Grafschafter Schulgeschichte

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Volksschule Getelo

Anfangs gab es in der Gemeinde Getelo nur einige Bauernhöfen. Nach und nach entstanden in der Nähe der ältesten Höfe kleinere Köttereien. Diese wurden den verheirateten zweiten und dritten Söhnen, mitunter auch einer Tochter als Abfindungsteil vom väterlichen Erbe zuerkannt.

 Das Entstehungsjahr der Schule in Getelo ist unbekannt.

Um 1800 - Zu Beginn des 19. Jahrhunderts unterrichtet in Getelo ein Lehrer Kuiper. Ihm folgt der aus Haftenkamp stammende Lehrer Geerink. Danach wurde die Lehrerstelle dem Lehrer Bremmer aus Uelsen übertragen. In dieser Winterschule wird nur während der Zeit vom 1. November bis Ostern Unterricht erteilt, der in einer Bauernstube stattfindet.

1846 - Den Unterricht erteilt ein aus Getelo stammender Lehrer Goosmann. Er unterrichtet auch im Sommer. Unterrichtssprache ist holländisch. Erst 1850 geht man allmählich zur deutschen Sprache über. Der Lehrer erhält noch kein festes Gehalt. Jedes Kind muss wöchentlich einen Stüber Schulgeld zahlen. Der Lehrer hat auch Anrecht auf einen Reihetisch. Mehrere Kinder aus dem benachbarten Mander in Holland besuchen ebenfalls die Schule. Die Aufnahme der Kinder in die Schule erfolgt mit dem Tag des Eintritts in das 7. Lebensjahr.

1855 - Auf Lehrer Goosmann folgt J. H. Höllmann, der jedoch wegen Fallsucht seinen Dienst alsbald wieder quittieren muss. Daraufhin tritt Lehrer Wiegmink, gebürtig aus Ringe, seinen Dienst in Getelo an. Er erhält von der Gemeinde ein festes Gehalt von 60 Talern jährlich.

1856 - Da ein Unterrichten in einer Bauernstube nicht mehr zu vertreten ist, wird eine Schule von der Gemeinde gebaut, die erst 1927 durch eine neue ersetzt wird. Die Schule hat nur einen Klassenraum.  

1862 - In einem Anbau an die Schule wird die erste Lehrerwohnung mit zwei Zimmern errichtet.         

1874 - Lehrer Wiegmink wird als 2. Lehrer nach Uelsen berufen. An seine Stelle tritt J.W. Bossmann, der vorher ab 1870 in Halle tätig war und dort ein Gehalt von 140 Talern und freie Wohnung erhielt. Lehrer Bossmann bleibt 40 Jahre in Getelo bis 1914. Es ist nach Aussagen in der Schulchronik eine für die Gemeinde segensreiche Tätigkeit. Die Schule in Getelo besuchen etwa 40 Kinder. Die Aufnahme und die Entlassung nach 8 Jahren erfolgt jetzt immer Ostern. Während des Winters - von Michaelis bis Ostern - wird morgens von 9 - 12 Uhr und nachmittags von 2 - 4 Uhr unterrichtet. Im Sommer dagegen ist Halbtagsschule. Die Kinder der Ober- und Mittelstufe gehen von halb 7 bis halb 10 Uhr, die Kinder der Unterstufe von 10 bis 12 Uhr zur Schule.     

1884 - Das Lehrergehalt wird auf 750 Mark aufgestockt. Davon muss die Gemeinde 440 Mark aufbringen, während der Rest aus der Staatskasse gezahlt wird.      

1885 - Die zur Entlassung anstehenden Schüler werden erstmals vom Oberkirchenrat in Nordhorn geprüft.

1890 - Da sich in Getelomoor immer mehr Menschen ansiedeln, steigt die Schülerzahl der Schule Getelo auf 54 Kinder. Der Schulweg für die Kinder aus Getelomoor beträgt 3 - 5 km.  

1891 - Man führt deutsche Psalmen ein. Bis dahin sangen die Kinder in niederländischer Sprache.

1893 - In Getelomoor wird eine eigene Schule gebaut und mit einem eigenen Lehrer besetzt. Zum "Bildungsrückstand" in den abgelegenen Landgemeinden schreibt W. Friedrich: "Wenn man bedenkt, daß zum Beispiel in der Stadt Neuenhaus bereits unter dem Grafen Arnold II. im Jahre 1616 eine "Teutschschule" bestanden haben soll und dann noch eine "Lateinschule" eingerichtet wurde, die sich im Laufe der folgenden Jahrhunderte zu einer Rektor- und Realschule entwickelte, wird deutlich, wie groß der Bildungsrückstand in den verkehrsungünstig gelegenen Landgemeinden einst gewesen sein muss. Kein Wunder, dass die mit irdischen Reichtümern nicht allzu reichlich ausgestatteten Grenzbewohner willens waren, für die Schule etwas zu tun. Andererseits gab es auch viele Familien, die den Schulunterricht mehr oder weniger als "lästig" und "zeitraubend" empfanden. Sie brauchten ihre Jungen und Mädchen daheim auf dem Hof, bei der Ernte oder zum Hüten der Kühe auf den weiten morastigen Flächen an der Grenze."

