Grafschafter Schulgeschichte

Zurück zur Startseite  l  Zurück zur Entwicklung des Schulwesens ins Schüttorf

Kirchschule Schüttorf  - Evangelische Grundschule - 

1608 - Nachdem das vorhandene Schulgebäude der Lateinschule durch eine Feuersbrunst am 3. November 1608 vernichtet wurde, wird eine neue Schule "bei der großen Kirche" errichtet. Ein Raum ist für die Lateinschule, zwei Räume sind für zwei einklassige "Deutschschulen" bestimmt. Aufgabe dieser Deutschschulen ist die Vermittlung von Elementarwissen und die Unterweisung in der christlichen Lehre. Der damalige Pastor, Johannes Holstein, lässt vorn im Giebel einen Gedenkstein anbringen, der zur Erinnerung noch im Vorraum der jetzigen Schule eingebaut ist. Er trägt folgende eingemeißelte Inschrift:

"STRUCTA  PIIS  SYNAGOGA - DICATA IEHOVAE - URBIS  UBI CENTUM VULCANUS - TECTA  VORASSET  -
QVARE  NATE  DEI SERVA URBEM - GYMNASIUMQE - CRESCAT  UT INDE TIBI SANCTORUM - MAGNUS ACERVUS
Ao 1608 Jo:  Ho: PAST."

Sinngemäß übersetzt lautet die Inschrift:
"Gebaut für fromme Studien ist diese Schule, Jehova geweiht, in der Stadt, wo eine Feuersbrunst hundert Dächer verschlungen. Daher, Sohn Gottes, bewahre Stadt und Gymnasium, damit von dort Dir erwachse eine große Schar heiliger Leute."

1781 - Lehrer und Konrektor an der "Deutschen Schule" von 1781 - 1824 ist Arnold Wilhelm Nordbeck. In seinem Nebenamt als Stadtsekretär errechnet er für die Einquartierung von englischen Truppen, die im Kampf gegen die Franzosen standen, folgende Ausgaben:
1. ........
2. für Wiederinstandsetzung der vier Stadtschulen                        21. Rthl.
3. für Wiederinstandsetzung des Stadtschulhauses                        28  Rthl.

1823 - In der Heimatbeilage der Grafschafter Nachrichten, "Der Grafschafter" vom Juli 2005 veröffentlicht Rainer Harmsen einen Bericht über die Lehrerfamilie Mülder in Schüttorf. Im Vorspann schreibt er: "Am 23. Dezember 1823 begann eine mehr als einhundert Jahre dauernde Ära der Lehrerfamilie Mülder in Schüttorf. An diesem Tage wurde Derk Mülder, geboren 1800 in Vaassen bei Deventer in den Niederlanden, zum "Zweiten Deutschlehrer" in Schüttorf berufen. Am 17.2.1824 trat er seinen Dienst an".

Rainer Harmsen beschreibt zunächst anschaulich die damalige Schulsituation. Dieser Bericht wird hier wörtlich  wiedergegeben: "Zu dieser Zeit gab es in Schüttorf eine einklassige Rektorschule, die einige wenige Schüler zur Aufnahme in eine höhere Lehranstalt vorbereiten sollte, sowie zwei einklassige Volksschulen oder auch Deutschschulen, vergleichbar mit der heutigen Grundschule. Allerdings waren alle Altersstufen in einer Klassen vereint, was dem Unterricht wohl kaum dienlich war. Der Lehrer der Rektorschule, meistens ein Kandidat der Theologie, war jeweils der Rektor beider Schulen. Der dienstältere Lehrer war erster Deutschlehrer.

Innerhalb von vier Jahren lernten die Kinder in der Volksschule Buchstabieren, Lesen, Schreiben, Rechnen, Singen, Katechisieren und ´sonstiges, was der Jugend nützlich und förderlich und dem Lehrer rühmlich ist`.

Viele Kinder gingen nur zwei Jahre zur Volksschule, da sie im Haushalt und im Sommer zur Feldarbeit gebraucht wurden. Sie hatten dann die Möglichkeit, im Winter die Abendschule von 18 bis 20 Uhr zu besuchen.

Den Eltern blieb es freigestellt, in welche Klasse sie ihre Kinder schickten. Je nach Gefallen am Lehrer und dessen Unterrichtsmethoden gingen sie mal zum einen, mal zum anderen Lehrer. Das Schulgeld, welches die Eltern zu entrichten hatten, wurde anteilmäßig auf die beiden Lehrer verteilt; wer also viele Schüler hatte, bekam einen höheren Lohn. Hinzu kam für jeden Lehrer eine Dienstwohnung und freie Nutzung der Schulländereien. Die Deutschlehrer waren gleichzeitig auch Organisten in der Kirche."

