Grafschafter Schulgeschichte

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Ev. Volksschule Neuenhaus, dann Hauptschule Neuenhaus

1. Die Entwicklung des Schulwesens in Neuenhaus ab 1465

1465 - Das Recht des "Schulehaltens" gehört zu den Privilegien, die die Stadt Neuenhaus vom Grafen zuerkannt bekommen hat. Neben Schüttorf und Nordhorn bekommt auch Neuenhaus schon 1465 die Erlaubnis, "einen Meister zu setzen" (Heinrich Eberhardt, Chronik der Schulen von Neuenhaus, 1994, Seite 31). Vor der Reformation gibt es in den Städten die so genannten "Teutsch-Schulen" (Deutsche Schreib- und Leseschulen), in denen in erster Linie den Kaufleuten die notwendigen Mindestvoraussetzungen zur Ausübung ihres angehenden Berufes beigebracht werden, nämlich Briefe lesen und schreiben zu können. Sie führen ein armseliges Dasein, da wegen der häufigen kriegerischen Auseinandersetzungen kaum finanzielle Mittel für den Lehrer und den Schulbau zur Verfügung stehen. So muss privater Raum angemietet werden, in denen der Unterricht nur notdürftig aufrechterhalten werden kann. Es ist nicht bekannt, wo der Unterricht in Neuenhaus abgehalten wird.

1524 - In einem "Sendschreiben an die Ratsherren aller Städte deutschen Landes" fordert Martin Luther diese auf, christliche Schulen einzurichten, zu halten und den Schulzwang einzuführen. Die Schulen werden verpflichtet, neben Lesen, Schreiben und Rechnen auch für die religiöse Unterweisung zu sorgen.

1682 - Der Unterricht findet wie bisher in privaten Räumen statt. Der Beginn einer schulischen Unterweisung kann nicht genau datiert werden. 1682 erhält der Zimmermann Jan Mensink dann den Auftrag zum Neubau eines Schulhauses in der heutigen Voigtstiege. Die Ausführung weist wiederholt technische Unzulänglichkeiten auf. Die benötigten Mittel für den Schulbau können nicht aufgebracht werden, so dass der Unterricht weiter in privaten Räumen durchgeführt werden muss. In Kirchenratsprotokollen heißt es immer wieder, dass die Lehrer wegen der unzumutbaren Klassenräume und des Hungerlohnes Geduld und Interesse verlieren, so dass vom Kirchenrat Klagen geführt werden müssen.

1757 - Der Organist und Schulmeister Egbert Arend stirbt. Zu seinem Nachfolger wird Lucas Tormijn durch den Oberkirchenrat und den Neuenhauser Kirchenrat am 12. Oktober 1757 mit der Bedingung gewählt, dass er der Witwe des Egbert Arend jährlich 25 Gulden zahlt, bis ihr jüngster Sohn 25 Jahre alt ist. Die Einstellung erfolgt in dem Vertrauen, "er werde die ihm offerierte Stelle des Organisten und Schulmeisters auf die erwähnten Bedingungen acceptieren, und solchen noch die Jugend in Lesen, Schreiben und Rechnen und den ersten Gründen des Christentums treu, fleißig und unermüdet unterweisen und dann redlich zufolge der Jugend mit einem untadelhaften Leben, und Wandel, Vorgehen und Vorleuchten" (aus dem Protokoll des Oberkirchenrates vom 12.10.1757, zitiert nach Heinrich Eberhardt, a.a.O., Seite 25 - 26).

1794 - Der Unterricht findet zunächst allein im Rathaus statt. Für die Volksschule wird die Raumnot durch den Bau eines Schulhauses, der durch eine private Stiftung finanziert wird, zum Teil behoben. Der Kammerrat G. E. F. Kloppenburg und seine Ehefrau B. E. Grim lassen auf ihre Kosten im Jahre 1794 in der Voigtstiege ein Schulhaus bauen. Das hier auch vorgesehene Armenhaus mit vier Kammern daneben kann aber erst 1804 erbaut werden. Das Geld für die Unterhaltung der Klassenräume fehlt jedoch. Das Dach ist undicht; die Räume sind nicht warm zu kriegen. Die beiden einklassigen Volksschulen im Rathaus und in der Voigtstiege sind voneinander getrennt. Die beiden Lehrer achten darauf, dass ihre jeweilige Schule möglichst von vielen Kindern besucht wird, da sich hiernach die Besoldung richtet.

