Grafschafter Schulgeschichte

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Grundschule Brandlecht

1. Von den Anfängen 1655  bis 1913

1655 - Eine Folge der Reformation ist die Errichtung von Schulen, gerade auch in den Dörfern. Nach reformatorischem Verständnis ist es wichtig, dass jeder Mensch Lesen, Schreiben, Rechnen und Singen lernt. Allerdings wird erst nach 1655 eine Reformierte Schule in Brandlecht gegründet. Sie ist für die reformierten Kinder aus Brandlecht und Hestrup vorgesehen.

Im Protokollbuch der Classis heißt es 1655: Der Brandlechter Pastor "befindet nöthig, dass daselbst eine Schuhle gestiftet werde". Schulmeister, neben dem Küster- und Diakonenamt (Provisor), wird Willebrant Berchhaus, der am 12. Mai 1676 verstirbt. Der Bau der reformierten Schule erfolgt 1655 beim Kirchhof (auf dem Kirchplatz). Es ist ein Fachwerkbau mit einem Strohdach.

1714 - Küster und Schulmeister in Brandlecht wird Lefert Schulten. Von ihm werden Aufzeichnungen in einem kleinen, abgegriffenen Heftchen für die Zeit von 1714 bis 1753 vorgenommen, über dessen Verbleib nichts bekannt ist.

1743 - 27 Kinder sterben an Pocken. Im Jahr danach sind es 12 Kinder; auch in den folgenden Jahren sterben viele Kinder an dieser grausamen Krankheit, die nach der Infektion oft in zehn Tagen zum Tode führte. 

1755 - Lefert Schulten stirbt am 18.12.1753. Sein Nachfolger wird Albert Joogmann. Um 1772 wird er von der Teilnahme am Abendmahl ausgeschlossen, weil er in "schändlichem Unfrieden" mit seiner Frau lebt. Nachdem beide vor der Classis ein Schuldbekenntnis abgelegt und Besserung versprochen haben, werden sie wieder zum Abendmahl zugelassen.

1786 - Pastor Koppelmann, der 1772 Rektor der Lateinschule in Schüttorf war und 1775 als Pastor nach Brandlecht berufen wird, richtet in Brandlecht 1786 eine Lateinschule mit Internat ein, gegen die der Rat der Stadt Schüttorf protestiert, weil die Brandlechter Schule die Schüttorfer beeinträchtige. Wo die Lateinschule untergebracht wird, ist nicht bekannt. Sie existiert nur kurze Zeit, denn später wird sie nicht mehr erwähnt. Pastor Koppelmann geht 1786 nach Ohne. 

1810 - Im Lehrerverzeichnis von 1810/11 wird als Lehrer in Brandlecht Berend Kiewit genannt. 

1844 - Bei allen Vorhaben muss der reformierte Kirchenrat die Erlaubnis des katholischen Grafens und Patrons Erbdroste zu Vischering einholen. Auch gewisse Ämter innerhalb des Kirchenrates sind vom Grafen zu genehmigen. Meistens gibt es dabei keine Schwierigkeiten. So wird auch feierlich erklärt, dass Jan Hindrik Kiewit zum neuen Schulmeister, Küster und Organist "bevestigd" wird. Er ist der Sohn des bisherigen Lehrers Berend Kiewit. Sein Einkommen beträgt 72 Taler jährlich.

Das bisherige Schulgebäude wird durch einen massiven Bau mit einem Klassenraum ersetzt. Dieser ist 6,80 m lang, 9,40 m breit und 4 m hoch. Pro Kind steht eine Fläche von 0,6 qm und ein Rauminhalt von 2 cbm zur Verfügung.

1882 - Im Kirchenratsprotokoll heißt es, dass die Rechnung der Kirchen- und Schulgemeine fertig zu stellen ist. Hestrup zahlt von der gesamten Kirchen- und Schulsteuer 3/7, Brandlecht 4/7. Die Anschaffung von Tintenfässern für die Schule wird bewilligt, sowie die der Tinte aus der Schulkasse.