1824 - Das baufällig gewordene Schulgebäude an der Kirche wird abgebrochen. Es wird eine dreiklassige Schule errichtet, die 1872 um einen vierten Klassenraum erweitert wird. (nach anderen Angaben: 1824 sofort vier Klassen).

1845 - Der städtische Schulplan sieht nun im Gegensatz zu früher eine zweiklassige Volksschule mit altersgerechter Aufteilung vor. Deren Erster Lehrer wird Derk Mülder.

1866 - Schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts hatte sich herausgestellt, dass die Volksschule den an sie gestellten Erwartungen nicht gerecht wurde. Die Gründe hierfür lagen auch bei den Lehrern, die mehr oder weniger Gelegenheitsarbeiter waren, deren Ansehen und Einkommen gering war, und die eher nur handwerklich oder gar nicht ausgebildet waren. Deshalb werden nach 1866 nur noch Lehrer angestellt, die ihre Ausbildung in einem Königlich Preußischen Seminar absolviert haben.

Der erste so ausgebildete Lehrer in Schüttorf ist Wilhelm Georg Mülder, ein Sohn von Derk Mülder, der das Seminar in Aurich besucht hatte und ab 1867 als 3. Lehrer an der ev. ref. Volksschule tätig ist. "Durch ihn kam ein neuer Geist in das veraltete Schulwesen" (Berge, Schüttorfer Sagen und Geschichten, 1950).

Für Derk Mülder, der schon 67 Jahre alt ist, ist die Besetzung der 3. Lehrerstelle eine erhebliche Entlastung.  Er muss weiter arbeiten, um seine Familie zu ernähren und das Studium seiner Söhne zu finanzieren, da es noch keine Alterspension für Lehrer gibt. Erst zum 50sten Dienstjubiläum, im Jahre 1873, erhält er eine Gehaltserhöhung bis zum Dienstende (nach: Harmsen).

1878 - Im Jahre 1878 macht sich die ev. ref. Schule als konfessionelle Schule selbstständig. Die ev. ref. Gemeinde wählt einen Schulvorstand unter Leitung des 1. Pfarrers, in dem neben der Stadtverwaltung auch einige Bürger vertreten sind. Dieser Schulvorstand erhebt statt des bis dahin geltenden Schulgeldes eine Schulsteuer, deren Höhe sich an der zu zahlenden Einkommensteuer orientiert. Dadurch ist es allen Einwohnern möglich, ohne Rücksicht auf ihr Einkommen, den Kindern eine Elementarbildung zu ermöglichen. (nach: Thiesmeyer/ Schrader).

1879 - Ostern 1879 wird eine 4. Lehrerstelle besetzt, was vorher aus finanziellen Gründen nicht möglich war. Zwei Jahre später ist Derk Mülder aus gesundheitlichen Gründen  nicht mehr in der Lage, Unterricht zu halten. Er stirbt nach einer Dienstzeit von 57 Jahren im Alter von 81 Jahren am 24.2.1881. Wilhelm Georg Mülder wird zum Hauptlehrer ernannt.

1890 - Gegen Ende des 19. Jahrhunderts erweist sich die vierklassige Schule als zu klein, da durch die Entwicklung der Textilindustrie die Einwohnerzahl Schüttorfs stark ansteigt und die Schülerzahl entsprechend schnell zunimmt. So steigt die Einwohnerzahl Schüttorfs von 1692 im Jahre 1871 auf 3371 im Jahre 1890 und auf 4110 im Jahre 1900. Auf Initiative des Schulleiters Mülder wird an der Schevestraße ein zweites zweiklassiges Schulgebäude errichtet. Das Grundstück kostet 3450 Mark, der Bau 13 400 Mark. Während des Baus findet der Unterricht im Rathaussaal statt, wo sonst Tanzveranstaltungen stattfinden.

1891 - An den "Schevebau" werden zwei weitere Klassenräume angebaut. Die Kosten betragen 9925 Mark.

1898 - Der "Schevebau" wird mit vier Klassen zu einem achtklassigen Schulbau aufgestockt. Der Bau kostet 12 518 Mark.

1899 -  Das vierklassige Schulgebäude aus dem Jahre 1824 an der Kirche wird abgerissen. Es wird ein achtklassiges Schulgebäude errichtet. Das Bild zeigt dieses Schulgebäude an der Kirche im Jahre 1910.


Somit besitzt Schüttorf eine achtklassige Schule an der Kirchgasse und eine weitere achtklassige Schule an der Schevestraße. Dadurch wird der wirtschaftliche Aufschwung Schüttorfs schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts deutlich.

