Grafschafter Schulgeschichte

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Grundschule Brandlecht

3. Aus der Amtszeit des Schulleiters Wilhelm Blekker 1951 - 1979

1951 - Am 10. Februar erkrankt Hauptlehrer Wieking und kann bis zum Schluss des Schuljahres keinen Unterricht erteilen. Da er am 18. Mai das 65. Lebensjahr vollendet, tritt er nach 38 Jahren als Lehrer in Brandlecht zum 1. Juni 1951 in den Ruhestand. Nach Aussagen vieler Schüler war er sehr streng und verabreichte, wie damals oft durchaus üblich, auch heftige Prügelstrafen.

Sein Nachfolger wird Lehrer Wilhelm Blekker aus Höcklenkamp, der am 1. August 1951 als 1. Lehrer an die Ev. Volksschule in Brandlecht versetzt wird. Der Unterricht muss ohne jegliche Lehr- und Lernmittel unter sehr einfachen Verhältnissen im Brandlechter "Schöltin" erteilt werden (GN, 18.7.1979)

1952 - Die alte Schule am Kirchplatz wird für 5000 Mark an die reformierte Kirchengemeinde verkauft. Mit diesen 5000 Mark kann die politische Gemeinde Hestrup, der das Geld zukommt, den Schulneubau am Bahndamm für die Volksschule Hestrup beginnen. 

1953 - Der gemeinsame Schulverband mit Hestrup wird aufgelöst. Nach den Osterferien übernimmt Lehrer Jan Kortmann alle Kinder aus Hestrup. Bis zur Fertigstellung der neuen Schule in Hestrup werden die Kinder in Brandlecht unterrichtet. Am 1. Juli kann Lehrer Kortmann mit 57 Schülern in das neue Schulgebäude in Hestrup übersiedeln. An der Ev. Volksschule Brandlecht verbleiben 68 Schüler in 2 Klassen. Der Chronist berichtet über eine Drei-Tages-Fahrt nach Köln und Bonn, einen Freilichtbühnenbesuch in Bentheim und eine Radtour nach Georgsdorf. Über Klassenfahrten wird auch in den folgenden Jahren ausführlich berichtet.

1955 - Im April erteilt die Regierung die Genehmigung zum Neubau einer Schule. Sie wird an zentraler Stelle in der Gemeinde mit zwei Klassenräumen, einem Gruppenraum und Nebenräumen errichtet. Bereits im Juli ist der Rohbau fertig gestellt. Die alte Schule wird bis zur Fertigstellung des neuen Schulgebäudes weiterhin für schulische Zwecke genutzt. Sie wird dann von der reformierten Gemeinde übernommen und ist 1965 so baufällig, dass sie abgerissen  werden muss.

1956 - Die Einweihung der neuen Schule erfolgt unter Beteiligung der ganzen Gemeinde Brandlecht am 14. August 1956 (GT + GN, 15.8.1965). In der neuen Schule werden zunächst über 60 Kinder der Klassen 1- 8 unterrichtet.

 

Quelle: T. Portheine, Wie die Nachkriegsforderung nach allseitiger Schulumgrünung  bei Grafschafter Schulen verwirklicht wurde,  Jahrbuch 1959, Seite 121.

1958 - Vom November 1958 bis zum Januar erkrankt Lehrer Blekker, so dass die 2. Lehrerin den gesamten Unterricht in beiden Klassen übernehmen muss.

1959 - Anfang März veranstalten die Schulkinder zum ersten Mal einen Elternabend. Mehrere kleine Theaterstücke, bei denen alle Kinder mitwirken, werden aufgeführt. Die Eltern und größeren Geschwister, die zu der Veranstaltung eingeladen waren, zollen den Darbietungen der Kinder begeisterten Beifall. Lehrer Blekker kann krankheitsbedingt längere Zeit nicht unterrichten. Die Vertretung erfolgt von Nordhorn aus.

1962 - Der Schulleiter der Ev. Volksschule, Wilhelm Blekker, wird gleichzeitig auch Schulleiter der Kath. Volksschule.
Zu Beginn des Schuljahres 1962/63 wird das 9. Schuljahr eingeführt, das die Schüler an der Ernst-Moritz-Arendt-Schule besuchen. Zur Diskussion steht in mehreren Besprechungen der Bürgermeister, Schulleiter und Elternvertreter die Errichtung einer Zentralschule im Raum zwischen Nordhorn einerseits und Bentheim/ Schüttorf andererseits. Dabei geht es um die Schulen von Quendorf, Neerlage, Wengsel, Hestrup, Brandlecht, Hesepe und zunächst auch Engden und Drievorden. Engden und Drievorden wollen ihre Schüler des 7. und 8. Jahrgangs jedoch nach Emsbüren abschulen. Bedenken bestehen, weil die Schulen Wengsel, Quendorf und Neerlage wieder einklassig werden. Als Standort werden Wengsel/ Neerlage und Brandlecht als stärkste Gemeinde und einziges Kirchdorf vorgeschlagen. Eine Einigung über den Standort kann jetzt und auch 1963 nicht erzielt werden.

