Grafschafter Schulgeschichte

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250 Jahre Schule in Osterwald

Vortrag anlässlich der 250-Jahr-Feier am 6. November 2003 von Heinz Ragnitz

Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Vor 250 Jahren, im Jahre 1753, wurde das erste Schulgebäude in Osterwald errichtet. Für die heutige Schule, die Grundschule Osterwald, ist dies der Anlass, ein besonderes Jubiläum zu feiern. Ich bin vom Schulleiter gebeten worden, einen Blick zurückzuwerfen in die Schulgeschichte von Osterwald. Dieser Versuch kann nur unzulänglich bleiben, da die erforderlichen Unterlagen nur bruchstückhaft vorliegen. Verschiedentlich muss auf Aussagen aus vergleichbaren Schulen zurückgegriffen werden, um ein Bild des Schullebens in jener Zeit zu zeichnen.

Als Grundlagen für meinen Bericht verwendete ich in erster Linie die Schulchronik der Osterwalder Schule, die von den Schulleitern ab 1894 bis heute geführt wurde und 2 Bände umfasst. Ferner standen mir Artikel aus der Heimatliteratur von Ludwig Sager, Heinrich Specht, Heinrich Hensen, Ernst Kühle, Heinrich Eberhardt und Jan Harm Kip zur Verfügung. Die wesentlichen Inhalte konnten und können Sie in den Grafschafter Nachrichten vom letzten Wochenende nachlesen.

Vor der Reformation gab es Schulen nur in den größeren Orten der Grafschaft Bentheim, in Bentheim, Schüttorf, Neuenhaus und Nordhorn. Neben den Lateinschulen waren dies die „Deutschen Schreib- und Leseschulen“, in denen in erster Linie den Kaufleuten die notwendigen Mindestvoraussetzungen zur Ausübung ihres angehenden Berufes beigebracht wurden, nämlich deutsche Briefe lesen und schreiben zu können.

Für die gesamte Schulentwicklung spielte die Reformation eine bedeutsame Rolle, denn die Forderung einer allgemeinen religiösen Volkserziehung bildete einen Kernpunkt in ihrem Programm. Die Aufgabe, den elementaren religiösen Volksunterricht zu erteilen, wurde den Ortspfarrern zugewiesen, die für diese Aufgabe die Küster heranzogen. Ihnen wurde die Rolle des Schulmeisters zugedacht. Jeder sollte Zugang zu dem in der Heiligen Schrift dargestellten Wort Gottes haben; jeder sollte deshalb die religiösen Grundbücher wie Bibel, Katechismus und Gesangbuch lesen können.

In den Kirchspielorten Uelsen, Emlichheim, Veldhausen, Wilsum, Gildehaus, Brandlecht und Ohne entstanden bald nach der Reformation die Kirchspielschulen. Die Aufsicht über die bestehenden Schulen ging dann im Jahre 1613 auf das neu geschaffene Gremium des Oberkirchenrates über. Für die Schuljugend von Osterwald war damals die Kirchspielschule in Veldhausen zuständig. Die Kirchspielorte hatten ein großes Interesse daran, dass die Landjugend ihre Schule besuchten, da die Schüler auch als Boten den Kaufleuten und Handwerkern manchen Auftrag brachten. Sie sträubten sich energisch gegen eine schulische Strukturveränderung dieser für sie günstigen Verhältnisse. Aber der Wunsch der abgelegenen kleinen Gemeinden, für ihre Kinder – vor allem aber für die jüngeren bis zu etwa 10 Jahren – eine Bauernschafts- oder Nebenschule zu errichten, wurde immer stärker. Die Genehmigung zur Errichtung von Nebenschulen war dem Oberkirchenrat vorbehalten, der sich schon 1617, ein Jahr vor Beginn des Dreißigjährigen Krieges, grundsätzlich für die Errichtung von Nebenschulen in abgelegenen Bauernschaften aussprach.

Nach Scheerhorn 1628 war die Bauernschaft Osterwald eine der ersten Gemeinden, der nach einem harten Streit mit Veldhausen im Jahre 1663 eingeräumt wurde, einen „absonderlichen Schulmeister“ für die kleinen Schüler einzustellen, die den weiten Weg zur Kirchspielschule in Veldhausen noch nicht machen konnten. Es wurde aber die Bedingung gestellt, dass der Kirchspielschule kein größerer Schaden erwachse. Dies ist so festgelegt im Protokoll des Oberkirchenrates vom 20. Oktober 1663, also vor 340 Jahren. Es ist nicht bekannt, dass zu der Zeit schon ein Schulgebäude errichtet wurde, so dass angenommen werden muss, dass der Unterricht in einem Privatraum erfolgte. Über die Lehrer ist ebenfalls nichts bekannt.

