Grafschafter Schulgeschichte

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Hauswirtschaftliche Berufsbildende Schulen

1. Von den Anfängen 1966 bis  1993

Vorgeschichte
Die Hauswirtschaftlichen Berufsbildenden Schulen haben zwei Wurzeln, die ländliche und die städtische Hauswirtschaft, auf die in der Darstellung der Vorgeschichte getrennt eingegangen werden soll.

1. Ländliche Hauswirtschaft
1937 wird an der Landwirtschaftsschule Neuenhaus (siehe: BS3) eine Mädchenabteilung eröffnet, von 1946 bis 1966 auch an der Landwirtschaftsschule Bentheim (siehe: BS4). An den Landwirtschaftlichen Berufsschulen (siehe: BS5) wird 1947 in Uelsen, 1954 in Veldhausen und 1958 in Emlichheim mit dem Unterricht in Ländlicher Hauswirtschaft begonnen.
Am 1. Mai 1956 werden die Landwirtschaftlichen Berufsschulen im Landkreis Grafschaft Bentheim zu einer Schule vereinigt. Die einjährigen Berufsfachschulklassen der Ländlichen Hauswirtschaft werden in Nordhorn und Emlichheim eingerichtet. Der Besuch dieser Klassen wird als erstes Lehrjahr anerkannt oder befreit die Schülerinnen von der weiteren Berufsschulpflicht, sofern sich keine Lehre anschließt. Mit der Auflösung der Landwirtschaftlichen Berufs-, Berufsfach- und Fachschulen am 1. August 1978 wird die Abteilung Landbau von den Gewerblichen Berufsbildenden Schulen , die Abteilung Hauswirtschaft von den  Hauswirtschaftlichen Berufsbildenden Schulen übernommen.

2. Städtische Hauswirtschaft
Die Anfänge der städtischen Ausbildung im Bereich Hauswirtschaft gehen auf das Jahr 1939 zurück. Nach Einführung einer Haushaltungsklasse folgt 1940 die Kinderpflegerinnenklasse. Nach dem Kriege wird 1950 die Frauenfachschule eingeführt (siehe: BS2 - Berufs-, Berufsfach- und Fachschulen in Nordhorn).

Mit Wirkung vom 1. April 1964 ordnet der Regierungspräsident die Zusammenlegung der Kreisberufsschule (siehe: BS1) und der Städtischen Berufs-, Berufsfach- und Fachschulen Nordhorn (siehe: BS2) an. Es erfolgt folgende Gliederung:

  1. Eine Anstalt mit gewerblicher Berufsschule, Hauswirtschaftlicher Berufsschule und den Berufsfach- und Fachschulen.

  2. Eine Handelslehranstalt.

Der Leiter der gewerblichen und hauswirtschaftlichen Berufsschule ist Berufsschuldirektor Scholle. Ab 1. April wird Neuenhaus als Schulort aufgehoben. An den beiden anderen Schulorten, in Nordhorn und Bentheim, bleiben alle drei Sparten der Berufsschule bestehen (GN, Ende März 1964).

Die Neuordnung des Berufsschulwesens wird zum 1. Juli 1964 durch die Bildung der beiden Schulen in der Trägerschaft des Berufsschulzweckverbandes vollzogen. 1966 wird dann die Hauswirtschaftliche Abteilung zur selbstständigen Schule. Die Landwirtschaftlichen Berufsschulen (siehe: BS5) bilden schon seit 1956 eine eigene Schule unter Leitung von Wilhelm Horstmeyer.

1966 - Die bisherige hauswirtschaftliche Abteilung der Berufs-, Berufsfach- und Fachschulen erhält als selbstständige Schule den Namen "Hauswirtschaftliche Berufs-, Berufsfach- und Fachschulen".

1967 - Am 1. April 1967 wird Frau Oberstudiendirektorin Ruth Gätcke die Schulleitung übertragen.

1968 - Die bisherige Höhere Frauenfachschule heißt jetzt Gymnasium - hauswirtschafts- wissenschaftlicher Typ. Sie führt zur fachgebundenen  Hochschulreife. Hierzu erklärt Frau Direktorin Gätcke: "Das Gymnasium - hauswirtschaft- wissenschaftlicher Typ - soll den Schülerinnen eine gehobene Allgemeinbildung in Verbindung mit der Fachbildung vermitteln. Es führt zu einer fachgebundenen Hochschulreife, die zum Studium  der Hauswirtschaftswissenschaft, für das Gewerbelehramt des höheren Dienstes - Fachrichtung Hauswirtschaft - und an Pädagogischen Hochschulen berechtigt" (GN, 5.10.1968).

1969 - In einem 3. Bauabschnitt des Berufsschulzentrums "Am Bölt" wird das Gebäude der HBS errichtet. 1970 wird dann das Berufsschulzentrum offiziell seiner Bestimmung übergeben. Zu den HBS gehören die Schulformen:
- Zweijährige Berufsfachschule Hauswirtschaft,
- Zweijährige Berufsfachschule Kinderpflegerinnen,
- Zweijährige Fachschule Hauswirtschaft (vorher: Frauenfachschule).

