Grafschafter Schulgeschichte

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Freiherr-vom-Stein-Realschule
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1891 Mittelschule,1965 Freiherr-vom-Stein-Realschule, 2011 Schulzweig der Haupt- und Realschule Mitte

Vorgeschichte:
Im Gegensatz zu Bentheim, Schüttorf und Neuenhaus ist es in Nordhorn nicht zur Errichtung einer Lateinschule gekommen. Wer in früherer Zeit für sein Kind eine über die Stadt- und Volksschule hinausführende Bildung anstrebte, war auf eine Privatschule angewiesen. Der Unterricht in den Fremdsprachen, in Französisch und Latein, wurde von Privatlehrern erteilt, die im Volksmund "fransche mester" genannt wurden. Es gab  hierbei viele Unterbrechungen, weil die Lehrer diese Tätigkeit wegen der schlechten Bezahlung alsbald wieder aufgaben. Von diesen Lehrern ist als erster Simon Christoph Heitz bekannt. Ihm wurde - um seine Existenz zu sichern - gleichzeitig das Amt des Stadtsekretärs übertragen. Als Vergütung für diese Tätigkeit erhielt er eine schatzungsfreie Wohnung, ein Stück Gartenland und 60 Reichstaler jährlich in bar. Als Lehrer bekam er für jeden Lateinschüler vier und für jeden Schüler, der nicht am Unterricht in den Fremdsprachen teilnahm, zwei Reichstaler in bar. Der Zeitpunkt der Aufnahme seiner Lehrtätigkeit ist nicht bekannt. Die erste Eintragung in das Protokollbuch von ihm erfolgte im Jahre 1701, die letzte im Jahre 1715.

Weitere Privatschullehrer waren u.a. Ludwig Siegmann aus Burgsteinfurt (ab 1779), Hölscher aus Lengerich/Westfalen (um 1820), Iken (um 1830), August Zwitzers aus Nordhorn (um 1850, später Direktor der Töchterschule in Emden) und Johannes Wygand Ribbink (1859 - 1880).

Im Jahre 1881 wurde aufgrund der Initiative von Eltern, die für ihre Kinder, die nicht das Gymnasium besuchen konnten, aber eine über die Volksschulbildung hinausgehende Unterweisung oder sogar eine Vorbereitung für einen späteren Übergang zum Gymnasium wünschten, der Reformierten Volksschule Nordhorn eine Rektorklasse angegliedert. Als Unterrichtsraum diente ein Zimmer im alten Rathaus in der Hauptstraße. Rektoren der beiden Schulen waren Mittelschullehrer Scheer aus Northeim (1881 - 1883) und Rudolf Schmidt aus Leer, vorher Vorsteher einer Privat-Präparandenanstalt in Barmen (1883 - 1891).

Die Finanzierung der Rektorklasse erfolgte durch Schulgeld, städtische Zuschüsse und evtl. Umlagen der beteiligten Eltern. Nach einigen Jahren machte sich Unzufriedenheit breit. Die Verbindung mit der Volksschule wurde sowohl von Seiten mancher Eltern als auch von der Nordhorner Schulgemeinde nicht gern gesehen. Es erfolgte die Gründung einer Familienschule der Nordhorner Fabrikanten, die eine starke Konkurrenz für die Rektorklasse bedeutete.

1891 - Die Schulgemeinde löst die Verbindung mit der Rektorklasse. Die Stadt weigert sich, diese zu übernehmen, worauf die Kgl. Regierung zu Osnabrück durch Verfügung vom 3. Oktober 1891 die Rektorschule in Nordhorn als selbstständige städtische Anstalt anerkennt.

Das Ziel, zwei Klassen einzurichten, kann zunächst nicht erreicht werden. Die Schule besuchen im Gründungsjahr 26 Schüler. Der Unterricht findet weiterhin im alten Rathaus statt. Das Schulgeld beträgt pro Schüler aus Nordhorn 50 Mark jährlich, für Auswärtige 75 Mark. Solche Schüler, die eine fakultativ zugelassene Fremdsprache erlernen, müssen 15 Mark mehr bezahlen.

1898 - Die Schulleitung der Rektorschule wird zunächst kurzzeitig weiterhin von Rudolf Schmidt (bis 1894) und dann von Kurt Swet (1895 - 1897) wahrgenommen. 1898 wird dann Otto Vollmer aus dem Kreise Nordheim Rektor der Schule. Sein Jahresgehalt beträgt 1950 Mark. Er bleibt 22 Jahre lang bis 1920 ihr Schulleiter.

Die einklassige Rektorschule zählt zu Beginn des Schuljahres 1898/99  14 Knaben und 5 Mädchen. Der Rektor unterrichtet 27 Stunden, 5 weitere Lehrer der Volksschule weitere 9 Stunden.

Der Magistrat und die Stadtverordneten entscheiden sich trotz Bedenkens von verschiedenen Seiten, eine zweite Klasse einzurichten, die ebenfalls im alten Rathaus untergebracht wird.

1908 - Da die Schülerzahlen nach der Einrichtung von zwei Klassen steigen (1903: 32 Schüler, 1906: 48 Schüler) und die Unzulänglichkeiten der zwei Zimmer immer stärker empfunden werden, wird der Neubau eines eigenen Gebäudes für die Rektorschule auf der Alten Maate mit vier Klassenräumen und einer eigenen Turnhalle beschlossen. Die Einweihung erfolgt 1908. Im gleichen Jahre wird die dritte - eine katholische -  Lehrkraft eingestellt. 1937 wird dort dann die Handelsschule und die Kaufmännische Berufsschule eingerichtet.

1916 - Nach einer kurzen Durststrecke klettert die Zahl der Schüler über 100, so dass eine Klasse in der Lindenschule in der Lingener Straße unterrichtet werden muss.

1920 - Rektor Vollmer wird in den Ruhestand versetzt und von Rektor Karl Immer aus Schlesien abgelöst. Aufgrund eines einstimmigen Beschlusses wird bei den städtischen Körperschaften beantragt, die Rektorschule in eine Mittelschule umzuwandeln. Sie erhält den Namen "Städtische paritätische Mittelschule für Knaben und Mädchen (Vorbereitungsanstalt)". Die Schule wird nicht mehr dem Kreisschulinspektor (Schulrat), sondern der Regierung unmittelbar unterstellt.

1921 - Aufgrund der steigenden Schülerzahlen wird das Schulgebäude um sechs Klassenräume erweitert. Zusätzlich wird ein Lehrerzimmer und ein Lehrmittelraum eingerichtet. Die sechste Lehrkraft wird eingestellt.

