Grafschafter Schulgeschichte

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Kooperative Gesamtschule Neuenhaus

In Neuenhaus vereinigen sich zum 1. August 1971 die bis dahin selbstständigen Schulformen Hauptschule, Realschule und Gymnasium (bis Klasse 10) zu einem Schulversuch  "Kooperative Gesamtschule" (zunächst: "Additive Gesamtschule") .

Als der "ureigene Initiator" der KGS Neuenhaus gilt bei vielen der damalige Stadtdirektor Sinus Lefers aus Neuenhaus. Nach der Teilnahme an einem Wochenendseminar in Münster unter Leitung von Frau Renate Laurin im Sommer 1968, in dem Leitlinien für Schulversuche dargestellt wurden, richtet Herr Lefers am 11.10.1968 eine entsprechende Anfrage an den Niedersächsischen Kultusminister. Nach positiven Signalen aus Hannover beschließt der Rat der Stadt Neuenhaus am 11.12.1968 einen Schulversuch für das "Schulzentrum Neuenhaus", der nach dem Beschluss vom 16.12.1968 noch um einen Schulkindergarten ergänzt werden soll. Nach Ankündigung im Mai 1969, dass die Genehmigung einer "Additiven Gesamtschule in Neuenhaus" im Schuljahr 1969/70 in Aussicht zu erwarten sei, erfolgt diese mit Erlass vom 24. Juni 1969 mit Wirkung vom 1. August 1969. Sie kommt für die beteiligten Schulen völlig überraschend und wird nicht von allen mit "Beifall" bedacht. So fürchtet man besonders in der Realschule um die künftige Substanz, wenn es zu einer weitergehenden Zusammenarbeit zwischen den Schulen kommen sollte. Man befürchtet in diesem Fall die Sogwirkung des Gymnasiums. Die Hauptschule nimmt wegen dringenderer Probleme von der neuen Entwicklung eher beiläufig Kenntnis. Die Schulleiter unterstützen jedoch die Planungen für den Schulversuch und erleichtern dadurch der offiziellen Planungsgruppe der Schulträger die Entscheidungen. Die bisherige Schulbauplanung für das Schul- und Sportzentrum wird einvernehmlich mit den beteiligten Schulen und Schulträgern grundlegend geändert und die Nutzung der Schulgebäude unter Berücksichtigung des Schulversuchs völlig neu geordnet. Die Baukosten des Schulzentrums werden im März 1970 vorläufig auf rd. 8,7 Mill. DM geschätzt (nach. Sinus Lefers: "Wie die KGS nach Neuenhaus kam. Ein Beitrag zur regionalen Entwicklung." In: "25 Jahre KGS Neuenhaus", KGS-Info 34; 12/96, Seite 8).

Vorangetrieben wird der Aufbau der Gesamtschule vom neuen Leiter des Gymnasiums Neuenhaus, Herrn Oberstudiendirektor Hans-Georg Rusch. Zusammen mit dem Verwaltungschef von Neuenhaus überzeugt er die politische Führung im Landkreis und in der Landesregierung davon, eine Gesamtschule im ländlichen Raum einzurichten. Herr Rusch ist der Motor für die inhaltliche Gestaltung der Schulgründung, der dann vom neuen Leiter der Realschule Neuenhaus, Herrn Realschulrektor Jan Kortmann, unterstützt wird.

1970 - Am 15. Dezember 1970 konstituieren sich die Planungsgruppe für die inhaltliche Gestaltung des Schulversuchs und am 26. Januar 1971 der "Ständige Pädagogische Planungsausschuss" (SPPA), dem zunächst je drei Mitglieder der Hauptschule, der Realschule und des Gymnasiums angehören. Die wissenschaftliche Begleitung des Schulversuchs erfolgt durch das Staatliche  Studienseminar in Meppen. Bei der Planung geht es konkret darum, die "Bildungsbeteiligung" der Bevölkerung zu verändern. Bisher lag das Bildungsniveau mit etwa 80 % Volksschulabschlüssen erheblich unter dem Landesdurchschnitt. Dazu kam eine große Unsicherheit in Bezug auf die Wahl der für ein einzelnes Kind sinnvollen Schulform. Die Unsicherheit betraf sowohl Eltern als auch abgebende Grundschulen.

Um die Durchlässigkeit zu gewährleisten, werden folgende Maßnahmen geplant:

  1.  Die Schulzweige der KGS bauen zunächst auf die "Kooperative Eingangs- und Förderstufe" (KEF) auf. Nach diesem Modell für die Schuljahrgänge 5 und 6 werden neben den reinen HS-, RS- und Gy-Klassen sogenannte Zwischenklassen H/R- und R/G- Klassen gebildet. Dadurch soll die Prognosesicherheit verstärkt werden. In den reinen Schulformklassen sollen Kinder sitzen, denen man zutraut, dass sie den von den Grundschulen in ihren Gutachten erwarteten Abschluss erreichen können, in den "Zwischenklassen" zwischen zwei Schulformen die Kinder, deren weitere Schulform noch offen erscheint. Bei Beginn des Unterrichts am 9. September 1971 in der "Additiven Gesamtschule" (nach einem Erlass des Kultusministers im Dezember 1971: "Kooperative Gesamtschule") mit 287 Schülern in 11 Klassen des 5. Schuljahrgangs gibt es 3 Gy-Klassen mit 84 Schülern, 2 R/G-Klassen mit 47 Schülern, 2 RS-Klassen mit 60 Schülern, 2 H/R-Klassen mit 46 Schülern und 2 HS-Klassen mit 50 Schülern. Die endgültige Zuweisung zu den Schulzweigen soll nach Klasse 6 erfolgen. Ab 1973 wird die KEF als "schulformbezogene Orientierungsstufe" durch die in Niedersachsen verbindlich vorgesehene "schulformunabhängige Orientierungsstufe" ersetzt, was von vielen bedauert wird. (Siehe auch GN, 13.3. 1971)

  2. Die Dreigliedrigkeit der Schule bleibt grundsätzlich erhalten, indem die Schulzweige in der KGS räumlich und organisatorisch sichtbar bleiben.

  3. Gemeinsames Lernen für Schüler aller Schulzweige findet in den Fächern des Ästhetischen Bereichs (Kunst, Musik, Gestaltendes Werken), in Religion und in Sport statt

  4. Arbeitsgemeinschaften und Schulveranstaltungen werden Schülern aller Schulzweige angeboten.

Die inhaltliche Planung des Unterrichts erstreckt sich über einen längeren Zeitraum in der Anfangsphase der Schule. Im Februar 1974 legt die KGS Neuenhaus die "Planung für das Modell der Sekundarstufe I in der Fassung vom 18.12.1973" vor. Da die KGS die einzige Gesamtschule in der Grafschaft Bentheim ist, wird die Planungsgrundlage zur Information unter KGS-Planung vollständig abgedruckt. Fast alle Neugründungen von Kooperativen Gesamtschulen haben in ihren Planungsanträgen die Formulierungen des Neuenhauser Strukturmodells wörtlich übernommen.

Parallel zu der inhaltlichen Planung wird die Schulverfassung der KGS Neuenhaus entwickelt: Die Kooperative Geamtschule erhält eine kollegiale Schulleitung. Das Leitungskollegium besteht aus den Leitern der Schulzweige OS, HS, RS und Gy und dem Didaktischen Leiter. Der Schulleiter und sein erster Stellvertreter sind zugleich Leiter eines Schulzweiges. Die übrigen Mitglieder der Schulleitung sind weitere Stellvertreter des Schulleiters. An der KGS werden alle höherwertigen Ämter mit zeitlicher Begrenzung übertragen. Dies ist in einer "Besonderen Ordnung der Kooperativen Gesamtschule Neuenhaus nach § 34 NSchG" festgelegt, die der Nds. Kultusminister mit Erlass vom 7.3.1975 zur Erprobung genehmigt.

Das Verfassungsmodell von Neuenhaus ist einmalig in Niedersachsen. Alle anderen niedersächsischen Gesamtschulen haben einen Schulleiter, einen Stellvertreter und einen Didaktischen Leiter, die nicht an einen Schulzweig gebunden sind, daneben vier Schulzweigleiter. Der Gedanke, dass ein Schulzweigleiter jeweils für drei Jahre die Leitung der KGS übernehmen soll, so dass ein rotierendes System entsteht, wird dann dadurch hinfällig, dass im Landesbesoldungsanpassungsgesetz von 1977 festgesetzt wird, dass alle auf Zeit übertragenen Ämter den Mindestzeitraum von 9 Jahren haben.

Schulzweigleiter sind zunächst Oberstudiendirektor Hans-Georg Rusch (Gymnasium), Realschulrektor Jan Kortmann (Realschule), Rektor Johann Holthuis (Hauptschule), Realschullehrer Walter Hönig (Orientierungsstufe). Herr Rusch ist zunächst "Geschäftsführer", dann Schulleiter der KGS, sein 1. Stellvertreter Herr Kortmann. Didaktischer Leiter wird ab 1977 Studienrat Jörg Leune, der ab 1972 im Gymnasium Neuenhaus tätig ist.