1965 - Die Ev. und die Kath. Volksschule werden zu einer Schule für Schüler aller Bekenntnisse vereinigt. Mehr als die Hälfte der kath. Schüler bleiben zunächst dem Unterricht fern. Rundfunk und Tageszeitungen berichten über den Schulstreik in Brandlecht. Erst nach 16 Tagen besuchen alle Kinder die Schule. Der Gemeinderat beschließt einstimmig, die neue Schule um 2 Klassenräume, nach Möglichkeit um 4  Klassenräume, zu erweitern, um hier die Mittelpunktschule einrichten zu können.  Als Alternative zu Neerlage, Wengsel und Brandlecht wird jetzt der Standort Hestrup vorgeschlagen. Da keine Einigung über den Standort erzielt werden kann, muss der Plan aufgegeben werden.

1966 - Der vom Schulrat unterbreitete Vorschlag, das 7. und 8. Schuljahr nach Nordhorn abzuschulen, wird von den Eltern unter der Bedingung akzeptiert, dass die Kinder den Schulweg mit dem Bus zurücklegen können. Stammschulen werden die Ernst-Moritz-Arndt-Schule für die ev. Schüler und die Burgschule für die kath. Schüler.

1967 - Wegen reger Bautätigkeit, begünstigt durch die Stadtnähe, steigt die Schülerzahl stark an. Der notwendige Erweiterungsbau um zwei Klassen- und drei Nebenräume wird bis zu den Sommerferien 1967 fertiggestellt.

Volksschule Brandlecht 1967 - Bild: Landkreis Grafschaft Bentheim

Es wird davon ausgegangen, dass in Brandlecht nur eine vierklassige Grundschule bestehen bleibt.

1970 - Die Schulchronik wird mit der Begründung nicht mehr weitergeführt, dass sie nicht mehr verpflichtend sei. Eine stichpunktartige Fortsetzung erfolgt 1994 für die Zeit bis 1986.

1971 - Die Kinder der 5. und 6. Schuljahre werden nach Nordhorn abgeschult. Aus der Volksschule Brandlecht ist jetzt die Grundschule Brandlecht geworden. In unmittelbarer Nähe der Schule baut die Gemeinde zwei neue Lehrerwohnungen, eine große für den Schulleiter und eine kleine für einen unverheirateten Junglehrer. Die gegenwärtige Dienstwohnung wird verkauft (GN, 22.6.1970).

1974 - Brandlecht wird am 1. März 1974 nach Nordhorn eingemeindet. Schulträger der Grundschule Brandlecht wird die Stadt Nordhorn.

1975 - Die Grundschule Brandlecht erhält eine Turnhalle. Der Bau beginnt 1974 und wird 1975 eingeweiht.

1976 - Die Grundschule Hestrup wird aufgelöst. Die Kinder aus Hestrup besuchen wieder die Schule in Brandlecht.

1979 - Herr Hauptlehrer Wilhelm Blekker tritt nach 26 Jahren als Schulleiter in Brandlecht zum Schuljahresende 1978/79 in den Ruhestand.

Quellen:

  • Schulchronik der Ev. Volksschule Brandlecht, Band 1: 1895 - 1956, Band 2: 1956 - 1970, stichpunktartig bis 1986 (aufbewahrt im Stadtarchiv

  • Schulchronik der Ev. Volksschule Brandlecht, Band 1: 1895 - 1956, Band 2: 1956 - 1970, stichpunktartig bis 1986 (aufbewahrt im Stadtarchiv Nordhorn)

  • Wilhelm Blekker, Auszüge aus der Schulchronik der Ev. Volksschule Brandlecht, Mai 1962

  • Anneliese Blekker, Das Schulwesen - Die Evangelische Volksschule Brandlecht 1844 - 1965,

  • Anneliese Blekker,  Die Volksschule für Schüler aller Bekenntnisse in Brandlecht 1965 - 1976,

  • Anneliese Blekker, Die Grundschule Brandlecht 1976 - 1994.
    In: Dorfchronik Brandlecht/Hestrup, Herausgeber: Heimatverein Brandlecht/Hestrup, 1994

  • Dr. Ernst Kühle; Brandlecht, Jahrbuch 1967, Seite 113

  • Zeitungsartikel aus der örtlichen Presse, im Text angegeben