1929 - Nach einem Anstieg der Schülerzahlen bis auf 215 im Schuljahr 1924/25 gehen sie in den nächsten fünf Jahren stark zurück. Im Schuljahr 1929/30 sind es nur noch 130 Schüler. Der Grund hierfür ist die Errichtung der Aufbauschule in Nordhorn (des heutigen Gymnasiums), die von vielen Volksschullehrern, aber auch von weiten Teilen der Bevölkerung befürwortet wurde.

Von 1929 - 1933 leitet  Rektor Immer die Deutsche Realschule Lüderitzbucht in Südwest-Afrika. Da seine vorgesehene Beschäftigung im Dienst der Auswärtigen Amtes wegen der Machtübernahme Hitlers nicht verwirklicht werden kann, kehrt er wieder in die alte Stellung nach Nordhorn zurück.

1936 - Die Mittelschule hat sich wieder erholt und erreicht im Schuljahr 1935/36 nahezu die ehemalige Schülerstärke (212 Schüler). Rektor Immer tritt in den Ruhestand. Sein Nachfolger wird Friedrich Schmidt.

1937 - 1939 - Im Zusammenhang mit der expandierenden Textilindustrie, die einen erhöhten Bedarf an kaufmännischem Nachwuchs fordert, dessen Ausbildung man der Mittelschule nicht so recht zutraut, wird zunächst 1937 eine zweijährige Handelsschule im Anschluss an die erfüllte Volksschulpflicht eröffnet. 1939 folgt dann eine Haushaltungsschule. Die Errichtung dieser Schulen wirkt sich auf die Mittelschule aus, die im Schuljahr 1939/40 nur noch von 134 Schülern besucht wird. Die Zahl der Aufnahmen in die Mittelschule ist rapide abgesunken:1935: 52 Schüler, 1936: 35 Schüler, 1937: 17 Schüler,   1939: 15 Schüler.

Durch den Rückgang der Schülerzahlen tritt eine Erhöhung der Kosten pro Schüler in der Mittelschule ein. Sie betragen in Nordhorn pro Volksschüler 48,90 RM, pro Berufsschüler 27,08 RM, jedoch pro Mittelschüler 171,73 RM. Gleiche Schwierigkeiten treten in den Nachbarstädten auf. Deshalb wird die Neuenhauser Städtische Mittelschule "aus schulischen Erwägungen und finanziellen Gründen" als selbstständige Mittelschule aufgegeben und der Mittelschule Nordhorn angegliedert. Die vier unteren Klassen verbleiben als Parallelklassen in Neuenhaus, während die beiden letzten Schuljahre in Nordhorn unterrichtet werden.

Aufgrund der Konkurrenz der Aufbauschule wird die ursprüngliche Zielsetzung der Nordhorner Mittelschule geändert. Sie soll nicht mehr vorrangig Vorbereitungsschule für den Übergang zu einer höheren Schule sein, sondern sich ganz auf die Anforderungen von Handel, Handwerk und Industrie bezüglich der Ausbildungsvoraussetzungen ihres Nachwuchses ausrichten

1942 - Im Zuge der Errichtung der "Hauptschule" beginnt auf Anordnung der Schulaufsichtsbehörde der Abbau der Mittelschule. Nach der vierstufigen Hauptschule soll sich eine freiwillige Aufbaustufe zum Erwerb der Mittleren Reife anschließen. Da viele Eltern dieser Schulform nicht trauen, melden sie ihre Kinder gleich zur Oberschule an. Durch das Kriegsende wird das Vorhaben beendet.

1944 - Im Jahre 2004 erinnert sich ein "Pennäler" - Willy Harink - 60 Jahre nach seiner Entlassung aus der Mittelschule an seine Schulzeit. Sie finden diese Erinnerungen unter B31 -Harink

1945 - Mit dem Zusammenbruch des nationalsozialistischen Systems und der Besetzung Nordhorns endet die Tätigkeit des Rektors Friedrich Schmidt. Sein Nachfolger wird ab 9. August 1945 Hermann Arends. Es ist nicht leicht für ihn, ein ordnungsgemäßes Schulleben aufzubauen.

1949 - Am 20.1.1949 stirbt der Schulleiter Hermann Arends. Sein Nachfolger wird Rektor Hugo Schmitz.

Durch die Zunahme der Bevölkerung Nordhorns von 23500 (1939) aufgrund des starken Zuzugs von Flüchtlingen und Vertriebenen auf 33000 (1950) sind die Schülerzahlen der Mittelschule von 250 (1945) auf 450 (1949) angestiegen. Für zunächst 10, dann 11 Klassen stehen nur 10 Lehrkräfte zur Verfügung. Das Schulgebäude, 1908 errichtet und 1921 erweitert, ist völlig unzulänglich, die dazugehörenden sanitären Anlagen überaus rückständig.

Das Prestige bei den örtlichen Großbetrieben ist sehr gering: Handelsschüler werden meist Mittelschülern vorgezogen.

Durch das Aufstocken der Turnhalle ein Jahr später entstehen zwei neue Klassenräume, so dass die täglichen Schülerströme quer durch die Innenstadt zum Gemeindesaal in der Hinterstraße entfallen. Fachräume für Naturwissenschaften und Hauswirtschaft fehlen jedoch weiterhin.

1955 - Nach Diskussionen über die Verlegung der Mittelschule in die Ernst-Moritz-Arndt-Schule beschließt der Rat 1955 den Bau einer neuen Mittelschule mit Aula am Ootmarsumer Weg. Geplant sind drei große Komplexe:

  • ein dreigeschossiger Klassentrakt mit 15 Unterrichtsräumen

  • ein Fachklassentrakt mit Physikraum, Demonstrationsraum, Schülerübungsraum, Zeichensaal, Werkräumen, Rektorzimmer, Lehrerzimmer und einer Reihe von Nebenräumen

  • ein Aula-Turnhallen-Trakt

1958 - Nach knapp eineinhalbjähriger Bauzeit wird die neue Mittelschule der Stadt am 11.April 1958 in einer Feierstunde ihrer Bestimmung übergeben. Nach Aussagen in der örtlichen Presse stellt die Schule "das Modernste dar, was man sich heute auf diesem Gebiet denken kann und dürfte als die ideale Mittelschule über unsern Bezirk hinaus richtungweisend für Schulneubauten dieser Art sein". Ferner erhält die Feierstunde noch besondere Bedeutung, weil mit der großen, schönen Aula der Schule die Stadt ein würdiges "Haus der Kultur", den Konzert- und Theatersaal (KTS) erhalten hat (GN, Festausgabe vom 11.4.; GT, 12.4.1958).

