Grafschafter Schulgeschichte

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Volksschule Alexisdorf

Die Markenteilung, d.h. der Übergang des verbliebenen Allgemeinbesitzes in Eigenbesitz, erfolgte in Kleinringe 1863, in Großringe 1865. Hierbei erhielt das fürstliche Haus eine Fläche von rund 610 Morgen, auf der 20 Pachthöfe von 30 Morgen angelegt wurden. Diese neu gegründete "herrschaftliche Colonie" erhielt 1869 den Namen Alexisdorf (benannt nach dem 1866 verstorbenen Fürsten Alexis). Schon in einem Schreiben vom Oberkirchenrat in Nordhorn aus dem Jahre 1875 war von der Gründung einer Schule die Rede, für die der Fürst 4 Morgen Markengrund unentgeltlich abgetreten habe. Zum Bau des Schulhauses etwa 10 Jahre später erfolgte ein Gnadengeschenk von 9900 Mark. Eine Hauskollekte in der Grafschaft Bentheim erbrachte zusätzlich 1157,50 Mark, so dass Schule und Lehrerwohnung fertiggestellt werden konnten (nach: Eberhardt, vgl. auch: Albert Rötterink, Die Siedlungsgeschichte der Herrnhuter Brüdergemeine, 1990, Seite 9; siehe auch: GN, 2.10.2009 "Erinnerung an Gründung von Alexisdorf).

1886 - Am 14. Oktober 1886 wird der Lehrer Zwafelink aus Adorf von Pastor Maschmeyer aus Emlichheim in sein Amt eingeführt. Das Lehrergehalt wird auf 700 Mark jährlich excl. Wohnung festgesetzt. Der Lehrer Zwafelink erhält dafür, dass er nach Alexisdorf geht, eine Zulage von 150 Mark jährlich bis 1891 bewilligt. Der Schulbau wird am 9. Dezember 1886 abgenommen und für gut befunden. Zur Schulgemeinde gehören Alexisdorf und die Groß- und Kleinringer Weusten, in denen schon längere Zeit bewohnbare Häuser stehen. Die Kinder besuchten vorher die Volksschule Großringe.

1889 - Ende Januar stirbt der Lehrer Zwafelink. Nachfolger wird der in Aurich vorgebildete Schulamtskandidat J. Schnieders, der am 9. April 1889 in sein Amt eingeführt wird.

1894 - Lehrer Schnieders verlässt die Volksschule Alexisdorf. Sein Verbleib ist nicht bekannt. Nunmehr setzt ein fortwährender Wechsel der Lehrkräfte ein, bei denen es sich um Junglehrer handelt, die gerade am Osnabrücker Seminar das Abschlussexamen abgelegt hatten. Sie sind durchweg unverheiratet. Die Schulwohnung ist anderweitig vermietet. Im Durchschnitt der folgenden Jahre besuchen etwa 50 Kinder die Schule, auf die Jahrgänge 1 - 8 verteilt. Es muss sehr viel Unterricht ausfallen, weil die Wegeverhältnisse besonders für die entfernt wohnenden Kinder einen Besuch der Schule kaum zulassen. Ansteckende Krankheiten bewirken, dass mitunter die Hälfte der Kinder der Schule fernbleibt. Von 1894 bis 1934, in 40 Jahren, unterrichten 19 Lehrer an der Schule, die hier nicht alle im einzelnen aufgezählt werden.

1916- 1919 - Der Lehrer Friedrich Beckmann übernimmt die Vertretung des eingezogenen Lehrers. Aufgrund seiner schweren Verwundung ist er aus dem Heersdienst entlassen worden. Er hält die ungeteilte Unterrichtszeit von 8- 13 Uhr und die vorgegebene Gliederung des Schulträgers bei. Es sind 3 Hauptabteilungen 1.- 3.,  4.- 5. und 6- 8. Schuljahr gebildet. Ober- und Mittelstufe werden in Religion, Lesen, Geschichte, Erdkunde und Naturkunde teilweise vereinigt. Die Unterstufe A umfasst die Schuljahre 2 und 3. Im Rechnen sind es insgesamt 5 Abteilungen.

Im letzten Kriegsjahr wird der Schulbetrieb durch Kriegseinflüsse sehr gestört. Der Mangel an Arbeitskräften in der Landwirtschaft führt dazu, dass den ganzen Sommer hindurch Kinder beurlaubt werden. Viele Kinder bleiben der Schule auch ohne Genehmigung fern, da sie zu Hause arbeiten müssen. Sehr empfindlich macht sich vor den Ernten der Brotmangel bemerkbar. Wiederholt werden Kinder mit der Begründung vom Schulbesuch zurückgehalten, man könne ihnen kein Frühstück mitgeben.