1886 - Lehrer Kiewit beendet seinen Dienst nach 42 Jahren. Sein Ruhegehalt beträgt 931 Mark. Er stirbt am 12.5.1888. Im Oktober 1886 wird Lehrer Goosmann als Nachfolger eingeführt. Außer freier Wohnung beträgt das Einkommen 971 Mark jährlich.

1894 - Das Einkommen des Lehrers Gosmann wird auf 1100 Mark jährlich erhöht. Es besteht aus einer widerruflichen Staatsbeihilfe von 250 Mark, aus Leistung der Schulkasse von 662 Mark, der Kirchenkasse von 147 Mark, aus Accidenzien 26 Mark und dem Nutzungswert des Gartens von 15 Mark.

1895 - Lehrer Gosmann beginnt auf Anweisung der Regierung in Osnabrück ab 1.1.1895 mit dem Schreiben der Schulchronik. Er beginnt mit einer Darstellung der Schulgemeinde und der reformierten Schule bis zum Jahre 1895. Die einklassige Schule wird von 58 Kindern aus der Bauerschaft Brandlecht, der Gutsgemeinde (Hofesaat) Brandlecht und der Bauerschaft Hestrup besucht.  Der Schulbesuch ist regelmäßig. Die Kinder kommen ordentlich gekleidet zur Schule. Einige Kinder haben einen Schulweg von einer halben Stunde. Der Patron Graf Droste Vischering zu Darfeld hat das Recht, den Lehrer zu ernennen. Die Bestätigung erfolgte bis 1885 durch den Oberkirchenrat zu Nordhorn, danach durch die Königliche Regierung zu Osnabrück und das Königliche Consistorium zu Aurich.

1898 - Die Schulchronik enthält eine Auflistung der gültigen Verordnungen der Schulbehörde, einige davon sind auch vollständig im Wortlaut wiedergegeben. Beispiele sind:
- Meldung zum Examen,
- Züchtigung (7.5.1885),
- Gedächtnistage (23.7.1888),
- Lüftung (4.12.1888),
- Lesestücke über Feuersgefahr (1.6.1891),
- Laubschmuck in der Schule (2.12.1891),
- Dienstalterszulagen (27.7.1892),
- Thermometer (24.8.1892),
- Vorsicht bei Schülerausflügen (9.9.1892),
- Pfingstferien (28.12.1892),
- Taubstumme Kinder (5.1.1893),
- Ferienordnung (25.10.1893),
- Versicherungspflicht (11.3.1893),
- Geschichtsunterricht (22.8.1893),
- Ausführung und Erläuterung des Volksschulgesetzes vom 21. Mai 1845 (16.10.1898).

In den Durchführungsbestimmungen zum Volksschulgesetz heißt es u.a.:
§ 1: Das schulpflichtige Alter beginnt mit dem vollendeten sechsten Lebensjahr und endet, wenn das Kind das 14-te Lebensjahr zurückgelegt hat.
§ 2: Die Aufnahme in die Schule erfolgt nur einmal im Jahre, und zwar zu Ostern beim Beginn des Schuljahres.
Kinder, die bis zum 1. Oktober das 6. Lebensjahr vollenden, können auf besonderem Wunsch der Eltern an dem vorhergehenden Ostertermin aufgenommen werden, falls sie körperlich hinlänglich kräftig sind.
§ 3: Die ordnungsmäßige Entlassung aus der Schule findet am Schlusse des Winterhalbjahres statt. Zur Entlassung gelangen diejenigen Kinder, welche an diesem Zeitpunkt das 14-te Lebensjahr vollendet oder bis zum 1. Oktober desselben Jahres vollenden werden.
§ 4: Jede vorzeitige Entlassung bedarf der Genehmigung der Königlichen Regierung zu Osnabrück.

Nach diesen Durchführungsbestimmungen ist festgelegt, dass nur ein Einschulungs- und nur ein Entlassungstermin besteht, was vorher so nicht galt.