1824 - Eine einheitliche Regelung im Schulwesen schafft das vornehmlich von Pastor Visch aus Wilsum verfasste Schulgesetz von 1824: "Bekanntmachung der kgl. Landdrostei zu Osnabrück, die Verbesserung des Schulwesens in der Grafschaft Bentheim betreffend, vom 27. September 1824"

1833 - Der Lehrer Lucas Tormijn, der 1757 vom Oberkirchenrat zum Lehrer in Neuenhaus gewählt wurde, stirbt 1833. Einen Lehrer aus dem Holländischen zu berufen wird vom Ministerium in Hannover abgelehnt, da man das Vordringen der holländischen Sprache begrenzen will.

1835 - Nach einem Bericht des Ortsschulinspektors Lucahsen vom 26.6.1835 unterrichten im Jahre 1835 die Lehrer Veldmann und Dreyer. Als Zusammenfassung seines Berichtes schreibt er: "Beide Schulen leisten nicht dasjenige, was man jetzt billig in einer Stadtschule erwarten darf. In der Dreyerschen Klasse herrscht große Unordnung und man sah, daß dem Lehrer alle Autorität fehlt."

Pastor Lucahsen ergänzt seinen Bericht mit einigen allgemeinen Ausführungen zu den Lebensumständen der Lehrer, für die eine weitere Fortbildung erforderlich sei, wenn sie ihren Beruf erfolgreich ausüben wollen. Hierzu führt er jedoch aus: "Die meisten Lehrer erklären mir, dass sie am Nachmittag keine Zeit hätten, zu den Conferenzen zu kommen zwecks Fortbildung. Von ihrem Einkommen könnten sie nicht leben, und darum müßten sie bei der Ernte helfen und arbeiten um des lieben Brotes willen. Das Lesen der Schul-Zeitschriften, das Anschaffen der nötigen Bücher und selbst das Kommen zu den Conferenzen kostet den Lehrern bare Auslagen, die ich ihnen so gern ersparen möchte, deshalb bitte ich unterthähnigst um Erhöhung des Schulfonds" (nach: Eberhardt, a.a.O., Seite 27).

1845 - Die beiden Schulen werden 1845 zu einer zwei- bzw. dreiklassigen Schule verschmolzen. In der Voigtstiege wird die Unterklasse untergebracht.   

1874 - Lehrer Borggrewe beginnt 1887 mit dem Schreiben der Schulchronik, die die Zeit von 1874 bis 1913 umfasst. Inhalte aus dieser Schulchronik werden als Nachtrag im Jahr 2011 etwas ausführlicher dargestellt. Lehrer Borggrewe gibt zunächst einen Rückblick auf die Schulverhältnisse in den Jahren 1875 bis 1887. Er schreibt zu Beginn: "In Neuenhaus gab es bis 1875 eine zweiklassige evangelische Volksschule und eine Privatschule mit einem oder zwei Lehrern. Die erste Klasse befand sich im Rathaus, die zweite im städtischen Armenhaus. Für die Privatschule mussten Locale in Privathäusern angemietet werden. Die zweite Volksschulklasse hatte ein sehr schlechtes Local, das in keiner Hinsicht mehr zweckentsprechend war. Schon längst fühlte man das Bedürfnis, diesem Übelstande abzuhelfen und sowohl der Volksschule als auch der Privatschule passende Locale zu verschaffen, allein die  dazu erforderlichen Mittel fehlten. Da wurden dem Magistrat der Stadt Neuenhaus durch die Freigebigkeit zweier Herren, die ihrer Vaterstadt 9000 Mark schenkten, unerwartet die Mittel zum Bau einer neuen städtischen Schule an die Hand gegeben."

Der Bau dieser Schule mit 4 Klassenräumen erfolgte hinter dem alten Rathaus auf dem alten Kirchhof (heute abgebrochen). Auf einer Steintafel heißt es: "Den Herren Landphysikus Dr. med Köhler in Neuenhaus und Consul Roeslingh in Bremen verdankt die Stadt diese Schule- 1874".
In diesem Gebäude, das später um 2 Klassenräume erweitert wird, sind bis 1957 die Volksschule und die Rektorschule untergebracht.

