Grafschafter Schulgeschichte

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Volksschule Sieringhoek

- 1796 Bauerschaftsschule; 1966 Grundschule; 1977 Auflösung

1797 - Ende des 18. Jahrhunderts kommt es zu eigenen, wenn auch bescheidenen Unterrichtsstätten auf dem Lande. Dagegen wendet sich das Ortskonsistorium in Gildehaus, weil der Lehrer in Gildehaus dann auf das Schulgeld der Kinder verzichten muss. Eine gewisse Abkehr von dieser Haltung lässt das Ortskonsistorium erkennen, als es auf eine Beschwerde des Schulmeisters Zwitzers in Gildehaus entgegnet, dass "Schulen in Bauerschaften überaus nützlich wären". Anlass für diese Auseinandersetzung ist die Einrichtung der Schule in Sieringhoek im Jahre 1797, die unter Umgehung des örtlichen Kirchenrates vom Oberkirchenrat genehmigt wird. Vorher besuchten  die Kinder aus der Bauerschaft die Haupt- oder Kirchspielschule in Gildehaus, die schon in Kirchenrechnungen aus den Jahren 1569 und 1583 genannt wird.

Nach der Antragstellung der "Eingesessnen" von Sieringhoek wird das Schulgebäude 1796 gebaut. Es ist ein mit Ziegeln gedeckter Fachwerkbau, der den Eingang zur Südseite und an allen vier Seiten zusammen acht kleine Fenster hat. Das Gebäude ist etwa 6 m lang und 5 m breit und bietet angeblich 50 bis 60 Kindern Platz. An der Westseite des Klassenraumes stehen fünf und an der Ostseite vier Bänke. Das Katheder befindet sich an der Nordseite und der Ofen in der Mitte des Raumes.

An der Schule unterrichtet Jan Wieking, der 1773 in Gildehaus geboren wurde. Am 29. Januar 1806 wird er in Gildehaus zum Küster gewählt. Er stirbt 1822 in Gildehaus,

Eine geordnete Lehrerausbildung gibt es zu der Zeit nicht. Angehende Lehrer gehen in der Regel bei einem erfahrenen "Mester" in die Lehre. Die Bewerber um eine Schulstelle werden vom Kirchenrat geprüft. Sie müssen ihre Fähigkeiten im Lesen, Schreiben, Rechnen, Vorlesen und Vorsingen sowie ihre Kenntnisse in Religion nachweisen. Bei Eignung schlägt der Ortskirchenrat dem Oberkirchenrat den Bewerber als Lehrer vor, der ihn dann in der Regel bestätigt.

1826 - Der Oberkirchenrat spricht sich dafür aus, "die bisherige Einteilung der hiesigen Schulbezirke (als) den örtlichen Bedürfnissen am meisten entsprechend" beizubehalten. Neben der Hauptschule in Gildehaus sollen die vier vorhandenen Nebenschulen in den Bauernschaften Sieringhoek, Bardel, Waldseite und Holt und Haar bestehen bleiben. Der Vorschlag, die Volksschule Sieringhoek zur Hälfte mit der Hauptschule Gildehaus zu vereinigen, wobei die andere Hälfte nach Bentheim hätte umgeschult werden müssen, wird abgelehnt. Ebenso spricht sich der Oberkirchenrat gegen weitere Schulen in diesem Bereich aus (siehe: Voort, Seite 189).

1836 - Es ist eine Reparatur am Schulgebäude erforderlich. Außerdem wird ein neuer Flur erbaut, der 40 Reichstaler kostet.

1840 - Für jedes Kind muss vor 1840  wöchentlich ein Stüber (8 Pfennig) gezahlt werden. Für Bedürftige übernimmt die Armenkasse der Kirchengemeinde die Zahlung. Der Unterricht findet nur im Winter statt. Es werden 26 Stunden in Religion, Lesen, Schreiben, Rechnen und Singen erteilt. Der Lehrer wird von der Schulgemeinde gewählt. Die Wahl wird vom Kirchenrat Gildehaus dem Oberkirchenrat in Nordhorn zur Entscheidung vorgelegt.

