Grafschafter Schulgeschichte

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Jan Harm Kip 

1911 - 2012

Jan Harm Kip wurde am 14. August 1911 als Sohn einer Heuerlingsfamilie in Bimolten geboren. Die Familie bewirtschaftete später eine Siedlerstelle im Bookholter Feld. Jan Harm Kips Mutter war eine geborene Völlink. Fünf Vorfahren mütterlicherseits wanderten nach Amerika aus.

Jan Harm Kip hat berichtet, dass er wie alle Kinder in der damaligen Zeit schon früh in der Landwirtschaft mithelfen musste. Der begabte Junge konnte dennoch bereits mit 5 Jahren lesen und auch etwas schreiben.

Als 1925 in Nordhorn die Aufbauschule gegründet wurde, das spätere Gymnasium, da war er buchstäblich die Nummer Eins. Als erster stand er auf der Anmeldeliste. Denn als er von der Möglichkeit erfuhr, meldete er sich selbst, noch nicht 14-jährig, dort an. Seine Eltern wird es nicht leicht gefallen sein, das Schulgeld aufzubringen. Sein Vater gab ihm mit auf den Weg: „Leären maggse wall; men wenn du sitten bliffs, dann kumms du weär an de Messgrepe.“ (zitiert aus: „Jan Harm Kip zum 90. Geburtstag“ in Der Grafschafter, 2001, S. 31)

Der Unterricht in der Aufbauschule begann 1925 mit nur 16 Schülern - 10 Jungen und 6 Mädchen, von denen nur 4 bis zum Abitur im Jahr 1931 durchhielten. Nach dem Abitur studierte Jan Harm Kip Pädagogik in Hannover und Dortmund. Beim Antritt seines Studiums brachte sein Vater ihn mit Pferd und Wagen zum Nordhorner Bahnhof. Zu den Mitstudenten Eberhard Liese und Harm Wolts sagte der Vater beim Abschied auf dem Bahnhof: „Passt mi guud up up dee Junge!“

Nach der Abschlußprüfung 1933 arbeitete Kip als Lehrer in Vorwald, Uelsen und Georgsdorf. Es folgten sechs Jahre als Soldat im Zweiten Weltkrieg. Nach dem Krieg unterrichtete er in Alte Piccardie und Bentheim. Ab dem 1. 8. 1949 leitete er die 14klassige Volksschule Bentheim als Rektor.

Ab 1953 folgten anderthalb Jahrzehnte als Rektor der Mittelschule in Neuenhaus. In diese Zeit fällt die  Bildung des Mittelschulzweckverbandes Niedergrafschaft.

1868 wurde Jan Harm Kip zum Schulrat für Nordhorn und die Obergrafschaft bestellt. Dieses Amt übte er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1974 aus. 

Kip war seiner Heimat stets tief verbunden. "Seine erste Muttersprache war Plattdeutsch," schrieb Samtgemeindebürgermeister Johann Arends zu seinem 100. Geburtstag. Er verfasste plattdeutsche Erzählungen und Beiträge zur regionalen Geschichte. Im Jahre 1997 konnte er bei der Vorstellung der Chronik „350 Jahre Alte Piccardie“ eine Festrede wiederholen, die er fünfzig Jahre zuvor bereits einmal gehalten hatte – zum dreihundertjährigen Bestehen der Gemeinde.

1958 war Jan Harm Kip der erste Laienprediger der Grafschaft und hielt am 8. Oktober 1959 in der Alten Kirche am Markt in Nordhorn seine erste Predigt in plattdeutscher Sprache (über die Berufung des Matthäus). Bis ins hohe Alter hinein hat er – neben hochdeutschen - noch weitere Predigten in Plattdeutsch gehalten, manche davon in ökumenischen Gottesdiensten beiderseits der Grenze. Jan Harm Kip war lange Jahre Mitglied im Kirchenrat der reformierten Gemeinde Neuenhaus. Er schrieb die Andachten für den Gemeindebrief vom September 1980 bis Dezember 2006.

Jan Harm Kip starb im September 2012 im gesegneten Alter von 101 Jahren.

Alois Brei 2014

Quellen: