Grafschafter Schulgeschichte

Zurück zur Startseite   l   Zurück zur Übersicht "Schulwesen in Neuenhaus"

Von der "Teutschschule" des Jahres 1616 bis zur Mittelpunktschule mit Förderstufe des Jahres 1969

von Johann Holthuis

Von einer schon bestehenden "Teutschschule" wird berichtet, als im Jahre 1616 das vom Grafen Arnold II. 1605 eingerichtete Inspektorat für Kirchen und Schulen die Lateinschule Neuenhaus, die sich im Laufe der Jahrhunderte zur privaten Rektor- und zur heutigen Realschule entwickelte, gründete. (s. Sager: Grafschafter Nachrichten v. 7.12.50)

Über den Standort der "Teutschschule" wird nichts berichtet, wohl aber erwähnen alte Kirchenratsprotokolle ihren schlechten Zustand. Im Jahre 1682 erhielt daher der Zimmermann Jan Mensinck den Auftrag für den Neubau eines Schulhauses. Die Ausführung stieß wiederholt auf technische Unzulänglichkeiten, über die Fertigstellung wird nicht berichtet. Die allgemeine Schulraumnot mag einige Jahrhunderte lang erdrückend gewesen sein. So mussten verschiedene Schulen der Stadt Privaträume in Anspruch nehmen:

Die bestehende Lateinschule fand Unterkunft in den Häusern Hoogklimmer am Markt und Brünemann am Seifendamm. Die in den Jahren 1851 bis 1873 unter Leitung des Oberschulinspektors Fokke bestehende Lehrerbildungsanstalt der Grafschaft Bentheim benutzte das Haus Strauß an der Hauptstraße. Auch die kath. Volksschule, seit 1830 selbstständig, konnte bis zum Neubau einer eigenen Schule im Jahre 1879 nur im Küsterhause gegenüber der kath. Kirche notdürftig untergebracht werden.

Für die Volksschule wurde die Raumnot gegen Ende des 18. Jahrhunderts behoben. Kammerrat Kloppenburg und seine Ehefrau, geb. Grim, ließen 1794 auf ihre Kosten ein Schulhaus bauen (heute Voigtstiege 3), in dem bis 1874 die Unterklasse Unterkunft fand. Der Oberklasse wurde in dem 1873 erbauten Rathause ein Raum zugewiesen.

Eine glückliche Wendung im Schulleben der Stadt gab es im Jahre 1874. Der Landphysikus Dr. Köhler und der Konsul Rooßingh (beide Neuenhauser) ermöglichten durch eine Stiftung von 9000 Mark den Bau einer Schule hinter dem Rathaus, deren hintere Räume der höheren städtischen Schule (seit 1904 Rektorschule) vermietet und deren vordere zwei Räume der ev. Volksschule zugewiesen wurden. Die im selben Jahre eingerichtete 3. Volksschulklasse fand Unterkunft im Rathaus. Im Jahre 1911 wurde ein Anbau dieses Schulgebäudes notwendig.

Die Schülerzahl unserer Schule blieb mit 150- 170 bis zum Jahre 1923 konstant, sank in den Jahren 1924 bis 1929 auf 130- 120 (Auswirkungen der Kriegsjahre, Inflation), stieg nach der Eingemeindung des Ortes Teich im Jahre 1930 auf 170 und durch die Umwandlung der Neuenhauser Bekenntnisschulen in eine Gemeinschaftsschule im Jahre 1938 auf 230. Obwohl 1946 die kath. Schule wieder selbständig wurde, blieb durch den erheblichen Zuwanderung von Vertriebenen die Schülerzahl bestehen.

Katastrophale Raumverhältnisse traten seit 1946 wieder ein, als die Schülerzahlen der ev. Volksschule wie auch der im selben Gebäude untergebrachten Mittelschule gewaltig stiegen. So bedeutet das Jahr 1950/51 wieder einen Wendepunkt im Schulleben der Stadt, als diese sich für den Neubau der Burgschule entschloss, die dann, wie zunächst angenommen, für Generationen die Schulraumnot der ev. Volksschule beheben würde.

Im Jubiläumsjahre der Stadt Neuenhaus zählt die ev. Volksschule 522 Schüler in 17 selbständigen Klassen mit 17 hauptamtlichen Lehrkräften. Mit ihren Unterstufenklassen ist sie eine Bekenntnisschule, ab 5. Schuljahr ist sie eine Mittelpunktschule mit Förderstufe. Oberstufenschüler (5. - 9. Schuljahr) aus den Zubringerschulen Grasdorf, Haftenkamp, Hilten, Lage u. kath. Volksschule Neuenhaus werden teils in Sonderbussen der Bentheimer Eisenbahn zum Unterricht herangefahren. Die Mittelpunktschule wird im Jubiläumsjahre zugleich eine Hauptschule i. E. (in Entstehung).

Der enorme Schülerzuwachs unserer Schule in den letzten Jahren liegt begründet in der Umgestaltung des gesamten Volksschulwesens des Landes Niedersachsen seit 1962: Einführung des 9. Volksschuljahres, Zentralisierung der 5. - 9. Schuljahre, Einrichtung der Förderstufen und Gründung der Hauptschulen.

Wieder einmal hat die Stadt Neuenhaus einen Neubau für die Volksschule zu errichten. Der erste Bauabschnitt auf dem Neumarkt ist bereits abgeschlossen. Er konnte Anfang 1968 mit 8 Klassenräumen bezogen werden. Im Januar 1969 konnten zusätzlich geräumige und modern eingerichtete Fachräume für Physik, Werken, Hauswirtschaft, Nadelarbeit und Verwaltungsräume übernommen werden.

Der nächste Bauabschnitt steht bevor und wird voraussichtlich 12 Klassenräume umfassen müssen, damit die Burgschule für die noch in diesem Jahre entstehende Sonderschule freigegeben und die alte Rathausschule geschlossen werden kann.

Der Standort der neuen Mittelpunktschule (Volksschule) ist außerordentlich günstig gewählt. Unsere Schule, die Realschule, das neu errichtete Gymnasium, die kath. Volksschule und die Sonderschule bilden ein vorbildliches Schulzentrum. Für eine enge Zusammenarbeit aller Schulen sind die Voraussetzungen weithin gegeben. Neuenhaus, 22.1.1969 gez. Holthuis

Quelle: Schulchronik der Volksschule Neuenhaus