Grafschafter Schulgeschichte

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Heinrich Spalink 

22.10.1893 - 14.3.1985

von Bernd Hagels

Heinrich Spalink wurde am 22. Oktober 1893 in Uelsen geboren, er ist gestorben am 14. März 1985 in Bad Bentheim-Gildehaus, er war evangelisch-reformiert, Lehrer, Kommunalpolitiker und Bürgermeister. Das älteste von vier Kindern des Schuhmachers Bernhard Spalink (* am 09.09.1858, † am 15.05.1916) und seiner Frau Hendrika, geborene Schoo (* am 02.06.1868, † am 10.05.1942) erhielt die Grundschulausbildung in seinem Heimatort Uelsen. Aufgrund außergewöhnlicher Leistungen konnte er seine Ausbildung am Lehrerseminar in Osnabrück fortsetzen. Nach erfolgreichem Abschluß kam er im Jahr 1913 als Lehrer der dortigen Volksschule nach Gildehaus, wurde jedoch sofort nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges als Soldat eingezogen. Nach Kriegsende kehrte er nach Gildehaus zurück.

In der frühen Weimarer Zeit trat Spalink der rechtsliberalen Deutschen Volkspartei (DVP) bei und war vermutlich eine Zeitlang deren Ortsvereinsvorsitzender. Die DVP gehörte nicht zur so genannten "Weimarer Koalition" von SPD, Zentrum und Deutscher Demokratischer Partei (DDP), die die tragende Kraft der Verfassung von 1919 bildete und somit die Hauptstütze der jungen Republik war. Spalink stand dem damaligen Gildehauser DVP-Bürgermeister Ernst Buermeyer (1883-1945) persönlich wie politisch nahe. Die weitere politische Entwicklung der Weimarer Republik führte ihn jedoch im Gegensatz zu Bürgermeister Buermeyer, der bis 1933 DVP-Mitglied blieb, nach links. Doch blieb das Verhältnis zu Buermeyer, 1929 bis 1933 DVP- Provinziallandtagsabgeordneter, weiterhin gut. Bis 1933 standen alle politischen Parteien des Ortes mit Ausnahme der Nationalsozialisten hinter dem DVP-Bürgermeister. Spalink trat 1926 als Schriftführer des Gildehauser Ortsvereins der DDP in Erscheinung und stellte sich damit eindeutig auf die Seite der Republikaner. Als DDP-Mitglied unterstützte er auch die demokratische Wehrorganisation "Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold", die in Gildehaus eine ihrer wenigen Grafschafter Ortsgruppen besaß. 1930 forderte er auf einer SPD-Versammlung in Neuenhaus den Zusammenschluss aller Republikaner und warb für die Gründung einer "Reichsbanner"-Gruppe in der Niedergrafschaft. Allerdings war die DDP in Gildehaus wie in der Grafschaft zunehmend bedeutungslos geworden. War sie in Gildehaus 1919 noch stärkste Partei gewesen, so sprachen sich bei der Reichstagswahl von 1928 nur noch 25 Personen für die Linksliberalen aus.

Wegen ständiger Streitigkeiten mit der örtlichen NSDAP-Führung wurde Spalink 1942 nach Wielen und Ratzel im Nordwesten der Grafschaft Bentheim, wo in den jeweils einzügigen Schulen bis zu 140 Kinder gleichzeitig unterrichtet werden mußten, versetzt. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges konnte er nach Gildehaus zurückkehren und seine Tätigkeit als Lehrer dort wiederaufnehmen.

Im Jahr 1946 trat er der SPD bei und wurde im November 1948 in den Rat der Gemeinde gewählt, der ihn am 27. Dezember 1949 zum Bürgermeister von Gildehaus wählte. Die Probleme, die sich damals der Ratstätigkeit stellten, waren immens; die Einwohnerzahl von Gildehaus war wegen des Flüchtlingsstroms nach dem Krieg innerhalb kürzester Zeit um über ein Drittel, von knapp 2000 im Jahre 1939 auf fast 2800 im Jahre 1950, gewachsen. Es mussten gewiss nicht immer leichte Entscheidungen zur Unterbringung der Flüchtlinge getroffen, der Wiederaufbau vorangetrieben und preiswertes Bauland zur Verfügung gestellt werden. Angesichts dieser objektiven Probleme und mit Rücksicht auf die Pattsituation zwischen CDU und SPD im Rat verfolgte Bürgermeister Spalink eine Politik des Konsenses mit den anderen Parteien; er wurde im Laufe seiner Tätigkeit zu einer überparteilichen Instanz, was sich z. B. darin äußerte, daß er gewöhnlich in den konstituierenden Ratssitzungen in öffentlicher Abstimmung von allen im Rathaus vertretenen Parteien zum Bürgermeister gewählt wurde. In der Legislaturperiode 1952 bis 1956 teilte sich Spalink das Bürgermeisteramt mit Heinrich Hölscher (CDU), der es vom Januar 1955 bis Dezember 1956 innehatte. Bei der Kommunalwahl im Dezember 1956 erreichte die SPD die absolute Mehrheit der Ratssitze und behielt sie auch bis 1968, so dass Spalinks Position als Bürgermeister unangefochten war. Streitigkeiten innerhalb der SPD-Fraktion führten indes im Vorfeld der Kommunalwahlen 1968 dazu, dass Spalink als Bürgermeisterkandidat - und zwar keineswegs aus Altersgründen, wie er betonte - nicht mehr zur Verfügung stand.