Alle Gremien, Konferenzen, Elternvertretung und Schülervertretung sind für die ganze Schule zuständig.
Neben der Gesamtkonferenz tagt der schon oben genannte "Ständige Pädagogische Planungsausschuss" (SPPA) als Beratungsgremium zwischen den Sitzungen der Gesamtkonferenz. Ihm gehören die Mitglieder der Kollegialen Schulleitung (ohne Stimmrecht), 8 Lehrkräfte, 4 Elternvertreter und 4 Schülervertreter (mit Stimmrecht) an. Den Vorsitz hat je nach Tagesordnung der Schulleiter oder der Didaktische Leiter.  Zur Gesamtkonferenz gehören u.a. je 15 stimmberechtigte Eltern- und Schülervertreter. In einer Besonderen Ordnung wird die Zusammensetzung der Konferenzen und Ausschüsse bestimmt, die die Bezirksregierung mit Verfügung vom 12.09.1978 beschließt.

Der Ausbau der KGS erfolgt in der Zeit von 1968 bis 1975:
1. Bauabschnitt: Gymnasium 1968 (jetzt: Naturwissenschaften).
2. Bauabschnitt: Gymnasium, Realschule, Hauptschule, Forum etc. 1970 - 1972,
3. Bauabschnitt:  Kunsttrakt 1972/73, Turnhalle 1971/72,
4. Bauabschnitt: Schwimmhalle 1974/75.
In das bisherige Realschulgebäude zieht die Orientierungsstufe, im bisherigen Gebäude der Mittelpunktschule verbleibt die Grundschule. Die Fachräume für Hauswirtschaft und Werken im Grundschulgebäude werden von der KGS genutzt.

Hier finden Sie drei Ansichten von der KGS Neuenhaus:

 

 

Bilder: Archiv Heinz Ragnitz

1972 - Für das Schuljahr 1972/73 werden in den 5. Jahrgang 280 Schüler aufgenommen. Davon werden 92 Schüler für die Realschule und 124 Schüler für das Gymnasium angemeldet. Aufgrund der Gutachten und Zeugnisse und nach Rücksprache mit den Eltern werden die Schüler in folgende Klassen der Kooperativen Eingangs- und Förderstufe (KEF) eingewiesen:
64 Schüler in zwei H- Klassen,
24 Schüler in eine H/R- Klasse,
58 Schüler in zwei R- Klassen,
40 Schüler in zwei R/G- Klassen und
94 Schüler in drei G- Klassen, zusammen
280 Schüler in zehn Klassen.

Insgesamt wird die KEF im Schuljahr 1972/73  in den Jahrgangsstufen 5 und 6 zusammen 21 Klassen haben. Es stehen jedoch nur 16 Klassenräume in dem früheren Realschulgebäude zur Verfügung. Deshalb werden einige der 6. Klassen in der Realschule bzw. im Gymnasium unterrichtet werden müssen. Die Versorgung der KEF mit Lehrerstunden wird noch Schwierigkeiten bereiten. In der Realschule stehen einem Stunden-Soll von 652 Unterrichtsstunden 555 Lehrerstunden gegenüber (Protokoll der RS-Konferenz vom 23.6.1972).

Die Kooperative Gesamtschule Neuenhaus, die erste kooperative Gesamtschule Niedersachsens, von Oberkreisdirektor Dr. Terwey treffend als "Schulstadt" bezeichnet, wird am 6. Oktober 1972 im Beisein zahlreicher Ehrengäste festlich ihrer Bestimmung übergeben. Mit ihr wurde eine Einrichtung geschaffen, die nach den Darlegungen der Festredner neue Bildungsperspektiven für das Landkind der Niedergrafschaft eröffnet und beispielgebend und richtungsweisend für ähnliche Systeme in Niedersachsen und darüber hinaus sein wird. Die Kooperative Gesamtschule Neuenhaus gewährleistet ein Höchstmaß an Variabilität und Flexibilität. Zu ihrem Zustandekommen haben nicht nur die drei Schulträger, Landkreis Grafschaft Bentheim, Stadt Neuenhaus und Realschulzweckverband, sondern auch die Direktoren der Hauptschule, Realschule und des Gymnasiums mit ihren Lehrerkollegien entscheidend beigetragen. Hinzu kommt die tatkräftige Unterstützung und Förderung durch die zuständigen Stellen in Osnabrück, Hannover und Bonn (GN, 7.10.1972).

1973 - Im Rahmen grenzüberschreitender Maßnahmen im EUREGIO-Raum wird ab 1973 ein Schüleraustausch zwischen der MAVO Ootmarsum und dem Realschulzweig der KGS Neuenhaus durchgeführt. Alljährlich kommt es in den Osterferien zu einer Begegnung zwischen niederländischen und deutschen Schülern, bei der die Jugendlichen wechselseitig für drei bis vier Tage zu Gast bei Familien im Nachbarland sind. Während dieser Zeit läuft immer ein Programm ab, das ausgefüllt ist durch längere Fahrten, Sportveranstaltungen, Besichtigungen und eine sogenannte "Mittelveranstaltung", bei der in einem Freizeitpark alle am Schüleraustausch beteiligten Jugendlichen aus den Mitgliedsgemeinden der EUREGIO zusammentreffen. Jede Begegnung wird einige Monate später durch eine gemeinsame Berlinfahrt fortgeführt, bei der die Gruppen eine Woche lang zusammen sind (KGS-Info 3, 3/81).

1975 - Es beginnt ein Schüleraustausch zwischen der KGS Neuenhaus und der CES-Oberschule in Boussy. Der Ort ist 25 km von Paris entfernt und zählt rund 6000 Einwohner. Die Turnhalle der KGS erhält später den Namen "Boussy St. Antoine-Turnhalle". 1990 schließen dann die Stadt Neuenhaus und Boussy-Saint Antoine eine Städtepartnerschaft ab (GN,29.5.90; KGS-Info 22, 12/90). 

1977 - Der Leiter des Schulzweiges Hauptschule, Rektor Johann Holthuis, wird nach Erreichen der Altersgrenze nach 42 Jahren beruflicher Tätigkeit in den Ruhestand verabschiedet (GN, 29.1.1977). Sein Nachfolger wird Ulrich Weiß, der vorher Konrektor in Veldhausen war, ab 1.2.1977 in Neuenhaus tätig ist und im Oktober 1977 in sein Amt eingeführt wird (GN,19.10.1977).

Zum Schuljahresende 1976/77 werden zum ersten Mal 212 Schüler aus der KGS entlassen, die in den Schulzweigen HS, RS und Gy die gesamte Sekundarstufe I (5.- 10. Schuljahr) durchlaufen und ein Sekundarstufen I- Abschlusszeugnis erhalten haben. Von 47 Schülern, die die 10. Klasse an der Hauptschule besuchten, erhalten 36 den Realschulabschluss und 3 den Erweiterten Sekundarabschluss I, von 81 Realschülern erhalten 24 und von 84 Gymnasiasten 79 den Erweiterten Sekundarabschluss I. Dieser berechtigt zum Übergang in die Klasse 11 der gymnasialen Oberstufe (GN, 23.6.1977).

1978 - Zum 1. Februar 1978 erfolgt ein Wechsel in der Schulleitung. Herr Jan Kortmann, der bisherige 1. Stellvertreter, löst Herrn Rusch als Schulleiter ab, der 1. Stellvertreter wird Herr Ulrich Weiß, der Schulzweigleiter der Hauptschule. Herr Rusch bleibt Leiter des Gymnasialzweiges und Schulleiter des Gymnasiums mit den Klassen 11 - 13. Die Amtseinführung von Herrn Kortmann und Herrn Weiß erfolgt im Juli 1978 (GN, 27.7.1978). Nach der bisherigen dreijährigen Amtsübertragung erhalten  Herr Kortmann und Herr Weiß  eine Amtsübertragung von 9 Jahren.

Nach einer Statistik im Oktober 1978 besuchen die KGS 1.336 Schüler in 45 Klassen, davon die OS 509 Schüler in 17 Klassen, die HS 263 Schüler in 9 Klassen, die RS 268 Schüler in 9 Klassen und das Gy (7- 10) 296 Schüler in 10 Klassen. Die Gesamtzahl der Lehrer (einschl. Sek. II) beträgt 97, davon nach Lehrämtern (bezogen auf den Sekundarbereich I) 37 % Hauptschule, 35 % Realschule, 16 % Gymnasium und 12 % Sonstige. (KGS-Info 10/78).

Der Sprecher der CDU-Fraktion im Nds. Landtag besucht die KGS. Er begrüßt, dass die KGS Neuenhaus sich klar von der Integrierten Gesamtschule abgrenzt und betont, dass das Modell Neuenhaus bei der gesetzlichen Gestaltung der Kooperativen Gesamtschulen in Niedersachsen wesentlich berücksichtigt werde (GN, 21.12.1978).

1979 - Zum Schuljahresende 1978/79 wird der Leiter der Orientierungsstufe, Walter Hönig; in den Ruhestand versetzt (GN, 30.7.1979). Er stirbt am 18. August 2005 in Nordhorn. Sein Nachfolger wird Klaus Garde, der seit 1973 an der OS tätig ist und sich erfolgreich als Fachkonferenzleiter für Ev. Religion eingesetzt hat (GN, 1.9.1979).