1907 - Der Schulleiter Wilhelm Georg Mülder tritt nach 40-jähriger Tätigkeit in den Ruhestand. In seiner Dienstzeit erfolgte der Ausbau der Volksschule von vier auf vierzehn Klassen. 1889 gründete er den Turnverein Schüttorf. Sein Nachfolger ist sein Sohn Diedrich Mülder. Er hatte vorher auch in der Mittelschule Bentheim unterrichtet. Er stirbt 1923  im Alter von 55 Jahren.

1923 - Nachfolger von Rektor Diedrich Mülder als Schulleiter der Volksschule Schüttorf wird Rektor Wilhelm Berge, der schon ab 1891 an der Schule tätig war. Er verfasst mehrere Beiträge zur Geschichte des Ortes und seiner Umgebung.

1928 - Nachdem ab 1920 der Lindemannsche Saal als Turnhalle benutzt wurde, wird 1928/29 eine städtische Turnhalle gebaut.

1930 -  Das Bild zeigt die Kinder, die im April 1930 in die Schüttorfer Volksschule eingeschult wurden. Es ist aus den GN vom 7.4.2005  entnommen und wurde von Ulrich Körner zur Verfügung gestellt. Er  schreibt hierzu: "Vor exakt 75 Jahren, Anfang April 1930 ist die heutige alte Ansicht entstanden. Der Jahrgang 1924 wurde damals in die Volksschule an der Schevestraße (heute Realschule) in Schüttorf eingeschult. Erwartungsvoll und gespannt schauen die 53 Jungen und Mädchen (eine Klasse!) in die Kamera. Lehrerin der Klasse war damals Frau Helmich."

1932 - Rektor Wilhelm Berge tritt nach 43jähriger Tätigkeit als Lehrer und  Schulleiter in den Ruhestand.

1933 - Das Schulgebäude an der Schevestraße wird 1933/34 umgebaut und erhält eine Zentralheizung.

1934 - Der Lehrer Ludwig Mülder , ein weiterer Sohn von Wilhelm Georg Mülder, tritt nach 38jähriger Tätigkeit an der Volksschule Schüttorf von 1896 bis 1934 in den Ruhestand.  Er war auch Leiter der städtischen Berufsschule. Für diese Tätigkeit wurde ihm z.B. 1913 ein zusätzliches jährliches Gehalt von 300 Mark gezahlt. Mit seiner Pensionierung endet eine 111 Jahre dauernde Ära der Lehrerfamilie Mülder in Schüttorf.

Von Mitte Dezember 1934 bis zum 25. Februar 1935 wird die Schule wegen hartnäckiger Diphterie und Grippe geschlossen. Es finden Winterhilfssammlungen (Kartoffeln, Brennmaterial) durch Schulkinder statt.

1935 - Anlässlich der Saarabstimmung findet eine Schulfeier statt. In drei Klassenräumen wird eine Radioanlage mit Lautsprechern eingebaut. Es herrscht Freude über die Anlage des städtischen Freibades, wo ein Schwimmfest stattfindet. "Besonderen Anklang findet auch das Kleiderschwimmen der Schulkinder, von denen viele beim Entkleiden im Wasser eine bewundernswerte Fertigkeit an den Tag legen" (nach: Beyrau). Am 1. Mai 1935 besuchen 687 Schüler in 14 Klassen die Schule. Sie werden von 13 Lehrern unterrichtet.

1936 - Am 6. Juni stirbt der Lehrer und Rektor i. R. Ludwig Mülder (siehe 1934)

Nach einem Bericht der "Schüttorfer Zeitung" wird am 6. November der Mittelschullehrer Gerhard Klünder in das Amt des Schulleiters eingeführt.

 

1937 - Zu heftigen Auseinandersetzungen kommt es im April 1937, als der Rektor der Kirchschule und zwei weitere Lehrer aus der Kirche ausgetreten waren. Lehrer Johann Bergmann, der sich an einer Protestversammlung der Kirche gegen diese Austritte beteiligt und damit angeblich "an einer staatsfeindlichen Demonstration" teilgenommen hat, wird aus Schüttorf ausgewiesen und nach Zwangspensionierung später an der Haupt- und Mittelschule Lengerich beschäftigt. Als Wiedergutmachung wird er ab 1.9.1945 nach Schüttorf zurückberufen, wo er zum kommissarischen Rektor ernannt und später auch als solcher bestätigt wird (nach Thiesmeyer/Schrader, a.a.O., Seite 278).

1938 - Die beiden Konfessionsschulen werden zu einer Gemeinschaftsschule zusammengelegt. Die Schülerzahl steigt auf 793 in 16 Klassen mit 16 Lehrern.

1939 - Da viele Lehrer zum Kriegsdienst eingezogen sind, unterrichten nur noch 9 Lehrer die 16 Klassen.

1946 - Die Gemeinschaftsschule wird nach einer Abstimmung unter der Elternschaft aufgelöst; es werden wieder ab 9. September 1946 eine evangelische und eine katholische Bekenntnisschule eingerichtet. In der Ev. Volksschule verbleiben 750 Schüler in 16 Klassen und 9 Lehrer.