Über den Bau einer ersten Schule in Osterwald berichtet Heinrich Hensen, der ein Ausgabenbuch der Gemeinde Osterwald für die Jahre 1698 bis 1853 auswertete. Danach beschlossen die vier Bürgermeister (Buurschulten oder Boermannen) von Osterwald am 22. Februar 1753, „eine nije Schoole to timmern“. Man beschloss, beim Schulbau selbst mitzuhelfen, damit die entstehenden Kosten bescheiden bleiben. Die Schule scheint nach Angaben von Hensen dort errichtet worden zu sein, wo auch die folgenden standen. Auf einen Stein aus Bentheimer Sandstein wurde folgender Spruch (ins Deutsche übersetzt) eingeschlagen: „O Herr, du hast uns zubereitet, um diese Schule zu bauen. Segen dem Meister (das heißt, dem Lehrer) und den Kindern, auf dass sie auf dich vertrauen!“ Als 1850 eine neue Schule gebaut wurde, wurde dieser Stein mit eingebaut. Beim Bau 1951 ging er dann verloren.

Ich vermute, dass nach dem Schulbau von 1753 alle Kinder aus Osterwald diese Schule besucht haben. Hierfür reichten Privaträume nicht mehr aus, so dass der Bau erforderlich wurde. Die Schule scheint, wie alle Häuser damals, mit einem offenen Feuer geheizt worden zu sein, vielleicht fehlte auch die Decke, denn es heißt 10 Jahre später im Ausgabenbuch: „Kachel und Bönnen voor de School“. In der Folgezeit erscheinen dann regelmäßig Ausgaben für Reparaturen in der Schule, wie Fensterscheiben, „Schrijbank“, Torf, Lampen und auch Kalk, „om de School te witten“. Der Beschluss, eine neue Schule zu bauen, erfolgte vor nunmehr 250 Jahren, so dass dieses Ereignis für die heutige 250-Jahr-Feier zugrunde gelegt wurde, obwohl im Vorlauf schon 90 Jahre lang die jungen Kinder in Osterwald unterrichtet wurden.

Die damalige Organisation des Unterrichts ergibt sich aus der Bentheimer Kirchenordnung von 1709, in der die Bentheimer Schulordnung enthalten war. Dort heißt es u.a.: „In den Städten und Dörfern, (d.h. in den Kirchspielschulen) soll während des ganzen Jahres Unterricht in den Schulen sein, ausgenommen im Monat August. Aber in den Bauernschulen, welche weiter als eine halbe Stunde von der Kirchspielschule liegen müssen, soll zum allerwenigsten acht Monate, nämlich vom 1. September bis zum 1. Mai, unterrichtet werden. Gegen Ende des Unterrichts, mit Ablauf der Monate April bzw. Juli, sollen die Schulmeister eine Prüfung halten und in Gegenwart des Pastors und Kirchenrates wie auch der Eltern der Kinder zeigen, wie weit ihre Kinder im Lesen, Schreiben, Rechnen und vor allem in der Erkenntnis Gottes gekommen sind.“ Bis 1528 war das Bistum Utrecht einer der größten Grundherren in der Grafschaft. Durch das reformierte Bekenntnis war die Vebindung zu den Niederlanden sehr stark. Daher wurde in den Kirchen niederländisch gepredigt und in den Schulen in der niederländischen Stprache unterrichtet.

Über die damaligen Lehrer ist wenig bekannt. Ab 1795 unterrichtete ein G. Brouwer. Er erhielt für das Führen des Ausgabenbuches jährlich 1 Gulden und bezeichnete sich selbst als „Schoolmester“. Erwähnt wird im Ausgabenbuch der Schoolmester Lukas Kroll, der 1819 2 Gulden und 1829 6 Gulden von der Gemeinde erhielt. In der Schulchronik werden aus dieser Zeit vor 1850 auch die Lehrer Schiewink und Assink genannt.