1896 - Im Juli 1896 erfolgt der erste Schulausflug nach Frenswegen. Bis Neuenhaus fahren die Kinder mit Ackerwagen, dann bis zum Kloster Frenswegen mit der Kreisbahn - für alle Kinder das erste Mal. Die Fahrt macht einen ungeheuren Eindruck auf die Kinder.

1913 - Die Schülerzahl ist stark angestiegen und erreicht die Zahl 48. Zum ersten Mal findet in der Schule eine Weihnachtsfeier mit einem Weihnachtsbaum statt.        

1914 - Nach der Pensionierung von Lehrer Bossmann folgen in raschem Wechsel - bedingt durch die Kriegsverhältnisse - mehrere Lehrer, die jedoch gleichzeitig in Getelomoor vertreten müssen.       

1918 - Die Stelle wird dem Schulamtsbewerber Prieß aus Uelsen übertragen. Die Kinderzahl steigt auf 70, so dass kaum noch Platz in dem einzigen Klassenraum ist. Lehrer Prieß berichtet in der Schulchronik ausführlich über Getelo während des Krieges und in der Nachkriegszeit (siehe: Heinrich Eberhardt, Schule, Land und Leute der Samtgemeinde Uelsen im Spiegel der Schulchroniken, 1985, Seiten 127 - 129).    

1821 - In der Schule werden 32 Mädchen und 30 Jungen unterrichtet.  

1922 - Lehrer Prieß lässt sich beurlauben und zieht zum Besuch des staatlichen Instituts für Kirchen- und Schulmusik nach Berlin. Sein Vertreter wird Lehrer Heede aus Osnabrück, der die von seinem Vorgänger bewohnten beiden Zimmer des Anbaus bezieht und den wöchentlichen Reihetisch mit wöchentlichem Wechsel in Anspruch nimmt.    

1925 - Lehrer Heede tauscht mit Lehrer Heckmann aus Brandlecht die Lehrerstelle, der die neu eingerichtete Lehrerwohnung bezieht. Die Volkszählung im Juni 1925 ergibt für die Gemeinde Getelo 519 Einwohner.

1927 - Da das 1856 erbaute Schulhaus verfallen ist und sich ein Ausbessern nicht lohnt, wird es abgerissen und eine neue Schule gebaut, die 11 805,87 Mark kostet. In Hand- und Spanndienst führen die Gemeindeeinwohner die anfallenden Erdarbeiten selbst aus. Die Inneneinrichtung kostet 1270 Mark. Ein Junglehrer kommt nach Getelo, so dass erstmals 2 Lehrer an der Schule tätig sind. 

1932 - Lehrer Heckmann wird auf eigenen Wunsch in den Kreis Bersenbrück versetzt. Mit der Verwaltung der Lehrerstelle wird Lehramtsbewerber Brockfeld beauftragt.

1938 - Die Schule wird von 39 Kindern besucht. Da die Dienstwohnung von 1862 feucht und kalt ist und zu einer langen Erkrankung des Lehrers geführt hat, reicht Lehrer Brockfeld einen Versetzungsantrag ein. Der erforderliche Neubau einer Dienstwohnung unterbleibt jedoch. Wie in allen Orten der Grafschaft wird die ländliche Berufsschule eingeführt, die abwechselnd in Getelo und Getelomoor gemeinsam für alle Schulpflichtigen des Dorfes tagt.

1939/1941 - Lehrer Brockfeld berichtet in der Schulchronik ausführlich über die Tage des Kriegsausbruchs und die ersten Kriegsjahre (siehe: H. Eberhardt, a.a.O., Seiten 142 - 143). 

1945/1946 - Lehrer Brockfeld wird im Herbst 1945 nach Natrup-Hagen versetzt. Lehrer Hagmann kommt Anfang 1946 von Esche nach Getelo. Er berichtet in der Schulchronik über die letzten Kriegstage und die Nachkriegszeit in Getelo (siehe: H. Eberhardt, a.a.O., Seiten 144 - 145).

1948 - Infolge des Zuzugs von Flüchtlingen und der Verstärkung des Zollgrenzschutzes steigt die Schülerzahl auf fast 70 Kinder. An allen Schulen werden Elternvertretungen und Elternräte gewählt. Die nötigsten Lehrmittel wie Karten und Globus, die beim Einmarsch der Polen restlos vernichtet wurden, können nach der Währungsreform wieder beschafft werden.       

1952 - Der Neubau einer Lehrerdienstwohnung, der bereits vor dem 2. Weltkrieg geplant wurde und an der leidigen Bauplatzfrage und am Ausbruch des Krieges scheiterte, kann im April 1952 nach alter Sitte mit "Füüranböden" übergeben werden. 

