Grafschafter Schulgeschichte

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Katholische Volksschule Frenswegen

- Anfänge 14. Jh., Neugründung 1830, 1910 Zusammenschluss mit Kath. Volksschule Bookholt

Das Kloster Frenswegen entstand auf dem Grund und Boden der Gemeinde Frensdorf. Der für das Kloster vorgesehene Platz war das Bauernerbe Einolding. Es lag am Hauptweg der Bauerschaft, was zu der Namensgebung geführt hat (vgl. : B. Sauermost „Das Augustiner-Chorherrenstift Sankt Marienwolde in Frenswegen“, Das Bentheimer Land, Band 74, 1971, Seite 19). Am 13. Juni 1394 wurde die Kaufurkunde ausgestellt. Allmählich bildete sich die „Hofesaat Frenswegen“, deren Bewohner alle Pächter des Klosters waren.

Das genaue Gründungsjahr der Schule in Frenswegen ist unbekannt. Es heißt, dass sie von alters her bestanden habe. In der Schulchronik wird deutlich, dass ihre Anfänge bis in das 14. Jahrhundert zurückreichen, was jedoch anderweitig nicht bestätigt wird. Nach der Reformation haben die Patres für den Unterricht Sorge getragen. In der Regel hat der Küster und Organist den Schulunterricht mit wahrnehmen müssen. Seine Befähigung dazu erhielt er im Kloster. Nach Aufhebung des Klosters durch Beschluss der Regierung des Herzogtums Berg am 25. Oktober 1809 (vgl. K. Tietmeyer: „Kloster Frenswegen, Vergangenheit und Gegenwart“, Schriftenreihe der Stiftung Kloster Frenswegen, 1983, Seite 26) ging auch die Schule ein. Die Kinder waren deshalb mehrere Jahre gezwungen, die reformierte Schule in Bookholt zu besuchen.

1827 - Am 18. März 1827 geht bei der Königlich Großbritannisch- Hannoverschen Regierung zu Osnabrück ein Schreiben der Heuersleute aus der Hovesaat Frenswegen ein, in dem die 22 Unterzeichner ihre Absicht kundtun, eine eigene Schule einzurichten. Sie bitten, ihnen zur Unterhaltung eines Schullehrers eine jährliche Zulage aus der Kasse der geistlichen Güter zu gewähren (nach: Fritz Berning, a.a.O., Seite 305).

1830 - Einem Pastor und Dechant Cordes zu Nordhorn gelingt es, Herrn Flaspöhler als ständigen Lehrer für die Schule zu gewinnen. Der Unterricht wird nun wie früher in einer kleinen Kammer des vorderen Flügelgebäudes, einem Wirtschaftsgebäude des Klosters, gehalten.

Nach einem Verzeichnis im Katholischen Pfarrarchiv gibt es in Nordhorn 50 schulpflichtige katholische Kinder, weiter in Frenswegen 29, Bakelde 13, Altendorf 4, Hesepe 5, Frensdorf 8, Bookholt 14 und Bimolten 5, zusammen 128 katholische Kinder. Von diesen besuchen die Nordhorner Stadtschule 42, die Frensdorfer Schule 8, die Bakelder Schule 5, die Heseper Schule 3, die Bimolter Schule 5, die Bookholter Schule 8 und die Katholische Volksschule in Frenswegen 54 Kinder. 3 Kinder haben Privatunterricht.

Das Schulwesen der kath. Elementarschulen der Grafschaft Bentheim wird durch Bekanntmachung der Königl. Großbritannisch-Hannoverschen Landdrostey zu Osnabrück vom 11. Januar 1830 geregelt.

Als Unterrichtsgegenstände werden vorgeschrieben: 1. Lesen, 2. Schreiben, 3. Rechnen, 4. Religion und Religionsgeschichte, 5. Gemeinnützige Kenntnisse, 6. Anweisung zum Singen, besonders des Kirchengesangs. Der Unterricht muß in deutscher Sprache erteilt werden. Von Michaelis bis Ostern werden täglich 5 Stunden, von Ostern bis zu den Ernteferien 4 Stunden vorgeschrieben. An Schulgeld muss für jedes Kind 1 Reichstaler, 8 Groschen im Jahr und außerdem ein Feuerungsgeld von 4 Groschen „in gangbarer Münze“ entrichtet werden. Ferner werden die Schulzeit, die Ferienzeit, die Unterhaltung der Schulgebäude und die Schulpflicht durch den Pfarrer und einen besonderen Schulinspektor genau geregelt. Diese Vorschriften behielten Geltung, bis die Allg. Bestimmungen vom 15. Oktober 1872 in Kraft traten.