Gleichzeitig erhält die Schule einen neuen Namen: "Freiherr-vom-Stein-Schule, Mittelschule für Jungen und Mädchen". Hierzu heißt es in der Festschrift zum 75jährigen Bestehen der Schule auf Seite 33: "Der neue Name soll deutlich machen, dass der Schwerpunkt der Bildungsarbeit nicht einseitig auf dem Wissenserwerb liegen soll, sondern gerade die Mittelschule des ethischen Gegengewichts bedarf, soll man sie nicht als Polytechnikum missverstehen können". In Gefolgschaft von Freiherr-vom-Stein wollen Schüler und Lehrer immer mehr lernen, "Formen für einen freien Einsatz des Einzelnen für die Gesellschaft zu finden" (siehe auch Festschrift zum 100jährige Jubiläum: "Ein Name verpflichtet", Seite 29, auch: GN, 30.10.1995).

1959 - Schon beim Einzug ist die Schule mit 530 Schülern in 15 Klassen voll ausgelastet. Von der Elternschaft werden bald das Fehlen eines Sportplatzes und die Beschränkung der Benutzung des Konzert- und Theatersaales als Aula der Schule bemängelt. Das Einzugsgebiet der Nordhorner Mittelschule reicht vom Kloster Frenswegen im Norden bis nach Hestrup im Süden und Klausheide im Osten. Es kommen gelegentlich auch Schüler aus Wietmarschen, Füchtenfeld und Georgsdorf, weil eine günstige Buslinie dafür zur Verfügung steht. Der Anteil der Auswärtigen ist jedoch sehr gering und beträgt kaum 50 Schüler, also weniger als 10 % (GN, 12.10.1959).

1962 - In einem Bericht über die Situation der Nordhorner Mittelschule schreibt Mittelschulrektor Hugo Schmitz u.a.:
"Die Nordhorner Mittelschule und die Wirtschaft
Unser Bildungsplan kann natürlich nicht auf die Bedürfnisse der heimischen Wirtschaft eingestellt sein, einfach darum nicht, weil wir allgemeinbildende und nicht berufsbildende Schule sind, und das wird auch von den Industrie und dem Handel durchaus bejaht. So stehen unsere Mittelschüler und Mittelschülerinnen, wenn sie ihre kaufmännische Lehre oder Verwaltungslehre beginnen, zunächst durchaus mit dem Volksschüler, der eine zweijährige Handelsschule besucht hat, gleich. Aber die Praxis hat ergeben, daß diese anfängliche Gleichheit bald einer eindeutigen Überlegenheit des Mittelschülers im Regelfall Platz macht, weil die gründliche Allgemeinbildung dem Mittelschüler ein schnelleres und beweglich bleibendes Eindringen in die Sache ermöglicht.

75 % unserer Schüler werden Techniker und Ingenieure. Daß der Anteil der Textilingenieure verhältnismäßig groß ist, liegt an der heimischen Industrie. Aber doch wohl nicht allein. Gern macht man den Mangel an Maschinenfabriken und sonstiger Schwerindustrie in unserer Grafschaft dafür haftbar, daß so wenige unserer Schüler den Weg zum Maschineningenieur finden. Wir sind zu der Überzeugung gekommen, daß es nicht so sehr der Mangel an geeigneten Schlosserlehrstellen ist, die unsere Jungen davon abhalten, Maschineningenieure zu werden, sondern das hohe Maß an Mathematik, das bereits beim Eintritt in die Ingenieurschulen gefordert wird. Nur wenige sind bereit, diese Eintrittbedingung zu erfüllen und suchen, einem allgemeinen Trend folgend, einen Beruf mit einem leichteren Einstieg. Eine gewisse Schuld trägt natürlich auch die Mittelschule. Mit ihren 4 Stunden lt. Stundentafel kann die Mittelschule ihre Jungen nicht so weit fördern, wie es nötig wäre zu einem glatten Einstieg in die Maschineningenieurslaufbahn. So schwenken sie ab zum Textiler, zum Elektriker, zum Holzbauer, zum Bauingenieur. Sie alle finden den Weg zu einem Beruf, dem sie gewachsen sind, der sie mit Lust erfüllt. Wir haben das in den letzten Jahren immer wieder mit Erstaunen festgestellt und schreiben diese erfreuliche Tatsache wesentlich dem Umstande zu, daß die Schüler ausgiebig während ihrer Schulzeit praktisch experimentierend mit den physikalischen und chemischen Problemen vertraut geworden sind und ihre Berufswahl sachkundiger und persönlicher treffen.

Ganz erstaunlich ist das bei den Mädchen. Die Zahl der medizinisch-technischen Assistentinnen, der Chemotechnikerinnen u.ä. moderner Mädchenberufe wächst von Jahr zu Jahr. Im Umgang mit den Geräten werden sie mit diesen Dingen vertraut und verlieren die Scheu vor der Technik. So dient die moderne naturwissenschaftliche Ausrüstung unserer Mittelschule in hervorragendem Maße der Berufsfindung. Die jungen Menschen erkennen im Umgang mit den physikalischen und chemischen Geräten ihre Eignung für einen solchen Beruf und wählen ihn sicherer als früher. Das von der Stadtverwaltung hier investierte Geld trägt also reiche Zinsen. Ja, wir haben es erlebt, daß hiesige Firmen auch Mädchen, die sich gar nicht als Laborantin beworben hatten, bei Bedarf ins Labor steckten, in der zuversichtlichen Erwartung, daß aufgrund der erworbenen Schulbildung das Experiment glücken werde.

Die Mittelschule im Bildungsgefüge unserer Stadt
Ihre Stellung im triadischen Aufbau unserer allgemeinbildenden Schulen sucht die Mittelschule dadurch auszufüllen, daß sie der Volksschule gegenüber ein hohes Leistungsniveau zu halten sucht, dem Gymnasium gegenüber aber klar und deutlich einer aufs Leben bezogenen und zu praktischer Tüchtigkeit befähigenden Bildung das Wort redet. Das wird ihr durch allzu starke Hereinnahme von gescheiterten Gymnasiasten erschwert, die ja nicht nur eine ganz andere geistige Haltung mitbringen, sondern, wenn sie gehäuft in einer Mittelschule sich finden, ihre merkwürdige Pennälerhaltung in der Mittelschule fortsetzen möchten.

Als Anschlussanstalten haben wir für Jungen und Mädchen die einjährige Höhere Handelsschule, die namentlich von unseren Mädchen gewählt wird. Sie stehen auch bei unseren hiesigen Textilwerken in hohem Ansehen, so dass Mittelschüler mit Höherer Handelsschule von ihnen sehr begehrt werden.

Für die Mädchen haben wir dann noch die Frauenfachschule als Zugangsweg für einige Lehr- und die große Zahl der pflegerischen Berufe (Gewerbelehrerinnen, Wirtschaftsleiterinnen usw.). Die Jungen absolvieren meist in der heimischen Industrie und im Handwerk ihre Grundlehre, um nach ihrer Beendigung die höheren Fachschulen, Ingenieur-, Bau- und Textilschulen zu besuchen."

