Grafschafter Schulgeschichte

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Ev. Volksschule Neuenhaus, dann Hauptschule Neuenhaus

3. Die Schule nach dem 2. Weltkrieg bis zur Gründung der KGS

1945 - Der Unterricht beginnt wieder im Herbst 1945, zunächst der Religionsunterricht durch Lehrer, die von den Kirchenräten gebilligt sind. In Neuenhaus sind es Hauptlehrer Sager und Lehrer Rotmann. Der normale Unterricht beginnt in der Grundschule am 22.8., in den höheren Klassen am 25.10.1945. Die Schule besuchen 329 Schüler. Hauptlehrer Sager unterrichtet die Klassen 7/8 (26 Schüler) und 5/6 (46 Schüler), die Lehrerin Liese die Klasse 4 (60 Schüler) und 3 (72 Schüler, die Lehrerin Rotermann die Klassen 2 (55 Schüler) und 1 (70 Schüler).

1946 - Im September 1946 wird die Gemeinschaftsschule wieder in eine sechsklassige evangelische und eine zweiklassige katholische Konfessionsschule umgewandelt. Hauptlehrer Sager beklagt, dass der Drang zu den weiterführenden Schulen und die damit verbundene Aushöhlung der Volksschule immer mehr zunimmt. Von den 1940 eingeschulten 19 Kindern seien 12 (60 %) auf weiterführende Schulen gegangen. Damit habe die gute und mittlere Begabung die Volksschule verlassen. Es sei keine Freude, in solchen Klassen zu unterrichten.

1948 - Die Schülerzahlen steigen stark an, so dass übergroße Klassen gebildet werden müssen. Bei vier Lehrkräften und sechs Klassen stehen nur drei Klassenräume zur Verfügung. Die schon 1947 begonnene Schulspeisung kann bis zum Schuljahrsende 1948/49 fortgesetzt werden. Sie findet viermal wöchentlich statt. Gekocht wird in einem Nebenraum des Rathauses. Die Versorgung mit Heften und Büchern normalisiert sich nach der Währungsreform am 20. Juni 1948. Außerdem kann die 5. Lehrerstelle besetzt werden. Zwischen der Volks- und der Mittelschule gibt es Unstimmigkeiten wegen der Benutzung der Klassenräume.  

1949 - Das Vorhandensein von 7 Klassen bei nur 3 Klassenräumen wirkt sich für die Schule sehr nachteilig aus. Auf den Systemkonferenzen kommt diese Tatsache immer wieder zur Sprache. Der Schulleiter bringt die Angelegenheit mehrfach in den kirchlichen Körperschaften zur Sprache und beantragt, den von der Mittelschule benutzten Konfirmandensaal der Volksschule zur Verfügung zu stellen. Für die Mittelschule sind inzwischen von seiten der Stadt zwei weitere Behelfsräume als Klassenzimmer ausgebaut. Der Kirchenrat kann sich diesen Gründen nicht verschließen, er kündigt das bestehende Verhältnis, das vielen auswärtigen Kindern und damit auch Kindern anderer Konfessionen ein Vorrecht vor Kindern der eigenen Kirchengemeinde einräumt. So erhält nach mehrfachem Drängen die Schule Ostern 1949 den Konfirmandensaal überwiesen.

1950 - Hauptlehrer Sager wird zum 1. Oktober 1950 nach 20-jähriger Schulleitertätigkeit in Neuenhaus pensioniert. Er ist auch durch seine schriftstellerische Tätigkeit in der Grafschaft bekannt geworden (siehe: L-C-Sager). Sein Nachfolger wird der ehemalige Schulrat Arthur Löffler, der von der Regierung in die Stelle eingewiesen wird. Es kommt deshalb zu Auseinandersetzungen zwischen Stadtrat und Regierung, weil Herr Löffler nicht dem reformierten Bekenntnis angehört. Wegen der schlechten Schulverhältnisse wird auf dem Gelände südlich des Burgplatzes, der ehemaligen Bleiche, ein Neubau, die "Burgschule Neuenhaus", errichtet. Da die veranschlagten Kosten weit überschritten werden, gibt es Auseinandersetzungen zwischen Stadt, Kreis und Regierung. Die Einweihung erfolgt am 7. Dezember 1950.


