Grafschafter Schulgeschichte

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Ernst Joachim Schaede

24.8.1910 - 12.1.2000

von Heinz Ragnitz nach Unterlagen von Winfried Zander

Ernst Joachim Schaede wurde am 24.08.1910 in Berlin geboren. Sein Vater war Pastor in Wannsee. Nach seiner Schulzeit studierte er in Tübingen und Marburg Theologie, Germanistik und Geschichte. 1934 erfolgte die Promotion zum Doktor der Philosophie. Das Thema der Doktorarbeit lautete: "Herders Schrift `Gott´ und ihre Aufnahme bei Goethe". Nach zwei Assistentenjahre in England und Frankreich trat er in den Schuldienst am Französischen Gymnasium in Berlin ein. Mit Ausbruch des Krieges wurde er Nachrichtendolmetscher an der Heeresnachrichtenschule und Kriegsberichterstatter in Frankreich, Italien, Afrika und auf dem Balkan. Nach dem Kriege schlug er sich mit seiner Frau, einem Kind, Fahrrad und zwei Koffern nach Veldhausen zu seiner dort verheirateten Schwester durch. Durch Zufall gewann er Kontakte zum Nordhorner Stadtkommandanten der britischen Armee und zu Landrat Dr. Beckmann. Er wurde Leiter des Dolmetscherbüros der Kreisverwaltung.

Im Jahre 1946 trat er wieder in den Schuldienst beim Gymnasium in Nordhorn ein. Neben der Tätigkeit am Gymnasium war er freiberuflich als Vorsitzender der Volkshochschule und als Journalist bei der Grafschafter Tagespost tätig. Er war Gründer, Organisator und Mitwirker des "Schatzkästleins" und Organisator der Nordhorner "Universitätswochen", Vorsitzender der "Europa-Union" und des "Amerikanischen Club". Er arbeitete im Kulturausschuss der Stadt Nordhorn mit. Am 30. September 1956 verließ Studienrat Dr. Schaede Nordhorn, um als Direktor das "Gymnasium im Entstehen" in Bad Nenndorf zur Vollanstalt aufzubauen.

Aus Anlass seines Weggehens verlieh ihm die Stadt Nordhorn den Goethepreis für seine Verdienste beim Aufbau des Kulturprogramms der Stadt nach dem Kriege. Es gelang ihm, international bekannte Künstler nach Nordhorn zu holen. Über seine vielfältige Tätigkeit in Nordhorn berichtete Winfried Zander ausführlich im Jahrbuch des Heimatvereins 2003 unter dem Titel "Ernst Joachim Schaedes Nordhorner Jahre. Ein Beitrag zum kulturellen Leben in Nordhorn im ersten Nachkriegsjahrzehnt 1946 - 1956" (Seiten 123 bis 144).

Ab 1959 wurde Ernst Joachim Schaede Oberleiter der Hermann-Lietz-Schulen in Schloß Bieberstein in der Rhön. Nach seiner Pensionierung wurde er in Fulda ansässig. Hier gab er noch Unterricht an der von Nonnen geleiteten Marienschule und Literaturkurse an der Volkshochschule. Zwischenzeitlich war er jahrelang der Präsident des Agnes-Miegel-Vereins. Mit Agnes Miegel verband ihn eine persönliche Freundschaft.

Im März 1997 nahm Herr Dr. Schaede als damaliger Deutschlehrer am 50-jährigen Abiturjubiläum des ersten Abiturjahrgangs in Nordhorn nach dem Kriege teil. Am 12. Januar 2000 starb er fast 90-jährig in Fulda.

Quellen (von Herrn Zander zur Verfügung gestellt)

  • Mitteilungen von Frau Erika Manstaedt (Dezember 2000)

  • Abschiedsartikel von Hans Stürmer (GT, 1.10.1956)

  • Mitteilungen von Frau Daniela Roh-Schaede, seiner in London lebenden Tochter (16.1.2001)

  • Winfried Zander", Ernst Joachim Schaedes Nordhorner Jahre", Jahrbuch 2003, Seiten 123 - 144