Im Jahre 1840 ist in Sieringhoek Lehrer H. Dalenbrook tätig. Das Diensteinkommen des Lehrers wird geändert. Er bekommt ein festes Gehalt von jährlich 44 Reichstalern und 18 Groschen (133,80 Mark). Außerdem erhält er sämtliche Hand- und Spanndienste zur Bestellung seines Ackers. Diese Änderung ist auf eine Anweisung der Behörde zurückzuführen. Das Amt Bentheim hatte 1837 der Landdrostei in Osnabrück berichtet, dass "im hiesigen Amtsbezirk die Landbewohner auf einzelnen zerstreut liegenden Höfen wohnen" und eine Bauerschaft eine "bedeutende Ausdehnung" erlangen könne. Und das bedeute, dass wenig Kinder die Schule besuchen und die Lehrer wenig Geld bekommen würden. Eine Vereinbarung zwischen Gemeinde und Lehrer über die Höhe des Einkommens sei deswegen zu treffen (nach: Zager, a.a.O. Seite 131).
Die Schule wird von durchschnittlich 44 Schülern besucht.

1863 - Lehrer Dahlenbrook bekommt 1863 mit dem Schulamtsbewerber B. Fullenbrook einen Gehilfen. Dieser wird 1866/67 sein Nachfolger. Dessen  Gehalt beträgt jetzt 360 Mark jährlich.

1870 - Lehrer Fullenbrook bleibt nur wenige Jahre in Sieringhoek und geht 1870 nach Thuine. Es folgt von 1870 bis 1872 Lehrer Heinrich Johann Volkers aus Emlichheim. Sein Gehalt beträgt 450 Mark jährlich. Er geht dann in die Nähe von Göttingen und kommt 1874 in die Grafschaft nach Ohne zurück,wo er bis 1912 als Lehrer tätig ist und dort 1937 stirbt.

1872 - Die Stelle in Sieringhoek wird mit dem Lehrer Bernd Schulte-Westenberg aus Westenberg besetzt. Sein Gehalt beginnt mit 480 Mark  ansteigend bis 900 Mark jährlich, außerdem erhöht sich die Dienstalterszulage von 90 bis auf 400 Mark.

Nach den Allgemeinen Bestimmungen vom 15. Oktober 1872 sind Lehrgegenstände in den Volksschulen: Religion, Sprechen, Singen, Lesen, Schreiben, Rechnen und Realien, dazu Raumlehre und Naturkunde; für Knaben Turnen, für Mädchen weibliche Handarbeiten. Die Stundenzahlen betragen wöchentlich im Winterhalbjahr: Mittel- und Oberstufe 30 Stunden, im Sommerhalbjahr: Oberstufe 20 Stunden, Mittelstufe 26 Stunden; in der Unterstufe durchgehend 12 Stunden.

Schulfreie Tage sind des Kaisers Geburtstag am 27. Januar und der Sedanstag am 2. September. Außerdem müssen besondere "vaterländische Gedenk- und Erinnerungstage" eingehalten werden:

10.03.1876:   100-jähriger Geburtstag von Königin Luise von Preußen
10.11.1883:   400-jähriger Geburtstag von Martin Luther
04.01.1886:   Jubiläum des Kaisers Wilhelm I.
22.03.1888:   Gedächtnisfeier zum Tode des Kaisers Wilhelm I.
15.06.1888:   Gedächtnisfeier zum Tode Friedrich I.
09.12.1894:   300-jähriger Geburtstag von Schwedenkönig Gustav Adolf
18.01.1896:   25 Jahre Deutsches Reich
16.02.1887:   400-jähriger Geburtstag von Philipp Melanchton
22.03.1897:   100-jähriger Geburtstag von Kaiser
Wilhelm I.

1878 - Bei der Schule baut die Gemeinde ein Wohnhaus für den Lehrer und seine Familie. Es ist das erste Lehrer-Wohnhaus in Sieringhoek. Es enthält neben den Wohnräumen die Waschküche und eine Diele mit Ställen. Außerdem werden 10 Obstbäume gepflanzt und ein Gemüsegarten angelegt.

Die alte, kleine Schule wird abgerissen. Die neue Schule erhält massive Wände und ist 11 m lang und 7 m breit.

1895 - Die Volkszählung ergibt für Sieringhoek 330 Einwohner (170 männlich, 160 weiblich).

