Grafschafter Schulgeschichte

Zurück zur Startseite  l  Zurück zur Entwicklung des Schulwesens ins Schüttorf

Volksschule Wengsel

1694 - Nachdem in Schüttorf bereits seit 1608 eine deutsche Schule entstanden war, beantragen die Bauern aus Wengsel 1668 beim Kirchenrat in Schüttorf, in Wengsel eine Bauernschaft- oder Nebenschule zuzulassen und einen Lehrer einzustellen, weil der Weg in die Stadt für die kleineren Kinder zu weit ist. Die Genehmigung des Kirchenrates erfolgt im Jahre 1694.

Als Lehrer aus diesen ersten Jahren werden in den Schüttorfer Konsistorialprotokollen genannt:
- der Schulmeister Gerd Niesen, der am 22.1.1771 im Alter von 34 Jahren begraben wird,
- 1731 der Schulmeister und Heuermann Levert Fark, ein Sohn des Johann Farwick aus Niederlage (Neerlage), der 1776 im Alter von 33 Jahren  in Schüttorf begraben wird. (Die Angaben stammen von Frau Elke Bischop Stentenbach, Isterberg.)

1801 - Im Jahre 1801 nennt eine Urkunde den Schulmeister Evert Dirks, der 1767 in Wengsel geboren ist. Die Schulchronik der Volksschule Wengsel, die um 1900 mit einem Rückblick beginnt, berichtet, dass hier 1813 Herr Dirks die Kinder im Winter in einem Fachwerkbau, der nur einen Raum umfasste, unterrichtet. Herr Dirks ist von der Gemeinde angestellt. Er besitzt keine besondere Ausbildung, hat aber gute Schulkenntnisse.

1825 - Nachfolger  von Herrn Dirks, der "des Morgens vor der Schultür von einem Schlagflusse betroffen wurde", wird Lehrer Büscher aus Bentheim. Nach einigen Jahren wird er seines Amtes enthoben. Wegen Lehrermangels bleibt die Stelle dann für zwei Jahre unbesetzt. Während dieser Zeit betreut der Heuermann D. Dirks aus Wengsel im Winter die Kinder.

1834 - Ein Lehrer Math übernimmt die Schule.

1842 - Das Fachwerkgebäude, das an die Gemeinde Quendorf verkauft wird, wird durch einen Backsteinbau ersetzt. Die Größe beträgt 9 x 6 m. Die neue Schule im Mittelpunkt der Gemeinde hat nach Süden und Norden je zwei Fenster. Nördlich von der Schule liegt ein Spielplatz, der auch als Sportplatz benutzt wird.

1846 - Von 1846 an unterrichtet Lehrer Rallink aus Nordhorn, ab 1851  Lehrer Tüchter aus Suddendorf. Bis dahin beziehen alle Lehrer ein Jahresgehalt von etwa 90 Mark. Sie haben das Recht auf einen Reihetisch. Lehrer Tüchter erhält als erster Lehrer ein festes "Kosthaus". Er bezieht neben freier Kost, Wohnung, Licht und Feuerung ein Gehalt von 100 Mark jährlich

1853 - Auf Lehrer Tüchter folgen 1853 Lehrer Schnieders, ab 1855  Lehrer Dirks aus Wengsel und nach seinem plötzlichen Tode 1877 ab 1. Juni 1878 Lehrer Dahlenbrock aus Sieringhoek, bisher Lehrer in Hardingen.

1882 - Das Gehalt des Lehrers wird von 651 Mark auf 759 Mark, ab 1894 auf 1.000 Mark erhöht. Wohnung und Garten sind frei.

1885 - Bis 1885 war der Oberkirchenrat in Nordhorn die Schulbehörde für die Grafschaft Bentheim. Die Schulen waren dem Oberschulinspektor Fokke unterstellt. Nachdem der Oberkirchenrat als Schulbehörde eingegangen war, werden unter der Regierung zu Osnabrück zunächst Pastor Angerer aus Bentheim, dann ab 1886 Pastor Langen aus Nordhorn, ab 1889 Pastor Heeße aus Brandlecht und ab 1892 Pastor Oppen aus Gildehaus zu Kreisschulinspektoren ernannt.