In einem umfangreichen "Memorandum zur Lage und mutmaßlichen Entwicklung unserer Nordhorner Mittelschule" weist Mittelschulrektor Schmitz auf die Notwendigkeit des Baues einer zweiten Mittelschule in Nordhorn hin, die dann ab 1966 verwirklicht werden kann.

1963 - An der Mittelschule wird ein Aufbauzug eingerichtet. Begabte und arbeitswillige Schüler können nach Klasse 8 der Volksschule in die Klasse 8 aufgenommen werden, um in einem dreijährigen Lehrgang den Mittelschulabschluss zu erwerben. Da die Aufbauschüler in einem Schuljahr an das Mittelschulniveau herangeführt werden müssen, liegt das Schwergewicht in Mathematik, Naturwissenschaften, Deutsch und Englisch. Trotz Kürzungen im musischen Bereich haben die Schüler 34 bis 35 Stunden.

Die Schule hat jetzt 20 Klassen, so dass Wanderklassen eingerichtet werden müssen. Der Bau einer zweiten Mittelschule wird als dringendes Gebot angesehen. Außerdem wird eine Erweiterung der Schule um Fachräume und 4 Klassenräume gefordert (GN, 8.4.1964 und 21.8.1964).

Im Mittelpunkt einer Gesamtelternversmmlung und der Generalversammlung des Elternvereins stehen folgende Gedanken:
Bis zum Jahre 1969 wird die Freiherr-vom-Stein-Mittelschule zehn zusätzliche Klassenräume benötigen. Das bedeutet, dass in fünf Jahren eine komplette zweite Mittelschule vorhanden sein wird, der das Gebäude fehlt. Aufgabe der Stadt müsste es sein, die in der Praxis jetzt bereits existierende zweite Mittelschule in ihrer organischen Entwicklung zu sichern. Schule und Elternschaft können nicht zusehen, dass durch mangelnde Entschlusskraft der Exekutive oder der Legislative die Nordhorner Mittelschule in ihrer Entwicklung gehemmt wird (GT, 20.6.1964)

1965 - Die Mittelschulen werden in Realschulen umbenannt. Seitdem trägt die Schule den Namen "Freiherr-vom-Stein-Realschule".

In einer Entschließung der Elternschaft, die dem Kultusminister zugeschickt wird, wird mit großer Sorge Kenntnis davon genommen, dass der Lehrermangel nicht nur die weitere Entwicklung der Schule hemmt, sondern bereits heute die Aufrechterhaltung eines vollwertigen Unterrichts in Frage stellt. Von den 31 Planstellen der Realschule sind nur 25 durch Mittelschullehrer besetzt. Der Einsatz nebenamtlicher Lehrkräfte deckt nur einen Teil des Unterrichtsdefizits und kann außerdem lediglich als Übergangslösung angesehen werden (GN und GT, 15.9.1965)

Die Schule erhält 4 Fachräume und einen großen Fahrradkeller (GN, 4.12.1965).

1966 - 83 Absolventen der Freiherr-vom-Stein-Mittelschule feiern ihre Schulentlassung, die von Musik und Gedichtsvorträgen umrahmt ist. An den anderen Mittelschulen in der Grafschaft werden entlassen:
Neuenhaus 66 Schüler, Bentheim 43 Schüler, Schüttorf 46 Schüler (GN, 18.3.1966).

In einer Resolution der Elternschaft an den Kultusminister heißt es, dass die Eltern in der am 24. Juni 1966 durchgeführten Jahreshauptversammlung mit Enttäuschung und Befremden davon Kenntnis genommen haben, dass seit dem vergangenen Herbst nichts geschehen sei, um die Realschulen in den westlichen Entwicklungsgebieten Niedersachsens vor einer Krise zu bewahren. Das Lehrerdefizit sei weiter angewachsen und drohe, den Bildungsauftrag der Schule in Frage zu stellen. In der Freiherr-vom-Stein-Realschule Nordhorn, wo zur Zeit sieben Lehrkräfte fehlen, betrage der Unterrichtsausfall bereits 20 Prozent (GN und GT, 27.6.; GN, 28.6.1966).

Im Schuljahr 1965/66 hat die Schule 752 Schüler. Da sie den Schülerandrang nicht mehr bewältigen kann, konstituiert sich zum 1.12.1966 die "Blanke-Realschule", die später den Namen Gerhart-Hauptmann-Realschule erhält. Ihr werden 12 Klassen mit 13 Lehrern zugeteilt, die jedoch noch im Schulgebäude verbleiben. Schichtunterricht wird erforderlich (GN, 6.12.1966).

An drei Tagen an einem Wochenende feiert die Schule ihr 75-jähriges Jubiläum. Am Freitagabend findet ein Ehemaligentreffen statt. Im Verlauf des Festaktes am Sonnabendvormittag wird der Grundstein für die neue Schule auf der und für die Blanke gelegt. Während des Festaktes im KTS wird die Rektorschule früherer Jahrzehnte in Reden lebendig. Tiefgründig und sehr geistvoll informiert der Festvortrag eines Experten über die Realschule in der modernen Gesellschaft. Abends gibt es Vorhänge über Vorhänge, nachdem "Das Gespenst von Canterwill" zahlreichen Besuchern des Festspiels zwei vergnügliche Stunden bereitet hatte. Zum fröhlichen Sport treffen sich am Sonntagvormittag Schüler und Lehrer. Beim musikalischen Ausklang zeigen sich noch einmal die Musen, die bei aller Bedeutung der Realschule für das praktische Leben hier auch eine gute Heimstatt haben (GN, 24. und 26.9; GT, 26.9.1966).

1967 - In der gemeinsamen Elternversammlung überrascht Rektor Schmitz die Eltern der beiden Nordhorner Realschulen mit einem aufsehenerregenden Vorschlag: Im ersten Bauabschnitt der Blanke-Realschule würden nur zwölf Klassenräume geschaffen. Man rechne also mit einer Zweizügigkeit. Das bedeute aber, dass sofort nach Einweihung der neuen Schule jede vierte Klasse eine Wanderklasse sein werde. Wenn nicht alle Zeichen trügen, werde sich bereits in Kürze die Notwendigkeit einer vierzügigen Realschule aufdrängen und die berechtigte Frage wecken, ob man es nicht lieber auf der Blanke bei einem zweizügigen System belassen und dafür eine dritte, ebenfalls zweizügige Realschule in Bookholt oder Stadtflur bauen sollte. Das würde für den ganzen Nordteil der Stadt lange Schulwege unnötig machen (GT, 29.6.1967).

