Grafschafter Schulgeschichte

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Realschule Neuenhaus vorher: Latein- und Rektorschule, dann Mittelschule

3. Die Mittelschule ab 1953 bis zur Errichtung der KGS 1971

Herr Mittelschulrektor Jan Harm Kip beginnt mit dem Schreiben einer neuen Schulchronik. Sie beginnt: "Eine gebundene Schulchronik wurde bisher nicht geführt. Die Geschichte der Schule ist nur auf gehefteten Blättern niedergeschrieben worden. Diese Tatsache zeugt neben den 32 Nummern des Inventarverzeichnisses für Lehr- und Lernmittel, dem Tiefstand an physikalischen Geräten und Kartenmaterial für Erdkunde und Geschichte, von der finanziellen Armut der Schule. Lineal, Zirkel, Winkelmesser - die notwendigsten Ausrüstungen für den Mathematikunterricht - sind Privateigentum eines Lehrers. Da keine Lehrmittel vorhanden sind, fehlt auch das Lehrmittelzimmer. Eine 10-klassige Mittelschule ist ohne Lehrmittelzimmer!

Die 10 Klassen werden in 8 Räumen unterrichtet. Diese Räume setzen sich folgendermaßen zusammen: In dem 1874 erbauten Hauptgebäude befinden sich 5 normale Klassenräume. Der sechste Raum ist der Physikraum, der gleichzeitig als Klassenraum dienen muss. Oben ist ein schräger Dachraum als Behelfsklasse ausgebaut. Als achter Raum steht der Konfirmandenraum der ref. Kirche zur Verfügung. Dieser Raum liegt 100 m vom Hauptgebäude entfernt und ist für einen modernen Unterricht vollkommen ungeeignet. - Außerdem befindet sich oben im Hauptgebäude der Schreibmaschinenraum, der mit 15 neuen Olympia-Schreibmaschinen gut ausgerüstet ist.

Dagegen befand sich im Rektorzimmer nur ein kleiner Aktenschrank. Zur Ablage der wichtigsten Bücher (alte Klassenbücher, Hauptbücher usw.) wurde ein weiterer Schrank angeschafft. Weiter wurden 4 Stühle für das Rektorzimmer und 6 Lehrerstühle für die Klassenräume angeschafft.

Nur 1 Klassenzimmer hat loses Gestühl, ein Zimmer hat noch 3- und 4-sitzige Bänke. Im großen und ganzen ist der äußere Eindruck schlechter als in der kleinsten Landschule. Die Mittelschule steht im Schatten der neu erbauten ev. Volksschule - dies wird auch wohl für die nächsten Jahre ihr weiteres Schicksal sein".

Soweit die Feststellungen des Schulleiters in der Schulchronik.

Die Schule besuchen in 10 Klassen 394 Schüler, davon 220 Jungen und 174 Mädchen: 333 sind evangelisch, 56 katholisch und 5 gehören einer anderen Religionsgemeinschaft an.
1954 - Zum Schuljahrsbeginn 1954/55 steigt der Andrang zur Mittelschule an. Da 120 Schüler aufgenommen und zwei Klassen gebildet werden, hat die Mittelschule jetzt 11 Klassen. Dadurch tritt) das Raumproblem und die zu knappe personelle Besetzung in ein akutes Stadium. Da nur sieben Räume und zwei Notunterkünfte zur Verfügung stehen, müssen mindestens zwei Klassenräume zusätzlich beschafft werden. Schließlich werden nach langen Verhandlungen aus der Landwirtschaftsschule zwei Klassenräume vorübergehend, später ab Herbst in der Kath. Volksschule zur Verfügung gestellt. Bei der Mittelschule Neuenhaus ist zu bedenken, dass von den 420 Schülern 273 aus 27 Gemeinden der Niedergrafschaft kommen, davon aus Emlichheim 42, aus Veldhausen 29, aus Uelsen 25, aus Grasdorf 21, aus Neugnadenfeld 18, aus Wilsum 15, aus Lage 11, aus Großringe 11, aus Hoogstede 8, aus Itterbeck 8, aus Esche 8 und aus Halle 8 Kinder. Hinzu kommen aus den übrigen Gemeinden noch 5 Kinder.