1887 - Die Gemeinde baut das erste Lehrerhaus, das 6.000 Mark kostet. Es wird 1887 von Lehrer Bernd Dahlenbrock und seiner jungen Frau bezogen, die am 17.06.1887 heirateten.

1898 - Lehrer Dahlenbrock tritt in den Ruhestand. Der Schulamtsbewerber Peters aus Osnabrück übernimmt die Stelle. Er wird 1902 von Lehrer Wilhelm Menebröcker aus Hohenkörben abgelöst, der fast 28 Jahre in Wengsel verbleibt. Im gleichen Jahr erfolgt in Wengsel die Markenteilung. Die Schule erhält 25 a oder 1 Morgen Land.

1904 - Das Grundgehalt der Lehrerstelle wird auf 1.200 Mark und der Einheitssatz der Alterszulage auf 140 Mark erhöht.

1908 - Wengsel wird Eigenschulverband. Die Schulsteuern fallen fort. Die Schulkosten müssen als Kommunalkosten aufgebracht werden. Zum Schulvorstand gehören der Gemeindevorsteher, der Lehrer, ein Geistlicher der Kirchengemeinde Schüttorf und zwei zu wählende Gemeindemitglieder.

1909 - Das Lehrerbesoldungsgesetz tritt in Kraft. Das Diensteinkommen des Lehrers setzt sich zusammen aus dem Grundgehalt (1.400 Mark jährlich), den Alterszulagen (beginnend ab dem 7. Dienstjahr bis zu einem Höchstbetrag von 1.900 Mark) und der freien Wohnung. Nach 10 Jahren an einer einklassigen Volksschule erhält der Lehrer eine pensionsfähige Amtszulage von jährlich 100 Mark.

1914 -1918 - In den Jahren 1914/15 unterrichtet Lehrer Menebröcker zusätzlich am Nachmittag in Neerlage, teilweise auch 1916. Aus Wengsel leisten 73 Männer Kriegsdienst, davon fallen 17. Ab 1916 wird die Zwangswirtschaft eingeführt. Der Lehrer bemüht sich in der Bevölkerung um die Zeichnung von Kriegsanleihen und bezieht auch die Schuljugend mit ein. Die Schule erhält dafür das "Adamsche Reiterbild des Kaisers", der Lehrer das Verdienstkreuz für Kriegshilfe. Die Schuljugend entfaltet ab 1917 eine rege Sammeltätigkeit. Es werden gesammelt: Ähren, Wildfrüchte, Altmetalle, Altpapier, Knochen, Brennnesseln, Laubheu, Frauenhaare u. a. Leider ist die Abnahme nicht  befriedigend geregelt, so dass vieles verkommt.

1920 - Pastor Stockmann wird am 1. Januar 1920 nach etwa 20-jähriger Tätigkeit als Kreisschulinspektor abgelöst. In ganz Preußen wird die Fachaufsicht eingeführt. Rektor Südhof wird kommissarischer Kreisschulinspektor (später Schulrat genannt); es folgt zum 1. Juli Rektor Valentin aus Osnabrück. Im März erfolgt erstmalig die Wahl eines Elternbeirates.

1921 - Lehrer Menebröcker übernimmt auf Veranlassung der Regierung den Vorsitz im Schulvorstand.  Ostern 1921 steigt die Schülerzahl auf  76 an. Die Anstellung eines zweiten Lehrers wird jedoch vom Schulvorstand abgelehnt, weil zu erwarten sei, dass die Schülerzahl wieder unter 60 sinke, was sich auch bestätigt.

1923 - Nach der Besetzung des Ruhrgebietes durch die Franzosen besuchen im Sommerhalbjahr 7 Kinder aus dem Ruhrgebiet zur Erholung die hiesige Schule, anschließend bleiben noch 3 Schüler. Durch die Umstellung von der Goldmark auf die Papiermark tritt eine gewaltige Geldentwertung ein. Am 1. Dezember 1923 wird für 1 Billion Papiermark der Wert von 1 Rentenmark eingeführt.

1926 - Von 1924 bis 1926 wird für 12.000 Mark das Stromnetz im Dorf ausgebaut. Da die Gemeinde nicht das Geld aufbringen kann, wird die Jagdnutzung für sechs Jahre an den Fabrikanten van Delden aus Gronau verpachtet, der den Betrag sofort 1926 ausbezahlt.