Über die Leistungsfähigkeit der Nebenschulen heißt es in der Hardinger Schulchronik u.a.: „Das Volksschulwesen ließ in der frühen Zeit viel zu wünschen übrig. Es wurde nur in den Wintermonaten unterrichtet und in den Sommermonaten war gar keine Schule. Die Kenntnisse bei einem Lehrer waren genügend, wenn er ziemlich gut schreiben, in der Bibel lesen und etwas rechnen konnte. In der Regel waren alte Schäfer zu haben, welche mit diesen Unterrichtsgaben begabt waren. Der betreffende Bauer, bei dem der Schäfer diente, wurde beauftragt, ihm die Lehrerstelle für die Winterzeit anzutragen.“ Die Eltern mussten für jedes Kind in der Woche 1 Stüber (20 Stüber = 1 Gulden) bezahlen. Das geringe Einkommen des Lehrers betrug durchschnittlich etwa 25 bis 30 Gulden im Winter, je nach Schülerzahl, und Reihetisch, das heißt, der Lehrer wechselte zum Essen zu den einzelnen Bauern der Gemeinde.

Die damaligen „Lehrer“ hatten keine spezielle Ausbildung. Sie haben schlecht und recht, so wie sie es eben vermochten, ihre pädagogische Tätigkeit ausgeübt. Erst im Laufe des 19. Jahrhunderts tritt allmählich eine Verbesserung ein. In einer Bekanntmachung von 1824 gibt die Königliche Landdrostei zu Osnabrück Bestimmungen zur Verbesserung des niederen Schulwesens in der Grafschaft Bentheim heraus. Es werden die Stellen von zwei Kreisschulinspektoren geschaffen, die diese Verbesserungen in die Wege leiten sollen. Für die Niedergrafschaft ist es zunächst Pastor Visch aus Wilsum, dann August Fokke aus Neuenhaus, der durch die Gründung einer Präparande die Ausbildung der Lehrer vorantreibt. Jungen im Alter von etwa 17 Jahren aus den Städten und Bauernschaften werden zu Landlehrern ausgebildet, indem ihnen verbesserte Lehrmethoden vermittelt werden. Die spätere Ausbildung der Lehrer erfolgt dann an den Lehrerseminaren in Aurich und Osnabrück.

Der Unterricht wird nunmehr ganzjährig erteilt. In der Niedergrafschaft löst Deutsch allmählich das Holländische als Unterrichtssprache ab. Es werden deutsche Schulbücher eingeführt. Das Einkommen der Lehrer steigt von 270 Mark jährlich im Jahre 1852 auf 750 Mark nebst 60 Mark Wohnungsentschädigung jährlich im Jahre 1882. Durch die Allgemeinen Bestimmungen von 1872 wird der Lehrplan bedeutend erweitert. Die Fächer sind Religion, Rechnen und Raumlehre, Deutsch, Geschichte, Geographie, Naturgeschichte, Physik, Gesang und Zeichnen.

In Osterwald wird fast 100 Jahre nach dem ersten Schulbau, im Jahre 1850, eine neue Schule gebaut, die ebenfalls nur einen Klassenraum enthält. Von 1852 bis 1889, 37 Jahre lang, ist in Osterwald ein Lehrer Geerds tätig. Die Schülerzahlen liegen in dieser Zeit zwischen 44 und 86 Kindern. Sie steigen dann 1891 auf 127 Kinder, um dann wieder unter 100 abzusinken. Die Gründe hierfür sind nicht bekannt.

1894 beginnt Lehrer Schmid mit dem Schreiben der Schulchronik, so dass von jetzt ab mehr Informationen über die Schule Osterwald und die Gemeinde vorliegen. Der Umfang der Ausführungen ist jedoch bei den verschiedenen Schreibern unterschiedlich. Lehrer Schmid schreibt, dass Osterwald 551 Einwohner hat. Der Schulweg der Kinder beträgt bis zu einer Stunde. In der Schule wird deutsch, sonst plattdeutsch gesprochen. Die Konfessionen sind reformiert und altreformiert. Der Schulbesuch ist bei günstiger Witterung regelmäßig, jedoch bei schlechtem Wetter sehr unregelmäßig. Die Ferien betragen Michaelis 21 Tage, Weihnachten 10 Tage, Ostern 5 Tage, Pfingsten 3 Tage, Jakobi 16 Tage. Es gibt 2 Bußtage und 6 Fasten-Freitage. Schulfeste liefern des Kaisers Geburtstag am 27. Januar und der Sedantag am 2.September. Kaisers Geburtstag wird gefeiert unter Gesang vaterländischer Lieder und unter Vorführung des Lebensbildes desjenigen, dem die Feier gilt, was gewöhnlich eine Stunde währt. Turnunterricht für Knaben und Handarbeitsunterricht für Mädchen werden erteilt.