Gedenktafel zu Ehren der Stifter der Rektorschule - Bild: Heinz Ragnitz

Das inzwischen abgerissene Gebäude der Mittelschule Neuenhaus, die aus der Rektorschule hervorging - Bild: Archiv Heinz Regnitz

Im Einvernehmen mit der Regierung wird die Privatschule in eine Höhere städtische Schule oder Höhere Bürgerschule umgewandelt, in der zwei Lehrer mit Examen für Mittelschulen angestellt werden (siehe: E15). Die Volksschule wird um eine Klasse erweitert. Die Regierung übernimmt die Besoldung des 2. Lehrers an der höheren Bürgerschule in Höhe von 1800 Mark jährlich, des Elementarlehrers in Höhe von 750 Mark und außerdem noch 150 Mark für den pensionierten Lehrer Dreyer. Schulleiter der reformierten Volksschule wird Lehrer Borggrewe. Zweiter Lehrer wird der Lehrer Schlikker und dritter Lehrer der Lehrer Ensink. Der 1. und 3. Lehrer verwalten gemeinschaftlich das Organistenamt, der 2. Lehrer übernimmt die Funktion des Küsters und Vorlesers.

Im neuen Schulgebäude erhält die Höhere Bürgerschule zwei Klassenräume, die Volksschule 2 Klassenräume, während die 3. Klasse aus dem Armenhaus in das Rathaus verlegt wird. Während die Schulaufnahme bisher vierteljährlich nach vollendetem 6. Lebensjahr erfolgte, findet sie jetzt halbjährlich Ostern und Michaelis statt, ebenfalls die Versetzungsprüfungen von der 3. in die 2. und von der 2. in die 1. Klasse. (Anmerkung: Damals wurden die jüngeren Schüler in die 3., die ältesten in die 1. Klasse eingestuft.) Diese erfolgen unter Leitung des Lokalschulinspektors durch den betreffenden Lehrer. Die Mitglieder des Schulvorstandes werden zu den Prüfungen eingeladen.

1882 - Im Herbst 1882 folgt Lehrer Hick einem Ruf nach Bergen. Der Magistrat wählt den bis dahin in Emden tätigen Lehrer F. v. d. Busch, der aus Lage stammt, zu seinem Nachfolger, der seinen Dienst Neujahr 1883 antritt.

1883 - Ab 1883 werden jährlich am Geburtstag des Kaisers Schulprämien in Höhe von 20 Mark an 9 Schüler verliehen, von denen 3 aus jeder Klasse in Lesen, Schreiben oder Rechnen die Tüchtigsten sind. Die Mittel fließen aus einer Stiftung, die der Landphysikus a.D. Dr. Köhler dem Magistrat in Neuenhaus überwiesen hat. Später werden nicht drei, sondern sechs Schüler aus jeder Klasse prämiert. Aus Anlass der 400-jährigen Wiederkehr des Geburtstages Dr. Martin Luthers wird mit den Kindern am 10. November 1883 eine Reformations- und Gedächtnisfeier in der Kirche abgehalten, zu der auch zahlreiche Erwachsene erscheinen.

1884 - Am 24. März 1884 stirbt unerwartet der beliebte Lehrer Gerrit Ensink. Die dritte Stelle bleibt zunächst unbesetzt. Den Unterricht in der 3. Klasse übernimmt ein Seminarist. Die Wiederbesetzung erfolgt am 1. Juli 1884 mit dem Lehrer G. Hugen aus Frensdorf, der in der Präparandenanstalt in Neuenhaus und im Seminar in Aurich ausgebildet wurde und in Wielen tätig war.

Früher herrschte die Sitte, dass die meisten Kinder nach Vollendung des 14. Lebensjahres einfach von der Schule wegblieben. Seit 1884 müssen sie jedoch eine Entlassungsprüfung ablegen und erhalten ein Entlassungszeugnis.

1886 - In der Schulinspektion tritt eine Änderung ein: Herr Pastor Niehuis aus Arkel wird zum Kreisschulinspektor der Niedergrafschaft Bentheim ernannt. Im Sommer des Jahres besucht er die hiesigen Schulen zum ersten Mal. Auf seine Anordnung treten Veränderungen in den Schulverhältnissen ein, indem Lehrer in anderen Klassen der Schule Fachunterricht übernehmen müssen.