1980 - In einer Podiumsdiskussion in Neuenhaus bekräftigt der CDU-Bildungsexperte Horrmann, dass die KGS Neuenhaus sich um ihren Fortbestand keine Sorgen machen müsse. Schuleiter Kortmann stellt mit "tiefer Bestürzung" fest, dass der "Schulversuch Kooperative Gesamtschule Neuenhaus" zu scheitern drohe, weil die vorgesehene Schulgesetznovelle einiges gravierend verändern werde. Die Schule habe sich als organisatorische und pädagogische Einheit hervorragend bewährt (GN, 18.1.1980). Dies wird auch in einer schriftlichen Stellungnahme bekräftigt (GN, 14.2.1980), die der SPD-Landtagsabgeordnete Arens unterstützt (GN, 21.5.1980, Leserbrief vom 24.5.1980).

In einem Beschluss des "Ständigen Pädagogischen Planungsausschusses SPPA" wird festgelegt, etwa dreimal jährlich in unregelmäßigen Abständen eine Informationsschrift herauszugeben. Hinter diesem Vorhaben steht der Gedanke, dass Schule sich nicht hinter verschlossenen Türen abspielen sollte; Schüler, Eltern und Lehrer sollen sich informieren können über Fragen der Organisation und Planung von Unterricht, über außerunterrichtliche Veranstaltungen, über personelle Veränderungen in der Lehrerschaft, über Unterrichtsversorgung, über wichtige Konferenzbeschlüsse, insbesondere aber auch über Ziele, Aufgaben und Möglichkeiten einer Kooperativen Gesamtschule. Das KGS-Info enthält u.a. regelmäßig folgende Themenbereiche:
1. Mitteilungen der Schulleitung: Unterrichtsversorgung, Veränderungen im Lehrerkollegium, Schulabschlüsse, Termine u.a.,
2. Mitteilungen des Elternrates,
3. Vorstellung eines Faches (ab KGS-Info 3): Religion (3), Deutsch (4), Kunst (5), Technik (6),  Betriebspraktikum (6), Hauswirtschaft (7),  Arbeitsgemeinschaften (8), Musik (9), Arbeit-Wirtschaft-Technik (11),  Biologie (12), Geschichte (13), Niederländisch (14), Erdkunde (15), Englisch (16), Chemie (17), Französisch (18), Sport (19), Sprache/Sprachförderung (20), Physik (20), Sozialkunde (21), Gestaltendes Werken (22), Technik (23), Latein (24), Maschinenschreiben (24). Die Darstellungen, die von den Fachbereichsleitern und Fachlehrern erstellt sind, sind sehr ausführlich und geben einen guten Einblick in die unterrichtliche Arbeit des jeweiligen Faches.

1981 - Im Schuljahr 1981/82 besuchen 70 Schüler die 10. Klassen im Hauptschulzweig der KGS in 3 Klassen. Die Schüler kommen aus der ganzen Grafschaft, da dies das einzige derartige Bildungsangebot ist. In den 10. Klassen ist zu beobachten, dass die Lern- und Leistungsbereitschaft vieler Schüler erheblich gestiegen ist. Das zeigt sich im Willen der Schüler, über das Maß hinausgehende Anforderungen zu erfüllen. Auch im Rahmen des allgemeinen Schullebens (Schülervertretung, Schulveranstaltungen u.a.) sind insgesamt positive Ansätze festzustellen. Ein besonderes Motiv für den Erwerb des Sekundar-I-Abschlusses ist auch darin zu sehen, dass als Eingangsvoraussetzungen in den Beruf immer häufiger höherwertige Bildungsabschlüsse verlangt werden. Neben dem Hauptschulabschluss nach Klasse 10 kann der Realschulabschluss und der Erweiterte Sekundarabschluss I erworben werden. Neben einem von 6 Leistungsprofilen ist die erfolgreiche Teilnahme an einem Abschlussverfahren (Kolloquium) Voraussetzung. Im Kolloquium soll der Schüler nachweisen, dass er in der Lage ist, aus dem von ihm gewählten Fachthema nicht nur angeeignetes Wissen wiederzugeben, sondern Denkleistungen zu erbringen, die über die Ebene der reinen Reproduktion hinausgehen (GN, 10.9.1981; KGS-Info 4, 11/1981).

Zum 10-jährigen Bestehen der KGS Neuenhaus präsentieren die Schüler eine umfangreiche Ausstellung. Kultusminister Remmers, der die Festrede hält, führt aus, dass die Schule in den letzten 10 Jahren Modellcharakter bekommen habe (GN, 15.9.1981).

An der KGS sind zwei Beratungslehrer tätig. Aufgaben der Beratungslehrer sind:
1. Allgemeine Aufklärung über die verschiedenen Wege im Schulsystem sowie individuelle Beratung einzelner Schüler und ihrer Eltern,
2. Hilfe bei Lern- und Leistungsschwierigkeiten und bei Verhaltungsauffälligkeiten,
3. Zusammenarbeit mit anderen Beratungsstellen (Berufsberatung, Schulpsychologie, Erziehungsberatung) (KGS-Info 4, 11/81).

1982 - An der KGS sind folgende Schulassistenten tätig:
- Karl-Heinz Liese, Schulzweig RS, seit 1970,
- Gerhard Wüppen, Schulzweig HS, seit 1970,
- Peter Mews, unterrichtstechnologischer Bereich,seit 1974,
- Johannes Voigt, Schulzweig OS, seit 1974, später: Frau Behrens, Versetzung von der G/H Veldhausen nach Versetzung von Herrn Voigt nach Nordhorn,
- Charlotte Kühne, Gy und Schulzweig Gy, seit 1970 (KGS-Info 3/82).
Sekretärinnen sind:
- Frau Lippert, Gy und Schulzweig Gy, seit 1975,
- Frau Lukowski, KGS seit 1975 (KGS-Info 6).

1983 - Am 18. Februar 1983 besuchen der SPPA sowie weitere Vertreter der KGS, Eltern und Schüler die holländische "schoolengemeenschap" in Hoogesand in der Nähe von Groningen. Durch den Besuch erhalten die Teilnehmer einen genauen Einblick in den Aufbau der Schule, die Unterrichtsorganisation und den Unterricht (KGS-Info 7, 5/83). Der Gegenbesuch erfolgt am 20. Januar 1984 mit einem intensiven Meinungs- und Erfahrungsaustausch mit 25 Lehrkräften, Eltern-, Schüler- und Gemeindevertretern (GN, 23.1.1984; KGS-Info 9, 5/84). Die damit begonnene Schulpartnerschaft wird zum Bedauern der KGS zum Jahresende 1987 von holländischer Seite beendet. Die dortige Schule ist zu der Überzeugung gekommen, dass der Kontakt im Kollegium zu wenig mitgetragen würde. Der Schulleiter bedauert in einem Schreiben, dass seine und die Bemühungen der Neuenhauser Seite nicht zu einem besseren Ergebnis geführt hätten (KGS-Info 17, 5/88).

1984 - Am 31.1. und 1.2.1984 findet für alle Lehrkräfte, interessierte Schüler und Eltern eine Pädagogische Klausurtagung unter dem Rahmenthema "Was sollen Schüler können? Was sollen Schüler lernen?" statt. Im Mittelpunkt stehen Ziele und Methoden der einzelnen Fächer, besonders im Hinblick auf den Jahrgang 6 und den Übergang  nach Klasse 7 und die Jahrgänge 9 und 10 des Schulzweiges HS (KGS-Info 8, 12/83). Ein Ergebnis ist, dass der Unterricht in einer anderen Form als bisher stattfinden soll. Ziel soll es sein, den Hauptschülern einen Unterricht zu erteilen, der dem jeweiligen Leistungsvermögen der Schüler entspricht und sie sowohl in ihrer persönlichen Entwicklung als auch in der Vorbereitung auf den Berufsweg fördert (KGS-Info 9, 5/84). Nach einem Bericht im KGS-Info 11, 5/85 ist der Versuch einer Neuorganisation der 7. Klassen der HS erfolgreich abgelaufen.

Im Sportabzeichenwettbewerb der Schulen auf Bezirksebene ist die KGS als Sieger ihrer Gruppe hervorgegangen und erhält einen Preis von 500 DM  zur Gerätebeschaffung (KGS-Info 9, 5/84).

1985 - Im Wettbewerb "Jugend trainiert für Olympia" erringt die KGS in der Wettkampfgruppe "Schwimmen III Mädchen" auf Bezirksebene den 1. und auf Landesebene den 3. Platz (KGS-Info 11, 5/85). Im Juli 1985 führt die OS das Musical "Piraten" auf, das von den AGs "Theater" und "Jazz" realisiert wurde (KGS-Info 12, 12/85). Ein weiteres Musical "Wer klaut denn hier?" folgt 1986 (KGS-Info 13, 6/86, GN, 3.9.1986).

1986 - Der Schulzweigleiter der OS, Rektor Klaus Garde, verlässt die KGS und wird ab 1.2.1986 Schulleiter der Grund- und Hauptschule Veldhausen (GN, 25.1.1986). Nachfolger wird der Realschullehrer Christian Petras, der aus Ostfriesland kommt und eine zwölfjährige Schulerfahrung mitbringt (GN, 3.5.1986).

Beginnend zum Schuljahresende 1985/86 soll nach dem Beschluss der Gesamtkonferenz alle drei Jahre ein Schulfest stattfinden. Ein Ausschuss aus jeweils 8 Eltern-, Schüler- und Lehrervertretern und der Kollegialen Schulleitung soll die Beiträge koordinieren. Das erste Schulfest findet am 1. Juli 1986 statt (KGS-Info 13, 6/86).

