Grafschafter Schulgeschichte

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Landwirtschaftsschule Bentheim

Vorbemerkung
Die Landwirtschaftlichen Berufs-, Berufsfach- und Fachschulen in der Grafschaft Bentheim sind aus zwei unterschiedlichen Schulformen entstanden,
- aus den Landwirtschaftsschulen, die 1903 gegründet wurden und überwiegend in der Trägerschaft der Landwirtschaftskammern standen, und
- aus den Landwirtschaftlichen Berufsschulen, die sich 1938 aus den Ländlichen Fortbildungsschulen entwickelt haben und unter der Aufsicht des Staates standen.
Hieraus entstanden 1976 die Landwirtschaftlichen Berufs-, Berufsfach- und Fachschulen. Mit der Einführung des BGJ ab 1978 fand eine Umorganisation des Berufsschulwesens in Nordhorn statt. Der Fachbereich Agrarwirtschaft wurde zunächst mit allen Schulformen bei den Gewerblichen Berufsbildenden Schulen (GBS) geführt, um dann 1988 den Hauswirtschaftlichen Berufsbildenden Schulen (HBS) zugeordnet zu werden.

Dieser Abschnitt geht auf die Geschichte der Landwirtschaftsschule Bentheim ein.

1926 - Bisher gingen die Schüler aus der Obergrafschaft  zur Landwirtschaftsschule Neuenhaus. Da der Weg von der Obergrafschaft nach Neuenhaus, der nur mit der Bentheimer Eisenbahn zurückgelegt werden konnte, zu weit und zu umständlich war, wurde seit langem der Aufbau einer Landwirtschaftsschule in Bentheim angestrebt. Für die Einrichtung der Schule setzte sich  besonders der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisvereins, Hofbesitzer Schütte, ein. Am 2. November 1926 kann dann endlich in Bentheim die Landwirtschaftsschule eröffnet werden. Der Unterricht beginnt mit 37 Schülern (nach Angaben von Geert Vischer mit  54 Schülern) zunächst im Franziskus-Gesellenheim in der Schlossstraße 11, einem Gebäude des Fürsten in der Nähe der Bentheimer Burg. Leiter der Schule ist Direktor Lange, später bis 1943 der Landwirtschaftsrat Dr. Sannes.  Die Schule wird in einklassiger Form geführt, im 1. Winterhalbjahr die Unterstufe, im 2. Winterhalbjahr die Oberstufe.

1943 - Kriegsbedingt wird der Unterricht eingestellt. Aus der Zeit von 1926 bis 1943 gibt es außer Schülerlisten keinerlei Unterlagen. Sie sind vermutlich von polnischen Soldaten, die hier einquartiert waren, vernichtet worden. Nach der Freistellung des Gebäudes werden jedoch umfangreiche Sammlungen von Modellen, Karten, Chemikalien und weiteren Anschauungsobjekten gefunden. Hieraus wird deutlich, dass die Schule sehr gut ausgestattet war.

1946 - Nach Kriegsende wird der Unterricht im Winterhalbjahr 1946/47 wieder aufgenommen. Die Schule besuchen 44 Schüler. Schulleiter von 1946 bis zu seinem plötzlichen Tode 1950 ist Landwirtschaftsrat Gustav Goedeking. 1946 wird auch eine Mädchenabteilung an der Landwirtschaftsschule eingerichtet. Auch hier wird der Unterricht in halbjährlichen Winterkursen durchgeführt. Die erste Leiterin der Mädchenabteilung ist Frau Grotegut.

1953 - Von 1953 bis 1962 ist der Landwirtschaftsrat Helmut Vogt Schulleiter der Landwirtschaftsschule.

1957 - Nach langen Vorbereitungen kann im Jahre 1957 ein Neubau an der Schüttorfer Straße bezogen werden. Damit ist die bisherige provisorische Enge überwunden. Die Klassenfrequenz beträgt 42 Schüler. Nicht nur die Hoferben, sondern auch die nachgeborenen Söhne machen von der Bildungsmöglichkeit Gebrauch. Die Mädchenabteilung zieht ebenfalls in den Neubau um. Es wird ein Internat für etwa 10 Mädchen eingerichtet. Bis zur Auflösung der Schule hat Frau Elfried Frederich die Leitung.

 

Bild: Archiv Heinz Ragnitz

1963 - Nachfolger von Herrn Vogt als Schulleiter wird der Landwirtschaftsassessor Dr. Schwerk.

1966 - Die Schülerzahlen sind bis auf 11 abgesunken. Ursache für den Rückgang der Schülerzahlen ist einerseits, dass die nachgeborenen Söhne andere Berufe anstreben, andererseits, weil aufgrund des Strukturwandels in der Landwirtschaft viele Betriebe keine Vollexistenz mehr erwarten lassen und die Nacherben nicht mehr bereit sind, den elterlichen Hof zu übernehmen. Es gibt genügend andere Erwerbsquellen, die zukunftssicherer sind. Die Schule muss deshalb geschlossen werden. Die Hoferben sind deshalb gezwungen, zur Landwirtschaftsschule nach Neuenhaus zu fahren, was jedoch durch die Motorisierung jetzt einfacher ist. Die Schule besuchten in den 40 Jahren ihres Bestehens 371 Schüler bis 1943 und 342 Schüler ab 1946, zusammen 713 Schüler. Die Gebäude stehen danach  der Musikschule Obergrafschaft zur Verfügung. Heute ist dort die Grundstufe der Eylardusschule Gildehaus untergebracht.

2010 - Wiedersehensfeier nach 50 Jahren
Zu einer großen Wiedersehensfeier kommt es im September 2010 im Ferienressort Bad Bentheim beim Gut Langen von rund 50 ehemaligen Schülern, die vor 50 Jahren (1960) aus der Landwirtschaftsschule Bad Bentheim entlassen wurden. Es erfolgt ein reger Gedankenaustausch. Man erinnert sich an viele schöne Begebenheiten, die man während der Schulzeit erlebt hat. Erfreut sind die damaligen Schüler insbesondere darüber, dass der damalige Lehrer Geert Fischer und zwei Lehrerinnen an diesem Treffen teilnehmen (GN, 15.9.2010).

2012 - Klassentreffen nach 50 Jahren
50 Jahre nach dem Abschluss an der Landwirtschaftsschule in Bad Bentheim trafen sich rund 40 ehemalige Schüler zu einer Wiedersehensfeier. Besonders erfreut waren die Teilnehmer, dass ihnen ihr ehemaliger Lehrer, der 89-jährige Oberstudienrat Geert Vischer, einen Besuch abstattete. Er wies während seines Besuches darauf hin, dass sich die Zeiten in der Landwirtschaft seit den 1960er Jahren erheblich verändert hätten. (GN, 2.3.2012)

Quellen:

- 100 Jahre Einjährige Fachschule Agrarwirtschaft im Landkreis Grafschaft Bentheim, 2004,
hier: Wilhelm Löffers, 100 Jahre Landwirtschaftsschule
- Geert Vischer, Die Landwirtschaftsschule Bentheim