1928 - Nachfolger von Schulrat Valentin, der den Schulaufsichtsbezirk Iburg-Melle-Wittlage übernimmt, wird Dr. Stuhlmacher aus Schneverdingen, Bezirk Lüneburg. Der Winter 1928/29 ist durch einen strengen Frost vom Dezember bis März gekennzeichnet. So zeigt das Thermometer im Februar morgens bis - 23 Grad an. Der Unterricht beginnt an den kalten Tagen erst um 9 Uhr. Die Bauern erleiden durch den Frost ungeheure Schäden am Erntegut und bei der Wintersaat.

1929 - Im Schuljahr 1929/30 besuchen nur 34 Schüler die Schule, die niedrigste Kinderzahl in den letzten 50 Jahren.

1930 - Nach 28-jähriger Dienstzeit tritt Lehrer Menebröcker auf seinen Wunsch am 1. Oktober 1930  in den Ruhestand. Lehrer Gerhard Busmann, der aus Samern stammt, das Lehrerseminar in Osnabrück besuchte und vorher in Emlichheim-Weusten und Waldseite tätig war, übernimmt die Stelle. Das Lehrerhaus wird gründlich renoviert.

1931 - Nachdem eine Regierungskommission an der Schule und am Lehrerhaus gravierende Mängel festgestellt hat, erfolgt eine gründliche Renovierung beider Gebäude. Die Reinigung der Klasse, die bisher zweimal wöchentlich erfolgte, wird jetzt täglich durchgeführt. Das Entgelt hierfür beträgt jährlich 115 Mark.

1932 - Der Zahnarzt C.-H. Conrad berichtet 1932 von einem Besuch der Schule Wengsel: "Bei meinen Schulbesichtigungen ist mir die Schule in Wengsel als weitaus schlechteste aufgefallen. Seit der Erbauung 1842 ist keine Erneuerung vorgenommen worden. Es ist ein Raum vorhanden, 7 x 5,5 x 3 m, in dem 41 Kinder in acht Jahrgängen unterrichtet werden. Die Wände der Schule sind dünn, die Grundmauer besteht aus Sandstein, der Raum ist nicht unterkellert, so daß er im Winter feucht und kalt ist. Der Fußboden ist aus alten Brettern und weist schadhafte Stellen auf. Der Klassenraum ist so klein, daß weder Tisch noch Schrank aufgestellt werden können, und Bilder und Karten in einer Ecke aufgestapelt sind. An der Schule besteht weder Trink- noch Waschgelegenheit" (aus: Unser Dorfbuch, zitiert nach: Elke Bischop Stentenbach, a.a.O.)

1933 - Am 21. März hören die Kinder auf der Diele der Lehrerwohnung die Übertragung der Reichstagseröffnung aus der Garnisonkirche in Potsdam.

1934 - Bei den Sammlungen für das Winterhilfswerk (WHW) beteiligen sich auch die Schüler. Die beiden besten Sammler werden mit einem Rundflug über Nordhorn belohnt. Die Schulchronik berichtet ausführlich über die Spendenfreudigkeit der Bevölkerung für das WHW mit Kartoffeln und Fleischwaren, auch in den folgenden Jahren. Durch eine Verordnung vom 24.10.1934 werden die Elternbeiräte aufgehoben; in allen Schulen werden Jugendwalter ernannt.

1935 - Infolge des feuchten, ungesunden Wetters erkranken viele Leute an Grippe. Im Februar muss die Schule auf Anordnung des Kreisarztes für eine Woche geschlossen werden, da die Hälfte der Kinder erkrankt ist. Für Nadelarbeit wird eine Nähmaschine beschafft, ferner werden zwei Fahnenstangen aufgestellt. Ab Dezember 1935 werden monatlich einmal Schmalfilme gezeigt. Aussage in der Schulchronik: "Der Schmalfilm ist bestimmt ein Stück der kommenden Schulreform". Vierteljährlich finden Pflicht-Tonbildvorführungen in Quendorf statt.

1936 - Jedes Kind wird angehalten, monatlich 1 Pfennig für den "Volksbund deutscher Kriegsgräberfürsorge" mitzubringen. Dadurch soll das Andenken an die Gefallenen des Weltkrieges bei den Kindern wach gehalten werden. 