1955 - Ab Ostern 1955 besuchen 438 Schüler in 12 Klassen die Schule. 112 kommen aus Neuenhaus und 326 aus den übrigen Gemeinden der Niedergrafschaft. Es entstehen wieder Unterbringungsschwierigkeiten. Der Unterricht findet in 7 Räumen der alten Schule, in 2 Räumen der alten Kath. Schule, in 2 Räumen der Landwirtschaftsschule und im Konfirmandensaal statt. Nach den Herbstferien fallen die Räume in der Landwirtschaftsschule wegen der dortigen Unterrichtsaufnahme weg; zum Teil kann eine Klasse in der Ev. Volksschule untergebracht werden, sonst müssen Wanderklassen eingerichtet werden. Die Schule hat insgesamt 14 Lehrkräfte und ist personell so gut wie noch nie besetzt.
In der letzten Woche vor den Sommerferien machen alle 12 Klassen ihre Wanderungen und Reisen. Ziele sind u.a. Altenahr, Andernach, Norderney, Bodenwerder, Borgholzhausen, Rödinghausen und das Münsterland. Die Schulchronik enthält einen ausführlichen Bericht einer Schülerin über die Fahrt nach Norderney.

1956 - Da die Mittelschule nur von 25 % Neuenhausern und 75 % Kindern aus Niedergrafschafter Gemeinden besucht wird, kommt es 1955 auf Veranlassung von Mittelschulrektor Kip zu einer Versammlung der Stadt mit den 32 Niedergrafschafter Bürgermeistern zur Frage der künftigen Schulträgerschaft. Nach langen Verhandlungen wird dann gemäß Beschluss vom 11. Juli 1956 ein Schulzweckverband "Mittelschule Niedergrafschaft" gegründet. Schwierig ist die Lösung der verkehrstechnischen Probleme für die Räume Adorf, Georgsdorf und Itterbeck/Wielen.

Die Verbandsversammlung beschließt einstimmig, den 1. Bauabschnitt eines erweiterungsfähigen zweigeschossigen Mittelschulbau, bestehend aus 4 Klassen mit Nebenräumen, neben der kath. Schule auf dem Bosthorst zu erstellen. Die Regierung sagt einen Zuschuss in Höhe von 75000 DM zu. Später wird beschlossen, den 2. Bauabschnitt gleichzeitig in Angriff zu nehmen.

Ein Blick zurück: Dies ist die alte Volksschule und Mittelschule. Der Baubeginn war 1874. Das Gebäude wird nach der Fertigstellung der neuen Mittelschule Anfang der 70 er Jahre abgerissen. Es stand hinter dem Rathaus. Quelle: Archiv der KGS Neuenhaus.

1957 - In der Verbandssitzung am 11. 4.1957 wird beschlossen, die Schulmilchspeisung einzuführen und den Beteiligungsbetrag zur Höhe von 1/3 des Gesamtzuschusses (z. Zt. etwa 84 DM monatlich) vom Mittelschulzweckverband zu übernehmen.

1958 - Nach der Grundsteinlegung im März 1957 (GN, 29.3.1957) kann die neue Mittelschule mit acht modernen Klassenräumen am 6. Mai 1958 nach 13-monatiger Bauzeit feierlich eingeweiht werden. Die Baukosten betrugen 400 000 DM (GN, 6.5. und 7.5.1958). Am 25. November 1960 folgt dann die  städtische Turnhalle. Die Kosten betrugen 270 000 DM


Mittelschule Neuenhaus 1960

Turnhalle Neuenhaus 1960

1959 - An den Emslandwettkämpfen, die im Juli 1959 in Neuenhaus stattfinden, beteiligen sich 450 Schüler der Mittelschulen Aschendorf, Papenburg, Werlte, Lathen, Haren, Meppen, Lingen, Haselünne, Freren, Nordhorn, Bentheim, Schüttorf und Neuenhaus. Die Mittelschule Neuenhaus erringt mit 27 Punkten den 1. Platz.

Beim Wettbewerb "Milchland Weser-Ems" erreicht die Schule einen großen Erfolg. Von 34 eingereichten Arbeiten werden 21 mit einem Preis ausgezeichnet. Die Schule kann von den ausgesetzten 5000 DM immerhin 770 DM kassieren.

1960 - Beim Fußballturnier der höheren Schulen und Mittelschulen des Kreises Bentheim mit 6 Mannschaften erreichte die Mittelschule Neuenhaus nach der Mittelschule Schüttorf den 2. Platz.

