Grafschafter Schulgeschichte

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Volksschule Waldseite

- 1799 Bauerschaftsschule; 1967 Grundschule; 1973 Auflösung

1799 - Es wird dem Kirchenrat berichtet, dass man im Begriff sei, in der Bauernschaft Waldseite eine Schule anzulegen (siehe: Voort, Seite 187). Es ist nicht bekannt, ob die Schule wirklich entstanden ist.

1826 - Der Oberkirchenrat spricht sich dafür aus, "die bisherige Einteilung der hiesigen Schulbezirke (als) den örtlichen Bedürfnissen am meisten entsprechend" beizubehalten. Neben der Hauptschule in Gildehaus sollen die vier vorhandenen Nebenschulen in den Bauernschaften Sieringhoek, Bardel, Waldseite und Holt und Haar bestehen bleiben. Der Vorschlag, die Schule Waldseite mit der Schule Gildehaus zu vereinigen, wird abgelehnt. Ebenso spricht sich der Oberkirchenrat gegen weitere Schulen in diesem Bereich aus. Am 8. März findet dann eine vom Gesetzgeber verlangte Prüfung der Nebenschullehrer statt. In Waldseite ist L. Koondert seit drei Jahren tätig. Er ist 23 Jahre alt (siehe: Voort, Seite 189).

1832 - Ein großes Problem der Nebenschulen ist die Schulraumsituation, da die Gemeinden nicht in der Lage sind, ein eigenes Schulhaus zu bauen. 1832 wird gemeldet, dass in Waldseite ein Schulhaus stehe, "dass im Innern eher einem Schweinekoben als einer Schule ähnlich sieht" (siehe: Voort, Seite 190).

1850 - Für die Schule Waldseite wird ein neues Schulhaus errichtet. Zur alten Schulgemeinde Waldseite gehören die Gemeinde Waldseite und der nördliche Teil der Gemeinde Hagelshoek. Die Schule wird von durchschnittlich 40 Kindern besucht. Der Lehrer erhält jährlich 33 Reichsthaler.

1900 - Das alte Schulgebäude wird abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Im Jahre 1902 wird dann das alte Lehrerhaus verkauft und nebenan ein neues Lehrerhaus errichtet

1906 - Nach Inkrafttreten des Volksschulunterhaltungsgesetzes bildet die ganze Gemeinde Hagelshoek mit Gildehaus einen Schulverband. Die Kinder aus dem nördlichen Teil von Hagelshoek besuchen jedoch die Volksschule Waldseite gastweise weiter.

1920 - Die Schule wird zweiklassig. An das Schulgebäude wird deshalb 1921 ein zweiter Klassenraum angebaut.

1925 - Am 1. Oktober 1925 wird Friedrich Wellmann Lehrer an der Volksschule Waldseite.

1939 - Die Schülerzahl ist auf 58 abgesunken. Deshalb wird die zweite Lehrerstelle wieder aufgehoben.

1944 - Ab November 1944 wird der Unterricht geschlossen, da die Schule mit Soldaten belegt wird, die den Bohrturm zu bewachen haben. In den letzten Kriegstagen explodiert in der Schule eine Panzerfaust, wodurch viele Fensterscheiben zerspringen. Die Schulchronik, das Hauptschülerverzeichnis u.a. gehen verloren.

1948 - Nachdem die Schülerzahl über 80 angestiegen ist, wird die zweite Lehrerstelle wieder eingerichtet.

1954 - Der Eingang der Schule wird zur Hofseite verlegt. Die Umgebung wird mit Grünanlagen ausgestaltet.