Die Zeit von 1890 bis 1911 ist gekennzeichnet durch häufigen Lehrerwechsel. Insgesamt sind in dieser Zeit nacheinander 9 Lehrer tätig. Die Schulchronik berichtet über häufige Epidemien, wie Keuchhusten, Diphtherie und Masern, die oft zu Schulschließungen führen. Schwindsucht ist weit verbreitet. Mehrere Kinder sterben. Ebenso wird vom Hochwasser der Lee berichtet.

1911 kommt der Lehrer Gerhard Nynhuis nach Osterwald, der hier 21 Jahre bis 1932 bleibt. Da die Schülerzahl wieder über 100 angestiegen ist und in den folgenden Jahren immer zwischen 100 und 120 liegt, erhält Osterwald eine 2. Lehrerstelle. Es erfolgt der Neubau eines zweiten Klassenraumes und einer Lehrerwohnung darüber. Lehrer Nynhuis nimmt an einer Ausbildung für Lehrer an ländlichen Fortbildungsschulen teil und richtet in den Wintermonaten eine Fortbildungsschule für schulentlassene Jugendliche ein. Der Unterricht findet jeweils am Dienstag und Freitag von 18.30 bis 20.30 Uhr statt. 

Im 1. Weltkrieg werden beide Lehrer zum Wehrdienst eingezogen. Ab 4. Januar 1916 unterrichtet der Lehrer Karl Lilienthal aus Osnabrück vertretungsweise an der Volksschule Osterwald. In der Schulchronik berichtet er ausführlich und sehr anschaulich über die Kriegsereignisse, die politischen Veränderungen und die Verhältnisse in Osterwald und Umgebung. Über seine Osterwalder Zeit schreibt er in den Grafschafter Jahrbüchern 1954, 1956 und 1957 ("O, du mein Osterwald", "Aus meinem Grafschafter Tagebuch anno 1917 - 1918") und im Grafschafter des Jahrgangs 1954 ("Wie der kleine Bernd Kasper starb", "Es gibt noch eine Zukunft", "Der Rabenhofbauer"). Karl Lilienthal ist später als Heimatdichter in Niedersachsen bekannt geworden.

Der Schulunterricht wird durch die kriegerischen Verhältnisse stark beeinflusst: Die älteren Schüler müssen häufig in der Landwirtschaft mithelfen. In den Wintermonaten herrscht Brennmaterialknappheit. Es ergeht die Weisung im Amtblatt, Wollgras (Moosplüschken) für die Garnisons-Militärverwaltung zur Verwendung als Füllung für Schlafsäcke zu sammeln. Die Schüler aus Osterwald sind mit ihrem Lehrer mit großem Eifer dabei. In einem offiziellen Dankschreiben erfolgt dann der Hinweis, dass Wollgras sich nicht zur Füllung von Schlafsäcken eignet, so dass auf die Zusendung der Säcke mit dem Wollgras verzichtet wird. Die Empörung unter den Schülern ist groß. Das Sammeln von Brennnesseln für die Zeugfabrikation und von Weißdornfrüchten als Kaffeeersatz wird deshalb nicht mehr durchgeführt.

Zur neuen Zeit nach Kriegsende schreibt Lilienthal im November 1918: "Neue Reformen sind im Werden, besonders auch in Bezug auf die Schule. Ich begrüße die Einheitsschule, die eine Bresche in unseren abscheulichen Klassendünkel reißen wird, ich begrüße die Befreiung der Schule von jeder kirchlichen Bevormundung, die Befreiung von der geistlichen Schulaufsicht, die des Lehrers Stand zweifellos heben wird; ich begrüße endlich die dem Lehrer zugestandene Glaubens- und Gewissensfreiheit. Rechtes Tun gebiert nur die Freiheit. Zwang ist Tod".

Ab 1919 unterrichten wieder zwei Lehrer an der Schule. Die Schule wird dreiklassig. Die 1. Klasse (Oberstufe) mit 35 Schülern erhält 28 Wchstd., die 2. Klasse (Mittelstufe) mit 49 Schülern 24 Wchstd. und die 3. Klasse (Unterstufe) mit 45 Schülern 12 Wchstd. Aus Osterwald gehen auch Kinder in die Rektorschule nach Neuenhaus und nach Errichtung der Oberrealschule in Aufbauform 1925 nach Nordhorn. Ostern 1934 besteht der erste Schüler aus Osterwald, Hindrik Jan Hensen, an der Aufbauschule in Nordhorn seine Reifeprüfung. Heinrich Hensen, wie er sich später nennt, wird Lehrer und ist dann Schulleiter in Vorwald und an der Blankeschule in Nordhorn. Außerdem wird er als Heimatschriftsteller bekannt.

