es wurde nach den Freiheitskriegen, die den geschichtlichen Sinn auf das neue belebt hatten, begeistert aufgenommen. Am 18. September 1820 gestattete der Oberkirchenrat den Druck des Buches und am 23. August 1821  verfügte ein Reskript seine Einführung. Es hielt sich neben neueren Erscheinungen lange in den Schulen des Kreises und erzählte der Jugend über die Trachten, Sitten, Gebräuche  und über das Kriegswesen der Altvordern, sowie über die Urnenfriedhöfe und die Einführung von Kaffee und Tee, daneben führte es der Jugend  die Geschichte der Ortschaten vor Augen. -

Erst 85 Jahre später erschien wieder ein Büchlein, das der Jugend die Geschichte des Landes in großen Zügen darbot. Es war die Heimatkunde von dem rührigen Schriftführer des Heimatvereins, Herrn Rektor L. Weduwen-Bentheim, der sich um die Förderung der Heimatbewegung große Verdienste erworben hat. Diese Heimatkunde ist vergriffen. An die Stelle soll nun nach einem Zeitraum von 26 Jahren "Das Bentheimer Land" treten, wovon das erste Heft vorliegt. Hoffentlich ist es uns möglich, auf die gedachte und hier bereits näher skizzierte Weise die Landeskunde herauszubringen, damit unsere Jugend etwas in Händen hat, das sie mit Hof und Heimat verbindet.

Quelle: Der Grafschafter, März 1925