Nach starken Regenfällen im Dezember 1960 treten Vechte und Dinkel über die Ufer. Teile der Stadt und auch der Schulsportplatz werden überflutet.

1961 - In Emlichheim wird ebenfalls eine Mittelschule errichtet. Mit dem Aufbau und der Leitung der neuen Mittelschule wird Gerrit Warsen beauftragt, der vorher an der Mittelschule Neuenhaus tätig war. 

Konrektor Stern wird aus dem Schuldienst verabschiedet. Schulrat Kollmann bezeichnet ihn als erfahrungsreichen Pädagogen, der bis 1945 in Pommern an einer Mittelschule unterrichtete. Seine Ausbildung erhielt er am Lehrerseminar in der pommerschen Stadt Bütow, nach Kursen an der Universität Jena legte er die Lehrerprüfung in Mathematik, Physik und Chemie ab. Seit seiner Vertreibung ist er in Neuenhaus tätig gewesen (GN, 29.3.1961). Er unterrichtet jedoch nach seiner Verabschiedung noch als Aushilfskraft weiter und feiert 1965 sein 50-jähriges Dienstjubiläum. Er unterrichtet dann noch bis Schuljahrsende 1967 und stirbt am 9. November 1967. In das Amt des Mittelschulkonrektors wird Herr Stahlmann im April 1961 eingewiesen. Nach seinem Fortgang als Mittelschulrektor nach Georgsmarienhütte wird das Amt 1962 von Geert Holsmölle übernommen. Er wird in einer schlichten Feierstunde am 18. Dezember von Schulrat Thielke in sein Amt eingeführt. Herr Holsmölle ist bereits seit 1951 als Sportlehrer für die Mittelschule tätig gewesen. 1955 hat die Schule ihn hauptamtlich übernommen (GN, 19.12.1962).

1963 - Am 7.5.1963 findet eine Schulbesichtigung durch Regierungsdirektor Krömer, ORR Dr. Koch, beide Osnabrück, und Schulrat Thielke statt.

Seit Jahren beteiligen sich die Klassen 8 bis 10 am Wettbewerb der Bundesbahn "Jugend und Eisenbahn". Hierfür werden Aufsätze und Zeichnungen angefertigt. Die Preisträger werden im Jahr 1963 mit einer Tagesfahrt nach Köln und einer Besichtigung des Westdeutschen Rundfunks ausgezeichnet. Die Schulchronik berichtet außerdem von einem Lese- und Vortragswettbewerb des Heimatvereins und einem Preisausschreiben mit Aufsatzwettbewerb der Kreissparkasse.

1964 - Nach dem Beschluss der Verbandsversammlung im Juni 1963 wird die Mittelschule um 5 Normalklassen und 4 technische Räume  mit den erforderlichen Nebenräumen erweitert (GN, 6.2.1964). Die feierliche Übergabe des Erweiterungsbaus findet am 17. November 1964 statt. Die Kosten betragen 550 000 DM (GT, 18.11.1964).
Im August 1964 erfolgt ein Schüleraustausch zwischen Sarre-Union und Neuenhaus, an dem 15 junge Franzosen beteiligt sind. Die deutschen Partner geben sich alle Mühe, ihren Gästen einen möglichst tiefen und umfangreichen Eindruck vom Leben in der Grafschaft zu vermitteln. Darüber hinaus werden auch Ausflüge ins benachbarte Holland unternommen. Der Gegenbesuch in Sarre-Union erfolgt im September, der für die beteiligten Realschüler ein unvergessliches Jugenderlebnis wird.

Schülerentwicklung:
Im Jahre 1955 wurden in der Neuenhauser Mittelschule 429 Kinder unterrichtet. 1964 sind es 387 und in der im Aufbau begriffenen Mittelschule Emlichheim 210. Bei der zunehmenden Kinderzahl der kommenden Jahre- und nicht zuletzt im Hinblick auf die wachsende Bedeutung der Mittelschulen- ist mit einem weiteren Anwachsen der Schülerzahlen zu rechnen, so die Aussage des Schulrates Thielke.