1887 - Auf Anordnung der Königlichen Regierung in Osnabrück finden die Schulaufnahme und die Versetzung in eine höhere Klasse nur noch Ostern statt. Es sind in der Regel die Kinder aufzunehmen, die ein Lebensalter von 5 Jahren und 6 Monaten erreicht haben. Auf Wunsch der Eltern kann bis auf das vollendete 5. Lebensjahr heruntergegangen werden, falls die betreffenden Kinder körperlich und geistig soweit entwickelt sind und für dieselben in der Klasse noch Platz ist.

Die vaterländischen Gedenktage wie des Kaisers Geburtstag, das Sedansfest usw. wurden ab 1875 stets durch Schulakte gefeiert. Geschichts- und Gesangvorträge, passende Deklamationen wechselten ab. Am Vorabend des Sedanfestes fand gewöhnlich unter Absingen patriotischer Lieder ein Fackelzug sämtlicher Schulen statt; oft trug ein Musikchor zur Erhöhung der Feier bei. Am Sedanstag wurden häufig Ausflüge mit den Kindern nach dem Pape´schen Kaffeehaus unternommen, wo sie festlich bewirtet wurden. Außerdem wurden an schönen Sommertagen zuweilen Exkursionen und Fahrten mit den Kindern nach Lage und Frenswegen gemacht.

Der 90. Geburtstag des Kaisers Wilhelm I. wird in der Stadt groß gefeiert. Sämtliche Schulkinder veranstalten ab 7 Uhr des Vorabends einen Fackelzug, der auf dem Marktplatz mit einem Feuerwerk endet. Die Feier des Haupttages wird durch Festläuten und Böllerschüssen eröffnet. Nach einem Festakt in allen drei Elementarklassen wird nachmittags auf dem Schulplatz die Kaiser-Wilhelm- Eiche gepflanzt, wobei die Schüler in einem Viereck Aufstellung nehmen. Lehrer Staehle hält die Festrede. Nach einem begeisterten Hoch auf Seine Majestät und dem Singen einiger vaterländischer Lieder erhalten die Kinder zu ihrer Freude Butterkuchen.

Lehrer Hugen wird nach Bentheim versetzt, wo er bald mit 24 Jahren verstirbt. Sein Nachfolger in Neuenhaus wird der Lehrer Jakobus Koops aus Haftenkamp. Er stammt aus Emlichheim. Er bleibt bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1928 in Neuenhaus. Nach 43 Jahren tritt 1887 der Lehrer Schlikker in den Ruhestand.

1888 - Auf Anordnung der Königlichen Regierung in Osnabrück übernehmen die beiden jüngeren Lehrer den Unterricht in den technischen Fächern Schreiben, Zeichnen und Gesang  an der Städtischen Schule. Ihre Stundenzahl erhöht sich von 28 auf 30 Stunden, mit Turnen auf 32 Stunden. Eine Vergütung wird hierfür nicht gezahlt. Kaiser Wilhelm II. ordnet an, dass künftig die Geburts- und Todestage von Wilhelm I. und Friedrich III. an allen Schulen als vaterländische Gedenktage begangen werden sollen.

1889 - Lehrer Schlikker stirbt im Alter von 65 Jahren.

1890 - Lehrer Borggrewe klagt über den Drang zur Mittelschule, der sich sehr zu Ungunsten der Volksschule auswirkt. Die Kinder der besser situierten Leute besuchen die Oberklasse  nur ein oder höchstens zwei Jahre, um dann zur Mittelschule zu gehen. Andererseits sind viele Schüler bei ihrer Versetzung von der Mittel- zur Oberklasse wegen mehrmaligen Sitzenbleibens schon so alt, dass sie diese nur noch kurze Zeit besuchen. Dies hat zur Folge, dass die Oberklasse kaum den Anforderungen genügen kann, die man sonst bei so geringer Schülerzahl von einer derartigen Klasse erwarten kann. 

An Krankheiten herrschen zu Beginn des Jahres die Influenza, nach den Sommerferien die Masern. Außerdem werden die beiden jüngeren Lehrer zu militärischen Übungen eingezogen. Im November herrscht Hochwasser.

Die Schülerzahlen betragen: Unterklasse 66, Mittelklasse 46, Oberklasse 41; Abgänge wegen des 14. Lebensjahres im Laufe des Schuljahres: 9 Schüler.