Unter Bürgermeister Spalink wurde die SPD unangefochtene Mehrheitspartei in Gildehaus. Bei der Kommunalwahl 1956 erreichte sie zum ersten Mal die absolute Mehrheit der Mandate, die sie bis 1968 - dem Jahr von Spalinks Rücktritt von der Bürgermeisterkandidatur - halten konnte. In der Regel konnte Spalink allein mehr als die Hälfte der für die SPD abgegebenen Stimmen auf sich vereinen (z.B. 1961: 469 von 755 Stimmen). Für die große Beliebtheit Spalinks, den die Gildehauser auf plattdeutsch "Mester Hein" titulierten, spricht, dass die SPD bei der Kommunalwahl von 1968 eine katastrophale Niederlage hinnehmen musste. Im gleichen Jahr erhielt er das Bundesverdienstkreuz. Spalink war Mitglied des Kreistages der Grafschaft Bentheim vom 28. November 1948 bis zu seiner feierlichen Verabschiedung am 21. November 1972, als er auf eine Wiederaufstellung aus Altersgründen verzichtete. Der Kreistag ernannte ihn zum Ehrenmitglied. Seine berufliche Laufbahn beendete er als Konrektor am 31. März 1959. Außerdem war er im Laufe seiner langjährigen Anwesenheit in Gildehaus allen maßgeblichen Vereinen beigetreten, so der Schützengilde Gildehaus, dem Turn- und Sportverein und dem Männergesangverein.

Im Jahre 1929 heiratete Heinrich Spalink Lilli Schneider (* am 03.12.1905, † am 13.10.1944). Dieser Ehe entstammen die Kinder Heinz, geboren am 28. April 1932, und Hannelore, geboren am 1. Februar 1935. Nachdem 1944 seine Ehefrau Lilli verstorben war, heiratete Spalink am 8. Juni 1951 Maria Anna Schreier (* am 02.02.1916), verwitwete Jentsch. Diese zweite Ehe blieb kinderlos.

Quellen

StAOS Rep 439 Nr. 19

Kreisverwaltung Grafschaft Bentheim

Stadtverwaltung Bad Bentheim

Gemeinde Uelsen

Werke: Gildehauser Rückblick und Ausschau, in: GN-Jubiläums-Ausgabe vom 01.11.1954.

Literatur

Gemeinde Gildehaus. Kurze Rückschau auf die Jahre 1945 - 1960, verfaßt von Gemeindedirektor Schultwessel.

Gemeinde Gildehaus. Rückblick auf die Wahlperiode 1961 - 1964, verfaßt von Gemeindedirektor Schultwessel.

Bernd Krol/Bert Hagels, Die SPD in Gildehaus von 1945 bis 1975, in: Heinz-Georg von Wensiersky (Hrsg.), SPD Bad Bentheim 1919-1995. Festschrift anläßlich des Zusammemschlusses der Ortsvereine Gildehaus und Bentheim vor 20 Jahren am 25. Januar 1975, Bad Bentheim 1995, S. 29-37.

Organisationshandbuch der Deutschen Demokratischen Partei. Hrsg. von der Reichsgeschäftsstelle der Deutschen Demokratischen Partei. Abgeschlossen: 30.01.1926, Berlin 1926, S. 210.

N.N., Elfmal an den Wahlurnen. Das politische Gesicht der Grafschaft im Spiegel der Wahlen, in: GN Jubiläums-Ausgabe vom 01.11.1954.

Heinrich Voort, 700 Jahre Gildehaus 1292-1992, Gildehaus/Bad Bentheim 1992.

Diese Lebensgeschichte von Heinrich Spalink ist veröffentlicht in:
Band 6 des Projektes der Studiengesellschaft für Emsländische Regionalgeschichte e.V.