1831 - 1832 - Als das Flügelgebäude mit dem Schulraum abbrennt, wird ein Schulraum im hinteren Schulgebäude zur Verfügung gestellt. Dieser hat nur ein dürftiges Fenster, einen lehmigen Fußboden, freistehende Bänke und einen alten Ofen, dessen Rohr zum Fenster hinausgeleitet ist. Die Flechtwände sind holperig und nur dürftig mit Lehm bestrichen. Der Raum ist 3,50 m breit und knapp 4 m lang. Der Chronist, Lehrer Huch schreibt 1897: „Es ist zu verwundern, wie in einem solchen stallähnlichen Lokale überhaupt noch Unterricht für ca. 45 Kinder erteilt werden konnte.“

Nach vieler Mühe gelingt es Pastor Cordes, ein anderes Lokal im Klostergebäude von dem Fürsten von Bentheim zu erwirken. Dieser Raum ist ebenfalls nur eine kleine, dunkle Zelle mit zwei alten Bleifenstern und freistehenden Bänken. Die Ofenröhre ist aus dem Fenster geleitet.

1832 wird von der Einwohnerschaft von Frenswegen ein Schulverband gegründet, der die Kosten für die Volksschule trägt (Quelle: Heinrich Voort, Von der Hovesaat zur Gutsgemeinde: Frenswegen im 19. Jahrhundert, Jahrbuch 1997, Seite 154).

1834 - Die Katholische Volksschule Nordhorn (Burgschule) wird errichtet. Dies führt im Vorfeld zu Protesten der Bewohner von Frenswegen gegen die Nutzung der alten Kirche in Nordhorn für schulische Zwecke. Als Schulbezirk der Schule in Frenswegen werden die Bauernschaften Frenswegen, Bookholt und Bimolten festgelegt.

Ende 1834 wird ein Raum im sogenannten "Jüffernhaus" (auch: "Jungfernhaus") als Schule eingerichtet und in Betrieb genommen. Der Mietvertrag wird zuerst auf sechs Jahre festgesetzt, dann mehrfach, letztmalig 1851, verlängert. Da sich die Schule auf dem Klostergelände befindet, kommen immer wieder Klagen über angerichtete Schäden, für deren Beseitigung der Rentmeister aufkommen muss. Es wird deshalb eine Lösung außerhalb des Klostergeländes gesucht. Da ein Schulraum für 70 Kinder benötigt wird, kann die Schulgemeinde die hohen Kosten allein nicht aufbringen.

1849 - Herr Flaspöhler stirbt am 5. Oktober. Nach ihm werden ein junger Lehrer aus Wietmarschen bis 1853 und ein Pächter aus Frenswegen mit dem Unterricht betraut. Am 31. März 1855 wird der Lehrer Theodor Schweers durch die Bischöfliche Behörde in Osnabrück fest +angestellt.

1863 - Endlich kann ein Neubau für die Schule errichtet werden. Die Kosten leisteten das Königliche Ministerium (zunächst 450, später noch 200 Taler), die Fürstliche Domänenkammer zu Burg Steinfurt (100 Taler) und das Bischöfliche Generalvikariat (405 Taler), zusammen 1155 Taler. Das Grundstück in der Nähe der Vechte ist der Schulgemeinde von der Gemeinde Bookholt geschenkt worden. Die Schulgemeinde hatte allein das Baugelände, das sehr nass war, durch Aufschüttung von Sand anzuheben. Das Schulgebäude ist nach einem Plan des Oberlandbaumeisters Doeltz zu Osnabrück vom Maurer Niehoff als dem Mindestfordernden  errichtet worden. Am 25. Oktober 1863 wird die Schule durch Bischof Paulus Melchers zu Osnabrück feierlich eingeweiht und zum Schulgebrauch der Gemeinde übergeben. Viele Generationen besuchen dann die Schüler aus der Hovesaat bzw. Gutsgemeinde Frenswegen diese Schule, deren Bildungsziel eine lateinische Inschrift deutlich macht, in Deutsch: "Einzig und allein der Wissenschaft und der Erziehung und der Weisheit gewidmet. 1863."