Neun Schülerlotsen aus dem 8. Jahrgang des Schulzweiges HS übernehmen nach gründlicher Ausbildung ihren Dienst, besonders für die Grundschüler. Bei ihrer Arbeit werden sie von einer Lehrkraft und der Polizei unterstützt. Jedes Jahr dürfen sie an einer Schülerlotsenfahrt teilnehmen und erhalten nach ihrem Ausscheiden eine Dankesurkunde (KGS-Info 13, 6/86).

1987 - Die Schachgruppe der KGS wird in der Wettkampfgruppe III (bis Klasse 8) auf Bezirksebene 1. Sieger, auf Landesebene 3.- 4. Sieger (KGS-Info 15, 5/87).

1988 - Die Pädagogische Klausurtagung im Januar beschäftigt sich mit dem Thema "Leistungsbewertung - konkret" (KGS-Info 18, 11/88)

1989 - Von der Schulzweigkonferenz der OS wird am 14.3.1988 eine "Konzeption für den Projektunterricht" beschlossen . Die Projekttage der OS haben 1989 das Thema "Früher". Themenbeispiele sind Ahnenlisten, Omas Kochrezepte, Mode früherer Jahre, Heimatmuseum, aber auch: Atlantis, Zeit der Ritter und ihre Burgen, Römer, Ägypter, Wikinger. An der Projektwoche nehmen über 300 Schüler in 25 Gruppen teil. Die Projektwoche  findet bei den Schülern, Lehrern und der Schulleitung viel Anklang (GN,18.3.1989, KGS-Info 19, 6/89). 1990 ist das Thema "Umwelt", 1991 "Leben in Neuenhaus". Ab 1992 haben die einzelnen Klassen unterschiedliche Themen.     

Der bisherige Leiter der KGS, der Gesamtschuldirektor Jan Kortmann, wird in den Ruhestand verabschiedet. Herr Kortmann war fast 20 Jahre in Neuenhaus tätig. Als Gründungsmitglied hat er entscheidend am Aufbau der Kooperativen Gesamtschule mitgewirkt. Von 1974 bis 1978 als stellvertretender Leiter der KGS und vom 1.2.1978 bis zum 19.7.1989 als Schulleiter der KGS hat er zusammen mit der Kollegialen Schulleitung, den Lehrern und Elternvertretern die Schule zu einem Bildungsinstitut gemacht, das aus der schulischen Landschaft der Samtgemeinde nicht mehr wegzudenken ist (KGS-Info 19, 6/89 und 20, 12/89).

Der Nachfolger von Herrn Kortmann als neuer Direktor der Gesamtschule und Schulzweigleiter der Realschule wird Günther Itterbeck, der zuvor seit 1977 die Realschule Uelsen und davor die Mittelpunktschule Uelsen geleitet hat. (GN, 7.9.1989).

1991 - An der KGS sind 10 Fachbereichsleiter eingesetzt: Ästhetik, Deutsch, Religion, Sprache/Sprachförderung, Mathematik, Arbeit/Wirtschaft/Technik, Naturwissenschaften, Arbeitsgemeinschaften/Projekte, Englisch, Gesellschaft. Die Dauer der Amtsübertragung beträgt wie beim Schulleiter, seinem Stellvertreter, dem Didaktischen Leiter und dem OS-Leiter 9 Jahre.

Die Zahl der Schüler beträgt in der OS 317 in 12 Klassen, in der HS 183 in 9 Klassen, in der RS 243 in 10 Klassen und im Gymnasialzweig 197 in 8 Klassen, zusammen 940 Schüler in 39 Klassen (Stand: 11.4.1991).

Am 24. April besuchen Bildungspolitiker und Schulaufsichtsbeamte aus den Ländern Portugal, Spanien, Frankreich, Belgien, Niederlande, England, Italien und Deutschland die KGS Neuenhaus und hospitieren in verschiedenen Klassen. In der anschließenden Aussprache werden u. a. Möglichkeiten von Schulpartnerschaften, des Schüleraustausches und des Kontaktes mit europäischen Ländern angesprochen (KGS-Info 23, 5/91).

Mit Beginn des Schuljahres 1991/92 wird an der KGS der 2. unterrichtsfreie Sonnabend eingeführt. Schon zehn Jahre vorher wurde ein entsprechender Antrag gestellt, der jedoch vom Schulelternrat abgelehnt wurde.(KGS-Info 23, 5/91).      

Auf Beschluss des Nds. Landtages wird zum Schuljahr 1991/92 die Lernmittelfreiheit - in der KGS beginnend mit der 7. Jahrgangsstufe - eingeführt. In der Regel werden die Bücher im Leihverfahren zur Verfügung gestellt.

Im Schuljahr 1991/92 besuchen die Schulzweige OS 312, HS 185, RS 240 und Gy (7 - 10) 194, zusammen 931 Schüler. Die Klassenfrequenz beträgt in der OS 26,3, HS 20,2, RS 24,4 und im Gy I  24,9 Schüler. Schulzweigübergreifender Unterricht wird in Sport, Religion, Ästhetik (Kunst, Musik, Gestaltendes Werken/ Textiles Gestalten) und in den Arbeitsgemeinschaften erteilt (KGS-Info 24, 1/92).

Bei einem Besuch des schulpolitischen Sprechers der FDP im Nds. Landtag in Neuenhaus erklärt dieser, dass die KGS Neuenhaus ein mustergültiges Beispiel dafür sei, wie schulzweigspezifischer und gesamtschulspezifischer Unterricht in einer Schule praktiziert werden kann (GWaS, 15.9.1991).

Es erfolgen gegenseitige Besuche von Schulleitungsmitgliedern der KGS und der 6. Oberschule Neustrelitz in Mecklenburg. Ziel ist es, die Schule in Neustrelitz bei der dort vorgesehenen Umstrukturierung des Schulwesens nach der Wende zu beraten.

An der 1. EUREGIO-Agrarmesse in Isterberg nehmen über 5000 Schüler aus den Grafschafter Schulen, davon 900 Schüler in 38 Klassen von der KGS teil. Die Klasse 8A aus dem Hauptschulzweig gewinnt bei dem Schülerwettbewerb den 1. Preis, verbunden mit einer Wochenendreise nach Reichenbach (KGS-Info 24, 1/92).

1992 - Zum Jahresanfang ist die erstinstanzliche Aufsicht über die Kooperativen Gesamtschulen in Niedersachsen von den Schulaufsichtsämtern auf die Bezirksregierungen übergegangen. In einer kleinen Abschiedsfeier danken der Gesamtschuldirektor Itterbeck und die Vorsitzenden des Personalrates und des Schulelternrates dem bisher zuständigen Schulrat Heinz Ragnitz für seine Arbeit zugunsten der KGS Neuenhaus (GN, 22.2.1992).

Der Schüleraustausch zwischen dem Schulzweig Realschule und der MAVO Ootmarsum findet Ostern 1992 zum 20. Male statt (GN, 7.5.1992; KGS-Info 25, 9/92).

Während einer Versammlung ist ein "Verein zur Förderung der Kooperativen Gesamtschule (KGS) in Neuenhaus" gegründet worden. Ziel des Fördervereins ist es, Geldmittel zu sammeln, mit denen die innerschulischen Investitionen und Vorhaben finanziell unterstützt werden können (GN, 30.10.1992).

1993 - In mehreren Klassen des Hauptschulzweiges wird als neue Unterrichtsmethode die "Wochenplanarbeit" erprobt. Dadurch tritt der Lehrer im Unterricht zurück; statt dessen wird die Eigeninitiative und Aktivität der Schüler gefördert. Ihnen wird mehr Verantwortung für ihr eigenes Lernen übertragen. Der Lehrer berät die Lernenden, korrigiert ihre Arbeiten und bespricht mit der Klasse die Gesamtplanung (KGS-Info 26, 2/93).

1994 - Der Leiter des Gymnasiums Neuenhaus und des Schulzweiges Gymnasium der KGS, Herr Oberstudiendirektor Hans-Georg Rusch, tritt in den Ruhestand. Im Rahmen einer viereinhalbstündigen Feier wird Herr Rusch auch als einer der "Motoren" der KGS Neuenhaus gewürdigt. Dass dieser "Schulversuch Neuenhaus" seinerzeit bundesweit Anerkennung und Nachahmung fand, sei besonders ihm zu verdanken, der in den ersten Jahren nach Gründung der KGS in dieser damals neuen Schulform die Leitung übernahm und die Grundlagen für das heute "friedliche Miteinander" der verschiedenen Schulzweige geschaffen habe (GN, 31.1.1994; GWaS, 30.1.1994; KGS-Info 29,7/94; GW,2.2.1994).