1950 - Die Schülerzahl steigt in den ersten Nachkriegsjahren stetig an und erreicht 1950 mit 911 Schülern in 20 Klassen ihren höchsten Stand. Die Schüler werden nur von 16 Lehrern unterrichtet, was aus heutiger Sicht kaum vorstellbar erscheint. Bis 1955 geht die Schülerzahl auf 538 zurück und steigt bis 1961 auf 662 an.

 

Dieses Bild stammt aus dem Jahre 1952 nach dem Umbau der Schule. Im Mitteltrakt ist vorn ein "Großer Eingang" vorhanden, darüber das Rektorzimmer von Herrn Rektor Bergmann. Hinten im Mitteltrakt befinden sich die Toiletten. - Bild: Archiv Heinz Ragnitz

1957 - Rektor Bergmann tritt in den Ruhestand und unterrichtet wegen des Lehrerfehls mit halber Stundenzahl weiter. Sein Nachfolger als Schulleiter wird am 1. April 1957 Rektor Werner Beyrau.

1960 -  Bereits 1935 war der Bau eines weiteren achtklassigen Gebäudes geplant worden. Diese Pläne konnten jedoch aus finanziellen Gründen nicht umgesetzt werden. Als dann das 9. Schuljahr eingeführt werden soll, reichen die vorhandenen Kapazitäten endgültig nicht mehr aus.

An der H.-Schlikker-Straße wird ein weiteres Schulgebäude errichtet. Die Einweihung findet am 10.6.1960 statt. Mit den Bauarbeiten wird am 3.11.1958 begonnen. Bei der Herrichtung des Baugrundstücks treten wegen der niedrigen Lage des Grundstückes erhebliche Schwierigkeiten auf (GN, 10.6.1960). Das Bild zeigt den Klassentrakt der neuen Schule an der H.-Schlikker-Straße (Fensterfront nach Westen) im Jahre 1960.


Zusammen mit dem Schulgebäude an der Kirche hat die Schule jetzt 17 Klassenräume, dazu einen Werkraum, einen Nadelarbeitsraum, einen Musikraum und eine Schulküche, außerdem Verwaltungsräume. Die Gebäude an der Schevestraße werden ab Frühjahr 1960 von der Mittelschule genutzt. Am 15.5.1960 besuchen die Schule 642 Schüler in 18 Klassen, die von 14 Lehrkräften unterrichtet werden.

1962 - Das 9. Schuljahr wird eingeführt. Von den 70 Kindern in 3 Klassen kommen 48 Schüler aus der eigenen Schule und die übrigen 22 Schüler aus den Schulen Quendorf, Neerlage, Wengsel, Samern, Suddendorf und Ohne.

Rektor Beyrau berichtet in einer Elternratsversammlung über die ständig steigenden Schülerzahlen. Im Jahre 1956 wurden in der Ev. Schule 535 Schüler gezählt, vor Einführung des 9. Schuljahres  im Jahre 1961 waren es 662. 1962 sind es nach Einführung des 9. Schuljahres 728. Das entspricht einer Steigerung von 37 %.

Trotz des gerade fertig gestellten Neubaus ergeben sich bald wieder Schulraumprobleme in der Stadt. In den 60er Jahren treten die geburtenstärkeren Jahrgänge in die Schule ein. Zugleich werden in den Dorfschulen die Oberstufen aufgelöst und die Schüler nach Schüttorf umgeschult. Das städtische Jugendheim und das ehemalige Altersheim an der Salzberger Straße werden provisorisch als Schulgebäude genutzt.

1963 - Erstmals geleiten Schülerlotsen an besonders gefährdeten Straßenübergängen am Marktplatz bei der Sparkasse und in der Steinstraße beim Kaufhaus Rost die Schüler über die verkehrsreichen Straßen (GN, September 1963).

1964 - Nach Verabschiedung des bisherigen Konrektors Myrczek wird die Stelle des Konrektors erstmalig in der Geschichte Schüttorfs mit einer Frau besetzt: Frau Frieda Müller wird am 5. November 1964 in ihr Amt eingeführt (GN, 6.11.196 und GT, 7.11.1964).

1967 - Die Ev. Volksschule wird als erste Schule im damaligen Regierungsbezirk Osnabrück in zwei getrennte Schulsysteme für Schüler des evangelischen Bekenntnisses aufgeteilt, in eine Ev. Volksschule für die Klassen 1 - 4 und in eine Ev. Volksschule für die Klassen 5 - 9, die dann ab 1974 Hauptschule Schüttorf heißt (GN, 17.6.1987). Zur Geschichte der Hauptschule Schüttorf siehe F12. In diesem Bericht wird weiter auf die geschichtliche Entwicklung der Ev. Grundschule eingegangen. Leiterin der Ev. Grundschule wird Frau Frieda Müller, die vorher Konrektorin der Ev. Grundschule war.