Bischof Paulus Melchers starb am 14. Dezember 1895 als Kurienkardinal in Rom, nachdem er 1875 infolge des Kulturkampfes aus seinem Erzbistum hatte fliehen müssen und 1885 um des Friedens willen nach Rom berufen war (Handbuch Bistum Osnabrück 1990. S. 13).

1874 - Die Schülerzahl beträgt etwa 40 Kinder. Infolge des Abzugs von acht Pächtern, die durch Reformierte ersetzt werden, sinkt sie bis auf 30 Kinder ab.

1895 - Am 16. September 1895 machen die Schulkinder einen Ausflug nach Bentheim. Die Kosten mit Ausnahme des Bahngeldes bestreitet der Lehrer Huch aus eigenen Mitteln.

1897 - Lehrer Schweers geht  nach 42 Jahren Schuldienst in Frenswegen in den Ruhestand. Die Stelle wird dem Lehrer Heinrich Huch übertragen. Im Sommer 1897 wird die Schule einer außerordentlichen Revision durch den Herrn Regierungs- und Schulrat Schieffer zu Osnabrück und Herrn Kreisschulinspektor Dechant Mense zu Bentheim unterzogen. Lehrer Huch wird am 1. März 1900 nach Nordhorn versetzt.

1899 - In Frenswegen wird eine ländliche Fortbildungsschule eingerichtet, an der 10 Schüler im Alter von 15 bis 42 Jahren teilnehmen. Sie wird mit einigen Pausen wegen fehlender Schüler zunächst in Frenswegen, dann an der Kath. Volksschule Bookholt, bis 1924 geführt.

1903 - Nach mehreren Lehrerwechseln wird der Schulamtbewerber Joseph Schönefeld Lehrer und Schulleiter in Frenswegen. Er wurde 1882 bei Hildesheim geboren und wird am 1. Juli 1908 angestellt.

1905 - Nachfolger von Kreisschulinspektor Dechant Mense wird Pastor Bartel aus Neuenhaus.

1906 - Nach einer Verfügung der Königlichen Regierung in Osnabrück, Abteilung für Kirchen und Schulen, wird in der Schule ein Verordnungsbuch angelegt, das dann von der Kath. Volksschule Bookholt ab 1910 weitergeführt wird und Eintragungen bis 1937 enthält. Im einzelnen sind dies:

Anlage eines Verordnungsbuches (1906), Ferienordnung (1904), Altertumskunde (1905), Sedanstagfeier (1905), Schulentlassung und Konfirmation (1905), Bekämpfung ansteckender Krankheiten (1905), Gefahren bei Automobilen (1906), Benutzung der Spucknäpfe (1906), Turnspiele (1906), Aufsicht vor Schulanfang (1906), Geschichtsunterricht (1906), Kreislehrerkonferenzen (1906), Aufsatzunterricht (1906), Besuch ausländischer Unterrichtsveranstaltungen (1906), Sedanstagfeier (1906), Umschulungszeugnisse (1907), Kinderarbeiten in gewerblichen Betrieben (1907), Verhütung der Verbreitung übertragbarer Krankheiten durch die Schulen (1907), Kirchspielkonferenzen (1907), Naturgeschichtlicher Unterricht (1907), Vertretungskosten (1907), Rechenunterricht (1907), Zeugnisse (1907), Gartenbau (1907), Pausen (1907), Aufwischen der Klassenzimmer (1908), Schließung von Schulen bei Auftreten übertragbarer Krankheiten (1908), Lesebuch (1908), Alkoholismus (1908), Beschäftigung der Lehrer mit Landeskulturfragen (1908), Urlaub aus Anlass einer Prüfung (1909), Verbindliche Unterrichtsstunden für Leibesübungen in den Volksschulen (1910), Abgangszeugnisse (1911), Warnung der Schulkinder vor dem Betreten der Bahnkörper und dem Schießen und Werfen nach den Zügen (1911), Kürzung des Schulunterrichts an dunklen Tagen (1912), Vorbereitung auf die zweite Prüfung (o. J.), Dienstanweisung für erste Lehrer an Schulen mit zwei Lehrkräften (1909), Obstnachbildung aus Marmor als Zeichenmodelle (1913), Belehrung der Schulkinder über die Gefahren der Annäherung an Kraftfahrzeuge (1913), Berufsberatung durch die Lehrer (1916), Gräserkauen (1917), Sammlung von Heilkräutern (1919), Krüppelfürsorge (1920), Einhaltung des Dienstweges in persönlichen Angelegenheiten (1936), Waldbrände (1935), Bekleidung bei Schulwanderungen (1937), Amtsverschwiegenheit (1937).

