Grafschafter Schulgeschichte

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Oberstudiendirektor

Karl Pfeiffer

1880 - 1962

Nach dem Tode von Herrn Oberstudiendirektor Karl Pfeiffer a.D. erschienen in der örtlichen Presse zwei Nachrufe, die hier wörtlich wiedergegeben werden
- Grafschafter Nachrichten vom 4. Juli 1962
- Grafschafter Tagespost vom 5.Juli 1962
Die Verfasser sind nicht bekannt.

Nachruf in den Grafschafter Nachrichten vom 4.Juli 1962

"Nach einem Leben, das gelebt war in Liebe zu seiner Familie, das seine vollste berufliche Erfüllung fand, verschied am gestrigen Dienstag im Alter von 81 Jahren der Oberstudiendirektor a. D. Karl Pfeiffer. Trauernd an seiner Bahre stehen neben seinen engsten Familienangehörigen die Lehrerinnen und Lehrer, die mit ihm an der ersten höheren Schule des Kreises Grafschaft Bentheim gearbeitet haben, stehen auch seine ehemaligen Schülerinnen und Schüler, stehen seine Freunde. Karl Pfeiffer wurde am 28. November 1880 in Lippstadt geboren.

Nachdem das Sehnen und Streben vieler Persönlichkeiten in der Grafschaft Bentheim nach einer Schule, die die Grafschafter Jugend zur Universitätsreife führen konnte, Wirklichkeit geworden war, wurde Studienrat Pfeiffer vom Quakenbrücker Realymnasium nach Nordhorn versetzt und mit der Leitung dieser Schule, die mit 16 Schülern am 16. April 1925 begann, betraut.  Im ehemaligen Sitzungszimmer des Frensdorfer Rathauses war der erste Klassenraum des heutigen Gymnasiums eingerichtet worden, aber schon wenige Jahre später konnte Studiendirektor Pfeiffer mit seiner ihm anvertrauten Schar in das neue Gebäude zwischen Postdamm und Vechte einziehen. Unermüdlich und zielstrebig baute Karl Pfeiffer die Anstalt aus. Die Behörden schätzten seine Persönlichkeit, und in der Bevölkerung des Kreises besaß Karl Pfeiffer bald großes Vertrauen.

Am 17. März 1930 wurde die erste Reifeprüfung in Nordhorn angesetzt. Unter dem Vorsitz von Oberschulrat Dr. Franzmeyer vom Provinzialschulkollegium in Hannover bestanden zwölf junge Grafschafter das erste Abitur. Bis 1946 mußte Karl Pfeiffer nun jährlich Abiturienten entlassen, denen er zusammen mit seinen Kollegen das Rüstzeug für das Leben vermittelt hatte. Er verabschiedete die Abiturienten immer schweren Herzens; denn im Laufe der gemeinsam verbrachten Schuljahre war der "Baas", wie ihn seine Schüler liebevoll, aber auch mit vollem Respekt, nannten, zum väterlichen Freund geworden. Karl Pfeiffer hatte für die Nöte und für die Sorgen der Schüler und auch der Eltern immer ein offenes Ohr und half, wo es eben anging. Der nun Verewigte, ein hervorragender Pädagoge und Lehrer, wußte um die Wichtigkeit des gegenseitigen Vertrauensverhältnisses, und die Schüler haben es ihm gedankt. Auch später, als aus den ehemaligen Abiturienten längst Frauen und Männer in Amt und Würden waren, immer wieder fanden sie den Weg zu ihrem alten Direktor, der ihren Lebensweg mit großem Interesse verfolgte. Als es noch in seinen Kräften stand, da fehlte Oberstudiendirektor Pfeiffer bei keiner Wiedersehensfeier einer alten Klassengemeinschaft.

Um die Nordhorner und die Grafschafter Jugend hat sich Karl Pfeiffer größte Verdienste erworben; des Dankes der Grafschaft Bentheim, des Dankes der ehemaligen Schüler kann er gewiß sein - auch über das Grab hinaus. Und wo immer sich alte Oberrealschüler, Aufbauschüler, Oberschüler oder Gymnasiasten treffen, bei allen, die ihn kannten, wird er unter ihnen sein - der "Baas".

Nachruf in der Grafschafter Tagespost am 5. Juli 1962

"Ein Mann, dessen Name eng mit der Geschichte des Nordhorner Gymnasiums verbunden ist und dessen Leben ausgefüllt war mit Liebe zu den Seinen, mit Wohlwollen und Güte zu seinen Mitmenschen und mit Hingabe an seinen Beruf, segnete das Zeitliche: Oberstudiendirektor a. D. Karl Pfeiffer schloß am Dienstag für immer die Augen. Trauernd stehen neben den Angehörigen seine ehemaligen Schüler, denen er stets ein väterlicher Freund war, und das Lehrerkollegium der Schule, die er aufbaute und deren Geschicke er bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand mit Umsicht, Geschick und Tatkraft leitete, an seiner Bahre und nehmen Abschied von einem Pädagogen, für den Beruf Berufung war.

Der Lebenslauf des Verstorbenen beginnt in Lippstadt, wo er am 28. November 1880 geboren wurde. Nach Studienjahre in Münster und Marburg trat er seine erste Assessorenstelle in Hameln an. 1913 folgte seine Versetzung an das Realgymnasium Quakenbrück. Der erste Weltkrieg unterbrach seine Lehramtstätigkeit. Als dann 1925 der damalige Studienrat Pfeiffer an die neu gegründete Aufbauschule nach Nordhorn versetzt wurde - die kleine Schülerschar erhielt ihren Unterricht im ehemaligen Frensdorfer Gemeindehaus - , stand er vor einer großen Aufgabe. Sein Ziel war es, in Nordhorn eine grundständige Höhere Schule zu errichten. Mit Energie und Tatkraft verstand er es, die Hürden des Instanzenweges zu nehmen. Seinem steten Bemühen blieb der Erfolg schließlich nicht versagt: 1928 konnte das am Stadtring errichtete Gebäude bezogen werden, und 1930 verließ die erste Abiturienta die Aufbauschule Nordhorn. Die Entwicklung hielt weiter an, und schon bald konnte die für 250 Schüler ausgebaute Anstalt nicht mehr alle Bewerber aufnehmen. Neue Pläne reiften - doch der zweite Weltkrieg setzte ihnen ein jähes Ende.

Für Oberstudiendirektor Pfeiffer war es deshalb keine besondere Freude, als 1946 das Niedersächsische Kultusministerium die von ihm geleitete Anstalt als Höhere Schule anerkannte. In jenem Alter erreichte der allseits geschätzte und beliebte Pädagoge die Altersgrenze und schied aus dem Schuldienst aus.

21 Jahre wirkte er an der Bildungsanstalt, die unter seiner Leitung zu einem wertvollen Faktor im Bildungswesen des gesamten Kreises wurde, und leistete freudigen Herzens Dienst an der Jugend. Bis zu seinem Lebensende verfolgte er mit Interesse und Aufgeschlossenheit den weiteren Weg der Schule, die ihm ans Herz gewachsen war."

Quellen:

  • Grafschafter Nachrichten vom 4.7.1962

  • Grafschafter Tagespost vom 5.7.1962