Ev. Volksschule Neuenhaus 1950 - Bild: Archiv Heinz Ragnitz

1954 - Auf dem Sumpfgelände südlich der Schule entsteht ein moderner Sportplatz. Er wird anlässlich des Bezirkssportfestes 1954 feierlich in Benutzung genommen. In der Nachbarschaft der ev. Volksschule, jenseits der Mühlenbecke, wird der Neubau der kath. Volksschule fertiggestellt.

1955 - Hauptlehrer Löffler wird nach sechsjähriger Tätigkeit in Neuenhaus Schulrat des Landkreises Osnabrück- Land. Nachfolger wird der Hauptlehrer Johann Holthuis, bislang Schulleiter in Hilten.

1959 - Nach Einweihung der neuen Mittelschule der Niedergrafschaft 1958 hat sich Neuenhaus ein vorbildliches Schulzentrum geschaffen. Badeanstalt und Sportplatz liegen in unmittelbarer Nähe. Eine Turnhalle, die nach modernsten Gesichtspunkten erbaut wird, kann erst im Spätherbst 1960 ihrer Bestimmung übergeben werden (GN, 26.11.1960).

1962 - Das 9. Schuljahr wird eingeführt. Die betreffenden Schüler aus den benachbarten Volksschulen Grasdorf, Haftenkamp, Hilten und Lage werden nach Neuenhaus umgeschult. Wegen der höheren Schülerzahlen wird Hauptlehrer Holthuis ab 1.4.1962 zum Rektor der ev. Volksschule Neuenhaus ernannt. Zum 1.1.1963 wird der Lehrer Ludwig Stemberg zum Konrektor der Schule ernannt.

Die Schulraumnot bereitet dem Stadtrat besondere Sorgen. Schon ab 1961 wird über Schulerweiterungsmaßnahmen diskutiert. Man hofft, bis 1963 einen 1. Bauabschnitt erstellen zu können (GN, 3.7.1961). Nach den ersten Planungen sind für die Ev. Volksschule 13 Klassenräume, ein Werkraum, ein Raum für Nadelarbeit, eine Schulküche und ein Naturlehreraum erforderlich.  Es sind jedoch nur 6 Klassenräume vorhanden (GN, 21.5. und 27.9.1962). In seiner Sitzung am 29. Oktober 1962 beschließt der Rat, auf der Bosthorst hinter der Mittelschule den Neubau einer 16-klassigen Volksschule mit technischem Trakt und Schulküche zu errichten. Die bisherige Burgschule soll später als Sonderschule für den Raum Neuenhaus, Uelsen und Veldhausen dienen (GN, 31.10.1962). Der Schulbau soll voraussichtlich eine Million Mark kosten. Die Verwaltung weiß jedoch nicht, woher das Geld kommen soll (GN, 29.12.1962). Trotz der akuten Raumnot muss der Volksschulbau jedoch vorerst "auf Eis gelegt" werden, weil das staatliche "Baudrittel" nicht greifbar sei (GN, 6.2.1964). Erst am 2. Mai 1967 kann mit dem Neubau der Ev. Volksschule begonnen werden (GN, 29.6.1967).

1965 - Im Zuge der allgemeinen Zentralisierungsbestrebungen auf schulischem Gebiet entschließen sich die Gemeinden Lage und Hilten, ab Ostern 1966 ihre Schüler vom 7. Schuljahr ab nach Neuenhaus umzuschulen. Die Volksschule Neuenhaus wird Mittelpunktschule.
Der Bau einer neuen evangelischen Volksschule wird immer dringlicher. Die 372 Schüler sind gegenwärtig mit sechs Klassen in der alten Mittelschule behelfsmäßig untergebracht (GN und GT, 3.6.1965). Rektor Holthuis informiert den Stadtrat über die katastrophale Schulraumnot (GN, 26.8.1965).