1970 - In der zweiten Hälfte der sechziger Jahre steigt die Schülerzahl in den Grundschulen stark an. Außerdem werden die Unterstufen der Dorfschulen aufgelöst und nach Schüttorf und Quendorf umgeschult. Um die Beschulung der Grundschüler in Schüttorf sicherstellen zu können, erfolgt auf dem Süsteresch der Bau einer Grundschule für Schüler aller Bekenntnisse, die den Namen Grundschule Süsteresch führt (siehe: F11).

1980 - Nach der Versetzung von Frau Rektorin Müller in den Ruhestand wird der vorher in Ohne tätige Schulleiter Albert Klinge ihr Nachfolger (GN, 4.11.1980). Frau Frieda Müller stirbt am 15. Juli 2010 in Schüttorf im Alter von 92 Jahren.

1988 - Bereits nach acht Jahren muss Rektor Klinge krankheitshalber aus dem Schuldienst ausscheiden. Sein Nachfolger wird Fritz-Gerd Wehrmeyer.

2002 - Zugunsten der Opfer der Flutkatastrophe an der Elbe starten die Schüler eine Sponsorenaktion für die Erich-Wustmann-Grundschule in Bad Schandau im Kreis Pirna. Durch die Flut ist die Schule erheblich beschädigt. Sie hat das gesamte Kellergeschoss mit Essensausgabe und Speiseraum, Bibliothek, Wasch- und Lehrmittelraum sowie das erst vor zwei Jahren neu eingerichtete Lehrerzimmer verloren. Die Heizungsanlage ist defekt und alle Sportstätten in der Stadt sind nicht mehr nutzbar. Die Kinder haben sich Sponsoren gesucht, die wie bei der Aktion im Juni 2000 zugunsten der Opfer der Explosionskatastrophe in Enschede bei einer Wanderung für jeden zurückgelegten Kilometer Geld spenden. Für Bad Schandau werden 8.427 € eingenommen (GN, 26.9.2002).

2003 - Die Schüler der Klasse 4a leben und arbeiten einen Tag lang wie vor 70 Jahren im Moormuseum Groß-Hesepe. Sie müssen nicht nur Arbeitskleidung wie im Jahre 1930 anziehen, sondern auch alte Namen annehmen. In Gruppen aufgeteilt geht es an die Arbeit im Haus, im Stall und auf dem Feld. Außerdem gibt es viele Informationen über das Leben der Kinder im Jahre 1930. Hierüber erstellen die Kinder Berichte, die zum Teil in den "Grafschafter Nachrichten" veröffentlicht werden (GN, 13.11.2003).

2004 - Die Schüler der Klasse 3 b folgen einer Einladung des "Kinderparlaments Schüttorf", die sie eine Woche zuvor form- und fristgerecht bekommen haben.  Die Tagesordnung mit 11 Punkten ist beigefügt. Während der Sitzung im Rathaus werden u.a. folgende Tagesordnungspunkte behandelt:
- "Was soll in unserer Straße geändert werden?"
- "Was soll in der Schule geändert werden?"
Zu diesem Punkt schlagen die Kinder u.a. eine Klimaanlage für einzelne Klassen vor. Sie wollen an einem Sonnabend die Außenanlagen der Schule mit ihren Eltern gründlich säubern (GN, 9.7.2004).

2005 - Die ehemalige Kirchschul-Rektorin, Frau Frieda Müller, erinnert bei der Einschulungsfeier daran, dass sie vor 50 Jahren in der Kirchschule den "Zuckertütenbaum" eingeführt habe. Hieran wurden die Zuckertüten der Eltern befestigt, die am Einschulungstag dann an die "I-Männeken" verteilt wurden. Dieser Brauch hielt sich viele Jahre und wurde erst eingestellt, als die Zahl der Einzuschulenden zu groß wurde (GN, 26.8.2005).

