Grafschafter Schulgeschichte

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Volksschule Ohne

Nach der Schulchronik besteht die Schule seit "urvordenklichen Zeiten". Das Gründungsjahr ist nicht bekannt. Sie war ursprünglich eine reine Kirchspielschule. Neben Uelsen, Emlichheim, Veldhausen, Wilsum, Gildehaus, Brandlecht wird auch Ohne als "Küsterschule" oder Kirchspielschule genannt, die bald nach der Reformation in der Grafschaft Bentheim entstanden. 1

1720 - Der erste namentlich bekannte Lehrer ist Johann Pieter Sunders. Er kam aus der Tecklenburger Gegend und war von 1720 bis 1762 in Ohne tätig. Als Nachfolger wird sein Sohn eingesetzt, der von 1762 bis 1787 in Ohne wirkte. Eine Auflistung sämtlicher Schulleiter in Ohne befindet sich im Anhang.

1754 - Gleich nach dem großen Brand von 1754, der fast das ganze Dorf zerstört, wird die Küsterwohnung  wieder neu errichtet. Da die Lehrer in Ohne aber gleichzeitig Küster und Organisten waren, war die Küsterwohnung praktisch auch Lehrerwohnung. Die Inschrift über der Eingangstür lautet:

"Den 23. Mai durch Feuersbrunst bin ich geworfen darnieder. Nun stehe ich durch Gottes Gnade wieder hier. Gott behüte mich für Feuer und Brand, und segne mich mit voller Hand. Anno 1754, den 3. October".

Der Graf hatte dem Küster (und Lehrer) erlaubt, vom Kirchhof einen Garten abzustecken. 2

1826 - Am 29. Mai 1826 nimmt der Lehrer Johann Heinrich Bauer, der 1801 geboren wurde, seine Tätigkeit als Lehrer, Küster und Organist in Ohne auf. Sein Vorgänger war Lehrer Johann Veldmann, der Ende Februar 1826 nach Neuenhaus versetzt wird. Lehrer Bauer versieht seinen Dienst in Ohne bis zu seinem Tode am 9. Juli 1874, 48 Jahre lang. Von den Lehrern Veldmann und  Bauer heißt es später: "Alle Leute wissen noch seine Strenge und Tüchtigkeit zu rühmen".

1829 - Es wird ein neues Schulgebäude errichtet. Über den Standort des alten Schulgebäudes ist nichts bekannt. Es wird als Schuppen verkauft.

1833 - Bis 1833 besuchen alle Kinder aus dem Kirchspiel Ohne die Schule. In diesem Jahr werden der Samersche und Haddorfer Teil des Kirchspiels rechts der Vechte abgetrennt und den Schulen Samern und Haddorf zugewiesen, so dass die Schulgemeinde seitdem nur aus der politischen Gemeinde Ohne, den Eingesessenen Samerns links der Vechte - soweit sie zum Kirchspiel Ohne gehören - und den ev. Einwohnern Haddorfs links der Vechte besteht. Der weiteste Schulweg für die Schüler der Volksschule Ohne beträgt reichlich drei Kilometer.

Im Pfarrarchiv liegt eine Aufstellung des Lehrers Bauer, in der er nachweist, dass er durch Abtrennung von 19 Familien in Samern und 14 in Haddorf einen Gehaltsverlust von 37 Gulden und 9 Stübern erlitten habe.

1874 - Am 4. Oktober 1874 kommt der Lehrer Heinrich Johann Volkers nach Ohne. Er ist 1849 in Emlichheim geboren. Seine Ausbildung erhielt er an der Grafschafter Schullehrer-Vorbildungsanstalt in Neuenhaus, wo er 1866 die 1. Lehrerprüfung ablegte. Er war zuerst "Gehülfe" in Hilten, später Lehrer in Neuringe, Sieringhoek und einige Jahre bei Göttingen. In Ohne ist er als alleiniger Lehrer tätig. Die Schülerzahl liegt zwischen 90 und 110, maximal 112. Das Anfangsgehalt beträgt 275 Reichstaler, bis 1876 teilweise noch in Naturalien. Als Teilnehmer am Feldzug 1870/71 wird ihm die 2. Lehrerprüfung erlassen.

1876 - Zu Weihnachten 1876 brennt in der Schulstube von Ohne der erste Christbaum in einer Obergrafschafter Schule. Lehrer Volkers hat diese Sitte wohl aus der Göttinger Gegend mitgebracht. Durch das alljährlich wiederkehrende Beispiel in der Schule bürgert sich der Christbaum auch in den Privathäusern ein.

1879 - Lehrer Volkers sammelt in der Gemeinde von Haus zu Haus für ein Denkmal des Lehrers Bauer. Es steht auf dem Friedhof und trägt die Inschrift: "Ihrem treuen Lehrer - die dankbare Gemeinde  -  Die mit Tränen  säen, werden mit Freuden ernten.

