Grafschafter Schulgeschichte

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Volksschule Drievorden

Der Name Drievorden geht zurück auf das Adelsgeschlecht "von Drighvorden", das um 1100 genannt wird. Um 1250 gibt es zwei urkundlich genannte eigenhörige Höfe: Reinerink und Hofschulte. Bis zum Jahre 1767 war Drievorden ein Teil der Mark Emsbüren im Kreise Lingen. Nach langem Streit hier wie auch  in der Gegend von Engden, Wietmarschen und Lohne kam es zu schwierigen Verhandlungen und Vermessungen, bis die Entscheidung dann 1767 fiel, dass Drievorden zur Grafschaft Bentheim gehören sollte  (nach einem Artikel im Grafschafter Tagesspiegel vom März 1963:  "1767 kam Drievorden zur Grafschaft"). 1863/64 erfolgte die Markenteilung. 1880 bestanden 17 Höfe mit 18 Heuerlingen. Die Einwohnerzahl betrug  zu der Zeit 238. Die Einwohnerschaft ist von altersher katholisch und kirchlich zur Pfarre Emsbüren gehörig.

1700 - Das erste Schulhaus in Drievorden wird vor 1700 erbaut.

1740 - Das zweite Schulgebäude folgt zwischen 1740 und 1750. Es ist ein strohgedeckter Fachwerkbau. Der erste Lehrer in der Schule nach 1740 ist der Lehrer Johann Schlamann. Er stammt aus Drievorden und wird hier 1719 geboren. Er ist ein Sohn des Bauern Schlamann aus Drievorden und das siebte von 7 Kindern

1839 - Als weitere Lehrer vor 1839 werden genannt: Wilms aus Listrup, Voß aus Hesselte, Hopmann aus Drievorden. Die Lehrer erhielten einen sechswöchigen Reihetisch. 1839 wird ein festes Kosthaus eingerichtet. Dafür werden jährlich 30 Taler Kostgeld aufgebracht. Das Lehrergehalt beträgt zu dieser Zeit 1 Taler 10 Silbergroschen pro Kind, außerdem der Erlös von drei Schafen.

1847 - Das dritte Schulgebäude entsteht 1847.  Es besteht aus einem Klassenraum, dem Flur, einer Stube und einer Kammer für den Lehrer. Das Gebäude besitzt ein Dachreitertürmchen. Die Turmglocke besteht aus "Metallcomposition". Sie wiegt 66 1/2  Pfund.  Sie muss 1944 abgeliefert werden.

1868 - Durch die Markenteilung erhält die Schule Gartenland und 17 Morgen Feldgrund.

1890 - Das Lehrergehalt beträgt 750 Mark jährlich, dazu 75 Mark Mietentschädigung, da die "Schulstube" unbewohnt bleibt. Außerdem gibt es eine Vergütung für das Abhalten der sonntäglichen Christenlehre. 1895 steigt das Jahresgehalt auf 1000 Mark.

1897 - Eine Lehrerdienstwohnung wird angebaut.

1930 - Lehrer an der Schule Drievorden wird Bernhard Kirch.

1935 - Die Volksschule Drievorden war von jeher einklassig. Die Schülerzahl betrug ab 1880 zwischen 40 und 60 Schülern. Ab Ostern 1935  ist sie zweiklassig. Es wird eine Hilfslehrerin eingestellt.

1938 - Die höchsten Schülerzahlen werden in Drievorden in den Schuljahren 1938/39 und 1939/40 erreicht. In diesen beiden Schuljahren beträgt sie jeweils 69 Schüler, ungefähr gleichviel  Knaben und Mädchen (35 Knaben und 34 Mädchen). Danach wird die Schule wieder einklassig.

1939 - Das alte Schulgebäude wird im Frühjahr 1939 abgerissen. Während des Neubaus der Schule findet der Unterricht in einer Scheune des benachbarten Bauern Hermeling statt, die als  Klassenraum hergerichtet und mit Fenstern versehen wird. Der Schulneubau ist im Oktober 1939 abgeschlossen. Am 25.10.1939 wird zum ersten Male in der neuen Schule unterrichtet.

1949 - In Drievorden wohnen 68 Flüchtlinge mit 18 schulpflichtigen Kindern. Die Schülerzahl steigt über 60 an. Ab 1951 sinkt sie wieder unter 40 ab. Die Einwohnerzahl der Gemeinde sinkt vom 336 im Jahre 1950 auf  214 im Jahre 1961 ab.

 

Das Bild zeigt die Schule Drievorden, aufgenommen von Lehrer Kirch im Jahre 1952

1962 - Die Schule besuchen am 15.5.1962 insgesamt 36 Schüler.  Das 9. Schuljahr besuchen die Schüler in Emsbüren.

1963 - Lehrer Kirch  tritt  nach 33 Jahren an der Schule Drievorden  am 1.4.1963 in den Ruhestand.  Sein Nachfolger wird  Lehrer Josef  Sikorski, der  seinen Dienst am 17.4.1963  antritt.

1974 - Nach Abschulung der Oberstufe nach Emsbüren ist die Schülerzahl der Grundschule im Schuljahr 1973/74 auf 19 Schüler abgesunken. Da der Lehrer Josef Sikorski die Prüfung für das höhere Lehramt abgelegt hat und um Abordnung für den Vorbereitungsdienst in Nordrhein-Westfalen gebeten hat, beschließt der Rat der Gemeinde Drievorden am 18.1.1974 die Aufhebung der Grundschule Drievorden zum 1.8.1974, die mit Verfügung vom 25.3.1974 von der Bezirksregierung genehmigt wird. Nach Vereinigung der Gemeinden Engden und Drievorden zur Gemeinde Engden schlägt der Rat der Gemeinde Engden am 8. Juli 1974 vor, die Grundschüler aus Drievorden der Grundschule Engden zuzuordnen und die Jahrgänge 1 und 2 in Drievorden und die Jahrgänge 3 und 4 in Engden zu beschulen. Dies wird vom Landkreis Grafschaft Bentheim mit Schreiben vom 30.7.1974 unterstützt, von der Bezirksregierung jedoch nicht genehmigt.

Ab 1.8.1974 besuchen die Grundschüler aus Drievorden die Schule in Emsbüren. Damit endet die Geschichte der Schule in Drievorden nach etwa 275 Jahren.

Der Schützenverein kümmert sich danach um den Erhalt und die Pflege der früheren Schule. Im Zuge der Dorferneuerung wird sie 2002 mit einem Kostenvolumen von  81.700 € mit Unterstützung des Amtes für Agrarstruktur saniert. Es finden hier nicht nur die verschiedenen Aktivitäten des Schützenvereins statt, sondern auch viele Versammlungen, kirchliche Veranstaltungen und Ferienfreizeiten für Jugendgruppen. Außerdem tagt hier u.a. der Heimatverein und der Gemeinderat. Auch Familienfeiern können dort abgehalten werden. Somit ist die alte Schule ein wichtiger Treffpunkt für Drievorden geworden (GN,21.10.2002).

Quellen:

  •  Bernhard Kirch, Auszüge aus der Schulchronik, 1962

  •  Ortsfamilienbuch Emsbüren

  •  Schulchronik Drievorden

  •  Aussagen von Herrn Hans Kirch, Münster