1966 - Das Anliegen "Neubau der ev. Volksschule" ist wieder einmal  Gegenstand einer leidenschaftlichen Diskussion im Stadtrat im Zusammenhang  mit der notwendigen Raumbeschaffung für Ostern 1966. Die ev. Volksschule benötigt 16 Klassenräume. Gegenwärtig kann nur in 12 Räumen Unterricht erteilt werden, von denen die Hälfte Behelfsklassenräume sind. Der Schulleiter, Rektor Holthuis, ist bemüht, ein Wandern von Klassen möglichst zu vermeiden. Ostern würden an dieser Schule zudem sieben Klassenlehrerstellen neu besetzt. Der Rat trägt der Verwaltung auf, sofort eine Entschließung an den Kreis zu richten, die ev. Volksschule Neuenhaus in die höchste Dringlichkeitsstufe einzuordnen (GN und GT, 17.2.1966).

1967 - Es werden erstmalig zwei Förderstufenklassen des 5. Schuljahres gebildet. In ihnen wird der Unterricht in Mathematik und Englisch nach Leistung differenziert durchgeführt. Die Gemeinden Lage, Grasdorf, Hilten und die kath. Gemeinde Neuenhaus entschließen sich freiwillig zur Abschulung ihrer 5. Schuljahre (GN, 29.6.1967). Die Schülerzahl steigt auf 467, es werden 15 Klassen gebildet.

1968 - Konrektor Stemberg wird zum Schuljahresende pensioniert. Mit Beginn des neuen Schuljahres wird der Lehrer Herbert Vogt zum Konrektor der Schule ernannt.

1969 - Der seit Jahren angestrebte Neubau auf der Bosthorst, jetzt bestehend aus einem Klassentrakt mit 8 Klassenräumen und einem technischen Trakt mit Fachräumen für Hauswirtschaft, Werken und Physik wird am 28. Februar 1969 feierlich übergeben. Hierzu schreibt der Chronist:
"Der Schulträger hat es an nichts fehlen lassen. Alle Klassenräume sind mit modernem Gestühl ausgestattet. Der Werkraum, die Lehrküche und der Physikraum sind modern eingerichtet worden. Über das Wochenende, Samstag u. Sonntag, stand die neue Schule mit allen Räumen den Eltern und Interessenten zur Besichtigung offen. Geschmackvolle Schülerarbeiten und Ornamente in reicher Zahl waren hierfür hergerichtet worden. Etwa 1500 Gäste erfreuten sich bei den Besichtigungen an den Ausstellungsstücken, jedoch auch an den modern eingerichteten Räumen." Die weiteren erforderlichen Baumaßnahmen erfolgen dann im Zusammenhang mit dem Aufbau des Schulzentrums für die Gesamtschule.

1970 - Die Schule besuchen 516 Schüler in 18 Klassen.

1971 - Im Laufe der weiteren Entwicklung wird die Hauptschule ein Schulzweig der Kooperativen Gesamtschule Neuenhaus in einem ab 1972 erstellten Schulzentrum und die Grundschule eine selbstständige Schule im 1969 erbauten Neubau auf der Bosthorst. Für den Hauptschulbereich im Schulzentrum sind 6 Klassenräume, 2 Gruppenräume, ein Schulleiter- und ein Lehrerzimmer vorgesehen. Die Räume können am 6. April 1972 bezogen werden. Die ehemalige Volks- und Realschule beim alten Rathaus wird endgültig geschlossen. Die Burgschule steht nur noch der eigenständigen Sonderschule zur Verfügung.

