Grafschafter Schulgeschichte

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Stadtschule Nordhorn - 1465 Erste Erwähnung; 1882 Reformierte Volksschule; Angliederung an Altendorfer Schule

1465 - In Nordhorn bestand "seit ältesten Zeiten" (Specht, Seite 130) eine Stadtschule. Die erstmalige Erwähnung erfolgt in den Privilegien, die der Stadt Nordhorn von Graf Everwin 1465 verliehen werden. Danach steht dem Rat u. a. das Recht der Stellenbesetzung bei den Lehrern und die Schulaufsicht zu.

1612 - Neben der Kirche gab es in Nordhorn eine St. Antonius- Kapelle, die gegen Ende des 16. Jahrhunderts abgebrochen wurde. Mit der Reformation fallen die Einkünfte der ansehnlichen Güter als Lehen an den Landesherrn und der damals regierende Graf Arnold bestimmt die eine Hälfte dieser Einkünfte zur Bezahlung eines Lehrers. In einer Aufstellung aus dem Jahre 1612 führt der "Scholediener Hinrich von Benthem" (Lehrer Heinrich von Bentheim) aus, dass er u.a. aus dem "Lehen St. Anthony" "3 Rikesdaller 38 Stüber und VII Müdde III spintt Roggen" erhalten habe. Die späteren Lehen sind üppiger und setzen das Gehalt auf jährlich 200 Gulden fest, was nach Specht den hohen Wert beweist, den man damals der Stadtschule beimaß, wie aus einer Aufstellung des Schoeldieners Bernhard van Schöppinge aus dem Jahre 1655 hervorgeht (Specht, Seite 131).

1705 - Johannes Jodocus Westenberg übernimmt von seinem betagten Vorgänger, Bernhardus von Schöppinga das Amt des Lehrers.

1726 - Bis 1700 besetzt der Rat die Schulstelle, danach besorgen der Rat und das Konsistorium des Kirchspiels, in dem auch Vertreter der Landgemeinden sitzen, dies gemeinsam. Dies führt oft zu Auseinandersetzungen, wie das nachstehende Beispiel zeigt: Als im Spätsommer 1726 der Lehrer Johannes Jodocus Westenberg stirbt, wählen die Kirchenräte vom Lande geschlossen den Chirurgen Swyghuisen, die Vertreter der Stadt den Bremer Unterlehrer Lohmann. Swyghuisen erhält 9, Lohmann 10 Stimmen. Somit ist Lohmann gewählt, womit jedoch die Landvertreter nicht einverstanden sind. Einige Heißsporne aus den Bauernschaften dringen nach einem Wirtshausbesuch in den Gottesdienst ein, zerren Lohmann vom Organistensitz und lassen ihren Kandidaten die Orgel spielen. Nach einer Sühnekonferenz, die jedoch ohne Erfolg bleibt, und Einschaltung anderer Stellen entscheidet sich der Graf  für Lohmann. Den ausführlichen Bericht finden Sie unter: Eine Lehrerwahl im Jahre 1726.

1752 - In der Hauptstraße wird das Rathaus gebaut. Ein größerer Raum im Erdgeschoss wird als Klassenraum für die Schule zur Verfügung gestellt.

1779 - Lehrer Lohmann stirbt am 14. Oktober 1779. Am 20. Januar 1780 wird Lehrer H. Schowe als neuer Lehrer eingeführt. Er soll weiter im unteren Raum des Rathauses unterrichten.

1805 - Nachdem Lehrer Schowe gestorben ist, tritt G. Zwitzers aus Gildehaus an seine Stelle. Er erhält als Gehalt 50 Gulden und von jedem Schüler 34 Stüber Schulgeld. Schüler, die auch Rechnen erlernen, zahlen jährlich 3 Gulden hinzu. Schulpflicht besteht vom 6. bis 14. Lebensjahr. Der Unterricht dauert täglich vier, im Winter fünf Stunden. Unterricht in Latein gibt ein Privatlehrer (nach: Dr. Ernst Kühle, Die Stadt Nordhorn zur Zeit des Bürgermeisters Vincke, 1821 - 1831, Jahrbuch 1968, Seiten 106 - 114).

1833 - Seit 1805 ist G. Zwitzers Lehrer an der Stadtschule und gleichzeitig Organist. Der Kirchenrat nötigt ihn wegen der Zunahme der Schüler, einen Adjunktlehrer (Gehilfen) einzustellen, der in einem Nebenraum des Rathauses, in der sogenannten „Kleinen Schule“ (144 Quadratfuß) unterrichtet. Der Kirchenrat wählt seinen Sohn H.H. Zwitzers, der vorher Lehrer in Lage war. Er muss 120 bis 130 Kinder unterrichten. Sein Jahresgehalt beträgt 666 2/3 Mark.

1834 - Nach Errichtung der katholischen Schule in der Burg verlassen die Kinder der katholischen Bürger die Stadtschule.

1835 - Es gibt Klagen der Lehrer über die drangvolle Enge in den Klassenräumen, die dazu führt, dass Kinder in Ohnmacht fallen und die Lehrer unter Kopfschmerzen leiden. Ein Spottvers macht die Runde: „Sie gehen alle drin, weil sie nicht alle dringehen.“

1854 - Nach dem Tode seines Vaters wird H.H. Zwitzers zum Lehrer und Organisten der Schul- und Kirchengemeinde gewählt.

1857 - Die Kinder aus Altendorf erhalten eine eigene Schule.

1863 - Nach langwierigen Verhandlungen bilden die reformierten Bewohner der Stadt eine Schulgemeinde. Der Vorstand verwaltet an Stelle des Magistrats alle Schulsachen. Die „Kleine Schule“ wird aufgehoben und der Bau eines zweiten Schullokals beschlossen. Vor dem Lingener Tor (auf Altendorfer Gebiet) wird die so genannte Lindenschule mit zwei Klassenräumen gebaut und 1865 fertig gestellt.

