Grafschafter Schulgeschichte

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Lehrer H. Koning in Bakelde

Zu seinem goldenen Dienstjubiläum 1920 von Heinrich Specht

Sein goldenes Dienstjubiläum feiert am 1. November d. J.  der Lehrer H. Koning in Bakelde. Koning wurde am 27. Januar 1851 als Sohn des Landwirts Koning in Halle geboren und widmete sich,  wie so viele Bauernsöhne in jener Zeit, dem Lehrerberuf. In dem kleinen Lehrerseminar in Neuenhaus, dem der ehemalige Schüttorfer Rektor und spätere Oberschulinspektor Fokke mit Eifer vorstand, erhielt er seine Ausbildung. Nach bereits 2 1/2 jährigr Lehrzeit verließ Koning im Herbst 1870 die Schule und fand Anstellung in Gölenkamp. Doch nur für kurze Zeit.

In Bakelde amtierte im Jahre 1870 der Lehrer Arends aus Oorde, der des Orgelspielens kundig war und den Pastor Brands von Nordhorn zum Gefangenengottesdienste nach Frenswegen begleitete, um vor und nach dem Gottesdienst das Instrument zu spielen. Unter den französischen Gefangenen, die dort untergebracht waren, brach, wie bekannt, eine Pockenepidemie aus, der viele zum Opfer fielen. Auch Arends. Er holte sich bei einem solchen Gange zum Kloster die Krankheit und starb. Koning wurde am 1. Juli 1871 sein Nachfolger, und Bakelde blieb fast ein halbes Jahrhundert vor dem störenden Lehrerwechsel bewahrt, unter dem die Jugend von Hesepe und anderen Nachbargemeinden erheblich litt.

Als Koning sein Amt antrat, besuchten nur 80 Kinder die Schule, heute aber, wo längs der Straße nach Lingen und auf dem Haferkamp auch Bakelde von der Industrialisierung berührt wird, der die Landgemeinden des Nordhorner Kirchspiels in steigendem Maße unterliegen, bereits 170 bis 180. Trotz der großen Kinderzahl unterrichtete Koning bis zum Jahre 1911, wo ein neues Schulhaus gebaut wurde und die Regierung eine zweite Lehrkraft anstellte, allein die große Schar. Auch in den Kriegsjahren ruhte wieder die Arbeitslast der Ausbildung, die er stets gern und mit großer Berufsfreude trug, allein auf seinen Schultern. Zu dieser Leistung befähigten ihn eine vortreffliche Gesundheit und große Elastizität. In 50 Dienstjahren versäumte der Jubilar wegen Krankheit nur 14 Tage die Schule, was wohl einzig dasteht.

Vor ihm sitzt jetzt die dritte Generation auf der Schulbank. Seine ersten Schüler schicken ihm ihre Enkel. Allen gab Koning viel aus dem reichen Schatz seines Wissens und erzog sie zur Gottesfurcht und Vaterlandsliebe.

Wohl selten hat ein Lehrer so für die Gemeinde gestrebt und mit ihr gelebt wie Koning. Er trug mit ihr alle Leiden und Freuden und war besonders in den reifen Mannesjahren der väterliche und wohlmeinende Berater für Arm und Reich. Kein Missklang störte die Harmonie zwischen ihm und der Gemeinde.

Wie er für die Eingesessenen sorgte, dafür nur ein Beispiel. Als Koning die Stelle antrat, brach der Unternehmer Habich in der Bakelder Mark den damals so begehrten Ortstein. Obwohl die Preise schnell in die Höhe gingen, zahlte Habich als Entgelt für die Abteufe alles in allem den beteiligten Gemeinde die Summe von nur 100 Thalern jährlich, wovon Bakelde 44 Th. zuflossen.

Koning gelang damals die Auffindung eines Vertrags, wonach der Unternehmer nach der Einstellung der Eisenschmelze in Wietmarschen des Rechts der Erzschürfe verlustig ging. Da der Betreib auf der Alexishütte bereits ruhte, war damit die Voraussetzung für eine bessere Preisbildung gegeben. Koning führte den Abschluss eines neuen Vertrages herbei, der den größeren Höfen eine jährliche Einnahme  von 1500 bis 2000 Mark aus dem Erzverkauf brachte, was den heutigen Wohlstand der schönen Bauerschaft nicht unwesentlich mitbegründete.

So und ähnlich war Koning  für die Gemeinde tätig, und er blieb Jahrzehnte hindurch die rechte Hand des Gemeindevorstehers. - Was an Bakelde an Obstbäumen steht, ging zum größten Teil durch seine Hand; er regte unaufhörlich zu Neupflanzungen an. Koning erfreut sich infolge seiner hingebenden Tätigkeit für die Gemeinde großer Liebe und Verehrung aller, die ihm nahestehen.

Am 1. April nächsten Jahres gedenkt er in den Ruhestand zu treten. Möge ein freudenreicher Lebensabend seiner Mühe und Treue wohlverdienter Lohn sein.

Quelle: Der Grafschafter, 1. November 1920