Grafschafter Schulgeschichte

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Jan Rotmann

Ostern 1961 trat Jan Rotmann aus Gölenkamp nach Erreichen der Altersgrenze in den Ruhestand. Schulrat Kollmann überreichte ihm in einer Feierstunde die Dankesurkunde des Regierungspräsidenten.

Ein Bericht in den Grafschafter Nachrichten vom 29. März 1961 würdigt den scheidenden Lehrer. Danach war Jan Rotmann ein Landlehrer von echtem Schrot und Korn. Er stammte aus einer alten Grafschafter Lehrerfamilie; seine Ausbildung erfolgte an der Königlichen Präparandenanstalt in Osnabrück. Nach vierjähriger Tätigkeit in Nordhorn übernahm er 1926 die Schule in seinem Heimatort Gölenkamp, wo er fast 35 Jahre wirkte.

Jan Rotmann erinnerte sich daran, dass er nach dem Kriege mitunter bis zu neunzig Schüler in der Klasse hatte. Sein "Steckenpferd"  waren die frühgeschichtlichen Funde in Gölenkamp. Immer wieder erinnerte er seine Schüler, die Augen offen zu halten, wenn sie durch die Flur gingen. Sein Nachfolger wurde Friedrich Balderhaar, der aus Balderhaar bei Itterbeck stammte. Bürgermeister Gülink überbrachte als Erinnerungsgeschenk Bilder von der alten und der neuen Gölenkamper Volksschule, und ein Schüler überreichte  eine Stehlampe für das neue Heim, das Lehrer Rotmann in Uelsen bezog..

Die Abschiedsworte vom damaligen Bürgermeister Gülink anlässlich der Verabschiedung von Jan Rotmann, die eigentlich alles über seine 35jährige Arbeit in der Schule Gölenkamp aussagen, werden beigefügt:
"Sie, lieber Herr Rotmann, gehen heute von uns, verlassen ihre Schule, wo Sie, ihr Vater, ihr Bruder und ihre Schwester so viele Jahre treu gearbeitet haben. Hier in Gölenkamp ist das Lehrerhaus mit der Gemeinde so stark zusammengewachsen, wie es sonst selten der Fall ist. Das hat sich besonders in den Kriegsjahren gezeigt. Sie, Herr Rotmann, haben keine eigene Familie gegründet, aber dafür war ganz Gölenkamp Ihnen zur großen Familie geworden. Das beweist uns Ihre stete Teilnahme. In der alten Schule haben Sie angefangen, in der schönen neuen hören Sie auf. Auf diese Schule können Sie stolz sein. Immer wieder haben Sie angetrieben, geplant, gesorgt, Gelder beschafft, bis das Haus zum Segen der Kinder und zur Freude der Gemeinde fertig war. Die Gemeinde Gölenkamp dankt Ihnen für die Lebensarbeit, die Sie ihr so ganz gewidmet haben".
Quelle: Schulchronik, abgedruckt in : Heinrich Eberhardt, Schule, Land und Leute der Samtgemeinde Uelsen im Spiegel der Schulchroniken, 1985

Zur Erläuterung: Vater Friedrich Rotmann unterrichtete in Gölenkamp von 1874 bis 1910, der Bruder Johann Rotmann in Gölenkamp vom 1912 bis 1926 und Schwester Anna Rotmann erteilte von 1926 bis 1974 Handarbeitsunterricht.

Zur Ergänzung: Was passierte von 1926 bis 1961 zur Zeit von Jan Rotmann in der Volksschule Gölenkamp:

1926 - Johann Rotmann wird nach Neuenhaus versetzt. An seine Stelle tritt sein Bruder Jan Rotmann. Schule und Lehrerhaus werden an das Elektrizitätsnetz angeschlossen.

1933 - Anlässlich der Reichstageröffnung am 21.3. 1933 finden in allen Schulen Schulfeiern statt, in denen "auf die Bedeutung des Tages des erwachenden Deutschlands in angemessener Weise" hingewiesen wird. Die Schulgebäude werden mit Schwarz-Weiß-Rot und Hakenkreuzflaggen beflaggt (Rundschreiben des Schulrates vom 19.3.1933). Der 1. Mai - der Tag der nationalen Arbeit - wird in allen Städten und Dörfern feierlich begangen. Der Heimatverein schenkt dem Lehrer Rotmann für die Schule als Anerkennung für die eifrige Sammlung von Altertumsfunden in der Bauerschaft eine Nachbildung der goldnen Schale, genannt "dat gaulne Pöttken van Gölenkamp".

1937 - Durch das sehr starke Auftreten der Maul- und Klauenseuche kommt der Unterricht fast zum Erliegen, denn Kinder aus verseuchten Höfen dürfen nicht zur Schule kommen.

1938 - Die Schule Gölenkamp erhält von der Reichsbildstelle Berlin ihr erstes Filmgerät. Es werden neue Schulbänke angeschafft. Nach dem Reichsschulpflichtgesetz von 1938 wird die männliche Jugend bis zum 18. Lebensjahr in der Ländlichen Berufsschule erfasst. Gölenkamp und Hilten werden in Hilten zusammengefasst.

1939 – 1945 - Der Ausbruch des Weltkrieges bedeutet Vertretungsunterricht von anderen Schulen, weil Herr Rotmann zum Kriegsdienst eingezogen ist. Als er als alter Weltkriegsteilnehmer Ende 1940 entlassen wird, muss er an anderen Schulen mit vertreten. Weiterer Unterrichtsausfall erfolgt durch angeordnete Sammlungen der Schulkinder (5.000 kg Altstoffe, 305 kg Heil- und Teekräuter), den Kartoffelkäferabwehrdienst und die Seidenraupenzucht. Durch die zunehmenden Einflüge der feindlichen Flugzeuge werden Luftschutzmaßnahmen erforderlich.

Beim Einmarsch der alliierten Truppen im April 1945 werden die Schulen geschlossen. Die Wiedereröffnung erfolgt im August (Grundschulen) bzw. Oktober 1945 (Oberstufen). Durch Evakuierte und Flüchtlinge hat sich die Schülerzahl auf 86 Kinder erhöht. An Büchern sind nur Bibeln und Gesangbücher zugelassen. Fibeln und Rechenbücher werden von den Kindern der Oberstufe zusammengestellt. Tafeln können nur notdürftig beschafft werden. Eine Normalisierung tritt erst langsam ein.

1950 – 1954 - Im Jahre 1950 besuchen 78 Kinder die Schule. Deshalb beschließt der Gemeinderat die Neueinrichtung einer 2. Lehrerstelle. Außerdem wird der Neubau einer zweiklassigen Schule geplant. Die Regierung genehmigt jedoch nur eine einklassige Schule, weil die alte Schule noch als verwendungsfähig angesehen wird. Nach Baubeginn 1952 kann die Schule am 8. Januar 1954 bezogen werden.

1956 - Aufgrund der sinkenden Schülerzahlen wird die 2. Lehrerstelle am 1.4.1956 nicht wieder besetzt. Die Schule wird wieder einklassig. Die alte Schule von 1842 steht jetzt leer. Das sogenannte "Gymnasium" in Hardinghausen wird abgebrochen, da es baufällig geworden ist.

1961 - Lehrer Rotmann tritt am 1.April 1961 nach 35-jähriger Tätigkeit in den Ruhestand. Nachfolger wird Friedrich Kleine Balderhaar.