1891 - Lehrer Vette wird nach Hankenberge, Kreis Iburg versetzt. Die 3. Stelle bleibt zunächst unbesetzt. Am 1. Oktober 1892  wird Lehrer G. Engel als 3. Lehrer eingestellt.

1893 - Im Frühjahr 1893 erkrankt Lehrer Borggrewe und stirbt noch im gleichen Jahre im August in einem Nordhorner Krankenhaus. In der Kreislehrerkonferenz am 16. November 1893 hält der Kreisschulinspektor, Pastor Niehuis, einen Nachruf. Seine Stelle als erster Lehrer übernimmt H. Wieferink, der später zum Hauptlehrer ernannt wird. Er bleibt bis zu seiner Pensionierung 1926 in Neuenhaus. Herr Wiefering wurde am 18. Mai 1860 in Hoogstede geboren. Nach Ende seiner Ausbildung  in der Präparandenanstalt und im Seminar Aurich wird er 1880 Lehrer an der einklassigen Volksschule in Bimolten und 1884  in Nüttermoor bei Leer in Ostfriesland, bevor er am 1. Oktober 1893 nach Neuenhaus kommt.

1894 - Das Einkommen des 1. Lehrers beträgt jährlich 1600 Mark, des 2. Lehrers einschl. Organisten- und Küstergehalt 1321 Mark und des 3. Lehrers 1008 Mark. Lehrer Engel wird nach Belm bei Osnabrück versetzt. Der Nachfolger auf der 3. Stelle wird Heinrich Leemhuis, der aus Walle bei Aurich stammt.

1895 - Die Schülerzahl beträgt zu Beginn des Schuljahres 1895/96  150 Kinder, 57 in der Unterstufe, 47 in der Mittelstufe und 46 in der Oberstufe. Lehrer Wieferink berichtet über einen Ausflug. Auf  Pferdewagen geht es unter Gesang über Teich und Grasdorf (früher selbstständige Gemeinden, später nach Neuenhaus eingemeindet) zum Kloster Frenswegen.

1896 - Als am 14. April 1896 die Bentheimer Kreisbahn eröffnet wird, fällt der Unterricht aus. Alle Klassen nehmen am Festzug vom Festsaal zum Bahnhof teil. Am Nachmittag findet ein Kinderball statt. Am 21. August machen dann alle drei Klassen mit der neuen Bahn einen Ausflug nach Bentheim, an dem sich auch viele Eltern und sonstige Schulfreunde beteiligen.

1897 - Mitte Januar treten unter den Kindern in der Stadt sehr stark die Masern auf, so dass auf höhere Anordnung die Schule vorläufig für 14 Tage geschlossen wurde. Da aber nach Ablauf dieser 14 Tage die Masern noch zugenommen hatten, wurde eine weitere Schließung der Schule auf abermals 14 Tage angeordnet. Kaisers Geburtstag und die Melanchthonfeier fielen daher aus.

Am 1. Juli folgt Lehrer Leemhuis einem Ruf an die ev. Schule in Neu-Rönnebeck (Reg.bezirk Stade). Der Unterricht in der Unterstufe wird von den beiden anderen Lehrern mit 12 Stunden übernommen. Am 1. September wird die vakante Stelle von Lehrer Friedrich Klausmeyer übernommen.

1898 - Die Schülerzahlen betragen 1898 in der 1. Klasse 46, in der 2. Klasse 49 und in der 3. Klasse 53, zusammen 148 Kinder. Nach Anordnung der Behörde führt der 1. Lehrer den Titel Hauptlehrer.

1902 - Lehrerwechsel: Zum 1. April wird dem Lehrer Klausmeier eine Stelle an der Schule Rotthausen bei Gelsenkirchen übertragen. An seine Stelle tritt der Lehrer Friedrich Michel aus Mariensee bei Neustadt, der jedoch nur bis zum 1. Juli bleibt und am 1. Oktober durch den Lehrer Ernst Witte ersetzt wird. Zwischenzeitlich wurden alle drei Klassen am 14. Mai durch die Herren Geheimräte Schöppa und Klotsch aus Berlin revidiert. An dieser Revision beteiligen sich auch Herr Schulrat Flebbe aus Osnabrück, Herr Kreisschulinspektor Nyhuis aus Arkel und Herr Konsistorialrat Lukaßen aus Neuenhaus. Über die Gründe für diese Revision sagt die Schulchronik nichts.