1884 - Am 1. Januar 1884 werden auch die Ohner Katholiken, die bis dahin nach Schüttorf gehörten, unter  der Bedingung in die Schulgemeinde aufgenommen, dass sie die gleichen Lasten wie alle übrigen tragen.

1885 - Die erste Lehrerwohnung wird gebaut. Vorher gab es nur eine Küsterwohnung.

1888 - Als Mängel am Schulgebäude auftreten, werden sie in den Herbstferien 1888 gründlich beseitigt. Am 25.10. 1888 berichtet der Schulvorstand an das Landratsamt in Bentheim: "Das Schullokal ist in dem untadelichsten Zustand".

1904 - Als Mitbegründer des Lehrervereins der Obergrafschaft, Schriftführer und Vorsitzender hat Lehrer Volkers ein großes Ansehen erworben. Hierauf ist es zurückzuführen, dass die Regierung in Osnabrück und der Bentheimer Schulvorstand ihn Anfang 1904 zum Nachfolger des dortigen Hauptlehrers Vos berufen wollen. Volkers lehnt jedoch aus gesundheitlichen Gründen ab und bleibt in Ohne ,wo er sich in seiner bisher 30-jährigen Tätigkeit sehr wohl fühlt und beliebt ist und wo er auch seine Frau 1885 gefunden hat.

1908 - Der Schulzweckverband Samern-Suddendorf-Ohne wird gegründet.

1911 - Bisher war die Schule einklassig. Ab 1911 müssen zwei Klassen gebildet werden. Eine zweite Lehrerstelle wird eingerichtet; ein zweiter Klassenraum wird gebaut. Hinzu kommen ein Vorbau mit Garderobenhaken, ein Kellerraum für Brennmaterial und eine neue Bedürfnisanstalt. Gleichzeitig wird der Platz vor der Schule gepflastert.

1912 - Ostern 1912 bittet Lehrer Volkers nach 37 Jahren in Ohne mit zuletzt 108 Kindern um seine Versetzung in den Ruhestand. In der Lehrervereinskonferenz am 9.3.1912 wird der Kollege Volkers zum Ehrenmitglied ernannt. Seine letzte Eintragung in der Schulchronik lautet: "Ich schließe diese Aufzeichnungen mit dem innigen Wunsche, daß aus unserer Schule stets eine Jugend hervorgehen möge, die, durch Vorbild und Unterricht zur Gottesfurcht und Königstreue erzogen, ausgerüstet mit dem fürs Leben nötigen Wissen und den nötigen Fertigkeiten, der Gemeinde zur Ehre und dem Vaterlande zur Zierde gereicht." Er stirbt am 23. September 1937.

1922 - Der jüngste Sohn von Heinrich Johann VolkersJohann Volkers, kommt 1922 als Lehrer nach Ohne und übernimmt 1931 die Schulleitung, die er bis 1962 ausübt, von 1942 bis 1945 durch den Kriegsdienst unterbrochen.

1935 – 1943: Die Schülerzahl pro Schuljahr beträgt etwa 80 Schüler. Sie schwankt

zwischen 76 (1939) und 86 (1935).

 1944 – 1953: Durch Zuzug von Heimatvertriebenen steigt die Schülerzahl auf über 100 an. Sie differiert zwischen 94 Schülern im Jahr 1953 und 189 Schülern im

Jahr 1949 (davon 67 Heimatvertriebene).

1945 - In der Schulchronik fehlen die Seiten 1944 und 1945. Nach dem Kriege beginnt der Unterricht am 1. September 1945. Er findet zunächst 8 Wochen lang in einem Saal der Wirtschaft Kleve statt.

1949 - Von 1949 bis 1954 ist die Schule dreiklassig. Die höchste Schülerzahl beträgt im Schuljahr 1949/50  189 Schüler. Nach der vorliegenden Auflistung der Schülerzahlen von 1935 bis 1962 besuchten immer etwa 80 Schüler die Schule. Ab 1947 bis 1951 überstiegen die Schülerzahlen durchgehend die Zahl 150.

1951 -  Im Jahre 1951 wird ein neues Schulgebäude errichtet. Im Herbst 1952 wird eine Zentralheizung eingebaut.


Schulneubau Ohne 1951 - Bild: Landkreis Grafschaft Bentheim

1954 – 1968: Die Gesamtschülerzahl liegt jährlich bei etwa 80. Sie schwankt zwischen 76 im Jahr 1959 und 88 im Jahr 1965.
1962 -
Nachdem zum 1. April 1962 Herr Albert Klinge aus Emlichheim als Schulleiter nach Ohne gekommen ist, erfolgt am 18. Juni der Baubeginn einer neuen Lehrerdienstwohnung am Bentheimer Diek in der Nähe der Schule. Die Schüler des 9. Schuljahres werden nach Schüttorf abgeschult.