2007 - Auf Beschluss des Schulträgers zieht die Kirchschule zum Schuljahrsbeginn 2007/08 in das Gebäude der ehemaligen OS in der Hermann-Schlikker-Straße um. Für die Renovierung des Gebäudes sind 130.000 € vorgesehen.
Im Mai findet im alten Schulgebäude ein großes Abschlussfest, die "Kirchspielsause", statt, an der alle ehemaligen Schüler teilnehmen können. Ganze Generationen, vom Opa bis zum Enkel, nutzen diese Gelegenheit. Es ist wie der Besuch in einem außergewöhnlichen Museum. Das über hundert Jahre alte Schulgebäude neben dem "Schüttorfer Riesen" mit seiner "würdigen" Eingangshalle und den hohen Klassenräumen bietet den idealen Rahmen für eine Reise in die Vergangenheit. Die besondere Aufmerksamkeit gilt dem historischen Klassenzimmer, das mit Originalmöbeln der Schule und Requisiten aus zahlreichen Schüttorfer Haushalten eingerichtet ist. Viele sind sich einig, dass dieser Klassenraum als Schulmuseum erhalten bleiben sollte.
Die Stadt Schüttorf steht vor der Entscheidung, ob sie das Schulgebäude und das Grundstück verkaufen oder es einer öffentlichen Nutzung zuführen soll, obwohl die alte Substanz sanierungsbedürftig ist (GN, 16.3., 18.4., 5.5. und 14.5.2007).

Mit dem Beginn des Schuljahres 2007/08 geht in Schüttorf eine Ära zu Ende. Mit dem Umzug der bisherigen "Kirchschüler" in ihr neues Domizil an der Hermann-Schlikker-Straße endet eine Schultradition, die mehrere Jahrhunderte zurückreicht: Vor fast 400 Jahren, im Jahre 1608 richtete Pastor Holstein an der Stelle östlich der Kirche ein dreiklassiges Schulgebäude ein. Eine Entscheidung über die Folgenutzung des 1899 erbauten Gebäudes steht noch aus (GN, 31.8.2007).

Kirchschul-Lehrer Georg Dreesmann demonstrierte im Sommer 2007 den zahlreichen Besuchern mit seiner zweiten Klasse, wie Schulunterricht in früheren Zeiten ablief.  (Foto: GBiU).

2008 – Als erste Schule in der Grafschaft Bentheim führt die Ev. Grundschule Schüttorf das Projekt „Bewegte Kinder – Schlaue Köpfe“ durch, dessen Ziel es ist, mehr Bewegung in den Unterricht zu integrieren, um die Lernmotivation der Schüler durch Bewegungselemente zu erhöhen. (GN, 9.4.2008)

Die Diskussion um die Folgenutzung des alten Gebäudes der ehemaligen Kirchschule im Stadtzentrum konzentriert sich zunehmend auf die Übernahme des im Besitz der Samtgemeinde befindlichen Gebäudes durch die Stadt Schüttorf und die öffentliche Nutzung als „Bürgerzentrum Alte Kirchschule.“ Eine Entscheidung über die Folgenutzung bleibt allerdings noch offen. (GN, 6.9.2008)

Die Ev. Grundschule Schüttorf feiert am 17.5.2008 ihr vierhundertjähriges Jubiläum. Nach dem Umzug der Schule vom Gebäude an der Kirche in ihr neues Domizil an der Hermann – Schlikker - Straße begeht die Schule ihr Jubiläum mit einem ersten „Tag der offenen Tür“ in ihren neuen Räumlichkeiten. (GN, 17.5.2008)

Am 2.11.2008 veranstalten Eltern, Lehrer und Schüler der Schule einen großen Flohmarkt mit dem Motto „Aus Alt mach Neu“. Sachspenden von Eltern, Großeltern und Schüttorfer Bürgern werden in der Schule von den Schülern und Lehrern als Flohmarktverkäufer angeboten. Der Flohmarkt ergibt einen Gewinn von 7000 Euro, der komplett dem Förderverein der Schule zur Verfügung gestellt wird. (GN 29.10.2008)

2009 – Der Förderverein der Schule investiert 25000 Euro in die Ausstattung der Schule mit Rücken schonenden Drehstühlen, die beim Projekt „Bewegte Schule“ vorgestellt worden waren. Die Stühle unterstützen den natürlichen Bewegungsdrang der Kinder und passen sich individuell an ihre Bewegungen und ihre Körpergröße an. (GN, 6.2.2009)

Am 8.11.2009 findet erneut ein großer Flohmarkt in der Schule statt, dessen Erlös wieder für den Förderverein der Schule und damit für die weitere Unterstützung des Projektes „Bewegte Kinder – Schlaue Köpfe“ eingesetzt werden soll. (GN, 3.11.2009)

2010 Folgenutzung des ehemaligen Kirchschulgebäudes
 Anlässlich einer  Bürgerbefragung zum Thema Folgenutzung des ehemaligen Kirchschulgebäudes spricht  sich Anfang des Jahres die Mehrheit der Befragten für den Erhalt des alten, zentral gelegenen Gebäudes aus. Auch im Bauausschuss der Stadt Schüttorf ergibt sich im September eine knappe Mehrheit für den Erhalt des Gebäudes und dessen Umbau zu einem Bürgerzentrum, das die Musikakademie, die Samtgemeindebücherei, das Schulmuseum und den „Pluspunkt“ mit seiner Touristeninformation aufnehmen soll. Eine endgültige Entscheidung über die Nutzung durch den Rat der Stadt steht allerdings noch aus. (GN, 20.2.2010 ; 15.9.2010)