1956 - Zwischen Halle-Hesingen und Getelo bestand schon seit Jahren ein Gastschulverhältnis. Die Kinder aus Hesingen besuchten die Schule in Getelo wegen der weiten Wege nach Halle. Im Schuljahr 1956/57 sind es 13 Schüler. Die Anregung des Schulrates, die Kinder nach Halle umzuschulen, da dort weniger Schüler als in Getelo beschult werden, wird jedoch von der Elternversammlung abgelehnt. Die Anregung des Schulrates, die Einrichtung einer 2. Lehrerstelle zu erwägen, da die Schülerzahl von 50 in den folgenden Jahren bis auf 70 ansteigen würde, wird vom Gemeinderat abgelehnt, da die zu erwartenden Kosten wegen des Stellenbeitrages, den die Gemeinde damals zahlen musste, zu hoch wären.

1957 - Lehrer Hagmann wird nach Hesepe versetzt. An seine Stelle tritt Lehrer Förster, der vorher in Getelomoor tätig war.
Der Bau einer neuen Schule rückt wieder in den Mittelpunkt der Überlegungen. Sie soll für die Kinder aller Ortsteile gelten und im geographischen Mittelpunkt des Dorfes entstehen. Später wird  lediglich an einen Erweiterungsbau der Geteloer Schule gedacht, der auch die Schüler des 5. - 8. Schuljahres aus Getelomoor aufnehmen soll. Dagegen protestieren die Eltern aus Getelomoor. Schließlich wird überlegt, eine ganz neue Schule im Ortsmittelpunkt zu bauen, in der die Unterstufe aus Getelo und die Oberstufe aus Getelo und Getelomoor untergebracht werden sollen. Für die neue Schule werden nach holländischen Vorbild ein Pultdach und eine gläserne Außenfront vorgesehen.

1959/1960 - Nach Beginn der Bauarbeiten im Juni 1959 wird die Schule am 29. August 1960 unter Beteiligung der ganzen Gemeinde und vieler Persönlichkeiten feierlich eingeweiht. Die Schule ist zweiklassig und wird ergänzt durch einen Gruppenraum, sanitäre Anlagen, eine Lehrerwohnung und die Garage. Sie ist als "Schule im Grünen" gestaltet worden (GN und GT, 31.8.1960). Die Bilder zeigen den Klassentrakt und den Flur der Schule.

 

Außen- und Innenansicht der 1960 erbauten neuen Schule von Getelo -

Bilder: Achiv Heinz Ragnitz

Es werden folgende Klassen gebildet: eine Grundschulklasse in Getelomoor und eine in Getelo in der alten Schule, 2 Klassen für die Oberstufe in der neuen Schule.  

1964 - Der Unterricht wird nur noch in der alten und der neuen Schule in Getelo abgehalten. Mit 124 Schülern ist die Schule dreizügig.     

1966 - Im Schuljahr 1966/67 wird zwischen Getelo und Getelomoor ein Zubringerbus der Bentheimer Eisenbahn eingesetzt.

1967 - Nachdem bereits 1962 das 8. Schuljahr nach Uelsen umgeschult worden war, folgen nun auch das 7. und 8. Schuljahr mit Zustimmung der Elternschaft. In späteren Jahren erfolgt dann auch die Abschulung des 5. und 6. Schuljahres mit der Begründung, die Kinder nicht vom Englischunterricht und der Förderung in Mathematik und anderen Fächern ausschließen zu wollen. Die Schule erhält den Namen "Grundschule Getelo". 

1975/1977 - Nach Einführung der Orientierungsstufe Uelsen 1973 wird von der Schulbehörde die Forderung erhoben, auch die Grundschule abzuschulen und die Schule Getelo aufzulösen. Als Begründung wird das Nds. Schulgesetz herangezogen, nach dem nur noch einzügig geführte Schulen aufzulösen sind. Herr Förster beantragt daraufhin seine vorzeitige Versetzung in den Ruhestand zum Ende des Schuljahres 1975/76. Die Auflösung der Schule wird jedoch von der Elternschaft, einer Gemeindeversammlung und vom Samtgemeinderat abgelehnt. Im Schuljahr 1976/77 wird Frau Sandkamp von der OS Uelsen abgeordnet und mit der Leitung der Grundschule Getelo beauftragt. Durch Beschluss des Verwaltungsgerichtes vom 23.7.1977 wird die Schule ab August 1977 aufgelöst. Die Schüler werden je nach Wohnlage nach Uelsen (aus Getelo) oder Itterbeck (aus Getelomoor) abgeschult.

Damit endet die fast 200jährige Geschichte der Schule Getelo.    

Quellen:

  • Herr Förster, Auszüge aus der Schulchronik, 1962

  • Willy Friedrich, Kleine Schulen müssen sterben, Blick in die Schulgeschichte der Gemeinde Getelo. In: Zwischen Burg und Bohrturm, Nr.7/1978

  • Heinrich Eberhardt, Schule, Land und Leute der Samtgemeinde Uelsen im Spiegel der Schulchroniken, 1985; Nr. 4.2.1  Getelo, Seiten 122 - 154

  • Artikel aus der örtlichen Presse, im Text angegeben