Rektor Schmitz wird zum Schuljahrsende in den Ruhestand verabschiedet. In der Abschlussfeier der Schule nimmt er u.a. zum Problem der Bildung Stellung. Die Freiherr-vom-Stein-Realschule in Nordhorn gehöre zu den Schulen, die schon wiederholt den Mut zu Experimenten bewiesen und damit Pionierarbeit geleistet haben. Drei Ziele werden konsequent angesteuert:
1. Durchlässigkeit der Schulsysteme (Einführung der Eingangs- und Förderstufe)
2. Förderung von begabten Volksschülern (Einrichtung eines Aufbauzuges)
3.Differenzierung in der Oberstufe der Realschule

Carl-Heinz Schrödter (siehe: L-C-Schrödter) wird als Nachfolger von Herrn Schmitz zum Rektor der Schule ernannt.

1968 - Die Blanke-Realschule zieht Anfang des Jahres nach Fertigstellung des Neubaus in der Zamenhofstraße in die Blanke um. In der Freiherr-vom-Stein-Realschule (FSR) verbleiben 12 Realschul- und 5 Aufbauklassen.

1971 - Die Schülerzahlen klettern weiter und erreichen im Schuljahr 1971/72 einen Höchststand von 818 Schülern. Das ehemalige Waldschulgebäude und ein zweigeschossiger Pavillon werden von der FSR mitbenutzt.

Die 3. Realschule wird abgetrennt. Sie soll im neu zu bauenden Schulzentrum Deegfeld untergebracht werden. Nach vorläufiger Unterbringung in der Waldschule zieht sie in das Gebäude der Alten Maate um. Eine Entlastung findet für die FSR kaum statt, da Förderstufenschüler aufgenommen und Klassenteilungen vorgenommen werden.

1974 - Es gibt Diskussionen um die Unterbringung einer "Schule in kirchlicher Trägerschaft" im Realschulgebäude bei gleichzeitiger Auflösung der Schule. Die Elternschaft setzt sich in einer Befragung mit 82,4 % für den Fortbestand der FSR ein.

1975 - Gerhart Mannhart, der seit 1960 an der Realschule tätig ist, wird als Nachfolger von Herrn Schrödter Rektor der Schule.

1978 - Die FSR besuchen 850 Schüler in 30 Klassen, so viel wie nie zuvor in ihrer Geschichte. Davon sind 5 Klassen Wanderklassen. Es werden vier weitere mobile Klassenräume eingerichtet. Außerdem wird der Fachtrakt um eine Etage aufgestockt. Da die Bauarbeiten bis zum Schuljahr 1979/80 andauern, erfolgt eine Auslagerung von Klassen in Räume der altreformierten Kirche.

1979 - Die Orientierungsstufe wird in Nordhorn eingeführt. Die FSR verliert die Schuljahrgänge 5 und ein Jahr später 6. Die neu errichtete Freiherr-vom-Stein-Orientierungsstufe belegt die Räume der alten Waldschule, die Mobilbauten und später auch einen Fachtrakt der FSR.

1991 - Bedingt durch das Auslaufen der 5. und 6. Schuljahrgänge und einem allgemeinen Geburtenrückgang sinken die Schülerzahlen ab Schuljahr 1978/79 stark ab:
1978/79:  850 Schüler,
1982/83:  448 Schüler,
1986/87:  302 Schüler,
1990/91:  270 Schüler.
Das Kollegium hat sich von 48 auf 26 Lehrkräfte verkleinert.

Mit Beginn des Schuljahres 1991/92 erfolgt die Einführung von Schulbezirken. Die Schule befürchtet, dass die Schülerzahl hierdurch weiter absinkt und nur noch eine Zweizügigkeit gewährleistet bleibt.

Herr Mannhard wird in den Ruhestand versetzt (GN, 4.7.1991). Sein Nachfolger wird Wolff-Rüdiger Kopper, der vorher als Realschulkonrektor in Neuenkirchen bei Melle tätig war (7.9.1991).

Im Oktober feiert die Schule ihr hundertjähriges Bestehen. Den Festvortrag hält Professor  Hans-Karl Beckmann aus Erlangen zum Thema "Erziehungs- und Bildungsauftrag der Realschule - Kontinuität und Wandel" (GN, 5.10.1991).

1993 - Im Zuge der Überlegungen und Planungen zur Einführung einer Integrierten Gesamtschule (IGS) in Nordhorn wird auch die Innenstadt mit der FSR als Standort in Erwägung gezogen. Dies führt zu massiven Elternprotesten und -demonstrationen. Eine Einführung einer IGS erfolgt in Nordhorn nicht.

1994 - Im Schuljahr 1993/94 besuchen die FSR 238 Schüler. Die Schule hat 11 Klassen gebildet.

1995 - Anstelle des Neubaus einer Schulsportanlage an der Schulstraße soll eine Großsporthalle am Kreissportzentrum an der Wilhelm-Raabe-Straße errichtet werden, die in erster Linie auf die Bedürfnisse des Nordhorner Handballvereins (HSG) ausgerichtet ist. Es gibt zahlreiche Proteste aus schulischer Sicht, die in Leserbriefen ihren Ausdruck finden (GN, 1.8.94, 9.8.94, 5.11.94, 19.11.94, 16.11.94, 8.12.95). An der Schulstraße entsteht lediglich eine Freisportanlage. Die Turnhalle der Schule wird wegen der kürzeren Entfernung von der Waldschule benutzt. Der Sportunterricht für die Realschule findet im Kreissportzentrum statt.

Zum Schuljahrsbeginn 1995/96 wird die Schule eine "Offene Ganztagsrealschule". Das pädagogische Angebot reicht von einer sinnvollen und kreativen Freizeitgestaltung über Hausaufgabenhilfe, Förderhilfen und Übungsstunden bis hin zu einer leistungsbezogenen Schularbeit. Das freiwillige Angebot erfolgt zusätzlich zum unveränderten Vormittagsangebot nach einem Mittagessen und einer Mittagspause an vier Tagen der Woche (GN, 23.11.94, 7.12.94, 28.4.95, 15.5.95, 25.5.96).
Nach einem Online-Bericht des "Forum Bildung" ist die Freiherr-vom-Stein-Realschule ein "gutes Beispiel für eine offene Ganztagsschule (GN, 23.5.2001).

2001 - Ein monatelanger und am Ende ziemlich verfahrener Streit über die pädagogische und methodische Vorgehensweise einzelner Lehrer veranlasst sieben Eltern dazu, ihre Kinder an einer anderen Schule anzumelden. Nach intensiven Erörterungen in der Klassenkonferenz, Darstellungen in zahlreichen Leserbriefen, Beschäftigung der Frage im Schulausschuss der Stadt und Einschaltung der Bezirksregierung wird ein Kompromiss gefunden, der die Chance zu einem Neubeginn der Zusammenarbeit zwischen Eltern und Schule bietet (GN, 17.3. und 19.4.2001)

2002 - Die Schule ist weiterhin dreizügig. 305 Schüler besuchen die 12 Klassen der Schuljahrgänge 7 - 10.