1972 - Die Zweijährige Fachschule Sozialpädagogik wird ab Schuljahr 1972/73 eingerichtet. Nach Osnabrück und Lingen ist es die dritte derartige Schule im Regierungsbezirk. In die zweijährige Ausbildung an der neuen Fachschule werden verschiedene Praktika eingebaut. Im ersten Ausbildungsjahr  müssen die Schüler bei Kleinkindern und im zweiten Jahr bei schulpflichtigen Kindern (beispielsweise in Jugendgruppen) praktizieren (GN, 26.2.1972).
Durch den Besuch der Fachschule wird die Erzieherausbildung ermöglicht. Sie ist wie folgt strukturiert:
- Vorpraktikum im sozialpädagogischen Arbeitsfeld,
- zweijährige berufliche Ausbildung,
- Anerkennungsjahr (Berufspraktikum).
Abschluss: Staatliche Anerkennung als Erzieher,
durch Ausbildung und Prüfung im Wahlpflichtangebot Mathematik und Englisch Erwerb der Fachhochschulreife.

1976 - Nach Einführung des Fachgymnasiums Hauswirtschaft  bringt die Reform der Gymnasialen Oberstufe im Sekundarbereich II die Änderung, dass der Schulabschluss die uneingeschränkte Hochschulreife vermittelt. Die drei Fachgymnasien im Berufsschulzentrum vereinbaren, den Unterricht in der Oberstufe in enger Kooperation anzubieten (GN, 29.11.1975).

1978 - Die Schule wird um den Ausbildungsgang "Einjährige Hauswirtschaftliche Berufsfachschule für Realschulabsolventen" erweitert. Der erfolgreiche Abschluss ermöglicht u.a. die Ausbildung zur Hauswirtschaftsleiterin, den Besuch der Klasse II der Berufsfachschule Haus- und Familienpflege und den Besuch weiterführender Schulen (Fachoberschulen, Fachschulen, Fachgymnasium).

Nach Auflösung der Landwirtschaftlichen Berufs-, Berufsfach- und Fachschulen mit Wirkung vom 1.8.1978 wird die Abteilung Landbau  von den Gewerblichen Berufsbildenden Schulen , die Abteilung Hauswirtschaft von den  Hauswirtschaftlichen Berufsbildenden Schulen übernommen.

1988 - Mit der Diskussion um die Einführung des Berufsgrundbildungsjahres (BGJ) Agrarwirtschaft ab 1.8.1978 fand eine Umorganisation des Berufsschulwesens in Nordhorn statt. Der Fachbereich Agrarwirtschaft wurde mit allen Schulformen an den Gewerblichen Berufsbildenden Schulen weitergeführt. Das BGJ Agrarwirtschaft wurde in Nordhorn am 1.8.1979 eingeführt.

Am 1.8.1988 wechselt dann der gesamte Fachbereich Agrarwirtschaft an die Hauswirtschaftlichen Berufsbildenden Schulen, die den Zusatz "Agrarwirtschaft und Sozialpädagogik" erhalten. Schulstandort ist das Gebäude in der Bachstraße. Die Koordination des Fachbereichs Agrarwirtschaft obliegt Herrn H. Brinkmann.

Das Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) wird eingerichtet. Es ist für Schulabgänger vorgesehen, die aufgrund von Lernbeeinträchtigungen noch nicht für eine Berufsausbildung geeignet sind. Es werden im Bereich der Hauswirtschaft berufsspezifische Kenntnisse und Fertigkeiten zur Vorbereitung auf die Berufs- und Arbeitswelt vermittelt.

1989-1990 - 1989 wird die "Berufsfachschule Sozialpflege für Realschulabsolventen", 1990 die "Zweijährige Berufsfachschule Sozialpflege" eingerichtet.

1993 - Frau Oberstudiendirektorin Ruth Gätcke wird im August 1993 in den Ruhestand verabschiedet. Sie war 26 Jahre an den HBS als Schulleiterin tätig. Nach kommissarischer Leitung der Schule durch Frau Studiendirektorin Erika Meier-Schinke wird im Juni 1995 Frau Oberstudiendirektorin Islind Sieking als neue Schulleiterin eingeführt.

Quellen:

  • Wilhelm Horstmeyer, Von der Ländlichen Fortbildungsschule zur Landwirtschaftlichen Berufs-, Berufsfach- und Fachschule , 2003

  • 100 Jahre Einjährige Fachschule Agrarwirtschaft im Landkreis Grafschaft Bentheim, 2004,
    hier:   Heinrich-Jürgen Brinkmann, Die einjährige Fachschule Landbau bzw. Landwirtschaft

  • Chronik der Berufsbildenden Schulen des Landkreises Grafschaft Bentheim in Nordhorn, 2004

  • Informationsmappe HBS, 2006

  • HBS-Newsletter, ab 12/2007

  • Artikel aus der örtlichen Presse, im Text angegeben.