Die Machtübernahme Hitlers hat auch auf die Schule Auswirkungen. Aufgrund seines Wahlsieges in ganz Deutschland am 5.3.1933 gibt es am 8.3. schulfrei. Die Schule wird geflaggt. Am 1. Mai, dem "Tag der nationalen Arbeit" nehmen sämtliche Schulen des Kirchspiels an einen Festzug in Veldhausen teil. Auch die Schule Osterwald ist von außen und von innen mit Birkengrün und kleinen Fahnen geschmückt. Die Lehrer werden auf den Führer Adolf Hitler vereidigt. Es werden Sammlungen für den VDA (Verband der Deutschen im Ausland), die Kriegsgräberfürsorge, die Winterhilfe und das WHW (Winterhilfswerk) durchgeführt.

In der Schulchronik wird der Kriegsausbruch 1939 ausführlich dargestellt. Beide Lehrer werden eingezogen. Lehrer Rotmann aus Neuenhaus übernimmt die Vertretung und muss bis zu 120 Schüler allein unterrichten. Es wird über Altstoff- und Heilkräutersammlungen berichtet. Die Schularbeit wird häufig durch Fliegeralarm und Feindeinflüge unterbrochen.

Die Schule endet Ostern 1945 mit dem Einmarsch der alliierten Truppen. Sie beginnt wieder am 29. August (für die Grundschule) bzw. am 25. Oktober (für die oberen Jahrgänge). Der Unterricht leidet unter dem Mangel an Büchern, Heften, Schiefertafeln, Kreide u.a. Die Schülerzahl steigt durch Flüchtlinge bis auf 141 im Jahre 1950 stark an. Die 3. Lehrerinnenstelle wird eingerichtet, so dass 4 Klassen gebildet werden können. Da nur zwei Klassenräume zur Verfügung stehen, muss Nachmittagsunterricht erteilt werden. Nachdem der Gemeinde 25 000 DM aus der Emslandhilfe zugesprochen wurden, erfolgt der Neubau der jetzigen Schule mit 2 Klassenräumen auf dem damaligen Sportplatz bei der Schule, die im August 1951 bezugsfertig ist. 1954 beschließt der Gemeinderat den Anbau eines dritten Klassenraumes und den Bau einer Lehrerwohnung. In dem 1911 errichteten Schulgebäude wird eine Wäscherei eingerichtet. Die 1850 erbaute alte Klasse wird abgerissen.

Aufgrund der Einnahmen aus der Erdölförderung erfolgen ab 1961 zahlreiche Baumaßnahmen in der Gemeinde. In der Schule entsteht eine Pausenhalle, der Bau einer zweiten Lehrerwohnung wird beschlossen. Die Toilettenanlage wird umgebaut und erweitert. Der Schulhof erhält eine Asphaltdecke. Auf einem 8750 qm großen Grundstück entsteht ein Sportplatz mit befestigter Laufbahn am Rande, der von einem Drahtzaun umgeben ist. Es werden eine Turnhalle in der Größe 12 x 24 m und ein Lehrschwimmbecken mit versenkbarem Boden und eine Schwimmmeisterwohnung gebaut, die 1967 ihrer Bestimmung übergeben werden.

Von der Zentralisierung des Schulwesens ist auch die Volksschule Osterwald betroffen. 1962 wird in Niedersachsen das 9. Schuljahr eingeführt. Die Schüler aus Osterwald gehen nach dem 8. Schuljahr zur Mittelpunktschule Veldhausen. 1966 stimmt eine Elternversammlung nach Ablehnung durch den Gemeinderat zu, dass das 7. und 8. Schuljahr nach Veldhausen abgeschult wird.

In Neuenhaus wird zu Beginn der 70er Jahre die Kooperative Eingangs- und Förderstufe (KEF) als Vorläufer der Orientierungsstufe eingeführt. Die Schüler des 5. und 6. Schuljahres werden nach Neuenhaus überwiesen, gehen ab Klasse 7 nach Veldhausen zur Hauptschule oder verbleiben in der Realschule oder dem Gymnasium in Neuenhaus. In Osterwald bleibt nur die Grundschule, die nach Zusage des damaligen Schulrates auch dort bleiben soll. Die Zahl der Schüler sinkt auf unter 50 (im Jahre 1973).