Nachfolger von Herrn Rusch als Leiter des Gymnasiums und Schulzweigleiter Gymnasium in der KGS wird Oberstudiendirektor Gerhard Herrenbrück, der vorher im Kultusministerium mit der Lehrerausbildung befasst war (GN, 14.9.1994).
Im KGS-Info Nr. 30 vom Dezember 1994 schreibt Herr
Herrenbrück:
"Vorab allen Leserinnen und Lesern des KGS- Info einen herzlichen Gruß! Ich heiße Gerhard Herrenbrück und bin zum Schuljahrswechsel als Leiter des Gymnasiums  nach Neuenhaus gekommen. Zuvor war ich in der Region Braunschweig- Salzgitter- Hannover als Lehrer und zugleich auch in verschiedenen Funktionen in der Lehrerausbildung tätig, insgesamt fast 20 Jahre lang. Meine Stammschule war das Gymnasium in Salzgitter-Bad, einem Stadtteil von Salzgitter, wo meine Familie zur Zeit noch wohnt, bis unsere Wohnung hier in Neuenhaus fertig ist.
Geboren und aufgewachsen bin ich in Ostfriesland, m
eine Frau stammt aus der Grafschaft. Auch einer meiner Brüder hat hier lange gelebt und sein Brot verdient (als Pastor in Uelsen) und dabei übrigens auch hier in der Schule Religionsunterricht erteilt.
So hat also die berufliche Veränderung nach Neuenhaus durchaus ihre privaten Hintergründe: Sie bedeutet nicht nur die Übernahme einer neuen Aufgabe, auf die ich mich freue (nicht zuletzt auf die anregenden vielfältigen Möglichkeiten der speziellen schulischen Verhältnisse hier in Neuenhaus), sondern zugleich auch die Rückkehr in eine Region, die meiner Frau und mir seit langem bekannt und vertraut ist. Das wiederum ist mir wichtig für meine Arbeit und hat Rückwirkungen auf sie: Lehrerinnen und Lehrer unterrichten nicht nur Deutsch und Mathematik, Fächer also, sondern zuerst einmal Schülerinnen und Schüler! Wer angemessen Schule halten und gestalten will, kann Land und Leute nicht ignorieren.
Natürlich und zum Glück gibt es auch für mich ein Leben nach und neben der Schule! Darin spielen meine beiden Jungen, sechs und acht Jahre alt, eine beachtliche Rolle. Außerdem gibt´s da sehr viel Literatur, klassische Musik, Spaziergänge und Radtouren in der Grafschaft und anderswo, ab und zu auch mal ein anständiges Fußballspiel, aktiv und passiv, und sonst noch so allerlei!"

Nach der Besonderen Ordnung der KGS von 1975 besteht die Schulleitung aus 5 Personen, wobei der Schulleiter und sein Stellvertreter gleichzeitig Schulzweigleiter sind: Herr Itterbeck gleichzeitig Schulzweigleiter der RS, Herr Weiß gleichzeitig Schulzweigleiter der HS. Mit Novellierung des Nds. Schulgesetzes werden alle bisherigen Besonderen Ordnungen zum 31.7.1994 aufgehoben. Obwohl ein Dezernent des Kultusministeriums empfohlen hat, sich dem Regelmodell, dem Siebener-Modell, anzuschließen, beschließt die Gesamtkonferenz am 21.2.1994, eine Besondere Ordnung weiterhin mit dem Fünfer-Modell zu beantragen. Außerdem beschließt sie, die Aufgaben der Schulleitungsmitglieder nicht auf Lebenszeit, sondern weiterhin nur für einen Zeitraum von 9 Jahren mit der Möglichkeit der Verlängerung zu vergeben. Dieses Modell bleibt weiterhin einmalig in Niedersachsen (KGS-Info 29, 7/94).

Für ein "besonders gelungenes Beispiel suchtpräventiver Arbeit" in niedersächsischen Schulen wird die KGS Neuenhaus für die Arbeit der "Akrobatik-AG" ausgezeichnet. In der Arbeitsgemeinschaft erproben 20 Schülerinnen und Schüler im Alter von 13 bis 21 Jahren aus HS, RS und Gy alternative Möglichkeiten des Turnunterrichts. Durch dieses Projekt wird bereits im Vorfeld einer tatsächlichen Sucht den Sucht- und Drogengefahren entgegengewirkt. Die Schüler üben sich in verschiedenen Formen der Akrobatik, zu der Mini-Trampolin-Aktionen und Jonglieren ebenso gehören wie Gaukeleien und Einradfahren (GN, 28.11.1994).

1995 - Der Direktorstellvertreter der KGS und Schulzweigleiter der Hauptschule, Ulrich Weiß, wird im Alter von 56 Jahren in den vorzeitigen Ruhestand versetzt. Nach Ablegung der Reifeprüfung am Gymnasium Nordhorn 1960 studierte er an der Pädagogischen Hochschule Oldenburg. 1970 wurde er zum Konrektor der Volksschule Veldhausen und 1978 zum "Studiendirektor als Leiter des Hauptschulzweiges" der KGS Neuenhaus ernannt. Herr Weiß erfüllte an der KGS viele Aufgaben, alle mit großem Verantwortungsbewußtsein (GN, 29.8.1995; KGS-Info 32 12/1995). Außerschulisch setzte sich Ulrich Weiß  für die Wiederherstellung der Windmühle in Veldhausen ein. Zusammen mit Zuschüssen des Landkreises und der Stadt Neuenhaus sowie des Landes wird die Windmühle in den Jahren 1985 bis 1987 für mehr als eine halbe Million Mark restauriert. Seinerzeit agierte man als "Arbeitskreis Windmühle" im VVV Neuenhaus. Spätestens mit der Errichtung des Müllerhauses 1998 und den weiteren Gebäuden wie dem Backhaus, der Schmiede und dem Bijhuus erfolgte die Gründung eines eigenen Vereins, des Mühlenvereins Veldhausen, um mit den Mitgliedern den Mühlenhof zu pflegen und durch Veranstaltungen mit Leben zu füllen. Ulrich Weiß übernahm den Vereinsvorsitz. 2010 zieht er zusammen mit seiner Frau zu seiner Tochter und gibt den Vereinsvorsitz ab (GN, 18.8.2010). Für seine Verdienste erhält er die Bürgermedaille der Stadt Neuenhaus (GN,30.10.2010)

Sein Nachfolger an der KGS in beiden Funktionen wird Achim Röder, der seit Anbeginn im Hauptschulzweig tätig war und den bisherigen Amtsinhaber bereits kommissarisch vertreten hat. (GN, 3.12.97; KGS-Info 32, 12/95 und 36, 2/98).

Die Gesamtkonferenz fasst am 22. März drei wichtige Beschlüsse:
1. Ab Schuljahr 1995/96 wird im 9. Schuljahr des Hauptschulzweiges ein Praxistag eingeführt. Die Schüler werden zwischen den Herbstferien und Weihnachten einen Tag die Schule verlassen und stattdessen in einem Betrieb arbeiten.
2.  Neben dem Wahlpflichtunterricht in den Sprachen der RS und des Gy ab Klasse 7 und im musisch-kulturellen Bereich der HS/RS ab Klasse 8 sollen Schüler des  10. Jahrgangs ein Fach wählen, in dem sie zusätzlich zum Pflichtunterricht einen eigenen Schwerpunkt setzen. Solche schulzweigübergreifende Wahlpflichtkurse sollen für die Fächer Biologie, Chemie, Physik, Geschichte, Erdkunde, Sozialkunde und Informatik angeboten werden.
3.  Die Schulhofflächen sollen verschönert werden. (KGS-Info 31, 7/95).

Schüler aus dem Gymnasialzweig der KGS übernehmen für ein Jahr die Leitung des Heimatmuseums Neuenhaus. Die Betreuung übernimmt der Lehrer Eckhard Woide. Im April wird von ihnen eine Sonderausstellung "Uhren aus vier Jahrhunderten" aufgebaut, in der 60 Uhren aller Art, darunter 35 Wanduhren, gezeigt werden, die Kunst und Können der Uhrmachermeister vergangener Jahrhunderte deutlich machen (GN, 1.5.1996, KGS-Info 33, 6/96).

Mit Unterstützung des Fördervereins gestalten 44 Schüler des Hauptschulzweiges ihren Schulhof um (GN, 28.9.95).    

1996 - In den niedersächsischen Schulen wird die Fünf-Tage-Woche eingeführt. Im Spätherbst 1996 feiert die KGS mit unterhaltsamen und informativen Veranstaltungen für Lehrer, Schüler und Eltern ihr 25-jähriges Bestehen. Dazu wird auch eine Jubiläumsschrift herausgegeben (KGS-Info 34,12/96). Sie enthält nach einem Vorwort des Schulleiters Günther Itterbeck u.a. Beiträge von Jan Kortmann (ehem. Schulleiter und Schulzweigleiter RS), Sinus Lefers (ehem. Stadt- und Samtgemeindedirektor), Hans-Georg Rusch (ehem. Schulleiter und Schulzweigleiter Gy), Heinz Ragnitz (ehem. für die KGS zuständiger Schulrat), Hannelore Gedenk (ehem. Schulelternratsvorsitzende),  Johann Holthuis (ehem. Schulzweigleiter HS), Achim Röder (Stellv. Schulleiter und Schulzweigleiter HS), Heidi Roolfs (ehem. Schülerin), Jörg Leune (Didaktischer Leiter), eine Auflistung sämtlicher Lehrkräfte der KGS seit 1971 und die 1971 in den 5. Jahrgang eingeschulten Schüler.