1931 - Als letzte Schule in der Grafschaft Bentheim erhält die Schule in Alexisdorf elektrisches Licht. Im Herbst bekommt die Schule eine Pumpe. Bis dahin musste das Wasser aus der Lehrerwohnung geholt werden. Da das Trinkwasser im Eimer aufbewahrt werden musste, war es nie einwandfrei.

1933 - Der Bau der Landstraße von Großringe über Alexisdorf nach Neuringe, der im Winter 1926 beim Bahnhof Großringe begonnen wurde, ist jetzt bis zur Schule Alexisdorf fertig gestellt worden. Bis dahin war die Schule nur über einen Sandweg, vor 1928 nur über einen Moorweg zu erreichen.

1934 - Über die nationalsozialistische Zeit schreibt der Lehrer Bodenstein: "Selbstverständlich stand auch der Unterricht unter dem Einfluss der nationalen Revolution. Noch nie hatte eine Schuljugend so unmittelbaren Anteil an dem Zeitgeschehen genommen wie jetzt. Die Umwälzungen auf allen Gebieten und die erzielten Erfolge sind so gewaltig, dass die Schule nicht mehr so daran vorbeigehen kann. So manche Stunde wurde dazu verwandt, die Kinder in das nationalsozialistische Denken einzuführen - und der Rundfunk sorgte dafür, dass wir fast unmittelbar an den großen Feiern und Ereignissen teilnehmen konnten". (nach: Eberhardt, Seite 93).

Nachfolger von Lehrer Bodenstein, der am 1. Oktober 1934 in den Kreis Melle versetzt wird, ist der Schulamtsbewerber Fritz Hopfgarten. In der Schrift "Us aulet Schööltin up´t Alexi. Die Volksschule Alexisdorf von 1934 bis 1942" von seinem Sohn Fritz Hopfgarten, heißt es 2006 zum Lebens- und Berufsweg des Vaters: Fritz Hopfgarten wurde am 1. Mai 1904 in Hamburg geboren und ist in Osnabrück aufgewachsen. Nach dem Besuch der Mittelschule und der "Präparande" absolvierte er das Ev. Volksschullehrerseminar in Osnabrück und legte dort 1924 die 1. Lehrerprüfung ab. Nach dreijähriger Tätigkeit als Korrektor beim "Osnabrücker Tageblatt" und als Junglehrer in Sachsen unterrichtete er ab 1. Oktober 1930 in Emlichheim- Weusten, wo er am 29. August 1933 die 2. Lehrerprüfung ablegte. Ab 1. Januar 1934 war er dann an der Altendorfer Schule in Nordhorn tätig.

Heinrich Eberhardt schreibt in seiner "Chronik der Ringer Schulen" : Fritz Hopfgarten war wohl von allen in Alexisdorf tätigen Lehrern die stärkste Lehrerpersönlichkeit, an den sich die älteren, noch lebenden Einwohner von Ringe und Alexisdorf noch sehr gern erinnern.

Die Schulchronik wird von Fritz Hopfgarten zu einer  Dorfchronik erweitert, die von den Schülern ausgeschmückt wird. "Kurze Berichte aus der Geschichte der Häuser und ihrer Familien, der Schule der Heimat, des weiteren Vaterlandes, der großen Bewegungen, Schilderungen des täglichen Lebens in Haus und Schule, Sammlungen von Flurnamen, Sprichwörtern, Erzählungen usw. werden gemeinschaftlich von Schülern und Lehrern durchgeführt." (Die oben genannte Schrift von Fritz Hopfgarten enthält viele interessante Informationen aus Alexisdorf in jener Zeit.)

1942- 1943 - Auf die Arbeit in der Schule wirkt sich der grimmige Winter 1941/42 aus. Große Schneeverwehungen machen es den Schulkindern zeitweise unmöglich, zur Schule zu kommen. Über den Kriegswinter schreibt Lehrer Hopfgarten einen längeren Bericht in die Schulchronik, der unter: Alexisdorf-Kriegswinter nachgelesen werden kann. Ende Juni 1942 wird Fritz Hopfgarten zum Heeresdienst eingezogen. Am 17. März 1943 fällt er bei den schweren Kämpfen im Osten. Lehrer Lahmann aus Esche, der ihn vertritt, würdigt ihn mit folgenden Worten: "Die Nachricht von seinem Tode wurde von der ganzen Schulgemeinde Alexisdorf mit tiefer Anteilnahme hingenommen. Seit 1934 war er der Jugend Alexisdorfs ein guter Erzieher und der Bevölkerung des Dorfes ein treuer Berater und Helfer." Am 1. April 1943 wird dem Lehramtsanwärter Wilhelm Boll aus Hoogstede, der als Schwerkriegsbeschädigter aus dem Heeresdienst entlassen wurde, die Leitung der Schule übertragen.