1903 - Lehrerwechsel: Lehrer Witte wird zum 1.April nach Hartlage bei Bippen versetzt. Die dritte Stelle bleibt vorläufig unbesetzt und wird erst am 5. Juli durch Lehrer Prange wieder besetzt, der jedoch schon zum 1. Oktober als Elementarlehrer an das Gymnasium in Celle versetzt wird. Lehrer Witte kehrt wieder zurück, geht jedoch ein Jahr später nach Rotthausen bei Gelsenkirchen. An seine Stelle tritt am 26. Oktober 1906 Leopold Goldstein aus Hiddenhausen.

Durch Umbau wird in der städtischen Schule 1901 ein Klassenraum für die 3. Klasse, die bisher im Rathaus untergebracht war, eingerichtet. In das Rathaus zieht dann die landwirtschaftliche Winterschule ein, die am 1. November 1903 beginnt. In der Bentheimer Zeitung vom 3.11.1903 heißt es hierzu: "Am Sonntag wurde hier in Gegenwart des Kuratoriums und einer Anzahl geladener Gäste die neu eingerichtete Landwirtschaftliche Winterschule durch Landrat Kriege, Bentheim, feierlich eröffnet. Als Leiter der Anstalt ist Direktor Grashoff, ein Sohn des in Meppen verstorbenen Superintendenten G. gewählt worden. Außer ihm wirken noch zwei Volksschullehrer an der Anstalt. Angemeldet sind 22 Schüler, von denen 18 der Niedergrafschaft und vier der Obergrafschaft entstammen." (aus: Der Grafschafter Nr. 11/2003).

Laut Schulchronik sind keine besonderen Ereignisse zu vermelden. Wie schon vorher wird über Revisionen, Prüfungen und Schulfeiern und Schulausflüge berichtet.

1906 - Lehrerwechsel: Dem Lehrer Goldstein wird zum 1. April eine Stelle an der Mittelschule Buer bei Melle übertragen. Die Lehramtsbewerberin Maria Schild aus Osnabrück folgt ihm auf der dritten Stelle. Sie geht zum 1. April 1907 nach Lüstringen bei Osnabrück. Ihr folgt die Lehrerin Fräulein Prenzler, ebenfalls aus Osnabrück. Nachdem sie am 1. Oktober 1908 nach Osnabrück geht, tritt Fräulein Imsiepen aus Düsseldorf an ihre Stelle. Diese geht zum 1. April 1909 an die Schule Buer bei Melle. Es folgt Lehrer G. Bosmann aus Getelo.

1909 - Nach langen Verhandlungen zwischen der Königlichen Regierung und dem Schulvorstand  und vielen Sitzungen mit beiden Gremien wird ein Lehrerhaus mit zwei Wohnungen gebaut, die zum 1. April 1909 bezogen werden. In den beiden Schulwochen des neuen Schuljahres  fällt der Unterricht an vier Nachmittagen aus, weil sich alle Lehrer an einem Turnspielkursus beteiligen. Die Fortsetzung erfolgt im Juli 1910 an zwei Nachmittagen und am Sonnabend.

1911 - Die Schülerzahl ist auf 175 angewachsen.
Lehrerwechsel: Lehrer Bosmann geht nach Schüttorf. Die dritte Lehrerstelle wird zunächst vertretungsweise mit dem Lehrer Friedrich Lachmann aus Astrup bei Schledehausen, dann mit Lehrer Gustav Johann Timmer aus Bauerhausen bei Uelsen besetzt. Nach einer Badekur auf Norderney im Mai 1912 stirbt er nach seiner Rückkehr nach Uelsen im Juni 1912. Es folgen in kurzen Abständen der Lehrer a.D Bangen aus Veldhausen, die Lehrerin Irma Segers aus Osnabrück und der Schulamtsbewerber J. Wever. Schließlich wird zur Besetzung der 3. Lehrerstelle Christian Tibbe aus Quendorf gewählt. Er bleibt bis zu seiner Pensionierung mit kurzer Unterbrechung in Neuenhaus. Er hat das schulische Leben sowohl an der Volksschule als auch an der Mittelschule mitgeprägt.

1913 - Am 17. und 18. Juni 1913 findet die 100-Jahr-Feier der Völkerschlacht bei Leipzig statt, an der sich auch die Schule beteiligt.