1901 - Im November 1901 wird an der Schule  eine ländliche Fortbildungsschule eingerichtet, an der 8 Schüler teilnehmen.

1906 - Der Lehrer Goosmann wird nach 21-jähriger Tätigkeit in Brandlecht an die einklassige Volksschule Thuine, Kreis Lingen, versetzt. Sein Nachfolger wird Lehrer Wolthaus aus Gildehaus.

1907 - Die Zahl der Kinder ist auf 95 angestiegen. In einem Schreiben des Landrates wird der Anbau einer zweiten Klasse  als unumgänglich angesehen. Der Schulvorstand  geht jedoch davon aus, das die Schülerzahl in einigen Jahren wieder auf 70- 80 sinken würde, so dass ein zweiter Klassenraum nicht erforderlich sei.

1908 - Für alle Schulen Preußens tritt am 1. April 1908 das Schulunterhaltungsgesetz in Kraft. Mit diesem Gesetz wird die Pflicht zur Unterhaltung der Schulen und das Recht, das Vermögen derselben zu verwalten - auch bei der Einstellung der Lehrer mitzuwirken- , den Schulsozietäten, Kirchengemeinden, Patronatsherren etc. entzogen und den gesetzlichen Vertretern der politischen Gemeinden übertragen. In Brandlecht wird ein Gesamtverband gebildet, der für die Reformierte und die Katholische Volksschule zuständig ist. Die Schulsteuern werden als Gemeindelast aufgebracht und an eine gemeinsame Schulkasse abgeführt. Mitglieder des Schulvorstandes sind u.a. die Bürgermeister der Gemeinden, die Pastoren der Kirchengemeinden und die Schulleiter der Schulen. Aufgrund der neuen Verhältnisse kann der Antrag auf Neubau eines katholischen Schulhauses zunächst nicht beschlossen werden. Er erfolgt erst im Jahre 1911.

1910 - Lehrer Wolthaus wird nach 3 Jahren und 5 Monaten von der hiesigen Schule an die Rektorschule in Nordhorn versetzt. Sein Nachfolger ist Lehrer Paalmann aus Frensdorf.

In den Sommerferien wird die Schule umgebaut, "da das alte Gebäude den Forderungen der Neuzeit nicht entsprach." Es wird ein kleiner Flur eingerichtet, in dem die Kleidung abgelegt werden kann, außerdem ein kleiner Raum zur Aufbewahrung der Turngeräte.

Die Ev. Volksschule nach der Erweiterung von 1910. - Bild: Archiv Heinz Ragnitz

1912 - Lehrer Paalmann wird für 28 Tage zu einer militärischen Übung eingezogen, die er wegen einer Verletzung des rechten Kniegelenks im Lazarett zubringt. Die Vertretung übernehmen in dieser Zeit Nordhorner Lehrer.

1913 - Am 1. Mai 1913 wird Lehrer Paalmann nach Ratzel versetzt. An seine Stelle tritt Lehrer Johann Wieking aus Bimolten.

Quellen:

  • Schulchronik der Ev. Volksschule Brandlecht, Band 1: 1895 - 1956, Band 2: 1956 - 1970, stichpunktartig bis 1986 (aufbewahrt im Stadtarchiv Nordhorn)

  • Wilhelm Blekker, Auszüge aus der Schulchronik der Ev. Volksschule Brandlecht, Mai 1962

  • Anneliese Blekker, Das Schulwesen - Die Evangelische Volksschule Brandlecht 1844 - 1965,

  • Anneliese Blekker,  Die Volksschule für Schüler aller Bekenntnisse in Brandlecht 1965 - 1976,

  • Anneliese Blekker, Die Grundschule Brandlecht 1976 - 1994.In: Dorfchronik Brandlecht/Hestrup, Herausgeber: Heimatverein Brandlecht/Hestrup, 1994

  • Dr. Ernst Kühle; Brandlecht, Jahrbuch 1967, Seite 113

  • Zeitungsartikel aus der örtlichen Presse, im Text angegeben