Lehrer Schulte-Westenberg unterrichtet ingesamt 50 Schulkinder. Die acht Jahrgänge hat er in Ober-, Mittel- und Unterstufe geteilt. Er unterrichtet die Oberstufe 20 Std. vormittags, die Mittelstufe 16 Std. und die Unterstufe 12 Std. nachmittags.

1901 - Lehrer Schulte-Westenberg tritt am 1. Januar 1901 in den Ruhestand. Nachfolger wird Lehrer Köster, der vorher bis 1898 in Getelomoor und dann in Holt und Haar tätig war.

Im Winter 1901/02 richtet er eine Fortbildungsschule ein, die von 11 Jugendlichen und Erwachsenen besucht wird. Er unterrichtet Deutsch und Rechnen. Im Winter 1903/04 nehmen acht Personen teil, die in den Fächern Deutsch, Rechnen, Religion und Naturgeschichte unterrichtet werden.

Im Frühjahr 1902 legt Lehrer Köster eine Obstbaumschule an und führt die drei oberen Jahrgänge in den Anbau und die Pflege von Obstbäumen ein.

1904 - Die Schule wird regelmäßig durch den Ortsschulinspektor, 1904 Pastor Cuno aus Gildehaus, und zwischendurch auch durch den Kreisschulinspektor, 1904 Pastor Stockmann aus Bentheim, revidiert. Am 29. Februar 1904 findet eine Inspektion durch den Kreisschulinspektor statt, die von 8.30 - 12.00 Uhr dauert. Die Kinder der Oberstufe werden in vier Fächern mit folgenden Themen geprüft:

Biblische Geschichte:

Zachäus, Einteilung der Bibel,
Kirchenlied: Eines wünsche ich mir ...
Katechismusfragen: 20, 26, 28.

Deutsch:

Des Sängers Fluch, Sprachlehre

Rechnen:

1. Abteilung: Rabattrechnen,
2. Abteilung: Subtraktion ungleichnamiger Brüche und gemischter Zahlen,
3. Abteilung: Multiplikation eines Dezimalbruches mit einer dreistelligen Zahl.

Erdkunde/ Geschichte

Deutschlands Flüsse Ems und Rhein

1905 - Es erfolgt der Umbau des Lehrerhauses, wofür die Königliche Regierung eine Beihilfe von 200 Mark bewilligt. Der Rest wird von der Sparkasse Bentheim ausgeliehen. Die Hälfte der Dreschdiele wird in eine größere Stube, die bisherige Küche in eine Wohnstube und die Waschküche in eine Kochküche umgewandelt.

1910 - Die Regierung ordnet den ungeteilten Unterricht an. Alle Kinder kommen vormittags zur Schule. Der Nachmittagsunterricht entfällt.

1911 - Nachfolger von Lehrer Köster, der am 1. April nach Kalle versetzt wird, wird Lehrer W. Horstmann, der seit 1906 in Hardingen tätig und dann ein Jahr beim Heeresdienst war. In der Schulchronik werden die Wegeverhältnisse als sehr schlecht bezeichnet. Die Kinder kommen häufig mit nassen Füssen zur Schule.

Der Sedan-Tag wird am 3. Sepember erstmalig mit einem Spielfest auf dem Hof Dalenbrock gefeiert. Lehrer Horstmann hält dabei eine Ansprache und die Kinder tragen Gedichte vor. Im Dezember feiern die Schüler und Eltern erstmalig ein "Tannenbaumfest".
Vor dem 1. Weltkrieg liegt die Schülerzahl zwischen 50 und 60.

1914 - Aus dem Sammelerlös von Schulfesten im Sommer und Weihnachten (Tannenbaumfeier) wird die Schülerbücherei erweitert. 1914 sind etwa 150 Bändchen vorhanden. Die Schulkinder und auch die Gemeindeangehörigen benutzen fleißig die Bücherei.

1915 - 1919 - Am 15. Januar 1915 wird Lehrer Horstmann zum Wehrdienst einberufen. Nach kurzer Vertretungszeit von Gildehaus aus müssen die Schüler der Mittel- und Oberstufe von Ostern 1915 bis Januar 1919 wegen Lehrermangels teils nach Gildehaus, teils nach Bentheim, je nach Wohnlage, zur Schule gehen. Die Unterstufe bleibt in Sieringhoek und wird vertretungsweise von den Nachbarschulen aus versorgt. Ab 3.1.1919 ist Lehrer Horstmann wieder in Sieringhoek tätig.

