Grafschafter Schulgeschichte

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Volksschule Hesepe

- 1810 Erste Erwähnung; 1973 Auflösung

Das Entstehungsjahr der Schule ist unbekannt.

1810 - Nach dem Lehrerverzeichnis von 1810/11 unterrichtet an der Volksschule Hesepe Jan Koop als Lehrer. Er ist 55 Jahre alt. Obwohl er seine Wohnung in der Nähe der Schule hat, ist ihm im Alter der Weg zur Schule zu weit. Er muss auf einer Schiebkarre morgens hergebracht und mittags abgeholt werden. Das als Schule genutzte Gebäude ist ein einfacher Raum ohne Decke. Man sah durch die Öffnung im Dach den Himmel.

Ein weiterer Lehrer in Hesepe ist danach Berend Boermann. In der Dorfchronik heißt es:" Berend Boermann ist nicht nur Lehrer, er ist Bauer, Vorsteher und ein begehrter Ratgeber in allen Angelegenheiten." Unterrichtet wird in holländischer Sprache, es ist aber kein reines Holländisch, sondern eine Mischung der hiesigen Mundart mit der holländischen Sprache. Zu der Zeit von Boermann aber dringt die erste Welle der hochdeutschen Sprache in die Landschulen der Grafschaft und so bemüht sich Berend Boermann um die Erlernung der deutschen Sprache.

1824 - Berend Arends aus Altendorf, erst 16 Jahre alt, kommt nach Hesepe. Es wird nur im Winterhalbjahr unterrichtet. Anfangs wollen sich die größeren Heseper Jungen nicht fügen. Aber dann kommt ihm Berend Boermann mit einer Birkenreisigrute in der Hand zu Hilfe.

1831 - Es wird eine Schule mit einem Klassenraum gebaut. Sie hat folgende Ausmaße: 6,75 m lang, 4,40 m breit und 3,20 m hoch. Sie hat eine Tür und zwei Fenster in der Westwand, je zwei Fenster an der Nord-, Ost- und Südwand. Der Lehrer Berend Arends wünscht der neuen Schule `bij de Inzegening der nieuwe  School te Hesepe, op den 30. November 1831´:

"Wil, o Heer deez School bewaren,
Laat ze een lange reeks van jahren,
Zi jn tot nut der Heseper jeugd,
En tot hares meesters vreugd!"

1836 - Nachfolger von Berend Arends, der zur Schule Bakelde wechselt, ist Harm Aarnink aus Hesepe. Als zweiter Sohn hat er nur wenig Landbesitz, so ist ihm die Bezahlung für seinen Unterricht sehr willkommen. Bei den Hesepern heißt er Aarning- Mester. An der Schule unterrichtet er 28 Schüler. Er ist 26 Jahre alt. Die Gemeinde zahlt ihm ein Jahresgehalt von 30 Reichstalern, 13 Groschen und 4 Deut (Pfennig). Außerdem gewährt sie ihm freien Mittagstisch (Quelle: Protokoll des Nordhorner Kirchenrates). In einem Schreiben vom 26.7.1838 heißt es unter Bemerkungen, die sich auf die Verdienste und Bedürfnisse des Lehrers beziehen: "Zeigt Lust zur ferneren Ausbildung und gibt sich viel Mühe. Kann er, als neu zugelassen, Zulage bekommen, so ist er dringend dazu zu empfehlen, weil er verheiratet ist und sich peinlich behelfen muss". Nach seinem Tode wandert die ganze Familie nach Amerika aus.

1850 - Ein  Lehrer Maat aus Hesepe verwaltet einen Winter lang die Schulstelle. Er wird dann nach Quendorf versetzt.

1851 - Von 1851 bis 1861 ist ein Lehrer Hölters aus Uelsen in Hesepe tätig. Dann gibt er den Lehrerberuf auf und gründet mit einem Herrn ten Welberg zusammen eine Zichorienfabrik in Nordhorn (Die Zichorienwurzel liefert einen Kaffeeersatzstoff.)

1861 - Bis zum 1. Februar 1861 ist ein Lehrer Hölter in Hesepe tätig. In der Kirchenratssitzung vom 30.1.1861 wird dem Kirchenrat mitgeteilt, dass Lehrer Hölter zum 1.3.1861 eine neue Stelle anzutreten gedenke. Aus einer Zahl von drei vorgeschlagenen Bewerbern wird Harm Hüsemann als Lehrer für Hesepe vorgeschlagen. Nach Genehmigung des Oberkirchenrates wird er am 6.3.1861 in seinen Dienst eingeführt. Ihm wird die Verpflichtung auferlegt, in den nächsten 4 Jahren jeweils in den Sommermonaten am Fortbildungsunterricht in Neuenhaus teilzunehmen (Quelle: Protokolle des Kirchenrates).
Hinweis: In Neuenhaus hat Schulinspektor Fokke eine Lehrerbildungsanstalt eingerichtet, in der er Lehrkräfte für Nebenschulen ausbildet. Zu seinen ersten Schülern gehört Harm Hüsemann, der in Hesepe gewissenhaft und fleißig wirkt und unermüdlich an seiner Weiterbildung arbeitet.