2003 - Die Schulleitung berichtet im Schulausschuss der Stadt über das offene Ganztagsangebot, das es seit em Schuljahr 1995/96 an der Schule gibt. Schülerinnen und Schüler können wahlweise in der Schule ein warmes Mittagessen einnehmen, anschließend in Kleingruppen oder fachlich begleitet ihre Hausaufgaben erledigen und an einer von 17 Arbeitsgemeinschaften mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten teilnehmen.

Von der Möglichkeit zum Mittagessen machen nur etwa fünf bis zehn Prozent der Schüler Gebrauch. Das Mittagessen kostet 2 €, weil die Stadt Nordhorn sich an den Kosten beteiligt. Besonders am Donnerstag und Freitag drängen sich die Schüler in der Cafeteria, weil an diesen Tagen Döner und Pizza auf der Speisekarte stehen. In den Arbeitsgemeinschaften werden folgende Themen angeboten: Physik, Schwimmen, Computer, Breakdance (Tanz und Akrobatik), Teich-AG, Kunst-AG, Mädchen-AG, Mofa-AG, Keramik, Fußball, Schülerzeitung, Theater, Schach. In der "Edu-Kinestik" lernen die Schüler durch gezieltes Training, ihre Konzentrationsfähigkeit zu steigern und Lernblockaden aufzulösen.

Die Schulleitung hofft, dass durch die Wiedereinrichtung der 5. und 6. Klassen das freiwillige Ganztagsangebot gesteigert werden kann, weil viele Arbeitsgemeinschaften besonders für jüngere Kinder geeignet sind (GN, 13.2.2003).

2004 - Mit einem Berufschancentest der Ruhruniversität und einem Bewerberfachtag bereiten sich etwa 60 Schüler der 10. Klassen auf den wichtigen Schritt vom Schüleralltag in das Berufsleben vor (29.1.2004).

Schüler der 9. und 10. Klassen übernehmen die Patenschaft über die Fünftklässler. Sie fungieren als Streitschlichter, Gesprächspartner, Wegweiser, Kummerkasten und große Freunde und wollen dadurch den Neulingen den Neuanfang an der Realschule erleichtern (GN, 17.11.2004).

An dem Projekt der Begabtenförderung beteiligt sich nach Auflösung der OS neben den Grundschulen Blumensiedlung und Waldschule und dem Gymnasium Nordhorn auch die Fr.-v.-Stein-Realschule (GN, 4.9.2004)

2005 - Zwischen der Fr.-v.-Stein-RS und der Musikschule hat sich eine Kooperation entwickelt. Die Schüler sollen motiviert werden, Instrumente zu spielen oder sogar eine eigene Band zu gründen. Die ersten Ergebnisse präsentieren die Nachwuchsmusiker bei einem Konzert. Wegen der vielen Besucher muss das kleine Orchester, das 30 Musiker umfasst, auf den Schulhof ausweichen (GN, 2.3.2005)

An der Schule sind 13 Streitschlichter ausgebildet worden. Ihr Hauptziel ist es, eine neue Konflikt-Kultur an der Schule zu etablieren, in der Streitigkeiten durch ein gemeinsames Gespräch der beteiligten Parteien gelöst werden und nicht durch Gewalt. Die Schüler sollen erleben, dass sie Konflikte so lösen können, dass keiner als Verlierer aus dem Schlichtergespräch hervorgeht, sondern beide Parteien mit der Lösung einverstanden sind (GN, 2.2.2005).

2006 - Beim 16. Juniorenpressepreis 2005 in Niedersachsen und Bremen erzielt die Schülerzeitung der Schule "Steinschleuder" den 3. Platz . Die Schule hat sich gleichzeitig für den bundesweiten Schülerzeitungswettbewerb 2006 unter der Schirmherrschaft des Bundesratspräsidenten qualifiziert. In der Redaktion arbeiten zwölf Schülerinnen und Schüler im Alter von 10 bis 15 Jahren. An der Spitze steht eine Chefredakteurin. Die Schülerzeitung erscheint drei Mal im Jahr und beschäftigt sich mit Themen wie Zukunfts- und Berufsperspektiven, Schülern aus anderen Ländern, Kinderarbeit oder Gewalt auf dem Schulhof (GN, 8.3.2006).

Beim bundesweiten Wettbewerb unter dem Motto "Bio find ich Kuh-l! erreicht die Schülerzeitungs-AG mit ihrer Bio.Foto-Story "Kraut und Rübe" den 3. Platz in ihrer Altersgruppe (GN, 3.6.2006).

2007 - Einen Unterricht der ganz anderen Art erleben Schüler des Wahlpflichtkurses (WPK) Musik der
8. Jahrgangsstufe: Mit Naoki Kita aus Japan steht ein echter Geigenvirtuose vor ihnen, der die Kursleitung übernimmt. Höhepunkt des Unterrichts ist eine gemeinsame Jam-Session. So improvisiert Naoki Kita über den von der Schülerin Enisa Kunert am Klavier gespielten Titelsong des Filmklassikers "Titanic", rockte zu Max Linschmanns Akkustikgitarre, zu Julian Rohwedders Klavierimprovisationen und spielte Bluesvariationen mit der 20-köpigen WPK-Band. Naoki Kita und der Musiklehrer der Schule,  Christian Straukamp, kennen sich aus der gemeinsamen Studienzeit an Paul Mc Cartneys "Liverpool Institute for Performing Arts" (LIPA) (GN, 3.5.2007).

In den Herbstferien ziehen fünf Klassen der Schule in das neue Schulgebäude, das für das Schulzentrum Mitte erstellt wurde und ab Februar 2008 die Frensdorfer Schule beherbergen soll. Zum Aufbau des Schulzentrum siehe: Schulzentrum.

2008 - Zwei "Lernräume der Zukunft" werden in Anwesenheit von Staatssekretär Uhlig aus dem Kultusministerium vorgestellt. In einer 10. Klasse der Schule wird ein einmaliges Pilotprojekt für besseren Unterricht verwirklicht. Die Schüler sollen durch eigenverantwortliches Arbeiten und Lernen erfolgreicher auf die steigenden Anforderungen des Berufs- und Lebensalltags vorbereitet werden. Gleichzeitig soll  langfristig die Bildungsqualität erhöht werden, wie die Initiatorin des Pilotprojektes, Frau Gisela Lattka, berichtet. Die neuen, im Rahmen der Unterrichtsentwicklung des Landes geförderten Unterrichtsformen werden durch neue Raumgestaltung optimal unterstützt (GN, 3.9.2008).

