Grafschafter Schulgeschichte

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Zur Eröffnung der Ausstellung in Emlichheim am 13. Mai 2005:

Schiefertafel und Rohrstock

Grußwort von Heinz Ragnitz

Sehr geehrter Herr Rötterink, lieber Herr Arends!
Meine Damen und Herren!

Ich bin von Ihnen um ein Grußwort gebeten worden. Ich freue mich, dass in der Grafschaft Bentheim erstmalig eine Schulausstellung, eine Ausstellung über den Schulalltag in der Zeit von 1900 bis 1960, gezeigt wird. Ich denke an meine eigene Schulzeit zurück. Als Schüler habe ich den Schulalltag ab 1936 mit „Schiefertafel und Rohrstock“ erlebt. Ich begann meine Schulzeit in einer zweiklassigen Volksschule auf dem Lande in Ostpreußen. Diese Schulzeit setzte ich als Lehrer zunächst in Mecklenburg und schließlich ab 1960 in der zweiklassigen Volksschule in Vorwald im Bereich der jetzigen Samtgemeinde Emlichheim fort. Die Schule begleitete mich bis in die Pensionierung hinein. Noch heute beschäftige ich mich mit der Schulgeschichte in der Grafschaft Bentheim.

Hier möchte ich kurz auf die Geschichte der Schulen im Bereich der Samtgemeinde Emlichheim eingehen, damit Sie den Zeitraum von 1900 bis 1960 besser einordnen können. Für die gesamte Schulentwicklung spielte die Reformation eine bedeutsame Rolle. In der Schüttorfer Kirche tagte 1604 eine große Generalsynode der Grafschafter Prediger. Sie beschloss, ab 1605 die allgemeine Schulpflicht in der Grafschaft einzuführen. Daraufhin entstanden in den Kirchspielorten die Kirchspielschulen, so auch in Emlichheim. Die Schule unterstand dem örtlichen Kirchenrat. Als Schulaufsichtsbehörde fungierte der Oberkirchenrat, der 1613 eingesetzt wurde. Der Unterricht fand zunächst in der Kirche oder in der Wohnung des Küsters statt, der gleichzeitig Schulmeister war. So wurden die Schulen auch „Küsterschulen“ genannt. Erst 1661 wurde in der Nordostecke des Kirchplatzes eine einklassige Schule gebaut. Eine besondere Aufgabe der Schule war es, einen religiösen Volksunterricht zu erteilen und den Kirchengesang zu üben. Dazu wurde notdürftig Lesen und Schreiben vermittelt.

Sehr bald, 1628, während des 30-jährigen Krieges, wurde in der damaligen Gildschaft Scheerhorn eine Neben- oder Bauerschaftsschule erlaubt, die von den Kindern aus Hoogstede, Arkel, Kalle, Tinholt, Bathorn, Berge und Scheerhorn besucht wurde. Sie wurde an der Straße von Emlichheim nach Neuenhaus errichtet, hatte ein Strohdach und einen Lehmfußboden.

Die Neben- oder Bauerschaftschulen wurden von Oberkirchenrat genehmigt, weil die Schulwege bis zur Kirchspielschule, die zu Fuß zurückgelegt werden mussten, zu weit und zu beschwerlich waren.

Im weiteren Verlauf der Geschichte, besonders im 19. Jahrhundert, entstanden dann sehr viele kleine Volksschulen, die jeweils nur eine Klasse mit einem Lehrer hatten. Eine Vereinheitlichung wurde durch die „Bekanntmachung der Königlichen Landdrostei zu Osnabrück, die Verbesserung des niederen Schulwesens in der Grafschaft Bentheim betreffend“ aus dem Jahre 1824 angestrebt. Hierin wurde die Ausbildung der Lehrer in Seminaren gefordert, vorher waren es zumeist Handwerker oder Schäfer ohne Ausbildung, die den Unterricht nur im Winter durchführten. In der Niedergrafschaft sollte künftig Deutsch (statt Holländisch) die Unterrichtssprache sein. Als Gegenstände des Unterrichts wurden Lesen, Schreiben, Rechnen, Religion und Religionsgeschichte, gemeinnützige Kenntnisse und Anweisung zum Singen, besonders des Kirchengesangs, festgelegt. Ab 1835 wurden dann auch katholische Volksschulen eingerichtet.

Im Jahre 1900 bestanden dann im Bereich der jetzigen Samtgemeinde Emlichheim 13 Volksschulen. Das waren die Volksschulen Emlichheim, Scheerhorn, Laar, Hoogstede, Echteler, Großringe, Kalle, Alexisdorf, Emlichheim-Weusten und Vorwald, außerdem die Kath. Volksschulen Emlichheim, Hoogstede und Laar. Nach und nach folgten dann noch Echtelerfeld in den 30er Jahren und nach dem 2. Weltkrieg Neugnadenfeld und die Lagerschule Bathorn. Alle Schulen waren einklassig; nur die Ev. Volksschule Emlichheim hatte damals um 1900 schon zwei Lehrer und zwei Klassen.

Bis 1960 blieben die schulischen Verhältnisse nahezu konstant. Über die Gestaltung des Unterrichts in dieser Zeit gibt die Ausstellung Auskunft. Nach 1960 begannen dann die Schulreformen. Sie führten zur Auflösung der kleinen Landschulen und ihrer Zusammenlegung zu größeren Einheiten. Es entstanden als weiterführende Schulen ab 1961 die Realschule, ab 1975 das Gymnasium. Heute gibt es nur noch vier Grundschulen in Emlichheim, Hoogstede, Laar und Ringe, und darauf aufbauend in Emlichheim zwischenzeitlich die Orientierungsstufe, jetzt nur noch die Hauptschule, die Realschule, das Gymnasium, außerdem die Förderschule, die früher Sonderschule hieß. Zusammen sind es jetzt acht Schulen.

Die Ausstellung berichtet über die Zeit von 1900 bis 1960. Für die älteren Besucher ist sie eine Möglichkeit, alte Erinnerungen aufzufrischen, für die jüngeren Besucher eine Möglichkeit, die damaligen Schulverhältnisse mit der eigenen Schulzeit zu vergleichen. Ich wünsche der Ausstellung sehr viel Erfolg und den Besuchern viele neue Eindrücke über die damalige Zeit!