1972 - Die Elternschaften der Kath. und der Ev. Volksschule stimmen zu, dass beide Schulen zu einer Volksschule für Schüler aller Bekenntnisse vereinigt werden. Die Genehmigung der Schulbehörde erfolgt mit Verfügung vom 19.9.1972. Der Antrag der Stadt Neuenhaus auf Erweiterung der Volksschule Neuenhaus um eine Vorschule als Schulversuch wird vom Regierungspräsidenten in Osnabrück am 31.5.1972 genehmigt. Es werden drei Vorklassen gebildet, die im Gebäude der kath. Volksschule untergebracht werden. Die pädagogische Leitung der Vorklassen übernimmt der bisherige Leiter der Kath. Volksschule, Hans Herrmann.

1973 - Mit Beginn des Schuljahres 1973/74 wird in der Niedergrafschaft die Orientierungsstufe eingeführt. Durch ihre Einrichtung verliert die Hauptschule ihre 5. und ab 1974 ihre 6. Schuljahre. Die OS Neuenhaus ist - wie auch die Hauptschule - ein Schulzweig der Kooperativen Gesamtschule Neuenhaus.

1975 - Die Hauptschule ist ab Schuljahr 1975/76 erstmalig mit allen Hauptschulklassen 7 - 9 ein Schulzweig der KGS Neuenhaus. Mit Wirkung vom 1. 8. 1975 wird die Einrichtung eines freiwilligen 10. Schuljahres genehmigt, die eine Vorlaufklasse 9 voraussetzt. Es werden zwei Vorlaufklassen mit 51 Schülern gebildet. Da nun die Schülerzahl der Normalklasse 9, d.h. der Schüler, die ihre Entlassung nach Klasse 9 wünschen, an der Hauptschule Neuenhaus zu gering ist, um eine Doppelzügigkeit der normalen 9. Hauptschulklassen zu rechtfertigen, hat der Schulträger mittelfristig für die Normalklassen 9 der Hauptschulen Neuenhaus und Veldhausen die Zusammenfassung dieser Schüler in Veldhausen angeordnet. Infolge dieser Änderung hatte die Hauptschule Neuenhaus daher am Ende des Schuljahres außer einigen Entlassschülern aus den 7. und 8. Schuljahren keine Abschlussschüler aus Klasse 9.

1976 - Im Schuljahr 1976/77 besuchen
- die Vorklassen                           66   Schüler in   3 Klassen,
- die Grundschulklassen             259   Schüler in 10 Klassen,
- die Klassen 7 - 9                      156   Schüler in   6 Klassen und
- die 10. Klassen                          48   Schüler in   2 Klassen.
                                                 529   Schüler in 21 Klassen

1977 - Am 28. Januar 1977 wird Rektor Johann Holthuis nach Erreichen der Altersgrenze nach 42 Jahren seiner beruflichen Tätigkeit in den Ruhestand verabschiedet. Er unterrichtete zunächst im Bersenbrücker Raum, dann seit Januar 1936 in Halle, Egge und Hilten, bis er 1956 als Hauptlehrer nach Neuenhaus kam und 1962 zum Rektor ernannt wurde (GN, 29.1.1977). Mit der Pensionierung von Herrn Holthuis wird die Grund- und Hauptschule getrennt. Die Schulleiterstellen werden daher getrennt ausgeschrieben. Rektor der Grundschule wird Helmut Kamps, der vorher Schulleiter der Schule Alexisdorf- Neugnadenfeld war. Die Grundschule Neuenhaus besuchen 322 Schüler, die von 12 vollen und 6 teilzeitbeschäftigten Lehrkräften unterrichtet werden (GN, 16.4.1967). Schulzweigleiter des Schulzweiges Hauptschule der KGS Neuenhaus wird Rektor Ulrich Weiß.

Quellen:

  • Schulchronik der Ev. Volksschule Neuenhaus bis 1913, Aufbewahrung im Schularchiv von Neuenhaus

  • Schulchronik der Ev. Volksschule Neuenhaus, ab 1913, Abschrift von Herrn Achim Röder, Neuenhaus

  • Johann Holthuis, Auszüge aus der Schulchronik, 1962

  • Heinrich Eberhardt, Chronik der Schulen von Neuenhaus, 1994

  • Artikel aus der örtlichen Presse, im Text angegeben