1914-1918 - Zum Kriegsbeginn gibt es eine impulsive patriotische Kundgebung auf dem Marktplatz. Es tritt Ernüchterung ein, als die ersten Soldaten aus Neuenhaus fallen. Es treten Schwierigkeiten in der Versorgung und der Unterbringung von Flüchtlingen aus Ostpreußen auf. Als Lehrer Tibbe im März 1916 eingezogen wird, müssen die beiden anderen Lehrer den gesamten Unterricht übernehmen und zusätzlich Vertretungsunterricht an benachbarten Schulen erteilen. Nach Rückkehr des Lehrers Tibbe wird wieder voller Unterricht erteilt.

1919 - Die Volksschule besuchen jetzt 177 Kinder, die von 3 Lehrkräften Hauptlehrer Wieferink, Lehrer Koops und Tibbe unterrichtet werden. Im Winter muss wegen Kohlenmangels häufig der Unterricht ausfallen. Erstmals nach dem Kriege wird der Schulvorstand neu gewählt.

1920 - Lehrer Tibbe wird zum Studium an der Universität beurlaubt. Die Vertretung übernimmt der Schulamtsbewerber Karl Althage aus Vlotho.

1923 - Wegen der Ruhrbesetzung sind vom Mai bis Oktober 1923  50 Kinder in Neuenhäuser Familien untergebracht, die während dieser Zeit auch die Schule besuchen.

1924-1925 - Ostern 1924 wird der Lehrer Althage an der Rektorschule angestellt. An seine Stelle tritt wieder Lehrer Tibbe, der seit 1920 zum Studium beurlaubt war. Er besteht im Mai sein Doktorexamen. 1925 verlässt er die Volksschule und übernimmt eine Stelle an der Realschule. Für ihn kehrt Lehrer Althage von der Rektorschule an die Volksschule zurück. Im Schuljahr 1925/26 besuchen 125 Schüler die Schule. Sie ist vierklassig. Im September tritt Hauptlehrer Wieferink nach 33 Jahren als Schulleiter der Volksschule Neuenhaus in den Ruhestand. Sein Nachfolger wird ab 1. Oktober 1925 Hauptlehrer Jakobus Koops, der schon seit 1887 als 2. Lehrer an der Schule tätig war und außer dem Küsterdienst auch den Organistendienst an der reformierten Kirche ausübte.

1927 - Die Schule wird wieder dreiklassig:
3. Klasse = 1. und 2. Schuljahr: 31 Jungen, 20 Mädchen = 51 Schüler,
2. Klasse = 3. und 4. Schuljahr:   8 Jungen, 24 Mädchen = 32 Schüler,
1. Klasse = 5.  bis  8. Schuljahr: 20 Jungen, 18 Mädchen = 38 Schüler, zusammen 121 Schüler.

1929 - An die Stelle von Lehrer Althage tritt im Schuljahr 1929/30 der Lehrer Mieling.

1930 - In einer schlichten Abschiedsfeier wird Hauptlehrer Koops nach 42 Jahren Schuldienst an der Volksschule Neuenhaus in den Ruhestand verabschiedet. Die bisher organisch verbundene Lehrer-, Küster- und Organistenstelle wird damit aufgelöst. Die Kirchengemeinde muss von jetzt ab einen Organisten durch freien Vertrag anstellen. Zum Nachfolger als Schulleiter wird Ludwig Sager (siehe: L-C-Sager) aus Lage bestimmt. Nach dem Besuch der Präparande und des Seminars in Aurich von 1900 bis 1906 war er in Getelomoor, Uelsen und seit 1919 in Lage tätig. Infolge der Eingemeindung von Teich erhöht sich die Schülerzahl auf 170. Damit wird die Schule wieder vierklassig. Die baulichen Missstände der Schule werden abgestellt. In der Schule wird ein Keller eingebaut, in dem die Kessel für die Zentralheizung Platz finden.

Quellen:

  • Schulchronik der Ev. Volksschule Neuenhaus bis 1913, Aufbewahrung im Schularchiv von Neuenhaus

  • Schulchronik der Ev. Volksschule Neuenhaus, ab 1913, Abschrift von Herrn Achim Röder, Neuenhaus

  • Johann Holthuis, Auszüge aus der Schulchronik, 1962

  • Heinrich Eberhardt, Chronik der Schulen von Neuenhaus, 1994

  • Artikel aus der örtlichen Presse, im Text angegeben