Sanierungsmaßnahmen
Da die Schule vom Kultusministerium die Zusage erhalten hat, zum Schuljahr 2010/2011 den Ganztagsbetrieb aufnehmen zu können, wird im Sommer der westliche Gebäudetrakt der Schule durch eine neue Fassade, eine neue Dacheindeckung, neue Fenster und neue Heizkörper und Zuleitungen komplett saniert. Im Erdgeschoss werden ehemalige Klassenräume zu einem Freizeit- und Spielraum und zu einer Mensa mit Speisesaal, Vorrats – und Betriebsräumen sowie einer Menüausgabe umgebaut. Da die neuen Räume künftig auch von den Schülern der benachbarten Erich-Kästner-Schule genutzt werden, beteiligt sich der Landkreis an den Kosten für den Umbau. (GN, 7.6.2010 ; 22.7.2010)

Musical
In vier Aufführungen präsentieren Schülerinnen und Schüler der Schule das Musical „Die Zauberharfe“ im Theater der Obergrafschaft. (GN, 11.6.2010)

Ruhestand des Schulleiters
Am 22.6.2010  wird der Rektor Fritz Gerd Wehrmeyer nach 35jähriger Dienstzeit an der Schule, davon 22 Jahre Tätigkeit  als Schulleiter, in den Ruhestand verabschiedet. Die Leitung der Schule liegt zunächst kommissarisch in den Händen der Konrektorin, Frau Inge Hansmann. (GN, 24.6.2010)

ADAC Fahrradwettbewerb
Zum Schuljahresende veranstaltet der MSC Schüttorf an der Schule einen ADAC Fahrradwettbewerb. Auf Grund der intensiven Vorbereitung  des Wettbewerbs in den Klassen,  erzielen viele Schüler sehr gute Ergebnisse. (GN, 26.6.2010)

Tod der ehemaligen Schulleiterin
Am 15.7.2010 verstirbt die ehemalige Schulleiterin der ev. Grundschule, Frau Frieda Müller. Sie leitete die Schule vom 1.8.1967 bis zu ihrem Eintritt in den Ruhestand am 31.7.1979. (GN, 20.7.2010)

Ganztagsschule
Mit dem Beginn des Schuljahres 2010/2011 nimmt die ev. Grundschule Schüttorf ihre Arbeit als Ganztagsschule auf.

Flohmarkt
Am 31.10.2010 veranstaltet die Schule zum dritten Mal einen großen Flohmarkt, bei dem gespendete  Gegenstände zu Schnäppchenpreisen angeboten werden. Im Rahmen des Flohmarktes präsentiert die Schule erstmals ihre neu errichtete Mensa der Öffentlichkeit. Mit einem Reinerlös von 7037 Euro verzeichnet der Flohmarkt ein Rekordergebnis. Der Betrag geht an den Förderverein der Schule, der aus den Mitteln wieder Projekte an der Schule fördert. (GN, 27.10.2010; 8.11.2010)

Einweihung der neuen Mensa
Am 11.11.2010 feiert die Schule gemeinsam mit der Erich- Kästner- Schule die Einweihung der neuen Mensa mit einem offiziellen Festakt. Hervorgehoben wird in der Feierstunde insbesondere die gute Kooperation von Landkreis und Samtgemeinde Schüttorf anlässlich der Baumaßnahme. (GN, 15.11.2010)

Folgenutzung des ehemaligen Kirchschulgebäudes als Bürgerzentrum
Am 22.11.2010 beschließt der Rat der Stadt Schüttorf ein Konzept zur Folgenutzung des ehemaligen Kirchschulgebäudes als Bürgerzentrum. Im ersten Bauabschnitt soll der dreigeschossige Bau so weit umgebaut werden, dass die Samtgemeindebücherei, das Schulmuseum, die Musik-Akademie und der Stadtmarketingverein „Pluspunkt“ in dem neuen Zentrum angesiedelt werden können. (GN, 24.11.2010)

Neue Rektorin der Schule
Am 10.12.2010 wird die neue Rektorin der Schule, Frau Inge Hansmann, von der für die Schule zuständigen Dezernentin, Frau Pophanken, in ihr neues Amt eingeführt. Frau Hansmann leitet die Schule bereits seit Schuljahresbeginn. Sie ist seit 1988 an der Schule tätig und seit 1995 Konrektorin der Schule. (GN 13.12.2010)