Während der Übergabe des Erweiterungsbaus schlägt Rektor Kip in seiner Ansprache vor, im kommenden Jahr während der Feier des 350-jährigen Bestehens der Schule ihr einen Namen zu geben. In der Heimatbeilage der Grafschafter Nachrichten "Der Grafschafter" vom Dezember 1964 schlägt L. Sager vor, die Mittelschule Neuenhaus, die seit 1956 den Namen "Mittelschule Niedergrafschaft" führt, nachdem in Emlichheim auch eine Mittelschule errichtet worden ist, den Namen "August-Fokke-Schule" zu geben. Sie solle sich nach einem Manne nennen, der zur engeren Heimat Beziehungen gehabt hat und der für das Schulwesen bedeutungsvoll gewesen ist. Ober-Schulinspektor August Fokke gründete 1851 in Neuenhaus eine pivate Präparande, die sowohl als Vorschule für die Seminarausbildung der Lehrer in Osnabrück oder Aurich als auch als Ausbildungsstätte für Lehrer mit bescheidenen Ansprüchen gedacht war, die in zwei Jahreskursen zu Hilfslehrern ausgebildet wurden. Die Lehrerausbildungsstätte schloss 1872 mit dem Tode von Herrn Fokke. Er ist in der "Biographie Grafschafter Lehrerinnen und Lehrer" aufgenommen.

1965 - Es erfolgt jedoch keine Namensgebung. Die Schule trägt weiterhin den Namen "Mittelschule Neuenhaus". Die Mittelschule erhält dann gemäß Erlass vom 17.3.1965 ab Ostern 1965 den Namen "Realschule".

Der Hauswirtschaftsunterricht für die 10. Klassen findet ab Ostern 1965 in der Landwirtschaftsschule statt. Den Unterricht erteilt bis zu den Herbstferien Frau Prüßmann, danach die bei der Volksschule neu eingestellte techn. Lehrerin Johanne Peters.
An Stelle der Emslandwettkämpfe finden in diesem Jahr Vergleichswettkämpfe der Realschulen statt. Mehr als 300 Realschüler aus Nordhorn, Emlichheim und Neuenhaus der Klassen 9 und 10 stehen sich auf dem Sportplatz in Neuenhaus gegenüber. Neuenhaus kann überwiegend die Spitzenplätze belegen.

Am 18.9.1965 stirbt der Mittelschulrektor i. R. Dr. Christian Tibbe. Er war vom 1.1.1929 bis 31.3.1938 als Mittelschullehrer und vom 1.3.1946 bis zu seiner Versetzung in den Ruhestand zum  1.10.1952 als Schulleiter an der Mittelschule Neuenhaus tätig.

1967 - Der Antrag des Realschulzweckverbandes auf Errichtung einer Aufbauklasse wird mit Schreiben vom 20.4.1967 abgelehnt, weil die Schülerzahlen dafür in der Grafschaft Bentheim nicht ausreichen.
Durch die Umstellung des Schuljahrsbeginns beginnt das neue Schuljahr 1967/68 nach den beiden Kurzschuljahren jetzt am 1.8.1967. Unterrichtsbeginn ist nach den Sommerferien am 14.8.1967.

Mit Schuljahrsbeginn 1967/68 nimmt das Niedergrafschafter Gymnasium in Neuenhaus den Unterricht auf. Aus diesem Grunde findet am 15.8.1967 im Feierraum der Realschule eine Feierstunde statt. Die zwei Klassen 5 und 7 mit 72 Kindern aus 14 Gemeinden werden zunächst in der Realschule untergebracht.

Zum 1.8.1967 werden die Schuljahrgänge 5 und 6 als Eingangsstufe eingeführt. Parallel dazu entsteht in der Volksschule die Förderstufe.

Am 15. September unternimmt das Kollegium den Gemeinschaftsausflug ins benachbarte Holland. Es werden das "Natura docet" in Denekamp und das Haus Delden der Baronin von Twickel, die ihre Besitzungen auch noch in Lage hat, besichtigt.

1968 - Am 31. 3. 1968 scheidet Frau Herbers, die mit 13 Stunden als n.b. Lehrkraft beschäftigt war, auf eigenen Antrag aus dem Schuldienst aus.

Vom 20. bis 24. Mai 1968 macht die Klasse 10 a mit einer holländischen Realschulklasse eine Studienfahrt in den Harz und an die Zonengrenze. Die Klasse 10 b macht vom 22. bis 28. Mai eine Studienfahrt in die Schwäbische Alb. Umfangreiche Berichte über beide Studienfahrten finden sich in der Schulchronik.