1937 - Bei einer Besichtigung des Schulgebäudes und der Lehrerwohnung am 13. Oktober 1936 durch eine Regierungskommission wird die Notwendigkeit eines Schulneubaus und der Einbau einer neuen Lehrerwohnung festgestellt. Die alte Lehrerwohnung soll verkauft werden. Im November 1937 ist der Neubau bezugsfertig. Es enthält einen Klassenraum mit Gruppenraum und Flur sowie die Lehrerwohnung. Der neue Schulplatz wird von der Gemeinde planiert und aufgefahren. Die Gesamtkosten betragen 24.700 Mark.

1939 - 19455 - Im 1. Kriegsjahr 1939/40 wird Lehrer Busmann eingezogen. Den Unterricht übernehmen vertretungsweise Lehrer aus Bentheim. Am 14. September 1940 übernimmt Lehrer Busmann wieder den vollen Unterricht. "Zur Stärkung der Heimatfront" werden jeweils im Sommer Heilkräuter gesammelt, außerdem Altstoffsammlungen durchgeführt. Der Chronist berichtet ausführlich über die Verhältnisse in der Gemeinde während des Krieges, über die Gefallenen und die kriegerischen Ereignisse bis zum Zusammenbruch 1945. Ab Januar 1945 wird die Schule von 70 bis 80 russischen Kriegsgefangenen belegt, die beim Stellungsbau auf dem Isterberg eingesetzt sind. Ostern ist sie für zwei Tage Hauptverbandsplatz. Durch die Belegung leidet der Klassenraum, besonders der Fußboden und die Verdunklung, sehr stark. Auf Anordnung der Militärregierung darf im Sommer 1945 nicht unterrichtet werden. Die Grundschule wird am 29.8., die Hauptschule am 26.10. wieder eröffnet. Der Geschichtsunterricht darf zunächst noch nicht erteilt werden. Im Winterhalbjahr 1945/46 besuchen 10 Kinder aus Berlin, die im Rahmen der "Aktion Storch" nach Wengsel verschickt sind, die Schule Wengsel.

1946 - Die Schülerzahl steigt durch 10 Flüchtlingskinder aus Ostpreußen und Schlesien an. Ostern 1946 wird Englischunterricht eingeführt, an dem 11 Kinder freiwillig teilnehmen.

1949 - Die ziemlich beständige Schülerzahl von 45 bis 55 Kindern in den Jahren 1900 bis 1945 steigt 1949 wegen des Zuzugs von Flüchtlingen auf  74 an. Da nur 54 Plätze vorhanden sind, fehlt von den drei Stufen ständig eine Abteilung. Dadurch verringert sich die Stundenzahl. Ab Juni 1949 bis April 1951 wird eine zweite Lehrkraft eingestellt, zunächst Herr Rust aus Bentheim, dann Fräulein Friedel Metten aus Gildehaus (später nach ihrer Heirat: Friedel Ostermann). Ab 1951 ist die Schule mit 60 Schülern wieder einklassig. In den Sommerferien erhalten der Klassenraum und der Flur einen neuen Anstrich. Jedes Jahr macht die Oberstufe eine Ausflugsfahrt, 1949 in den Teutoburger Wald, dann nach Norderney, ins Sauerland, zur Weser, an den Rhein usw. Die Schulchronik enthält eine Aufstellung der Kriegstoten (22) und Vermissten (15) aus Wengsel.

1954 - Nach den Plänen von Schulrat Portheine wird die Schule "umgrünt". Die Schülerzahl ist immer weiter abgesunken und beträgt am 15.11.1954 nur noch 36 Kinder. Immer mehr Schüler gehen nach Klasse 4 oder 5 zur Mittelschule über. In den nächsten Jahren wird die Grundschule etwa 25 - 30 Kinder zählen, die Oberstufe wird kaum über 15 kommen.

