Grafschafter Schulgeschichte

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Heinrich Hensen

1914 - 1989 

von Willy Friedrich

Unverwechselbar sind die Erzählungen, die Heinrich Hensen uns hinterlassen hat. Nach langer schwerer Krankheit ist der "urige Plattproater" am 5. Juli 1989 im Alter von 75 Jahren gestorben. Heinrich Hensen stammte von einem Bauernhof in Osterwald. Mit seiner Mundart-Prosa hat er sich in der Grafschaft Bentheim ein Denkmal gesetzt. Meisterhaft beherrschte der gelernte Pädagoge, bis zu seiner Pensionierung Rektor in Nordhorn, seine Muttersprache. Unzählige Geschichten hat er geschrieben oder erzählt, Geschichten zum Schmunzeln und zum Nachdenken. Gleichsam ein Leben lang hat er sich damit in den Dienst seiner Heimat gestellt.

Nach wie vor fühlte sich der Verstorbene eng mit dem bäuerlichen Leben, Denken und Handeln verbunden. Aus der früher recht engen bäuerlichen Welt schöpfte er bis ins reife Alter hinein, gelang es ihm, die Menschen und die sie umgebende Atmosphäre treffend zu schildern.

So entstanden seine Buchwerke "Aule Knetsoahm vertäild" und sein letzter Buchband "Geschichten up Groafschupper Platt". Aber auch an der GN-Heimatbeilage "Der Grafschafter" und dem "Jahrbuch" des Heimatvereins hat Heinrich Hensen tatkräftig mitgewirkt. In den Reihen der Autoren dieser Schriften hinterläßt sein Tod eine schmerzliche Lücke.

Nach seinem Studium war der Pädagoge kurzfristig an der alten Nordhorner Mittelschule, dann in Kalle und in Schüttorf tätig. Acht Jahre war er Soldat und Kriegsgefangener. Nach seiner Entlassung baute er das Schulwesen in Vorwald aus dem Nichts heraus wieder auf. Dort hatte er 119 (!) Kinder in einer Klasse zu unterrichten.

Einen nicht geringen Anteil hatten diese Kinder an dem Ausbau des Coevordener Dieks, nachdem sie sich gemeinsam mit ihrem Lehrer bei dem früheren Verkehrsminister Dr. Seebohm in Bonn auf humorvolle Weise für dieses Projekt eingesetzt hatten. Bis 1965 war Hensen in Vorwald, dann wurde er Rektor der Evangelischen Blankeschule in Nordhorn. Im schulischen Leben der Grafschaft hinterließ er viele Spuren.

Hauptsächlich nach seiner Pensionierung widmete er sich intensiv der Heimatarbeit. Die Erzähl- und die Vortragskunst dieses Mannes war einmalig. Hensen hat nicht nur fleißig geschrieben, sondern auch mehrere Tonbänder besprochen, um auch sehschwachen Menschen Zugang zu seinen Werken zu verschaffen.

Mit Heinrich Hensen ist ein Zeitzeuge heimgegangen, der kritisch und verständnisvoll zugleich seine Mitmenschen und seine Umwelt betrachtete. Er war ein ernster Mensch, der im privaten und familiären Bereich viele schwere Schicksalsschläge hinnehmen musste, darob dank seines unerschütterlichen christlichen Glaubens jedoch nie verzweifelte. Immer wieder überraschte er mit seinem tiefgründigen, feinen Humor.

Der Verstorbene hinterlässt der Grafschaft Bentheim ein reiches und kostbares Erbe.

Heinrich Hensen
von Gerhard Butke

Heinrich Hensen was ien´t Groafschopper Land,
bi alle Lö as Schriewersmann bekannt.
Ien sien Platt van  de echte oole Oart,
heff  he dat Lebben van fröger verkloort.
  
Vertellen kunn he es anners kieneen,
ieder hörde em to, off groat, off kleen.
Wat he särr, was moal defftig, moal heel sacht,
manks hebb wi still lustert, manks düfflig lacht.
   

He heff sik dat Schriewen nich eenfach maakt,
men wall de Wörde aaltied recht raakt.
Niks güng em  öwwer us Groafschopper Platt
un ik glöaf, de Lö hebbt dat merkt anpatt.

 
Is Heinrich Hensen nu ok van us goan,
ien siene Bööker bliff he doch bestoan.
"Aule Knetsoahm" vertellt nich meer verdann,
men noijt vergett wi düssen Schriewersmann.

Quelle: Bentheimer Jahrbuch 1990, Das Bentheimer Land, Band 119, Seite 5 - 6