Grafschafter Schulgeschichte

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Zur Entlassungsfeier kam die Militärregierung

"Diamantener Abiturjahrgang" von 1947 erinnert sich - Nordhorns "Abiturienten der Stunde Null"

Im Juli 2007 trafen sich 23 ehemalige Schülerinnen und Schüler des Nordhorner Gymnasiums, 60 Jahre nach ihrer Abiturprüfung im Jahr 1947. Sie hatten das Ende ihrer Schullaufbahn als "Stunde Null" erlebt. Zwei Jahre nach Kriegsende trugen manche zerschlissene Kleidung, der Klassenraum wurde mit einem "Kanonenofen" beheizt, es fehlte an Essen und Schreibpapier.

Eine Besonderheit: Zur Entlassungsfeier der damals 63 Abiturienten kamen der englische Stadtkommandant und Vertreter der Militärregierung.

Helmut Koepchen erinnerte bei der Verabschiedung des Abiturjahrgangs 2007 an die Zeit vor 60 Jahren, an die Kasernierung, die Ausbildung an Flakgeschützen und den Dienst als Luftwaffenhelfer. 1944 wurden die Jungen nach Lingen abkommandiert. Am dortigen "Georgianum" erhielten sie nur 10 Wochenstunden Unterricht. Im August 1944 wurden viele zur Wehrmacht eingezogen. Im November 1944 fiel der erste Schulkamerad des Jahrgangs in den Vogesen. Noch im letzten Kriegsmonat 1945 waren Tote zu beklagen.

Die Mädchen des Jahrgangs waren im Kloster Bardel kaserniert. Sie mussten Schanzarbeiter versorgen. Unterricht wurde nicht selten in einem Luftschutzbunker erteilt.

Ostern 1945 wurden in der Grafschaft alle Schulen geschlossen. Erst im Dezember 1945 begann für 2 Klassen mit je 30 Schülern wieder ein regulärer Unterrichtsbetrieb. Die Fächer Erdkunde, Geschichte und Biologie wurden anfangs noch nicht wieder erteilt, u. a., weil die Lehrbücher noch reichlich NS-Gedankengut enthielten.

Aber das Leben normalisierte sich für die jungen Leute: Im Frühjahr 1946 gab es einen Tanzkursus. Nach dem Abitur äußerten gleich 16 Absolventen den Wunsch, Ingenieur zu werden.

Ein Studium konnte damals nur aufnehmen, wer eine Bescheinigung des Entnazifizierungsausschusses vorlegen konnte. Außerdem musste man sich 3 Monate lang als Bauhelfer beim Wiederaufbau der Universitäten beteiligen. Essen war weiterhin knapp und viele lebten in ungeheizten Zimmern. Eine langsame Wende zum Besseren ergab sich nach der Währungsreform 1948 und der Gründung der Bundesrepublik.

Quelle: Grafschafter Nachrichten, 4. Juli 2007