2011- Nutzung des ehemaligen Kirchschulgebäudes
In den politischen Gremien bleibt die geplante
Zukunft des ehemaligen Kirchschulgebäudes weiterhin ein Zankapfel. Der Sinn der Investitionen in das alte Schulgebäude zwecks Einrichtung des vom Rat beschlossenen Bürgerzentrums wird von Kommunalpolitikern immer wieder in Frage gestellt. Andererseits werden der Heimatverein und das Familienservicebüro als weitere potentielle Mitnutzer des  Gebäudes vorgeschlagen. Im Haushalt der Stadt werden allerdings Mittel für einen ersten Bauabschnitt zur Umwandlung des Gebäudes bereitgestellt. (GN 11.3.2011; 1.4.2011; 28.5.2011)

Baumaßnahmen
Als interkommunales Projekt zusammen mit dem Landkreis Grafschaft Bentheim wird in den Sommerferien im neuen Gebäude der Ev. Grundschule an der Hermann - Schlikker Straße für 130000 Euro die
Heizkesselanlage erneuert. Die Anlage versorgt neben der evangelischen Grundschule auch die Erich –Kästner – Schule in Trägerschaft des Landkreises und das Theater der Obergrafschaft. (GN, 10.9.2011)

Wiedersehen nach 50 Jahren
Siebzehn ehemalige Schülerinnen und Schüler, die die Kirchschule im Jahr 1961 nach der achten Volksschulklasse verlassen haben, feiern ihr Jubiläum im Oktober mit einem Klassentreffen. Bei einer Kaffeetafel, einer Stadtführung, einer Unterrichtsstunde im Schüttorfer Schulmuseum und einem gemeinsamen Abendessen werden viele Erinnerungen ausgetauscht und aufgefrischt. (GN 27.10.2011)

Logo der evangelischen Grundschule
Nachdem das Schulgebäude an der Hermann – Schlikker – Straße und das Außengelände der Schule zunächst grundschulgerecht umgebaut und umgestaltet wurden, wurde am 28.9.2011 am Eingang der Schule ein großes Schild angebracht, das in Zusammenarbeit mit einer Werbeagentur entwickelt wurde. Im Schild enthalten sind auch die Elemente des neuen Logos der Schule, der Kirchturm und das alte Schulgebäude.  Diese Elemente machen deutlich, dass die Zusammenarbeit der Schule mit der evangelischen Kirche weiterhin eine große Bedeutung hat. Sie findet z.B. anhand regelmäßiger Gottesdienste statt, die von den Schülerinnen und Schülern in Zusammenarbeit mit Mitarbeitern der Kirchen, den Lehrern und Eltern gestaltet werden und zu denen auch die Öffentlichkeit immer wieder eingeladen ist. (GN – Vechteblick, 3.11.2011)


Quellen:

  • Werner Beyrau, Bericht über die Geschichte der Schule, 1962
    Da die Herrn Beyrau vorliegende Schulchronik erst mit dem Jahre 1935 beginnt und die alte Schulchronik in den Wirrnissen des 2. Weltkrieges verlorengegangen ist, dienen Herrn Beyrau als Unterlagen über die Zeit bis 1935 - neben persönlichen Informationen - folgende Quellen:
    1. A. Nöldeke, Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover. Regierungsbezirk Osnabrück, Selbstverlag der Provinzialverwaltung, 1919
    2. Brüning/Specht, Die Landkreise in Niedersachsen, Reihe D Band 9: Der Landkreis Grafschaft Bentheim, W. Dorn, Bremen, 1953
    3. Jahrbücher des Heimatvereins Bentheim 1953 -62
    4. H. Specht, Bentheimer Heimatbote Nr.3, 1937
    5. G. Schmidt, Heimatkundliches Lesebuch Pötter, Nordhorn, 2. Aufl. 1949
    6. W. Berge, Schüttorfer Sagen und Geschichten, 1950
    7. F. Scheurmann, Wappen und Siegel der Stadt Schüttorf, Bentheimer Heimatverein Nordhorn, 1940
    8. ders., Verwaltungsbericht der Stadt Schüttorf 1924 - 1942, Druck Kröner, Schüttorf
    9. ders., Das Gymnasium academicum Arnoldinum, Sonderdruck aus Jahrbuch 1958 des Heimatvereins
    10. L.Edel, Von der Lateinschule oder dem städtischen Gymnasium, Sonderdruck aus Jahrbuch 1961 des Heimatvereins

  • Berichte in deer Schüttorfer Zeitung von 1936

  • Hermann Thiesmeyer, Gerhard Schrader, Aus der Geschichte der Schüttorfer Schulen. In: 700 Jahre Stadtrechte Schüttorf 1295 - 1995, Das Bentheimer Land, Band 134, Seite  269

  • Rainer Harmsen, Schüttorf, im Internet unter: www.schuettorfer-ansichten.de

  • Rainer Harmsen, Die Lehrerfamilie Mülder in Schüttorf, Der Grafschafter Nr. 7, Juli 2005

  • Artikel aus der örtlichen Presse,  im Text angegeben