Weder der Bau der Realschule in Emlichheim noch die Errichtung des Gymnasiums in Neuenhaus gefährden die Existenz der Realschule . Im Jahre 1968 umfasst die Schule 13 Klassen (ein Jahrgang dreizügig) mit 435 Schülern, davon 94 Schüler aus Neuenhaus und die übrigen aus den Landgemeinden. Der Unterricht wird von 15 hauptamtlichen und 2 nebenamtlichen Lehrkräften erteilt. Neben 12 Klassenräumen stehen 5 Fachräume für Physik/ Chemie, Werken, Handarbeit, Schreibmaschinenschreiben und Zeichnen zur Verfügung. Der Lehrplan bietet neben dem vorbildlichen Klassenunterricht und Englisch als Pflichtfremdsprache folgende Wahlfächer und Arbeitsgemeinschaften an: Französisch, Maschinenschreiben, Stenografie und Schulchor.

Folgende Lehrkräfte unterrichten am Gymnasium Neuenhaus: Herr Janssen 4 Std. Ma, Herr Prüßmann 6 Std Fr + 4 Std. En, Herr Hönig 4 Std. Ma, Herr Serwatka 4 Std En und Frau Prüßmann 6 Std. HW. Im Tausch unterrichtet Herr Ogal 4 Std. Sp. an der RS.

Am 1.7.1968 wird Herr Realschulrektor Jan Harm Kip zum kommissarischen Schulrat des Schulaufsichtskreises Nordhorn/Obergrafschaft ernannt. Er leitete die Realschule Neuenhaus seit April 1953 mehr als 15 Jahre. Durch seinen unermüdlichen Einsatz für die Schule hat er in diesen Jahren große Verdienste erworben.

Mit der kommissarischen Leitung der Schule wird der Realschulkonrektor Geert Holsmölle beauftragt. Herr Holsmölle kam 1955 an die Schule und wurde 1962 Realschulkonrektor.      

1969 - Die Mittelschule besuchen 456 Schüler in 14 Klassen, davon 191 Jungen und 265 Mädchen. Die Klassenstufen 5 und 8 werden dreizügig, die übrigen Klassenstufen zweizügig geführt. Für die Klassenstufe 7 können nur 2 Klassen mit 40/41 Schülern eingerichtet werden, da die Lehrerstunden für 3 Klassen fehlen. Der Unterricht wird von 15 hauptamtlichen Lehrkräften erteilt. Mit 394 Lehrerstunden in der Woche ist ein den Richtlinien entsprechender Unterricht nicht durchzuführen. Daher weist der Stundenplan pädagogische Ungereimtheiten auf, die eigentlich nicht zu verantworten sind.

Erstmalig wird in der Schulchronik von einem Schulzentrum Neuenhaus und von einem Schulversuch "Additive Gesamtschule" geschrieben. Herr Holsmölle schreibt hierzu: "Für Neuenhaus wird ein Schulversuch Additive Gesamtschule genehmigt. Über die wissenschaftliche Begleitung ergeht eine besondere Verfügung. So lautete die kurze Nachricht aus dem Kultusministerium in Hannover. Zunächst gab es viel Aufregung im Kollegium, weil niemand richtig informiert war, was nun eigentlich mit dem Schulversuch gemeint war. Auf Drängen der Schulleitung und des gesamten Kollegiums fanden dann alle weiteren Besprechungen in dieser Angelegenheit unter unserer Beteiligung statt. Im August/September fanden im Kollegium mehrere Konferenzen statt. Ferner sechs Besprechungen mit der Stadt Neuenhaus, dem Landkreis und den beteiligten Architekten Krieger und Rammelkamp. Von schulischer Seite nahmen der Schulrat und Vertreter der drei Neuenhäuser Schularten teil. Von schulischer Seite nahmen der Schulrat und Vertreter der 3 Neuenhauser Schularten teil. Von unserer Schule wurde ein Ausschuss gebildet, dem folgende Kollegen angehörten: Herr Hönig, Herr Jansen, Herr Kraaibeck, Herr Holsmölle. Dieser Auschuss vertrat bei den letzten Verhandlungen die Interessen der Realschule."  