1955 - Am 1. Oktober 1955 ist Lehrer Busmann 25 Jahre in Wengsel. Er erhält eine goldene Uhr mit Widmung. In den 25 Jahren hat sich in der Gemeinde manches geändert: 1937 Neubau der Schule und der Lehrerwohnung, nach 1945 großzügiger Straßenbau, Kultivierung und Entwässerung größerer Randgebiete am Syenvenn, Rückgang der Heuerlingsbetriebe von 11 auf 6. Die Neubautätigkeit leidet unter dem Mangel an Bauland, nur 7 Neubauten entstanden von 1930 bis 1955, hauptsächlich am Nordrande des Isterberges.

1956 - Die Schule erhält  als zweite einklassige Volksschule in der Grafschaft Bentheim (nach Hardingen) eine elektrische Heizung.

1957 - Die alte Schule, in der von 1842 bis 1937 Unterricht stattfand und die anschließend von einer Familie bewohnt wurde, wird abgerissen. Dadurch wird Platz für einen größeren Sportplatz geschaffen.

1960 - Lehrer Gerhard Busmann tritt in den Ruhestand. Er wird nach dreißigjähriger Tätigkeit in Wengsel von Schulrat Kollmann am 16. September  verabschiedet (GN, 20.9.1960). Am 1. Oktober 1960 tritt Lehrer Johann Brink den Dienst in Wengsel an. Er stammt aus Esche und war vorher Lehrer in Georgsdorf. Lehrerhaus, Klassen- und Gruppenraum werden renoviert bzw. erweitert. 1961 übernimmt Frau Brink mit 12 Wochenstunden den 1. und 2. Jahrgang.

 

Das Bild zeigt die Volksschule Wengsel im Jahre 1960 - Archiv H. Brink

1961 - Studenten der Pädagogischen Hochschulen Osnabrück und Münster absolvieren ab 1961 jedes Jahr an der Volksschule Wengsel ihr Landschulpraktikum und werden von Herrn Brink betreut.

Eine Klassenfahrt mit dem ersten Jugendherbergsaufenthalt von drei Tagen führt zur Nordseeinsel Juist. In der Schule wird eine Gemeindebücherei eingerichtet, die zum Jahresende 356 Bücher umfasst und von den Schülern und den Bewohnern gut in Anspruch genommen wird.

Zum Jahresabschluss werden die Eltern und andere Gäste durch Lieder, Gedichte und zwei Laienspiele erfreut. Der seit Januar aufgebaute Blockflötenchor stellt sich hierbei erstmalig der Öffentlichkeit vor. Auch in den folgenden Jahren finden solche Elternabende  statt, die immer viel Anklang finden.

1962 - In Wengsel wohnen 374 Einwohner; 1900 waren es 300. Die Schule besuchen 48 Schüler. Das 9. Schuljahr geht nach Schüttorf.

Durch die Erweiterung des Lern- und Lehrmittelbestandes ist neben dem Unterricht in der Grundschule auch die Arbeit in der Mittel- und Oberstufe vielseitiger geworden. Es wird im Laufe des Jahres eine komplette Phywe-Physiksammlung angeschafft. Auf dem Schulhof werden ein Klettergerüst und Sportgeräte aufgestellt, die sich in den Pausen und im Sportunterricht großer Beliebtheit erfreuen.

Das Bild zeigt die Vorderansicht der Volksschule Wengsel mit dem Eingang zur Lehrerwohnung - Bild: Archiv H. Brink

Im strengen Winter 1962/63 beschicken die Schüler mehrere Futterplätze bei der Schule und auf dem Isterberg mit Körnerfutter.

1964 - Lehrer und Schüler bauen mit Hilfe der Gemeinde ein 7 x 20 m großes Lehrschwimmbecken, das bei den Schülern in den Sommermonaten sehr viel  Anklang findet. Der Bau der Umkleideräume und der Einbau einer Umwälzpumpe werden im nächsten Jahr zum Abschluss gebracht. Hierüber berichtet die örtliche Presse ausführlich im August 1964.

 

Das Bild zeigt das Lehrschwimmbecken mit Kindern der Volksschule Wengsel - Bild: Archiv H. Brink

Auf dem Schulhof können die Kinder an den verschiedenen Sportgeräten (Leitern, Stangen, Kletterseil, Reck, Barren und Schwebebalken) turnen und  herumtollen. Eine von den eigenen Ersparnissen der Kinder angeschaffte Rutschbahn übt die größte Anziehungskraft aus. Quelle: Anna Leber, geb. Lindemann, Aus einem Bericht über mein studentisches Schulpraktikum 1968 in Wengsel, Jahrbuch 1968, Seite 184. Hier finden Sie auch den Text eines Liedes "Geschichten aus Wengsel" von Gisela Brink.