1910 - Auf Beschluss des Schulvorstandes wird das Schulgebäude der Kath. Volksschule Frenswegen mit den dazugehörenden Grundstücken verkauft. Dafür wird in der Gemeinde Bookholt in der Nähe des so genannten „Krummenbalken“ eine Schule gebaut, die den Namen „Katholische Volksschule Bookholt“ erhält. Damit endet die Geschichte der Kath. Volksschule Frenswegen. Herr Schönefeldt wird Lehrer und Leiter der neuen Schule. Zur Kath. Volksschule Bookholt siehe Pestalozzischule.

1913 - In einem "Gedenkblatt an die feierliche Einweihung der neuen kath. Pfarrkirche zu Nordhorn, vollzogen durch den hochwürdigen Herrn Bischof Dr. Hubertus Voss am 11.9.1913" heißt es ab Seite 17.
"Die kath. Volksschule der Pfarre Nordhorn
[...] Die kath. Schule zu Nordhorn war eine sogen. Haupt- oder Kirchspielschule. Frenswegen hatte eine eigene Schule, wozu auch die kath. Einwohner von Bookholt und Bimolten gehörten. In Frenswegen ist bis zur Aufhebung des Klosters von dem zeitigen Küster und Organisten des Klosters Schule gehalten. Nach Aufhebung des Klosters ging die Schule ein. Die Frenswegener Kinder waren nun mehrere Jahre gezwungen, die ref. Schule in Bookholt zu besuchen. Endlich gelang es dem Herrn Pastor
Cordes, einen Lehrer zu gewinnen und die Schule wieder in einem Flügel des Klosters einzurichten. Als dieser Flügel 1831 abbrannte, wurde in einem anderen Raume des Klosters Schule gehalten, bis im Jahre 1861 die neue Schule zu Frenswegen gebaut wurde. - Das Schulwesen der kath. Elementarschulen der Grafschaft Bentheim war durch Bekanntmacung der Königl. Grossbritannisch- Hannoverschen Landdrostei zu Osnabrück vom 11. Januar 1830 geregelt worden". Diese Vorschriften galten, bis die Allgem. Bestimmungen vom 15. Oktober 1872 in Kraft traten.

Reihenfolge der Lehrpersonen in Frenswegen- Bookholt
1. Flaspöhler, bis 1849
2. Brink, 1849 - 1853
3. Hermann Wess, 1853 - 1855
4. Theodor Schweers, 1855 - 1897
5. Heinrich Huch, 1897 - 1900
6. Heinrich Bussen, 1900 - 1901
7. Bernhard Kurlemann, 1901 - 1902
8. Fräulein Anna König, 1902 - 1903
9. Joseph Schönefeldt, seit 1903
10. Joseph Lauxtermann, seit 1913

Quellen:

  • Fritz Berning, Der Bau der katholischen Volksschule in Frenswegen, Bentheimer Jahrbuch  2002, Das Bentheimer Land, Band 155, Seite 305

  • „Die katholischen Volksschulen der Pfarre Nordhorn“, aus: Gedenkblatt an die feierliche Einweihung der neuen kath. Pfarrkirche  zu  Nordhorn am 11.9.1913, Seiten 17 - 20.

  • Schulchronik der Schule Frenswegen,  Aufbewahrung in der Pestalozzischule Nordhorn.

  • Chronik der St.Augustinus-Gemeinde, von Frau Hildegard Schulten, Nordhorn, bereitgestellt

  • Die Angaben aus dem Gedenkblatt wurden von Frau Hildegard Schulten, Nordhorn, übernommen.

  • Wikipedia "Frenswegen": http://de.wikipedia.org/wiki/Frenswegen