Schulleiter der Schule Osterwald sind nach dem 2. Weltkrieg zunächst Hauptlehrer Rotmann, nach seiner Pensionierung 1955 Hauptlehrer Behmenburg, der schon seit 1947 an der Schule tätig war. Nach einjähriger Vertretung durch Frau Crispin folgt 1976 Herr Northolt, der vorher Schulleiter in Hohenkörben war. Sein Nachfolger wird ab 1989 Gerd Schulz aus Veldhausen.

In den 90er Jahren erfolgen zahlreiche Umbaumaßnahmen. So werden ein Verwaltungsraum geschaffen und im Obergeschoss ein 4. Klassenraum gebaut, der im August 1990 fertiggestellt ist. Die Turnhalle wird renoviert. In einer leer stehenden Wohnung werden ein Kunst-/Werkraum, ein Gruppenraum, eine Küche und ein Lehrer-WC geschaffen. Einen Rückschlag erleidet die Schule, als 1993 die Decke des Hallenbades einstürzt. Trotz vielfacher Bemühungen und einer Unterschriftensammlung mit 1229 Unterschriften bleibt das Schwimmbad aus finanziellen Gründen bis heute geschlossen.

Die Schule wird in ihren Bemühungen zur Verbesserung der schulischen Situation durch Mithilfe der Eltern in einer Elterninitiative und durch einen Förderverein unterstützt. Dieser will zusätzliche Lernmittel anschaffen, schulische Veranstaltungen und Einrichtungen fördern, bedürftige Schüler und Schülerinnen unterstützen, zusätzliche Spielgeräte für Schule und Schulhof anschaffen, die Beziehungen zum Schulträger, der Samtgemeinde Neuenhaus pflegen und die Interessen der Schule gegenüber der Schulaufsicht in der Öffentlichkeit vertreten.

Meine Damen und Herren! 250 Jahre Schule in Osterwald sind für mich der Anlass gewesen, in großen Zügen Rückschau zu halten auf die Entwicklung des Schulwesens in dieser Gemeinde. Aus der Bauernschafts- oder Nebenschule, in der in der Anfangszeit Unterricht unter erbärmlichen Bedingungen gehalten werden musste, ist im Laufe der Entwicklung eine moderne Grundschule entstanden, in der mit einer sehr guten Ausstattung und vielfältigen Hilfsmitteln von pädagogisch versierten Lehrerinnen und Lehrern eine vorbildliche Arbeit geleistet wird. Die Gemeinde Osterwald und die Samtgemeinde Neuenhaus als heutiger Schulträger haben gewaltige Anstrengungen unternommen, um diese Schule auf den heutigen Stand zu bringen. Dabei wurden und werden sie in vollem Umfang von der Elternschaft unterstützt.

Über die weitere Entwicklung der Schule, die als „Verlässliche Grundschule“ ausgebaut wird und am Projekt „Lernen in der Schule“ beteiligt ist, wird im Anschluss Herr Tiemann in einem zweiten Teil dieser Feierstunde berichten.

Ich wünsche allen, dass die Entwicklung dieser Schule die Fortschritte macht, die für die künftigen Bewohner dieser Gemeinde und ihre Lebensgestaltung erforderlich sind. Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!

Quellen:

  • Schulchronik der Volksschule Osterwald, Band I (1894 - 1955)

  • Schulchronik der Schule Osterwald, Band II (ab1955)

  • Ludwig Sager, Schule und Lehrer in alter Zeit, Der Grafschafter 1954, Seite 117

  • Heinrich Specht, Die Bauerschafts- und Nebenschulen in der Grafschaft Bentheim, Jahrbuch des Heimatvereins, 1936, Seite 88 - 91

  • Dr. Ernst Kühle, Osterwald, Jahrbuch des Heimatvereins 1975, Seite 120

  • Heinrich Hensen, Aus der Geschichte der Gemeinde Osterwald 1698 - 1853. In: Der Grafschafter, Jahrgang 1986, Seiten 12 und Fortsetzungen

  • Heinrich Eberhardt und Jan Harm Kip, Einführung des reformierten Bekenntnisses in der Grafschaft Bentheim im Jahre 1588 und ihr Einfluss auf die Entwicklung des Volksschulwesens. In: Reformiertes Bekenntnis in der Grafschaft Bentheim, Das Bentheimer Land, Band 114, 1988, Seiten 215 – 244.