Harm Hüsemann bleibt 28 Jahre, bis 1889, in Hesepe. Er ist ein religiöser Mensch, der über die tiefsten Fragen der Theologie nachsinnt. Seine ganze Zeit, sogar halbe Nächte füllt er mit dem Studium der Bibel und den Schriften Luthers aus.

Sein Gehalt beträgt anfangs 90 Taler, steigt dann auf 120 Taler an. Unterrichtet wird im Winter und Sommer von 9 bis 12 Uhr und von 14 bis 16 Uhr. An zwei Vormittagen in der Woche wird in holländischer Sprache unterrichtet. Im Winter gibt es abends von 19 bis 21 Ur einen Fortbildungsunterricht. Die Beleuchtung kommt von einer Kerze. In den Monaten März und April unterrichtet er sogar von 6 bis 8 Uhr morgens für die Hütejungen, die vom Schulinspektor in Nordhorn für diese zwei Monate vom Vormittagsunterricht befreit worden sind, um die Mutterschafe mit den Lämmern in der Nähe der Bauernschaft hüten zu können, während der Schäfer der Gemeinde die übrigen Schafe weit ins Feld trieb.

Hüsemann achtet streng darauf, dass die Verfügung der Regierung, die den Mädchen das Tragen der Hauben während der Unterrichtszeit verbietet, an seiner Schule durchgeführt wird. Als darauf die Eltern zweier Mädchen das Band der Haube ihrer Kinder, nicht  - wie es üblich ist - unter dem Kinn zuknoten, sondern zunähen, schneidet er es ihnen durch. Der Vater eines der Mädchen verklagt daraufhin Hüsemann wegen Sachbeschädigung. Der Lehrer wird verurteilt und in die Alte Piccardie versetzt (nach der Dorfchronik Hesepe, S. 135; siehe auch den Bericht von H. Reurik: Lamann und Hüsemann!).

1871 - Die Schule erhält einen Anbau mit zwei Zimmern, den Vorraum und das Lehrmittelzimmer, die zunächst von unverheirateten Lehrern als Wohnung benutzt werden. Das Bild zeigt die alte Schule nach ihrem Umbau 1871
Quelle: Dorfchronik, S. 128

Bild: Archiv Ragnitz

1889 - Nach der Versetzung von Lehrer Hüsemann beginnt ein häufiger Lehrerwechsel in Hesepe. Verschiedene Lehrer sind nicht mal ein Jahr im Dorf tätig. Alle Lehrer kommen jetzt aus der Gegend von Osnabrück. Während vorher die Lehrer ohne Ausbildung waren, sind diese seminaristisch vorgebildet: Schützberg (1889 - 1892), Slatmann (1892), Nordbeck (1892 - 1900), Michel (1900), Petrink (1900 - 1902), Hollmann (1902 - 1903), Schäfer (1903 - 1904), Schürmann (1904 - 1905), Witt (1905), Kohmüller (1905 - 1907), Specht (1907 - 1909), Büscher (1909 - 1912), Bente (1912 - 1913), Götker (1913 - 1916, Hoffmann (1916), Meyer zu Hüningen (1916 - 1919), Heinemann (1919), Röhmeyer (1919 - 1920), Schulz (1920 - 1922), Rakers (1922 - 1926).

Der häufige Wechsel erklärt sich aus den damaligen Wohnverhältnissen, denn Hesepe hat bis 1926 keine Lehrerwohnung. Bis 1910 sind die Lehrer noch im Dorf ansässig. Danach wohnen sie bis 1926 in Nordhorn. Sie müssen die 4 km hin und zurück jeden Tag, zeitweise zu Fuß, auch im Winter bei schlechten Wegverhältnissen zurücklegen.

Einige der Lehrer fallen durch ihren Einsatz auf.
- Lehrer Schützberg ist ein großer Naturfreund und geht bei Gewitter auf den Haverberg, um die Wolkenbildung zu studieren.
- Lehrer Slatmann gründet einen Gesangverein.
- Lehrer Specht ist ein Heimatforscher und legt in der Schule eine Stein- und Nestersammlung an. Die Wiederentdeckung des Heseper Merks ist sein Verdienst.
- Lehrer Büscher zeichnet sich als Sportlehrer aus. 1911 gewinnen die Heseper Schüler beim Nordhorner Sportfest in Bookholt die meisten Preise.
- Lehrer Götker ist Gesanglehrer und liebt das Wandern. Einmal wandert er mit seinen Schülern nach Hanekenfähr und wieder zurück.

1907 - Das Bild zeigt die Schüler der Schule Hesepe im Jahre 1907 mit ihrem Lehrer H. Specht. Quelle: Dorfchronik, Seite 134

1919 - Ostern 1919 endet die Geistliche Schulaufsicht durch Kreisschulinspektor Konsistorialrat Stockmann. Der Kirchenrat erhebt Einspruch gegen eine angeblich beabsichtigte "Entreligionisierung" der Schule. Am 1.1.1920 wird Rektor Südhoff aus Nordhorn der erste Kreisschulinspektor.