1947 - Nach mehreren kurzzeitigen Einsätzen anderer Lehrer übernimmt der Lehrer Krause 1947 die Leitung der Schule. Es kommt wieder zu einem ordnungsgemäßen Schulbetrieb. Etwa 2000 Morgen Ödland werden in ertragreiches Ackerland umgewandelt. Es werden 10 neue Bauernstellen zu 60 Morgen Land geschaffen.

1949 - Die Schülerzahl ist auf 85 gestiegen. Die Schule bekommt endlich die 2. Lehrkraft. Da an einen Ausbau der Schule vorerst nicht zu denken ist, findet der Unterricht für die Unterstufe nachmittags statt.

1950 - Lehrer Krause geht in Pension. An seine Stelle als Leiter der Schule tritt Rektor a.D. Kamp. Immer wieder wird der Wunsch nach einem dringend benötigten zweiten Klassenraum geäußert.

1952 - Wilhelm Kamp wird im Januar 1952 wieder als Rektor bestätigt und an die Altendorfer Schule in  Nordhorn versetzt. Die Leitung der Schule wird dem Lehrer Wilhelm Snippe übertragen, der seit 1950  2. Lehrer der Schule war. Er muss zunächst die 79 Kinder allein in dem alten, kleinen Klassenzimmer unterrichten. Die Stundenzahl in den beiden Klassen wird auf 20 bzw. 12 Wochenstunden reduziert. Nach Ansicht von Herrn Snippe beruht der akute Lehrermangel, der die Einstellung eines 2. Lehrers verhindert, auf der unzureichenden Besoldung der Volksschullehrer. Die Wiederbesetzung der Stelle erfolgt erst nach 3 Monaten am 16.4.1952. Im Januar 1952 steht der Schulhof unter Wasser.

1954 - In der Diskussion um einen Neubau sind Teile der Bevölkerung der Ansicht, dass ein Neubau nur in Verbindung mit dem Lager Neugnadenfeld Aussicht auf Erfolg hätte. Der Widerstand in der Alexisdorfer Bevölkerung ist aber so groß, dass der Elternrat sich dieser Ansicht nicht anschließt und geschlossen zurücktritt. Der neue Elternrat nimmt sofort Fühlung mit der Lagerleitung auf und will versuchen, die maßgebenden Stellen zu bewegen, dass endlich eine vier- bis fünfklassige Schule für Alexisdorf und Neugnadenfeld gebaut wird. Die Besprechungen über die Zusammenlegung der beiden Schulen werden im Oktober 1954 erfolgreich zum Abschluss gebracht.

1955- 1956 - Ostern 1955 werden die beiden Schulen zur Volksschule Alexisdorf-Neugnadenfeld zusammengelegt. Schulleiter der neuen Schule wird Hauptlehrer Schäfer. Lehrer Wihelm Snippe verläßt Alexisdorf am 4.1.1957 und wird Schulleiter der Volksschule Grasdorf. In der alten Schule in Alexisdorf werden zunächst das 1. und 2. Schuljahr unterrichtet. Nach dem 1. Mai 1955 wird mit dem Bau der neuen Schule begonnen, der Mitte Juni 1956 abgeschlossen wird. Die Schule liegt außerhalb von Neugnadenfeld an der Kreisstraße von Großringe nach Neuringe. Am 30. Juni 1956 schließt die alte Schule Alexisdorf nach 70 Jahren ihre Türen.

Quellen:

  • Karl Schäfer, Auszüge aus der Geschichte der Schule Alexisdorf/Neugnadenfeld, 1962

  • Heinrich Eberhardt, Chronik der Ringer Schulen, 1989, Seiten 73 bis 101.

  • Gerrit-Jan Zager, Ringe, Bad Bentheim 1998, Die Schulen, Seiten 237 - 239

  • "Us aulet Schööltin up´t Alexi." Die Volksschule Alexisdorf von 1934 bis 1942, zusammengestellt von  Fritz Hopfgarten (jun.), 2006