1998 - Im Schuljahr 1997/98 befasst sich der Ständige Pädagogische Planungsausschuss (SPPA) mit folgenden Themen:
- Unterrichtssituation im Schuljahr 1997/98
- Schulfahrten
- Unterrichtsausfall bei Glatteis und großer Hitze
- Weiterentwicklung der KGS Neuenhaus (Schulprogramm):
   a)  Die Schulzweige und die Schule,
   b) Ausbilden für das 21. Jahrhundert,
   c) Ein Schulprogramm für die KGS Neuenhaus "Wie ich mir die Schule in fünf Jahren wünsche"
- Projektunterricht
- Vorbereitung der Gesamtkonferenz
- Integrationsklasse
- Raumbedarf im Fach Musik.

Seit 1971 hat es 371 Sitzungen gegeben. In einer Sitzung wird überlegt, wie man die SPPA-Arbeit verbessern kann. Das Ergebnis ist:
1. Der SPPA muss weniger diskutieren und mehr entscheiden.
2. Die Arbeit des SPPA muss innerhalb der Schule besser bekannt werden.
3. Die Mitarbeit der Schüler lässt zu wünschen übrig. Sie fehlen bei den Sitzungen und verzichten damit auf das ihnen zustehende Stimmrecht. Gerade bei Fragen der zukünftigen Entwicklung ist aber der Beitrag der Schüler unverzichtbar.

Nach langen Verhandlungen gelingt es, den Besuch einer niederländischen Schule in Terneuzen durchzuführen. Terneuzen liegt ganz im Süden der Niederlande, in der Provinz Zeeland, südlich der Schelde. An dem Besuch nehmen nehmen 16 Schüler aus den 10. Klassen des Realschulzweiges teil. Durch diesen Besuch sollen die deutsch-niederländischen Schulbeziehungen wiederbelebt werden (KGS-Info 37; 7/98). Die nächste Austauschfahrt folgt im April 1999 (KGS-Info 39; 1/00).

Schüler der AG Museum der KGS erarbeiten eine kleine Ausstellung, die die Situation der Kinder in der Zeit des 30jährigen Krieges beleuchtet (KGS-Info 37; 7/98).

1999 - Die Foto-AG der KGS nimmt am Foto-Wettbewerb zum Thema "Das Kloster Frenswegen und die Kirchen in der Grafschaft" teil und gewinnt den Jugendpreis (KGS-Info 39; 1/00).

2000 - 23 niederländische Schüler aus Terneuzen kommen zu einem Gegenbesuch nach Neuenhaus. Neben Unterrichtsbesuchen stehen Besichtigungsfahrten nach Osnabrück und Nordhorn (Eissporthalle, Anne-Frank-Ausstellung) auf dem Programm (GN, 29.01.00;  KGS-Info 40; 7/00). Der Gegenbesuch nach Terneuzen erfolgt im November 2000 (KGS-Info 41; 12/00).

Beim Wettbewerb der Grafschafter Nachrichten "Meine Welt 2020 - Reportagen aus der Zukunft" gewinnen zwei Schülergruppen je einen 1. Preis:
- "Seniorcity - Der ultimative Kick für ältere Generationen"
- "Polizei setzt Telepathie ein" und "Cogitativ wird abgeschafft" (KGS-Info 40; 7/00).
Die Abschlussveranstaltung findet im September auf der Expo in Hannover statt (GN, 15.9.00; KGS-Info 41; 12/00).

Schüler der AG Museum stellen im Vorraum des neuen Rathauses Grabungsfunde aus, die sie nach der Öffnung des Stadtgrabens entdeckten (GN, 25.02.00; KGS-Info 40, 7/00). Ihre Arbeit am Jahresende beendet die AG mit einer Mappe mit dem Titel "Bodenfunde aus der Stadt Neuenhaus". Die Veröffentlichung der Arbeit wird von der Sparkassenstiftung unterstützt (KGS-Info 41; 12/00).

Zum Schuljahresende wird der Leiter der KGS, Gesamtschuldirektor Günther Itterbeck, in den Ruhestand versetzt. Der gebürtige Neuenhauser studierte nach dem Besuch der Volksschule Grasdorf, der Mittelschule Neuenhaus und des Gymnasiums Nordhorn an der Pädagogischen Hochschule Osnabrück. Anfang der sechziger Jahre trat er seinen Dienst in Bad Bentheim an und wurde 1965 Schulleiter der einklassigen Volksschule Hestrup. 1979 wird er Schulleiter der Mittelpunktschule Uelsen und 1977 der Realschule Uelsen. Herrn Itterbeck, der seit Juli 1989 Leiter der KGS war, wird "persönliches Geschick und kooperativer Führungsstil" bescheinigt. Er hat es immer verstanden, "mit leisen Tönen und mit Humor andere Menschen zu überzeugen". Seine besonderen Eigenschaften sind "Pünktlichkeit, Akkuratesse und Perfektion" und das bei einem ausgeprägten "Leistungswillen" (GN, 13.7.2000; KGS-Info 41 12/ 00). Die kommissarische Leitung übernimmt zunächst Herr Röder (KGS-Info 41; 12/00).

Im Rahmen der Partnerschaft des Landkreises Grafschaft Bentheim mit dem Landkreis Slawsk im ehemaligen nördlichen Ostpreußen (Kaliningrader Gebiet) nimmt die Schule vom 03.09. - 17.10.2000 sechs Jugendliche im Alter von 14- 17 Jahren und ihre Lehrerin auf. Die Jugendlichen hospitieren im Unterricht des Gymnasiums, in der Orientierungsstufe und in der Vorschule. Besonders hat ihnen der Musikunterricht in der OS gefallen (KGS-Info 41; 12(00).

2001 - Nach langen Diskussionen beschließt der Samtgemeinderat eine Umstrukturierung des Schulwesens in Neuenhaus, die nachstehende Änderungen bringt:
- Das Gymnasium, das bislang nur als reines Oberstufengymnasium mit den Jahrgangsstufen 11 -13 existierte, wird - beginnend mit der Jahrgangsstufe 7 - auch im Sekundarbereich I (mit den Jahrgangsstufen 7- 10) ausgebaut. Schulträger ist der Landkreis Grafschaft Bentheim.
- Die KGS Neuenhaus behält weiterhin die Schulzweige OS, HS, RS und Gymnasium (Kl. 7 - 10). Schulträger des Schulzweiges Gy ist jetzt - wie auch der übrigen Schulzweige - die Samtgemeinde Neuenhaus.          

Hintergrund der Entscheidung ist die Forderung der Bezirksregierung, die in Niedersachsen einmalige Struktur der KGS Neuenhaus zu ändern. Das neue Schulleitungsmodell, das die Bezirksregierung favorisiert, sieht ein Schulleitergespann an der Spitze und vier untergeordnete Schulzweigleiter sowie den Didaktischen Leiter vor. Nach Ansicht aller Beteiligten würde ein solches Modell zu einer Stärkung der Integration der Schulzweige führen, die bislang nur in wenigen Bereichen kooperiert haben (GN,27.6.2001).

Mit der Ausgabe Nr. 43 vom Dezember 2001 endet die Herausgabe des KGS-Info, das 1980 vom damaligen Schulleiter der KGS, Jan Kortmann, eingeführt wurde und in dieser Zeit ausführlich über die Ereignisse an der KGS Neuenhaus berichtete.

2002 - Zum 1. August 2002 gibt es in Neuenhaus aufgrund der beschlossenen Strukturänderung  für die Schüler des 7. Schuljahrgangs zwei gymnasiale Angebote. Die Eltern haben die Wahl zwischen einem klassischen Gymnasium, dessen Ziel es ist, die Schüler auf die Oberstufe vorzubereiten und zum Abitur hinzuführen, und dem gymnasialen Zweig der KGS, der - wie bisher - noch ein weiteres Ziel verfolgt: Neben der Vorbereitung auf die gymnasiale Oberstufe soll schulzweigübergreifender Unterricht erfolgen. Ein Angebot im Schulzweig Gymnasium ist die sogenannte Klassenstunde, in der die Schüler Lerntechniken und soziales Verhalten lernen sollen. Auf dem Lehrplan stehen freies Sprechen, Auswendiglernen, Konzentrationsübungen, Recherche und Benimmkurse (GN, 7.6. und 8.6.2002).   

Schüler, Lehrer und Eltern sammeln 399 Kochrezepte und stellen sie rechtzeitig vor Weihnachten zu einem Sammelband zusammen. Es sind nicht nur typische Gerichte aus der Grafschaft Bentheim, sondern auch Leckereien aus deutschen Landen und vor allem aus dem Ausland, aus Afrika, den Niederlanden, Dänemark, Russland, Bosnien und Großbritannien. Die Vielfalt spiegelt die internationale Zusammensetzung der Schülerschaft wider. Der Verkaufserlös der KGS-Kochbücher wird für gemeinschaftsfördernde Schulprojekte verwendet (GN, 17.12.2003).

2003 - Studiendirektor Jörg Leune, seit 1977 Didaktischer Leiter der KGS, gibt zum 1.2.2003 dieses Amt auf eigenen Wunsch ab, lässt sich an das Gymnasium Neuenhaus versetzen und übernimmt hier als Mitglied der Schulleitung zunächst das Amt des Koordinators für schulfachliche Fragen (GN, 19.02.2003), ab 1.8.2004 die Leitung der neu errichteten Außenstelle des Gymnasiums in Uelsen.