2009 - Der Kreiselternrat besucht die Freiherr-vom-Stein-Realschule, um sich über das landesweit einmalige Projekt "Lern-Räume der Zukunft - raumpsychologisch gestützte Unterrichtsentwicklung" zu informieren (GN und GW,6.5.2009).

Der Konrektor der Schule, Siegfried Laue, wird in den Ruhestand verabschiedet. Schulrat Udo Tiemann beschreibt ihn als Lehrer, der an der Schule markante Spuren hinterlassen hat. Er habe sich als Garant für Stetigkeit und Kontinuität ausgezeichnet und sei bei Schülern, Eltern und im Kollegium beliebt gewesen. Nach seiner Tätigkeit ab 1971 an der Elisabeth-Hauptschule wechselte er 1976 an die Freiherr-vom-Stein-Realschule und wurde 2000 zum Konrektor berufen. Das Amt übernimmt nach den Sommerferien Gisela Lattka (GN,25.6.2009).


 

Ein Blick von der Schulstraße aus: oben das Hauptgebäude, unten Klassentrakt und Schulhof - Bilder: H. Ragnitz

Aus Mitteln des Bundes und des Landes fließen im Rahmen des Konjunkturpaketes II rund 3,4 Millionen Euro an Zuschüssen nach Nordhorn. Diese verteilen sich u. a. auch auf die Pauschalförderung für energetische Maßnahmen an den Schulen. Dabei geht es vor allem um Wärmedämmung, Austausch von alten Fenstern und Türen, Flachdachsanierungen oder Pumpenregulierungen. Davon profitieren folgende Schulen: die Grundschulen Blanke, Südblanke, Waldschule, Stadtflurschule sowie die Freiherr-vom-Stein-Realschule und die Gerhart-Hauptmann-Realschule. Ein großer Teil der Maßnahmen wird noch während der Sommerferien abgeschlossen, einige dauern noch bis zu den Herbstferien (GN, 28.7.2009).

Nach mehr als 38 Jahren tritt der Schulassistent Gerd Munk in den Vorruhestand. Mit unermüdlichem Engagement hat Munk neben seinen Dienstpflichten in Notzeiten auch viele andere Aufgaben übernommen. Kurzzeitig vertrat er eine erkrankte Sekretärin im Büro. Auch die Begleitung von Klassenfahrten nach Langeoog, die Begleitung zum Schwimmunterricht, Aufsichten und Unterstützung bei den alltäglichen „Problemchen“ von Schülern und Lehrern waren für ihn selbstverständlich (GN, 5.11.2009).

Einen weiteren großen Schritt zu einer modernen Medienausstattung im Unterricht hat die Freiherr-vom-Stein-Realschule gemacht. Durch das großzügige Sponsoring eines Nordhorner Unternehmers in Höhe von 40000 Euro konnte die Schule jetzt zehn Schulklassen mit Laptops, Beamern und Lautsprechern ausstatten und vernetzen. Bei der offiziellen Übergabe der EDV-Ausstattung mit einer Präsentation der neuen Möglichkeiten waren der Sponsor, der ungenannt bleiben möchte, Bürgermeister Meinhard Hüsemann, der Vorsitzende des Schulausschusses Michael Rilke und der Schulleiter Wolf-Rüdiger Kopper anwesend (GN, 10.12.2009).

2010 - VDK-Ehrenmedaille
Große Freude herrscht bei den Schülern und den verantwortlichen Lehrern der Freiherr-vom-Stein-Realschule in Nordhorn, der Realschule Emlichheim, des Burg-Gymnasiu
ms Bad Bentheim und des Schulzentrums Lohne. Im Rahmen einer kleinen Feierstunde überreichen der Kreisvorsitzende, Landrat Friedrich Kethorn, und die Bezirksvorsitzende, Evelyn Kremer-Tandien, den Schulen die Ehrenmedaille des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge für ihr langjähriges Engagement. (GN, 22.5. und GW, 27.5.2010)

Ein ungewöhnliches Klassentreffen
Die acht Teilnehmer wurden 1944 aus der damaligen Mittelschule entlassen und sind mittlerweile über achtzig Jahre alt. Seit nunmehr 66 Jahren treffen sich die Ehemaligen in Abständen von ein paar Jahren. Insgesamt sind etwa 660 Lebensjahre bei dem Klassentreffen versammelt. (GN, 9.6.2010)

Zuwendung der Grafschafter Volksbank
Im Rahmen der Schulkooperation stellt die Grafschafter Volksbank dem Schulverein eine Zuwendung in Höhe von 1100 Euro zur Verfügung. Der Schulverein schafft für die Realschule eine Vitrine und eine Litfasssäule an. Auf diese ansprechende und professionelle Art und Weise ist es möglich, Informationen für Schüler und Lehrer zu präsentieren. (GW, 23.6.2010)

Zusammenfassung zum "Schulzentrum Mitte"
Nach dem Ausscheiden der beiden Schulleiter im "Schulzentrum Mitte" sollen die Frensdorfer Hauptschule und die Freiherr-vom -Stein-Realschule unter einer gemeinsamen Leitung zusammengefasst werden. Dafür spricht sich nach längerer Diskussion  der Schulausschuss aus - in der Erwartung, dadurch die Kooperation der beiden Schulen zu verbessern. Ein gegenteiliges Votum hatten zuvor die beiden Lehrerkollegien in einem Brief an den Ausschuss abgegeben. Die letztendliche Entscheidung liegt beim Schulträger. Schulrat Udo Tiemann stellt eine Genehmigung seitens der Landesschulbehörde in Aussicht. (GN, 7.10.2010)

2011 - Verabschiedung des Schulleiters
Nach 19 1/2 Jahren wird der Schulleiter, Herr Realschulrektor Wolff-Rüdiger Kopper, Ende Januar 2011 nach über 40 Jahren Schuldienst in den Ruhestand verabschiedet. Für Herrn Kopper sind es vier bedeutende Ereignisse, die er in seiner Zeit als Realschulleiter in Nordhorn meistern musste: 1993 setzten sich die Schule und die Eltern erfolgreich gegen die Umwandlung zur IGS bzw. zur Schule in kirchlicher Trägerschaft durch. Bei der Errichtung der Freisport-Anlage 1994 setzte er sich vergeblich für den Bau einer Turnhalle ein. 2004 erfolgte die Abschaffung der Orientierungsstufe und Ausweitung der Realschule. Als letzte Station sieht er den Bau der neuen Frensdorfer Schule und Gründung des Schulzentrums Mitte 2007/08. Als positive Entwicklungen sieht er den Ausbau der Schule zur ersten offenen Gesamtschule im Landkreis, die Begabtenförderung, an der sich die Realschule nach Abschaffung der OS beteiligte, und die Einrichtung der zwei "Lernräume der Zukunft" im Jahre 2008. (GN, 29.1.2011)