1921 - Nachfolger von W. Horstmann, der nach Ueffeln bei Bramsche versetzt wird, wird der Lehrer Paul Adam, der vorher bei Bersenbrück tätig war und bis 1943 an der Schule bleibt.

Die Volksschule Sieringhoek besuchen 43 Schüler. Die Schülerzahl sinkt in den folgenden Jahren ab und erreicht im Schuljahr 1927/28 mit 28 ihren niedrigsten Stand.

Lehrer Adam unternimmt mit den Schülern Ausflüge und Wanderungen in die Umgebung. U.a. fährt er 1922 mit ihnen in den Teutoburger Wald und nach Osnabrück, 1925 nach Münster. Andere Ausflüge führen ins Grenzgebiet des Nachbarlandes. Ab 1925 besuchen die Schüler der Mittel- und Oberstufe die Aufführungen der Freilichtbühne Bentheim.

1931 - Durch die Gemarkung wird eine feste Straße gebaut. Es werden auch mehrere Straßen verlegt und verbessert. Bei dieser Gelegenheit erhält die Schule einen gut planierten, rechteckigen Schulplatz, auf dem auch Ballspiele ausgeführt werden können.

1936 - Die Gemeinde erhält einen Zuschuss, so dass das Lehrerhaus umgebaut werden kann. Es erhält eine Zentralheizung. Der vorgesehene Ausbau des Schulgebäudes kann wegen des Ausbruchs des 2. Weltkrieges nicht mehr in Angriff genommen werden.

1939 - 1945 - In den ersten Jahren des 2. Weltkrieges kann der Unterricht fast unbehindert weitergeführt werden. Als 1943 durch Einberufungen zur Wehrmacht Lehrermangel entsteht, wird die Schule geschlossen. Lehrer Adam wird nach Halle bei Uelsen abgeordnet. Die Sieringhoeker Schüler müssen wieder die Schulen in Gildehaus und Bentheim besuchen.

Nach dem Kriegsende wird der Unterricht im Herbst 1945 wieder aufgenommen. Zunächst sind nacheinander mehrere Lehrkräfte kurze Zeit an der Schule tätig. Die Stelle wird dann dem Lehrer Heinrich Wolf übertragen, der nach seiner Entlassung aus dem Militär nicht nach Schlesien zurückkehren kann.

1950 - Der Inhaber der Schulstelle, Lehrer Adam, der von 1921 an in Sieringhoek unterrichtete und auch hier wohnt, tritt am 15. Mai 1950 wieder in den Schuldienst ein, erhält zunächst eine Stelle in Nordhorn und wird im Herbst 1950 nach Venne im Kreis Wittlage versetzt.

Als Lehrer Wolf im Mai 1950 nach Bathorn versetzt wird, wird der Lehrer Gerrit Jan Zager aus Großringe, der vorher jeweils ein halbes Jahr an den Volksschulen Alexisdorf und  Laar tätig war, am 15. Mai 1950 in Sieringhoek eingesetzt. Die Schüler, der Gemeinderat und viele Eltern versammeln sich in der Schule zu einer schlichten Feierstunde. Bei Dienstantritt von Herrn Zager besuchen 54 Schüler die Schule. Nachdem Lehrer Adam nach Venne, Kreis Wittlage, versetzt worden ist, zieht Lehrer Zager am 6. Dezember 1950 in die Lehrerwohnung ein, die vorher renoviert wird.

Kurz vor den Sommerferien unternimmt die Oberstufe einen zweitägigen Ausflug in die Niedergrafschaft. Nach einer Eisenbahnfahrt bis Neuenhaus erfolgt eine Radtour über Uelsen, Wilsum, Emlichheim nach Großringe (Übernachtung im Geburtshaus von Herrn Zager) und weiter über Neugnadenfeld, Bathorn und Hoogstede nach Neuenhaus. Auch in den folgenden Jahren finden Ausflüge innerhalb der Grafschaft und weit darüber hinaus, u.a. nach Emden, Bremen  und ins Osnabrücker Land, statt.