1966 – Die Schüler der Klassen 7 und 8 werden an die Mittelpunktschule in Schüttorf

abgeschult.

1968 – Die Schule gibt auch die Schüler der 5. und 6. Klassen nach Schüttorf ab. Sie

wird zu einer reinen Grundschule für die Jahrgänge 1 bis 4.

1969 – 1981: Nach Wegfall der Oberstufe sinkt die Schülerzahl zunächst unter 60 ab

(1969:55 Schüler), schwankt von 1971 bis 1977 zwischen 70 und 80 und

geht ab 1978 kontinuierlich zurück (1980/81: 23 Schüler).

Willy Friedrich schreibt hierzu: " Seit dem Jahre 1946 ist Heinrich Lamann Bürgermeister. Er hat inzwischen das Pensionsalter erreicht. Es waren nicht nur angenehme Dinge, die er während seiner langen Amtszeit erlebte. Ärgerlich wird Heinrich Lamann,wenn man mit ihm über Schulprobleme spricht. Ohne hat große Opfer für eine neue Schule gebracht. Nach und nach leeren sich jedoch die Klassenräume. Die Kinder werden abgeschult. Sie müssen die Strapazen dieser Schulpolitik auf sich nehmen, während die schönen Räume im Ort teilweise ungenutzt dastehen" 3

1978 - Die Erstklässler aus Ohne werden erstmals in die Grundschule auf dem Süsteresch in Schüttorf eingeschult

1980 - Der Schulleiter der Grundschule Ohne, Albert Klinge, wird Rektor der Ev. Grundschule (Kirchschule) in Schüttorf. Zusammen mit der Lehrerin Irene Bartker, die nach ihrer Versetzung von der Grundschule Suddendorf an die Grundschule auf dem Süsteresch nach Ohne teilabgeordnet ist, unterrichtet Herr Klinge ebenfalls im Rahmen einer Teilabordnung im Schuljahr 1980/81 ein viertes Schuljahr in Ohne.

1981 - Die Schule in Ohne wird mit Ende des Schuljahres 1980/81 aufgelöst. Die Grundschüler aus Ohne besuchen künftig die Grundschule auf dem Süsteresch in Schüttorf.

Das linke Bild zeigt die Schule im Jahre 1962, das rechte Bild den Wasserspender auf dem Schulflur.  Bilder - Archiv Heinz Ragnitz

Anhang:
Schulleiter der Schule Ohne
1720 - 1762:  Johann Pieter Sunders, aus der Tecklenburger Gegend
1762 - 1787:  Lehrer Sunders (Sohn des Johann Pieter Sunders)
1787 - 1795:  Wessel Stoltenkamp aus Ohne
1795 - 1805:  Bernd Floors aus Uelesen (er widmete sich seit 1805 "ganz dem Studieren")
1805 - 1814:  Bernd Werning aus Gildehaus
1814 - 1826:  Johann Veldmann aus Neuenhaus
1826 - 1874:  Lehrer Bauer aus Lage
1874 - 1912:  Heinrich Johann Volkers aus Emlichheim (vorgebildet am Institut in Neuenhaus)
1912 - 1931:  Lehrer G. Elberfeld aus Blumenthal
1931 - 1962:  Johann Volkers aus Ohne (mit Unterbrechung von 1942 -1945, in denen er durch Lehrer Haarmeier vertreten wurde)

1962 - 1981:  Lehrer Albert Klinge aus Emlichheim

Anmerkungen:

  • 1 Heinrich Eberhardt u. Jan Harm Kip; Einführung des reformierten Bekenntnisses in der Grafschaft Bentheim im Jahre 1588 und ihr Einfluss auf die Entwicklung des Volksschulwesens, in: Reformiertes Bekenntnis in der Grafschaft Bentheim 1588 - 1988,  Das Bentheimer Land, Band 114, 1988, Seite 216.

  • 2 Chronologisches Verzeichnis der Verordnungen und Urkunden, die Grafschaft Bentheim betreffend, Nummer 42, im Jahre 1544).

  • Der Grafschafter, Juli 1969, Seite 627.

 

Weitere Quellen:

  • Albert Klinge, Auszüge aus der Schulchronik, 1962 (1)

  • Wilhelm Hagerott, Die Ohner Schule und ihr Lehrer Heinrich Johann Volkers (1874 - 1912), Jahrbuch 1986, Seiten 171 - 176. (2)

  • Auskünfte der Lehrerin Sabine Zavodny, die im Schuljahr 1977/78 von der Grundschule Suddendorf an die Grundschule Ohne abgeordnet war. (3)

  • Auskünfte der Lehrerin Irene Bartker (ehemals Leiber), die von 1979 bis 1981 von der Grundschule auf dem Süsteresch an die Grundschule Ohne abgeordnet war. (4)

  • Schulakten der Volksschule Ohne; Fundstelle: Grundschule auf dem Süsteresch Schüttorf (5)