Wiedersehen nach 50 Jahren
Vor 50 Jahren wurden Nordhorner Mittelschüler 1951 aus der Freiherr-vom-Stein-Mittelschule entlassen.  Bei einem Treffen in der Innenstadt machten sie vom Museumsturm aus die Stelle ausfindig, an der früher die alte Mittelschule an der Alten Maate stand. Dort drückten sie in den ersten Jahren die Schulbank. Von dort aus wechselten sie dann in die damals neu erbaute Schule am Oortmarsumer Weg. Die ehemaligen Mittelschüler erkannten, dass auch schon früher die Schulzeit stark prägend für das ganze Leben war. (GN, 28.5.2011)

VDK-Sammlung
Aus sechs Schulen kamen die engagierten Jugendlichen, die sich auf ihre Art für die Völkerverständigung eingesetzt haben. Die 150 Sammler, die 2010 in der Grafschaft Bentheim "von Haus zu Haus" gegangen waren, sammelten mehr als 13000 Euro für den Volksbund  Deutscher Kriegsgräberfürsorge. Unter den Sammlern waren - wie auch in den vergangenen Jahren - zahlreiche Schüler aus der H/R Süd in Nordhorn, des Lise-Meitner-Gymnasiums Neuenhaus, der RS Emlichheim, des Schulzentrums Lohne, der Freiherr-vom-Stein-RS Nordhorn und des Burg-Gymnasiums Bad Bentheims. Zu Beginn der Ehrung im Sitzungssaal des Landkreises wurde der Nordhorner Wolff-Rüdiger Kopper mit der Spinoza-Medaille ausgezeichnet. Kopper, der dem Volksbund  seit mehr als 20 Jahren verbunden ist, hatte als Leiter der Freiherr-vom-Stein-RS über viele Jahre hinweg die Sammlung der Schüler organisiert und begleitet. "Wir brauchen solche engagierten Leute wie Sie", machte abschließend Landrat Kethorn deutlich. "Seien Sie auch in  Zukunft weiter dabei", so lautete sein Schlussappell an die Schülerinnen und Schüler (GN, 11.6.2011). In einem weiteren Zeitungsartikel berichtet die Klasse 8 e der  Haupt- und Realschule Norhorn-Süd, dass sie über 700 Euro für die Kriegsgräberfürsorge sammelte, als es um die Finanzierung einer Klassenfahrt nach Hamburg und den Besuch des Musicals "König der Löwen ging". (GW, 22.6.2011)

Einführung der neuen Schulleiterin
Am 14.6.2011 wurde Frau Gisela Brandt-Lattka als Schulleiterin der Freiherr-vom-Stein-Realschule eingeführt.

Regierungsschuldirektor Udo Tiemann sprach bei der Amtseinführung von einer „erfolgreichen Zukunft für die traditionsreiche Schule“. Gisela Brandt-Lattka bringe als „starke und belastbare Persönlichkeit“ beste Voraussetzungen für die bevorstehende Zusammenführung der Freiherr-vom-Stein Realschule mit der Frensdorfer Hauptschule mit.
Sie kennt die Arbeit an der Realschule aus langjähriger Lehrtätigkeit. 2008 hatte sie das Pilotprojekt „Lern-Räume“ initiiert, im Jahr 2009 wurde sie Konrektorin. Ab Februar 2010 war sie zur Landesschulbehörde Osnabrück abgeordnet, kehrte ein Jahr später jedoch als Schulleiterin wieder an die Schule zurück.

Zusammen mit Schülern der Realschule stellte die neue Rektorin Leitsätze der Schule vor. Diese umfassen neben der individuellen Förderung der Kinder auch die Umgestaltung der Schule, die „Lernräume der Zukunft“. Brandt-Lattka zufolge brauche Lernen nicht nur Bewegung, sondern auch mehr eigenverantwortliches Lernen.

Gisela Brandt-Lattka möchte auch die Begabtenförderung der Klassen 5 bis 10 weiter ausbauen. Nach dem Motto: „Nicht für alle das Gleiche, sondern für jeden das Richtige“ will sie nicht die Klasse in den Mittelpunkt stellen, sondern jeden Einzelnen.
Auch sozial schwächere Kinder und Schüler mit Migrationshintergrund sollen verstärkt gefördert werden. Elternratvorsitzende
Viktoria Zarpidou betont, dass sich im Elternrat auch Eltern mit Migrationshintergrund sehr engagiert für die Verbesserung und Entwicklung der Schule einsetzen."

Ende der Eigenständigkeit der Freiherr-vom-Stein-Realschule
Zum Ende des Schuljahres 201011 endet mit der Zusammenfassung der Schule mit der Hauptschule Frensdorf zur

Haupt- und Realschule Mitte

die Eigenständigkeit der Schule. Schulleiterin der Schule bleibt Frau Gisela Brandt-Lattka.

2012 - Klassentreffen nach 50 Jahren

Der Entlassjahrgang der Freiherr-vom-Stein-Mittelschule hatte am Wochenende sein Klassentreffen in Nordhorn. Aus ganz Deutschland waren die Teilnehmer angereist. Um 11 Uhr trafen sich die ehemalige Mädchenklasse 10 b und die Jungenklasse 10 a  an der Schule, wo Konrektorin Judith Wever sie begrüßte und durch die Schule führte. Die meisten Teilnehmer waren seit der Schulentlassung nicht wieder in diesem Gebäude gewesen und alle waren erstaunt, dass der Physikraum  noch genauso aussieht wie damals. Mittags bestiegen viele von den 26 Teilnehmern den Turm der Alten Kirche am Markt und waren von dem Ausblick über Nordhorn sehr angetan. Punkt 14.30 Uhr fuhren die beiden gecharterten Vechteboote mit den Teilnehmern vom VVV-Turm ab und setzten sie später zum Kaffeetrinken am Pier 99 ab. Der Abschluss war abends im Turnerheim, wo alte Bilder kreisten und viele schöne Begebenheiten aus der Schulzeit die Runde machten. Die Ehemaligen waren sich einig, dass spätestens in fünf Jahren das nächste Treffen stattfinden soll. (GN, 4.5.2012)

Quellen:

  • Hugo Schmitz, Die Freiherr-vom-Stein-Mittelschule in Nordhorn, 1962

  • Ders., Memorandum zur Lage und mutmaßlichen Entwicklung unserer Nordhorner Mittelschule, 1962

  • 1891 - 1966  Freiherr-vom-Stein-Realschule, Festschrift zur Feier des 75jährigen Bestehens, Nordhorn 1966

  • 100 Jahre Freiherr-vom-Stein-Realschule Nordhorn, 1.10.1991

  • Artikel aus den Grafschafter Nachrichten (im Text angegeben)