1923 - Am 20.9.1923 finden die ersten Reichsjugendwettkämpfe statt.

1925 - Nach langen Verhandlungen wird im Herbst 1925 mit dem Bau einer Lehrerwohnung begonnen. Von einem gleichzeitigen Bau der Lehrerwohnung mit einer neuen Schule wird Abstand genommen, da der Gemeinde durch die Elektrifizierung schon bedeutende Kosten bevorstehen.

1926 - Am 14. Oktober kommt Lehrer Schmidt nach Hesepe und bezieht als erster Lehrer die neue Lehrerwohnung. Er verfasst  eine Heimatchronik für Hesepe, die aber leider wieder verloren geht.

1930 - Die Gemeinde entschließt sich, den Spiel- und Bauplatz für eine neue Schule herzurichten. Er besteht zur Hälfte aus einem höher gelegenen Wäldchen, zum andern aus einer Sandgrube. Der Höhenunterschied beträgt 2,50 m. Das Einebnen durch fünf Arbeiter dauert fünf Wochen und kostet 938 Reichsmark.

1931 - 1932 - Am 15.4.1931 besichtigt eine Regierungskommission aus Osnabrück die Schule. Das Schulgebäude wird als das schlechteste im Kreis bezeichnet. Am 13.11.1931 beginnen die Bauarbeiten für die neue einklassige Schule. Am 24.5.1932 wird die neue Schule eingeweiht.     

1935 - Die Schule erhält ein Schmalfilmgerät.

1945 - Ende April 1945 werden beim Einmarsch der englischen Truppen viele Lehr- und Lernmittel zerstört

1949 - 1957 - Am 25.10.1949 stirbt Lehrer Schmidt, der 23 Jahre in der Gemeinde tätig war. Schulrat zur Wiederverwendung Woischlen übernimmt die Schule. Er tritt am 1.10.1956 in den Ruhestand. Lehrer Zwier Hagmann wird am 1.4.1957 nach Hesepe versetzt.

1962 - Die Schule hat 34 Schüler. Das 9. Schuljahr wird zur Altendorfer Schule abgeschult. Da Bild zeigt die Schule Hesepe im Jahre 1962.

Bild: Archiv Ragnitz

1966 - Die Schuljahrgänge 7 und 8 werden zur Altendorfer Schule abgeschult, ebenso die Schüler aus den 5. und 6. Schuljahren Ende der 60er Jahre.

1973 - Im Schuljahr 1972/73 besuchen die Schule in Hesepe noch 6 Schüler in Klasse 1, 4 Schüler in Klasse 2, 5 Schüler in Klasse 3 und 1 Schüler in Klasse 4, zusammen 16 Schüler. Auf Veranlassung der Bezirksregierung beschließt die Stadt Nordhorn die Aufhebung der Grundschule Hesepe zum 1.8.1973. Die Kinder aus Hesepe besuchen zukünftig die Altendorfer Schule. Der Schulleiter der Schule in Hesepe, Herr Zwier Hagmann, wechselt zur Stadtflurschule.

Damit endet die Geschichte der Schule Hesepe. Nach der Gemeindereform wird das Gebäude für die nachfolgende Nutzung als Gemeindehaus umgebaut, später folgte noch ein Anbau. Die Räumlichkeiten werden heute für den Kindergarten, für den Frauen- und Seniorenkreis, Kindergottesdienst sowie für Versammlungen, Feiern und anderen Veranstaltungen genutzt.

2010 - Fast 150 ehemalige Schüler der Volksschule Hesepe treffen sich am 19. Juni zu einer Wiedersehensfeier auf dem Gelände der früheren Schule in Hesepe. Zur Feier sind Ehemalige aus 50 Schuljahrgängen gekommen. Die älteste Teilnehmerin ist Aleida Loeks, die 1928 in die alte Schule eingeschult wurde und dann vier Jahre später in das heutige Gebäude wechselte, das 1932 errichtet wurde und 1972 letztmalig Schüler aufnahm. Berthold Hagmann, der Sohn des letzten Lehrers Zwier Hagmann, hat den längsten Anfahrtsweg. In der Kapelle geht Pastor Düseler auf die Schulgeschichte Hesepes ein. Am Abend gibt es die Möglichkeit, alte Erinnerungen auszutauschen (GN, 22.5. und 26.6.2010).

Quellen:

  • Zwier Hagmann, Auszüge aus der Schulchronik der Volksschule Hesepe, 1962

  • Protokollaussagen des Kirchenrates Nordhorn, von Gerhard Plasger zur Verfügung gestellt, Daten im Text angegeben

  • Heiko Aarnink, Das Buch der ehemaligen Landgemeinde Hesepe, 2006, Seiten 127 - 139

  • Eigene Unterlagen