Am 20. Dezember findet eine Weihnachtsfeier mit Liedern, Gedichten und Theatervorführungen statt, zu der zahlreiche Eltern erscheinen. Auch diese Weihnachtsfeiern erfolgen künftig jedes Jahr.

1951 - Aufgrund einer Masernepidemie bleibt ein Großteil der Kinder im Mai 1951 dem Unterricht fern.

1952 - Der Klassenraum und der Schulvorplatz werden umgestaltet: Erneuerung des schadhaften Fußbodens - Ersetzen des Fünfsitzer-Banksystems durch neues loses Schulgestühl -  Neuanstrich der ganzen Klasse -  Pflasterung vor dem Schuleingang -  Pflasterung des Weges zur Straße durch Sandsteinbrocken.

Bei einer Schulgroschensammlung des Jugendherbergswerkes Unterweser-Ems hat die Schule das beste Sammelergebnis erzielt. Zur Belohnung erfolgt ein siebentägiger Ferienaufenthalt in einer Jugendherberge in Emden.

1954 - Im Sommer wird die von Schulrat Portheine angeregte Verschönerung des Schulgrundstücks (Umgrünung, Planierung und Einzäunung des Schulhofes) vorgenommen. Zur Auffüllung des Schulhofes wird im Hand- und Spanndienst der Gemeinde Erde herangefahren.

Von 1954 an sind jeweils zwischen den Sommer- und Herbstferien Studenten der Pädagogischen Hochschule Osnabrück als Praktikanten an der Schule.

Die lang geplante Toilettenanlage im Neubau wird beendet. Es schließen sich eine Garage, ein Geräteraum und ein Fahrradstand an. Außerdem wird die Schule an die Hauswasserversorgung und an das Stromnetz angeschlossen.

Eine Weihnachtsfeier soll künftig nicht mehr abgehalten werden, da sie mit den Vorbereitungen zu sehr den Unterricht belastet. Dafür soll jetzt alle zwei Jahre ein Elternabend stattfinden.

1959 - Wegen der großen Trockenheit im Sommer und dann im Herbst holen viele Bewohner ihr Wasser aus dem Schulbrunnen, der von einer unterirdischen Quelle gespeist wird.

1962 - Lehrer Zager bleibt bis zum 1. April 1962 in Sieringhoek, um dann an die Mittelschule nach Emlichheim zu gehen, wo er später Konrektor wird. Nachfolger werden kurzzeitig Gerhard Prill und ab August 1962 Ronald Paduch.

Zum Besuch des neu eingeführten 9. Schuljahres gehen die Schüler zum Teil nach Gildehaus, zum Teil nach Bentheim, je nach Wohnlage.

Im Dezember 1962 findet wieder eine Weihnachtsfeier statt. Hierzu hatten Lehrer und Schüler ein großes Kasperletheater gebaut.

1963 - In der Süd-Ost-Ecke des Schulhofes wird hinter dem Fahrradstand mit dem Bau eines Dorfgemeinschaftshauses begonnen.
Das Schulgebäude wird nach Plänen, die schon ab 1952 bestanden, umgebaut:
- Der Klassenraum erhält 4 Fenster an der Südseite. Die sechs Fenster an der Nord- und Westseite werden zugemauert.
- Nach Osten wird ein Gruppenraum angebaut.
- Im Anbau entsteht ein geräumiger Flur. Außerdem sollen Klassen- und Gruppenraum durch Ölöfen beheizt werden.
Der Umbau der Schule beginnt im September und wird in den Sommerferien 1964 abgeschlossen.

1964 - Nach langen Diskussionen erfolgt zum Schuljahrsbeginn 1964/65 die Abschulung des 7. und 8 Schuljahres nach Gildehaus bzw. Bentheim. Die Schülerzahl in Sieringhoek beträgt dann 32 Kinder.

Bis zu den Sommerferien findet der Unterricht aufgrund der Baumaßnahmen im Dorfgemeinschaftshaus statt. Die offizielle Einweihungsfeier des umgebauten Schulhauses erfolgt am 11. September.