1962 - Nach Klasse 8 gehen die Schüler zum 9. Schuljahr nach Gildehaus. Die Gemeinde plant, in Waldseite eine neue Schule mit zwei Klassen und einem Gruppenraum zu bauen. Eine große Pausenhalle soll das Schulgebäude mit den Toiletten verbinden. Auf dem Pausenhof soll eine Lehrerdienstwohnung errichtet werden (GT und GN, 13.12.1962). Im September 1963 wird mit dem Neubau begonnen (GT und GN, 12.9.1963)

1964 - Ab Ostern 1964 besuchen die Schüler der 7. und 8. Jahrgänge auf freiwilliger Basis die Schule in Gildehaus. Nach einer Baupause wird der Neubau vollendet. Das Ehepaar Wirkus wird von Echtelerfeld nach Waldseite versetzt (GN, 9/1964).

1967 - Die ganze Oberstufe wird nach Gildehaus abgeschult. Die Schule in Waldseite wird reine Grundschule. Das Ehepaar Wirkus wird nach Bramsche bei Osnabrück versetzt. Nachfolger wird Herr Winkelmann.

1970 - Willy Friedrich beklagt: Vor fünf Jahren baute Waldseite eine neue, zweiklassige Schule (und eine Lehrrwohnung), die heute nicht so ausgelastet wird , wie die Gemeinde es gern sehen würde. Nur noch eine Schulklasse wird benutzt. Ein Klassenraum steht leer. Der Plan, Waldseite als Vorschule mit in den Rahmen der vorschulischen Ausbildung einzuspannen, ist bis heute nur ein Versuch geblieben. Rechtzeitig hatte Bürgermeister Kaldeway auf diese seiner Meinung nach ideale Möglichkeiit hingewiesen, zumal in dem zentralen Ort Gildehaus die räumlichen Voraussetzungen eng abgegrenzt sind. Hinzu kommt noch , dass Waldseite praktisch am Ortsrand von Gildehaus liegt und so den Kindern lange Zuwege nicht zugemutet zu werden brauchen. Bei der Schulaufsichtsbehörde fielen die Vorschläge anfangs scheinbar auf fruchtbaren Boden: Die modernen Räume wurden besichtigt. Eine Vorschulklasse kam jedoch nicht nach Waldseite. Gerhard Kaldeway bedauert diese Entscheidung, zumal für seine Gemeinde nach wie vor die Schullasten eine nicht zu unterschätzende Belastung bedeuten. Verständlicherweise kann der Bürgermeister nicht in die Zukunft schauen. Er vertritt aber den Standpunkt, dass hinsichtlich der Schulpolitik und den sich daraus für die meisten kleinen Gemeinden ergebenden unerfreulichen Konsequenzen die Zukunft noch nicht gemeistert ist (Quelle: Der Grafschafter, September 1970, Seite 739).

1973 - Die Grundschule Waldseite wird aufgelöst. Alle Schüler besuchen die Grund- und Hauptschule Gildehaus. Der Schulleiter Winkelmann wird zunächst auch nach Gildehaus versetzt, bevor er Schulleiter in Nordrhein-Westfalen wird.

2011 - Zur Erinnerung!
Vor genau 50 Jahren, genau am 17. März 1961,  wurden in der ehemaligen  Volksschule Waldseite Gerda Hoegen, geb. Bardenhorst, Johann Beckmann, Heinrich Bus  und Bernhard Heddendorp aus der Schule entlassen. Die Schule hatte damals zwei Räume mit jeweils vier Klassen. Der Klassenlehrer war überwiegend Herr Wellmann. Letztmalig fand die Schulentlassung aus der 8. Klasse statt, danach wurde die neunjährige Schulpflicht eingeführt. Die alte Schule in Waldseite musste einem Neubau weichen, der später als Dorfgemeinschaftshaus umgebaut wurde (GN, 7.4.2011).

Quellen:

  • Friedrich Wellmann, Auszüge aus der Schulchronik der Volksschule Waldseite, 1962

  • Heinrich Voort, 700 Jahre Gildehaus 1292 - 1992, VVV Gildehaus e.V., 1992, Seite 186

  • Artikel aus der örtlichen Presse, im Text angegeben