In einem Projekt wird der reguläre Musikunterricht der Schuljahrgänge 5 und 6  ergänzt, in dem Schüler im Klassenverband oder in einer Arbeitsgemeinschaft Blasinstrumente spielen lernen. Das Geld stammt aus Mitteln der VR-Stiftung der Niedergrafschafter Volksbanken, mit dem die Musikschule Blasinstrumente angeschafft hat. Ein Ziel dabei ist der Aufbau eines Schulorchesters (GN, 31.1. und 7.2.2003).

Seit Beginn des Schuljahres treffen sich 15 Jugendliche in einer Arbeitsgemeinschaft im Schulzweig Realschule, um ein Musik-Festival der Ortsgruppe von "amnesty international" (ai) vorzubereiten (GN, 7.3.2003).

Bislang war die Schulküche, die von der KGS genutzt wurde, in der Grundschule Neuenhaus untergebracht. Da diese veraltet war und die Grundschule Schulraum benötigte, ist auf dem Gelände der KGS in einem Gebäudekomplex von 140 qm Größe eine neue Schulküche errichtet worden, die am 9.5.2003 feierlich ihrer Bestimmung übergeben wird (GN, 9.5. und 12.5.2003).

Nach drei Jahren Vakanz wird Realschullehrerin Annette Harnitz als Gesamtschuldirektorin in ihr Amt eingeführt. Sie war vorher als Fachbereichsleiterin an der KGS und als Seminarleiterin im Ausbildungsseminar Nordhorn tätig. Frau Harnitz ist die erste Schulleiterin ohne zeitliche Begrenzung, die nicht gleichzeitig einen Schulzweig leitet. Herr Röder hat die Schule als Stellvertretender Gesamtschuldirektor drei Jahre lang kommissarisch geleitet (GN, 5.7.2003).

Schulzweigleiter der KGS sind: Gymnasium: Herr Udo Sander, Realschule: Frau Ulrike Arends, Hauptschule: Herr Ernst-Dieter Oehler, der nach 14 Jahren als Rektor der OS Blanke in Nordhorn an die KGS zurückkehrt, an der er bereits von 1981 bis 1989 als Fachbereichsleiter Arbeit-Wirtschaft-Technik gearbeitet hat (GN, 10.9.2003). Nach Auflösung der Orientierungsstufe soll Herr Petras, der den Schulzweig OS seit 1985 leitet, Didaktischer Leiter der KGS werden. Herr Petras tritt die Nachfolge von Jörg Leune an, der das Amt des Didaktischen Leiters seit Gründung der KGS ausübte (GN, 25.8.2003).

Auf neue Wege begeben sich Schüler der 5. Jahrgangsstufe der KGS. Im Rahmen des Kunstunterrichts sind sie an Lernorten außerhalb der Schule unterwegs und sammeln Erfahrungen bei Ausstellungen im Alten Rathaus, im "esscafé augenblick" und im Kunstverein sowie in einem Künstleratelier des Malers Henry Busy. Hierdurch inspiriert erstellen die Schüler eine eigene Ausstellung, in der sie ihre Eindrücke von einer Klassenfahrt nach Helgoland verarbeiten (GN, 23.6.2003).

Die Schüler der 9. Klassen gestalten eine Ausstellung "Stadt - Land- Fluss" im Marienkrankenhaus Nordhorn (GN, 25.6.2003).

Im Rahmen einer Projektwoche unter dem Motto "Kreative Woche" beschäftigen sich 16 verschiedene Projektgruppen mit Musik, Tanz, Schauspiel, Hörspiel, Theater, Kostümen und Bühnenbau, die von mehreren Experten unterstützt werden. Highlight ist eine abendliche Bühnenshow mit fast 500 Besuchern, bei der das "Schwarze Theater" mit den Szenenbildern "Tanzendes Gesicht", "Turner", "tennisspielendes Gespenst" und Skeletttanz" eine besondere Rolle spielt, außerdem ein von der Ems-Vechte-Welle gesendetes Hörspiel (GN, 18.7.2003 und 18.2.2004).

Der Samtgemeinderat regelt das Verhalten auf den Schulhöfen nach Schulschluss durch eine Verordnung. Danach dürfen keine gefährlichen Gegenstände und Hunde mitgeführt, alkoholische Getränke getrunken und private Feiern durchgeführt werden. Es dürfen nur Kinder bis zu 16 Jahren auf dem Schulhof spielen (GN, 18.9.2003).

In den Abschlussklassen wird eine "Reihe Berufsfindung" eingeführt und im Stundenplan verankert. Hierzu werden Vertreter der Berufsbildenden Schulen und von örtlichen Firmen eingeladen (GN, 6.12.2003).

Nach dem Schulzentrum Deegfeld in Nordhorn beginnt die KGS mit der Ausbildung von 14 Streitschlichtern aus den Schuljahrgängen 7 - 9. Ein Schlichter ist ein Schüler, der die Streitenden zu einem Gespräch einlädt und ihnen helfen soll, Lösungen zu finden (GN, 18.12.2003). Die Streitschlichter beginnen ihre Tätigkeit im Juni 2004 (GN, 29.6.2004).

2004 - 36 Lehrkräfte der Gymnasien Nordhorn, Bad Bentheim und Emlichheim sowie der KGS Neuenhaus nehmen für drei Tage an einem Einführungsseminar "Erwachsen werden" von Lions Quest Deutschland in der KGS teil, das die KGS und der Grafschafter Lions Club mitfinanziert haben. Im Mittelpunkt steht die Förderung sozialer Kompetenzen in der Schule. Das 1984 in den USA entwickelte Programm will Schüler dabei unterstützen, "ihr Selbstvertrauen und ihre kommunikative Kompetenz zu stärken, Kontakte und Beziehungen aufzubauen und zu pflegen, Konflikt und Risikosituationen in ihrem Alltag zu begegnen und für Probleme, die gerade die Pubertät gehäuft mit sich bringt, konstruktive Lösungen zu finden" (GN, 6.2.2004).

Die Projektgruppe "Schwarzes Theater" führt das Stück "Der Regenbogenfisch" auf. Daran waren neun Klassen aus der Grundschule und der Sonderschule beteiligt, die Mobiles, Bilder und Plastiken herstellten, die ergänzend zur Aufführung gezeigt werden (GN, 9.3.2004).

Ab 1. August 2004 läuft der Schulzweig Orientierungsstufe der KGS wie alle Orientierungsstufen in Niedersachsen aus. Nach Entscheidung des Nds. Kultusministers sollen die Schüler aus der Orientierungsstufe und aus den 4. Klassen der Grundschulen in die 5., 6. und 7. Klassen der weiterführenden Schulzweige Hauptschule, Realschule und Gymnasium bzw. in das Gymnasium Neuenhaus übergehen. Bei der Trendbefragung der Eltern im Februar 2004 ergibt sich, dass der gymnasiale Schulzweig der KGS nur mit 4 Schülern in der 5. Klasse, mit 11 Schülern in der 6. Klasse und mit 14 Schülern in der 7. Klasse rechnen kann. Hierzu erklärt die Bezirksregierung, dass mit diesen Zahlen keine Klassenbildung möglich sei. Nur wenn in zwei aufeinanderfolgenden Jahrgängen insgesamt 30 Schüler zusammenkämen, könne man dort Kombiklassen einrichten. Diese Voraussetzung sei an der KGS nicht gegeben. Wenn es aber an der KGS keinen Gymnasialzweig mehr gebe, dann fehle eine Voraussetzung für die KGS. Der Elternrat lädt deshalb zu einer Informationsveranstaltung ein und führt eine erneute Elternbefragung mit einem von ihm entwickelten Fragebogen durch, wodurch jedoch keine wesentlichen Veränderungen in den Anmeldezahlen eintreten. Der Wunsch des Elternrates, die endgültigen Anmeldezahlen abzuwarten, wird nicht akzeptiert.

Der Samtgemeinderat beschließt vielmehr auf Vorschlag der Samtgemeindeverwaltung, dass die KGS ab Schuljahr 2004/05 keine neuen Schüler mehr aufnimmt und die KGS  zum 1.8.2007 aufgehoben wird. In der dreijährigen Übergangszeit werden die jetzigen KGS-Schüler in den Jahrgängen 8, 9 und 10 weiter unterrichtet. Weiter beschließt der Samtgemeinderat, ab August 2004 beginnend mit den Jahrgängen 5, 6 und 7 eine selbstständige Hauptschule und eine selbstständige Realschule einzurichten (GN, 5.5., 7.5., 17.5. und 18.5.2004).

Ab 1.8.2004 stellt sich die Situation der Schulleitungen so dar: Schulleiterin der KGS ist Frau Harnitz; Herr Röder hat sein Amt als Stellvertretender Schulleiter aufgegeben. Die Funktion wird von Herrn Lachmann kommissarisch wahrgenommen, der gleichzeitig kommissarischer Leiter des HS-Zweiges ist. Leiterin des RS-Zweiges  ist Frau Arends, Leiter des Gy-Zweiges Herr Sander. Die Aufgaben des Didaktischen Leiters werden von Frau Harnitz wahrgenommen. Kommissarischer Schulleiter der Hauptschule ist Herr Oehler, der Realschule Herr Petras

Was geschieht sonst an der KGS mit den Schuljahrgängen 8- 10? Rund 250 Schülerinnen und Schüler der KGS sehen das Theaterstück "Durch dick und dünn". Ebenso beeindruckend ist das anschließende Gespräch mit den Schauspielerinnen über Magersucht und andere Essstörungen. Ursachen hierfür sind z.B. Probleme in der Familie, Leistungsstress in der Schule, Mobbing oder Missbrauch (GN, 11.11.2004).