Bild: Archiv H. Brink

Die Überlegungen zur Einrichtung einer Mittelpunktschule zur Zentralisierung der Oberstufen im ländlichen Bereich bleiben ohne Ergebnis, weil sich die Landgemeinden Brandlecht, Hestrup, Neerlage, Wengsel und Quendorf nicht über den Standort der zu bauenden Zentralschule einigen können.

1965 - Die bisher längste und lehrreichste Klassenfahrt unternimmt die Oberstufe ins Frankenland mit einem sechstägigen Jugendherbergsaufenthalt in Wertheim.

Die Schüler der Oberstufe der Volksschule Wengsel verfassen eine umfangreiche Arbeit unter dem Titel "Unser Dorfbuch".  Sie ist in drei Teile gegliedert und enthält

  • 40 Geschichten über die Dorfgeschichte,

  • 15 Geschichten über unsere Heimat ringsum,

  • 15 Geschichten über unser Dorf heute.

Die Abschulung des 7. und 8. Jahrgangs zur Ev. Volksschule Schüttorf wird von den Wengseler Eltern abgelehnt. Sie hoffen immer noch auf eine ländliche Zentralschule.

1969 - Der Elternrat der Schule und der Gemeinderat stimmen jetzt für die Abschulung der Oberstufe mit den Jahrgängen 5 bis 8 zur Hauptschule Schüttorf. Ab August 1969 fahren 23 Schüler mit dem Schulbus täglich nach Schüttorf.

Lehrer Johann Brink wird von der Regierung als Hauptseminarleiter für die Ausbildung der Junglehrer in der Obergrafschaft  eingesetzt. Er wird dann Rektor im Ausbildungsdienst und ab 1977 stellvertretender Leiter des neu gebildeten Ausbildungsseminars Nordhorn. Frau Gisela Brink wird Schulleiterin der Grundschule Wengsel, die von 30 Kindern besucht wird.

1971 - Wegen einer Erkrankung von Frau Brink erfolgt für die Dauer von 9 Wochen Vertretungsunterricht von Quendorf und Schüttorf aus.

1973 - Die Gemeinderäte von Quendorf, Neerlage und Wengsel einigen sich nach längerer Diskussion darauf,  in Quendorf eine ländliche Grundschule für die drei Gemeinden auszubauen. Der Ausbau von zwei zusätzlichen Klassenräumen beginnt im Januar 1973 (GN, 24.1.1973). Die Umschulung der Schüler nach Quendorf erfolgt im August 1973. Die Einweihung der Schule, die als einzügige Grundschule nach der Verordnung zur regionalen Schulplanung gar nicht möglich ist, wird in den Grafschafter Nachrichten ausführlich gewürdigt.

Damit endet die Geschichte der Schule in Wengsel. Im Schulgebäude wird der Kinderspielkreis mit zwei Gruppen untergebracht. Die Lehrerin Gisela Brink geht zusammen mit ihren Schülern zur Grundschule Quendorf, später zur Grund- und Hauptschule Bad Bentheim.

Quellen:

  • Johann Brink, Auszüge aus der Schulchronik, 1962

  • Schulchronik der Volksschule Wengsel, 1900 bis 1973, aufbewahrt in Wengsel, von Herrn Brink zur Verfügung gestellt
    (Das Buch enthält auch ausführliche Darstellungen zur Geschichte der Gemeinde Wengsel in dieser Zeit.)

  • Anna Leber, geb. Lindemann, Aus einem Bericht über mein studentisches Schulpraktikum 1968 in Wengsel, Jahrbuch 1968, Seite 184

  • Elke Bischop Stentenbach, Wengsel im Wandel der Zeit,  IV. Abschnitt: Volksschule und Kinderspielkreis, Seite 81,  Isterberg 1997

  • Unser Dorfbuch, Eine Arbeit der Oberstufe der Volksschule Wengsel, 1965

  • Artikel aus der örtlichen Presse,  im Text angegeben