In der Sitzung des Gesamtelternrats im Oktober regt Herr Holsmölle die Gründung eines Fördervereins "Realschule Niedergrafschaft" an. Er bittet die anwesenden Vertreter der Eltern, entsprechende Schritte in die Wege zu leiten.

Nach 17-monatiger kommissarischer Schulleitung durch Realschulkonrektor Holsmölle wird am 1. Dezember 1969 der neue Schulleiter, Herr Jan Kortmann, bisher Rektor der Mittelpunktschule Gildehaus, in einer Feierstunde in sein Amt eingeführt. Herr Kortmann verspricht, den guten Ruf der Realschule erhalten zu wollen, indem er nicht der "Reform um jeden Preis" das Wort rede, sondern "Tradition und Fortschritt in befruchtender Weise miteinander verbinden wolle". Dabei wolle er nicht warten, "bis andere etwas tun, sondern selbst Hand mit anlegen".

1970 - Das Kollegium der Realschule hat seit Februar 1970 wiederholt Gelegenheit, sich mit den Bauplänen des Schulzentrums zu befassen. Vor Beginn der Sommerferien 1970 wird mit den Bauarbeiten für das Schulzentrum Neuenhaus begonnen. Es entstehen folgende Baukörper:
- Hauptschule (Kl. 7 - 9) mit 6 Klassenräumen,
- Realschule (Kl. 7 - 10) mit 12 Klassenräumen,
- Gymnasium (Kl. 7 - 13) mit 15 Klassenräumen
   (jeweils mit den zugehörigen Nebenräumen).
- Naturwissenschaftliche Räume werden im bestehenden Trakt des 1968 erbauten Gymnasiums eingerichtet, die von allen Schulen benutzt werden sollen.
- Ein Baukörper zwischen der neuen Realschule und dem Gymnasium wird das Sprachlabor mit Nebenräumen, einen Hörsaal und das Forum aufnehmen.
- Im bisherigen Realschulgebäude sollen die Schuljahrgänge 5 und 6 untergebracht werden.
- Das Volksschulgebäude soll nach Fertigstellung des Schulzentrums die Grundschule aufnehmen.
Die Kosten der Baumaßnahmen betragen etwa 9 Millionen DM. Sie werden vom Landkreis Grafschaft Bentheim mit 67,3 %, der Stadt Neuenhaus mit 17,7 % und dem Realschulzweckverband mit 15,0 % getragen.

Innerhalb der Additiven Gesamtschule in Neuenhaus, in der Gymnasium, Realschule und Hauptschule zusammenarbeiten, wird im Schuljahr 1970/71 die "Kooperative Eingangs- und Förderstufe (KEF)" eingerichtet. Sie will in einer zweijährigen Beobachtungszeit die einzelnen Schüler soweit wie möglich fördern und den Übergang zu den weiterführenden Schulen erleichtern.

1971 - Die Versorgung mit Lehrkräften ist nach wie vor nicht zufriedenstellend. Wie die Grafschafter Nachrichten am 8.5.1971 berichten, fehlen zum 1.August an den 6 Realschulen der Grafschaft Bentheim 38 Lehrkräfte. Um den Lehrermangel in Neuenhaus zu beheben, versucht die Schule "vor Ort" (sprich: PH Göttingen und Hannover), die angehenden Realschullehrer  anzusprechen und auf Neuenhaus aufmerksam zu machen.

Mit Beginn des Schuljahres 1971/72 am 1.8.1971 wird die Kooperative Gesamtschule Neuenhaus (KGS) gegründet, die die Schulzweige Orientierungsstufe, Hauptschule, Realschule und Gymnasium (Klassen 7 - 10) umfasst. Damit endet zunächst die Geschichte der selbstständigen Realschule Neuenhaus, die 1616 als Lateinschule entstand, nach 355 Jahren.

Quellen:

  • Schulchronik: Die Anfänge der Schule (1867 - 1946)

  • Schulchronik: Die Mittelschule von 1946 bis 1953

  • Schulchronik der städtischen Mittelschule, beginnend mit dem Schuljahr 1953/54, Ende: 1971

  • Jan Harm Kip, Auszüge aus der Schulchronik, 1962

  • Heinrich Eberhardt, Chronik der Schulen von Neuenhaus, 1994, Seiten 108 - 134

  • Artikel aus der örtlichen Presse, im Text angegeben