2005 - Den Abschluss des Projektes "Zeitgenössische Musik in der Schule" bildet ein großes Konzert, das von 13 Schülern der Musik-AG der KGS und 10 Studenten der Hochschule für Musik und Theater in Hannover gestaltet wird. Seit November 2004 hatten sich rund 50 Schulen in ganz Niedersachsen an dem von der Nds. Sparkassenstiftung und dem Kultusministerium initiierten Projekt beteiligt. Dabei wurden die Schüler in die Musik zeitgenössischer Komponisten eingeführt und konnten ungewöhnliche Instrumente und Kompositionsformen selbst ausprobieren. Während des Abschlusskonzertes in Neuenhaus bieten die Schüler und Studenten eine interessante Mischung aus Xylophonmusik, rhythmischen Sprechgesang und fetziger Trommelmusik (GN, 11.3.2005).

Die Musik-AG der KGS nimmt dann am Abschlusskonzert des Projektes in Hannover teil. Sie ernten dort viel Lob. Als einzige Schlagzeugertruppe im Programm ziehen sie die Aufmerksamkeit des fachkundigen Publikums und der beteiligten Gruppen auf sich (GN, 9.7.2005)

2006 - Die Theater-AG bringt ein Märchenspiel auf die Bühne: "Das Gauklermärchen", ein Stück in sieben Bildern nach Michael Ende (GN, 4.7.2006) Im Schuljahr 2006/07 umfasst die KGS Neuenhaus nur noch den 10. Schuljahrgang.

2007 - Nur dreieinhalb Jahre nach ihrer Einführung wird die Gesamtschuldirektorin der KGS Neuenhaus, Frau Annette Harnitz, aus Neuenhaus verabschiedet. Sie übernimmt zum 1. Februar 2007 die Leitung der Sophie-Scholl-Schule in Wenningsen bei Hannover, ebenfalls eine Koopertive Gesamtschule. Die kommissarische  Leitung der KGS Neuenhaus wird bis zum vorgesehenen Ende im Juli 2007 vom Stellvertretenden Leiter Joachim Lachmann wahrgenommen.
Frau Harnitz hatte am 1. Juli 1973 ihren Dienst in Neuenhaus begonnen und unterrichtete überwiegend am Schulzweig Realschule der KGS. Sie war hier als Fachbereichsleiterin und zusätzlich als Fachseminarleiterin am Ausbildungsseminar Nordhorn tätig. Am 4. Juli 2003 übernahm sie die Leitung der KGS, die zuvor drei Jahre vakant gewesen war.

Der Gesamtschuldirektorin wird bei ihrer Verabschiedung bescheinigt, dass sie souverän das Auslaufen der KGS begleitet habe. Es sei ihr ein Anliegen gewesen, die Schule attraktiver zu gestalten. Die Schülervertretung habe sich bei ihr stets mit ihren Problemen ernst genommen gefühlt. Frau Harnitz führt aus, dass die Gesamtschularbeit ihrer tiefen pädagogischen Überzeugung entspreche. An ihre langjährige Heimat Neuenhaus werde sie überwiegend positive Erinnerungen behalten (GN, 31.1.2007). 

Am 5. Juli 2007 verabschiedet die Kooperative Gesamtschule Neuenhaus ihren letzten Jahrgang und stellt damit ihren Betrieb ein. Zum neuen Schuljahr gibt es in Neuenhaus nur noch die eigenständige Hauptschule, die Realschule und das Gymnasium (GN, 6.7.2007).

Woran ist die KGS Neuenhaus gescheitert?

Als Kernpunkte der KGS wurden unter der Federführung ihrer Gründerväter Hans-Georg Rusch und Jan Kortmann formuliert (vgl. auch KGS-Planung): Die Schulzweige bauen auf einer Kooperativen Eingangs- und Förderstufe (KEF), später Orientierungsstufe, auf. Die Dreigliedrigkeit der Schule bleibt grundsätzlich erhalten, indem die Schulzweige räumlich und organisatorisch sichtbar bleiben. Gemeinsames Lernen findet in den Fächern Religion, Kunst, Musik, Werken und Sport statt. Arbeitsgemeinschaften und Schulveranstaltungen werden Schülern aller Schulzweige angeboten. Als Erfolge werden der schulzweigübergreifende Lehrereinsatz und die Fachkonferenzen genannt, in denen OS-, Hauptschul-, Realschul- und Gymnasiallehrer sitzen. Im "Ständigen Pädagogischen Planungsausschuss (SPPA)" haben Lehrer, Schüler und Elternvertreter aller Schulzweige an der inhaltlichen Weiterentwicklung der KGS mitgearbeitet. Die Schule hat sozial integriert. Die Erfolge kommen jedoch auch in einer Vielzahl von Projekten zum Ausdruck: Ab 1973 fahren Schüler erstmals und dann immer wieder nach Frankreich. Es entstehen Partnerschaften mit Schulen in den Niederlanden. Auch Schulfeste der KGS, Ausstellungen, die Theater-AG und zahlreiche Erfolge bei Musik-, Sport- und Schulwettbewerben zeugen von den vielfältigen Aktivitäten in der KGS. Soweit die Kernpunkte!

Während Gesamtschulen andernorts als Alternative zu den herkömmlichen Schulen neu gegründet wurden, hat die Stadt Neuenhaus einfach drei bestehende Schulen in einen Rahmen gezwängt:

  • Aus der Volksschule Neuenhaus wurde die Oberstufe zum Schulzweig Hauptschule der KGS, die Unterstufe eine eigenständige Grundschule.

  • Auch das Gymnasium wurde organisatorisch zweigeteilt. Die Mittelstufe (Jahrgänge 7 -10) wurde zum Schulzweig Gymnasium, die Oberstufe (Jahrgänge 11 bis 13) ein eigenständiges Gymnasium. Die Klammer erfolgte dadurch, dass der Leiter des Gymnasiums gleichzeitig der Schulzweigleiter Gymnasium der KGS wurde.

  • Die Schulträgerschaft war zweigeteilt: Der Landkreis war neben dem Gymnasium auch zuständig für den Schulzweig Gymnasium der KGS, die Samtgemeinde Neuenhaus für die übrigen Schulzweige der KGS.

Während alle übrigen Kooperativen Gesamtschulen in Niedersachsen eigenständige Schulleiter und Stellvertreter hatten, wurden diese Ämter in Neuenhaus jeweils einzelnen Schulzweigleitern für drei Jahre übertragen. Dieser Plan der rotierenden Schulleitung scheiterte jedoch bereits, als die neue Besoldungsordnung die neunjährige Amtsübertragung vorschrieb, die erstmals bei Direktor Kortmann zum Tragen kam.

Von der Bezirksregierung wurde immer wieder die Angleichung des Neuenhauser Modells an das landesweit übliche Modell angestrebt, besonders die Einsetzung eines selbstständigen Schulleiters und seines Stellvertreters und die Vereinheitlichung des Gymnasiums von Klasse 7 bis 13, was die Schule, die Elternschaft und die beiden Schulträger immer wieder ablehnten. Auf Veranlassung der Bezirksregierung beschlossen beide Schulträger dann schließlich, das Gymnasium Neuenhaus ab 2002 um die Mittelstufe - beginnend mit dem 7. Schuljahrgang - zu erweitern. Schulträger blieb der Landkreis Grafschaft Bentheim. Die KGS Neuenhaus behielt weiterhin die Schulzweige OS, HS, RS und Gymnasium (Kl. 7- 10). Schulträger des Schulzweiges Gy wurde jetzt- wie auch der übrigen Schulzweige- die Samtgemeinde Neuenhaus. Ab 2003 wurde  Frau Annette Harnitz als selbstständige Schulleiterin ohne Schulzweigleitung eingesetzt. Da die Anmeldezahlen für den Schulzweig Gymnasium ab 2004 jedoch nicht mehr ausreichten, durfte die KGS nach Weisung der Bezirksregierung keine Schüler mehr aufnehmen, was 2007 zur Aufhebung der KGS führte.

Zum Abschluss erfolgt im GN-Journal am Wochenende vom 7.7.2007 ein Bericht "Die Unverstandene in Neuenhaus. Kooperative Gesamtschule stellt nach 36 Jahren den Betrieb ein", dem sich zwei Leserbriefe "Hans-Georg Rusch war der eigentliche Motor" (GN, 13.7.2007) und "An der KGS viel gelernt" (GN, 17.7.2007) anschließen.

Quellen:

  • KGS-Infos, Nummern im Text angegeben,

  • "25 Jahre Kooperative Gesamtschule Neuenhaus" mit zahlreichen Beiträgen, als KGS-Info 34, 12/96

  • Artikel aus der örtlichen Presse, Fundstellen im Text angegeben.

  • Informationen von Frau Annette Harnitz, Leiterin der KGS

  • GN-Journal am Wochenende vom 7.7.2007: "Die Unverstandene in Neuenhaus.