1966 - Zu Beginn des Kurzschuljahres 1966 werden das 5. und 6. Schuljahr nach Gildehaus bzw. Bentheim abgeschult. Die Schule Sieringhoek wird eine reine Grundschule.

1967 - Zu Beginn des Schuljahres 1967/68 wird damit begonnen, den Kindern im 4. Schuljahr Flötenunterricht zu erteilen. Außerdem werden eine kleine Pauke und ein Glockenspiel angeschafft. Das kleine "Orchester" wird auch in der Öffentlichkeit bei der Weihnachtsfeier des Landfrauenvereins aktiv.

1968 - Im Mai 1968 veranstaltet die Schule parallel zum Schützenfest der Gemeinde ihr Kinderschützenfest, das Erwähnung in den Grafschafter Nachrichten findet.

1970 - Zum 1. Februar 1970 wird Lehrer Paduch an die Freiherr-vom-Stein-Realschule in Nordhorn abgeordnet und nach Ernennung zum Realschullehrer an die Realschule Schüttorf versetzt. Den Unterricht in Sieringhoek übernimmt der Lehrer Hindrik Stockhorst aus Hagelshoek. Zum Schuljahrsbeginn beträgt die Schülerzahl 33.

Die Bevölkerung erstellt in Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat, der 5.000 Mark beisteuert, ein kleines Sportzentrum, bestehend aus Badeanstalt und Sportplatz für die Kinder. Leider gibt es keine Zuschüsse von außerhalb.

Am 25. November 1970 wird nach langwierigen Verhandlungen beschlossen, dass die Gemeinde Sieringhoek ein Stadtteil von Bentheim werden soll. Ein wichtiges Vertragselement für Sieringhoek ist die Garantie des Weiterbestehens der Grundschule Sieringhoek.

1971 - Nach Renovierung des Lehrerhauses zieht Lehrer Stockhorst von Bentheim nach Sieringhoek und wird in einer kleinen Feierstunde von der Nachbarschaft begrüßt.

1972 - Zur Einführung der Mengenlehre findet am 28. Februar 1972 ein Elternabend statt. Die Eltern sind sehr daran interessiert, ihren Kindern Handreichungen in der neuen Mathematik und besonders der Mengenlehre zu geben.

1973 - Am 14. Mai 1973 wird im erweiterten Dorfgemeinschaftshaus der Kinderspielkreis eröffnet, den 21 Kinder besuchen. Die Grafschafter Nachrichten berichten hierüber.

1974 - Sieringhoek wird zum 1. März nach Bentheim eingemeindet. Die Stadt wird Schulträger.

1977 - Die Grundschule Sieringhoek wird aufgelöst. Die Schüler besuchen seitdem die Schulen in Bentheim (Bereich östlich der Schule) und Gildehaus (Bereich westlich der Schule). Lehrer Hindrik Stockhorst wird Schulleiter der Paul-Gerhardt-Schule in Lingen. Hiermit endet die Geschichte der Schule in Sieringhoek nach etwa 180 Jahren.

2010 - Vor 76 Jahren die Schule verlassen
Zu einem außergewöhnlichen Klassentreffen trafen sich die Entlassjahrgänge 1934 bis 1943 erstmalig 1989 nach 45 bis 55 Jahren, zu dem noch 32 ehemalige Schüler anwesend waren. Beim jetzigen zweiten Treffen 2010 nach 65 bis 76 Jahren sind es nur noch 13. Für alle gab es nur einen Lehrer und Schulleiter mit Paul Adam, der von 1921 bis 1943 in Sieringhoek war. Zur Freude aller Ehemaligen befand sich unter den Geladenen mit 86 Jahren Else Hildebrand, geb. Adam, die aus Ratzeburg angereist war (GN, 30.6.2010).

Quellen:

  • Schulchronik der Volksschule Sieringhoek, ab 1945 - 1975

  • Gerhard Prill, Auszüge aus der Schulchronik der Volksschule Sieringhoek, 1962

  • Heinrich Voort, 700 Jahre Gildehaus 1292 - 1992, VVV Gildehaus e.V., 1992, Seite 186

  • Gerrit Jan Zager, Sieringhoek, Die Geschichte einer Bauerschaft, 2005. Abschnitt: Die Schule in Sieringhoek, Seiten 128 - 148.