1880 - H.H. Zwitzers wird auf eigenen Wunsch nach dem Tode seiner Frau in den Ruhestand versetzt. Er kann auf eine Dienstzeit von 54 Jahren zurückblicken. Zum 50-jährigen Dienstjubiläum wurde ihm 1876 für seine treuen Dienste ein Orden von Kaiser Wilhelm I. verliehen. Sein Nachfolger wird ab 15.2.1881 der Lehrer C.W. Klompmeyer, der ab 1874 schon zweiter Lehrer der Schule war.

1881 - An der Reformierten Volksschule wird eine Rektorklasse eingerichtet, aus der dann 1891 eine selbstständige Rektorschule entsteht. Als Rektor wird der Lehrer Scheer eingeführt. Nach seinem Weggang 1883 an eine Privatschule in Berlin wird Rudolf Schmidt sein Nachfolger.

Das Protokollbuch der Konferenzen aus der Zeit vom 1. November 1881 bis 17. Oktober 1893 liegt noch vor. In einem Einzelbericht "Konferenzen der Stadtschule Nordhorn" wird auf einige Ergebnisse der Konferenzen eingegangen, sofern sie von Belang sind.

1882 - Vom Kollegium der Schule wird in mehreren Konferenzen ein „Lehrplan für die reformierte Volksschule Nordhorn“ ausgearbeitet und vom Königlichen Oberkirchenrat der Grafschaft Bentheim genehmigt.

1891 - Am 16. Juli wird der Grundstein für ein neues Schulgebäude mit zwei Klassenräumen auf dem vorderen Gildkamp gelegt, das dann 1892 eingeweiht wird. Nach langen Diskussionen verfügt die Regierung in Osnabrück, dass die Rektorklasse ab 1. Oktober als selbstständige Schule zu führen ist. Nach der Versetzung des Rektors an die neue Schule wird dem Lehrer Reurik die Leitung der Volksschule übertragen.

1893 - Im Schuljahr 1893/94 besuchen die Volksschule Nordhorn insgesamt 262 Schulkinder. Davon gehen in die vierte Klasse 82, in die dritte Klasse 67, in die zweite Klasse 65 und in die erste Klasse 48 Schüler.

1903 - Der südliche Teil von Bookholt wird der Volksschule in Nordhorn zugeordnet. Darauf fasst der Schulvorstand den Beschluss, auf dem hinteren Gildkamp ein zweites Schulgebäude mit zwei Klassenräumen zu errichten. Die Nordhorner reformierte Schuljugend ist somit nach der Inbetriebnahme in vier Gebäudekomplexen untergebracht. Hierzu schreibt Specht: „Eine außerordentlich unglückliche Lösung, die den ganzen Aufsplitterungsprozess, den das Nordhorner Schulwesen erdulden musste, recht augenfällig vorführt.“   Auf seinen persönlichen Antrag scheidet Lehrer Reurik als Schulleiter aus dem Schuldienst in Nordhorn aus. Auf höhere Anordnung übernimmt der Lehrer Klompmeyer wieder die Schulleitung.

1906 - Am 15. Februar 1906 feiert Herr Lehrer Klompmeyer sein 25jähriges Jubiläum als 1. Lehrer und Organist. Ein Artikel aus dem "Kreisblatt für den Kreis Grafschaft Bentheim (Neuenhauser Zeitung) ist unter: Klompmeyer-25jähriges-Jubiläum wieder gegeben.

1908 - Der Schulverband Nordhorn wird aufgrund des neuen Schulunterhaltungsgesetzes erweitert. Ihm gehören jetzt an:
-   Reformierte Volksschule Nordhorn,
-   Katholische Volksschule Nordhorn,
-   Reformierte Volksschulen Frensdorf, Frensdorferhaar, Altendorf und Bookholt,
-   Katholische Volksschule Frenswegen.

1909 - Durch die Ausweitung der Textilindustrie und den Zuzug von außerhalb nehmen die Schülerzahlen ab 1901 stark zu:

1901:   295
1906:   344
1908:   404
1909:   432

Es erfolgt ein Neubau der Altendorfer Schule. In dem Schulgebäude werden zwei Klassenräume für die Volksschule Nordhorn errichtet.

1911 - Die Reformierte Volksschule Nordhorn wird mit der Altendorfer Schule zu einem System Nordhorn-Altendorf vereinigt. Sie hört auf, als eigenständige Schule zu bestehen. Schulleiter der Schule wird Hauptlehrer Klompmeyer. Die beiden vereinigten Schulen stellen jedoch weiterhin bis 1915 noch ihre eigenen Abschlusszeugnisse mit Nordhorn bzw. Altendorf als Ausgabeort aus, obwohl sie vom selben Schulleiter unterschrieben werden.

Quellen:

  • Heinrich Specht: „Nordhorn, Geschichte einer Grenzstadt“, Das Bentheimer Land, Band XXII, 2. Auflage 1979

  • H. Eberhardt und J.H. Kip: „Einführung des reformierten Bekenntnisses in der Grafschaft Bentheim im Jahre 1588 und ihr Einfluss auf die Entwicklung  des Volksschulwesens“, in: Reformiertes  Bekenntnis in der Grafschaft Bentheim 1588 - 1988, Seite 215 - 244,  Das Bentheimer Land, Band 114, 1988

  • „100 Jahre Schule in Altendorf“, GN vom 11.12.1957,   

  • „125 Jahre Schule in Altendorf“, Jubiläumsschrift, Mai 1982